Die Verträge von Locarno sind sieben Vereinbarungen, welche in Locarno, Schweiz, vom 5. bis 16. Oktober 1925 verhandelt und am 1. Dezember in London unterzeichnet wurden. Sie traten am 10. September 1926 mit der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in Kraft.
Im Falle einer Verletzung des Vertrages sollten die Garantiemächte eingreifen. Ebenso wurde in einem Schiedsabkommen zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien vereinbart, dass Differenzen an den Völkerbund bzw. an die internationalen Gerichte verwiesen werden.
Deutschland schloss außerdem Schiedsverträge mit Polen und der Tschechoslowakei und verzichtete damit auf militärische Grenzänderungen. In Verträgen mit diesen beiden Staaten sicherte Frankreich ihnen Unterstützung bei einem Angriff zu.
Für Deutschland war der Vertrag vor allem wichtig, um seine internationale Isolation zu durchbrechen, die Revisionspolitik nicht zum Stillstand kommen zu lassen und eine Räumung des Rheinlandes zu erreichen. Stresemann war bereit, für diese Ziele auch formal auf Elsass-Lothringen und Eupen-Malmedy zu verzichten, das Rheinland entmilitarisiert zu lassen und sich im Fall von Grenzstreitigkeiten den Entscheidungen des Völkerbunds zu unterwerfen. Ein nicht unwichtiger Nebenaspekt war das 1921 geschlossene Militärbündnis zwischen Frankreich und Polen, das durch den Vertrag von Locarno entwertet wurde. Stresemann erläuterte diesen Zusammenhang am 28. Januar 1927 vor der Reichszentrale für Heimatdienst, die der heutigen Bundeszentrale für politische Bildung entspricht:
Aufgrund der zu geringen Zugeständnisse der "Feindmächte", die Vorleistungen Deutschlands und vor allem der Anerkennung der Westgrenze war die politische Rechte in Deutschland gegen die Verträge von Locarno, obwohl eine Revision zu diesem Zeitpunkt illusorisch war. Die DNVP zog sich deshalb aus der Regierung zurück. Am 27. November wurden die Verträge vom Reichstag angenommen. Die Regierungsparteien wurden dabei von der DDP und der SPD unterstützt, die Regierung hatte angekündigt nach der Vertragsunterzeichnung zurück zu treten, was sie am 5. Dezember tat. Die politische Linke war ebenfalls gegen die Verträge, da sie einen Bund Deutschlands mit den "kapitalistischen" Westmächten gegen die UdSSR befürchtete.
Die Locarno-Verträge wurden als das Fundament des verbesserten westeuropäischen diplomatischen Klimas der Periode 1924-30 betrachtet, obwohl die Spannungen mit Osteuropa andauerten. Der "Geist von Locarno" wurde in Deutschlands Aufnahme als ständiges Mitglied in den Völkerbund im September 1926, und in der Entmilitarisierung des Rheinlandes im Juni 1930 gesehen.
Für ihren Einsatz erhielten Gustav Stresemann und sein französischer Kollege Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis.
Die UdSSR beteiligte sich nicht an der Entspannung und wurde von den Westmächten isoliert. 1926 kam es zum Berliner Vertrag zwischen Deutschland und der UdSSR, der das Verteidigungsbündnis von Polen und der Tschechoslowakei mit Frankreich beeinträchtigte, da Deutschland bei einem Krieg zwischen einem der beiden ersten Staaten und der Sowjetunion französische Truppen nicht passieren lassen würde. Der Geist von Locarno überlebte die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nicht. 1936 verstieß Deutschland u.a. mit dem Entsenden von Truppen in das entmilitarisierte Rheinland gegen den Vertrag. Die "Völkerrechtslehre" der Nazis demontierte den Vertrag öffentlich, Fritz Berber gab zusammen mit Ribbentrop ein entsprechendes Buch heraus und ließ Walter Truckenbrodt in seiner Essener Verlagsanstalt eine Schrift in diesem Sinne drucken.
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