Definition
Verstärkung ist ein Begriff aus der
Verhaltensbiologie und der
Psychologie, speziell aus dem
Behaviorismus. Er beschreibt einen Prozess, bei dem die Folgen einer
Verhaltensweise dazu führen, dass sich die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erhöht. Ein Ereignis, das dem Verhalten unmittelbar folgt, ein
positiver Verstärker erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Verhaltens in einer gleichen oder ähnlichen Situation; auch ein
negativer Verstärker (oder, synonym, ein aversiver Reiz oder ein Strafreiz) erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit, wenn er als Folge des Verhaltens beendet oder vermieden wird, man spricht dann von negativer Verstärkung. Als
Bestrafung bezeichnet man den Vorgang, bei dem die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens sinkt, wenn auf dieses Verhalten ein negativer Verstärker folgt bzw. einsetzt. Zudem gibt es noch die
Extinktion, das Ausbleiben eines positiven Verstärkers, welches zu einer Abnahme der Verhaltenshäufigkeit führt. Die Konsequenzen eines Verhaltens wirken also auf das Verhalten zurück; der Fachbegriff für diese Form des Lernens lautet:
Operante Konditionierung.
Was macht aber einen Verstärker aus? Welche Eigenschaften muss ein Reiz besitzen, um als Verstärker zu dienen? Siehe Verstärker (Psychologie).
Positive Verstärkung
Man spricht von
positiver Verstärkung, wenn auf ein Verhalten ein Ereignis in der Umwelt des Organismus folgt und die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens daraufhin ansteigt. Das Ereignis in der Umwelt des Organismus wird als
positiver Verstärker bezeichnet. Was ein positiver Verstärker ist, kann nur an den Folgen, die er für die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens hat, erkannt werden.
Positive Verstärker sind somit nur formal definiert, nicht inhaltlich. Man kann strenggenommen nicht im Voraus sagen, ob ein bestimmtes Ereignis ein positiver Verstärker, ein negativer Verstärker oder irrelevant ist. Dennoch kann man begründete Vorannahmen machen: Ob ein Ereignis (z.B. eine Futtergabe) ein positiver Verstärker ist, hängt u.a. davon ab, ob der Organismus davon depriviert ist (
Deprivation), d.h. das Ereignis (z.B. der Futtergabe) längere Zeit nicht mehr eingetreten ist. Verstärker können primär (artspezifisch angeboren, z.B. Nahrung, angemessene Temperatur, Gelegenheit zu sexueller Aktivität) oder konditioniert sein (in der
Ontogenese erworben, bei Menschen z.B. Lob, Erfolg, Geld). Als umgangssprachliches Äquivalent zu "positiver Verstärker" wird oft "Belohnung" oder "angenehme Konsequenz" verwendet. Dies widerspricht jedoch der rein formalen Definition von "positiver Verstärker" nach
B. F. Skinner, da diese Begriffe Mutmaßungen über vermeintliche mentale Zustände des Organismus enthalten.
- Beispiel: Eine 24 Stunden ohne Futter gehaltene Ratte sitzt in einem Käfig mit einheitlich glatten Wänden, in dem sich als einziges abweichend gestaltetes Objekt ein kleiner beweglicher Hebel befindet und in dessen Nähe ein Ausgabeschacht für Futter angebracht ist. Wenn die Ratte diesen Hebel drückt, fallen automatisch einige Futterkörner in den Ausgabeschacht: Das Verhalten (= zufälliges Hebeldrücken) der hungrigen Ratte hat also (in Form der Futterausgabe) eine (für die Ratte) positive Konsequenz. Dies hat mittelfristig zur Folge, dass die Ratte sich häufiger als zuvor in der Nähe des Ausgabeschachts aufhalten wird und sich so auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Ratte erneut den Hebel drückt. Nach zwei oder drei Dutzend Hebeldrücken hat der Beobachter den Eindruck, dass die Ratte gezielt den Hebel drückt, um Futter zu bekommen. - Das Verhalten des Hebeldrückens wurde verstärkt, oder umgangssprachlich formuliert: Die Ratte hat "gelernt", wie sie sich Futter beschaffen kann. Der Verstärker war dabei das Ereignis der Futtergabe.
Diese kontingente Verstärkung wird auch als Dreifachkontingenz bezeichnet, da wie folgt gelernt wird: Bei Vorhandensein von Stimulus A folgt auf Reaktion B der Verstärker C. Die Organismen lernen somit, dass bei Vorliegen des Reizes A, nicht aber eines anderen Reizes, ihre Reaktion (ihr Verhalten) mit großer Wahrscheinlichkeit eine bestimmte - angenehme - Konsequenz seitens der Umwelt haben wird.
Negative Verstärkung
Eine Verstärkung kann auch darin bestehen, dass ein Ereignis in der Umwelt des Organismus vermieden oder beendet wird und die Rate des Verhaltens daraufhin ansteigt. Man spricht dann von
negativer Verstärkung.
- Beispiel: Ein Reitpferd wird zum Springen über ein Hindernis ausgebildet. Wenn es nicht hoch genug springt, stoßen die empfindlichen Füße schmerzhaft gegen das Hindernis; gelegentlich wird hierbei sogar "nachgeholfen": Beim sogenannten Barren erhalten die Tiere Schläge mit einem Stock gegen die Füße, die sie dann stärker an den Körper anziehen. Wenn die Tiere schließlich hoch genug springen, entfällt der Strafreiz.
- Beispiel: Ein Mensch dreht den Lautstärkeregler der Stereoanlage herunter, die Musik wird daraufhin leiser. Durch das Verhalten "Lautstärkeregler bedienen" wird ein aversiver Reiz (laute Musik) beendet. Wenn der Mensch diese Verhalten in Zukunft in ähnlichen Situationen (die Musik ist zu laut) häufiger zeigt, wurde dieses Verhalten negativ verstärkt.
Bestrafung
Als
Bestrafung (im verhaltenswissenschaftlichen Sinn) kann beispielsweise der Stromschlag bezeichnet werden, den ein Weidetier erhält, wenn es den Draht des elektrischen Weidezauns berührt (sofern das Tier das Verhalten "Berühren des Weidezauns" in Zukunft seltener zeigt; man spricht dann von einer "Bestrafung", wenn aufgrund einer Verhaltenskonsequenz die Rate dieses Verhaltens sinkt). Ein anderes Beispiel für Bestrafung ist das laute "Pfui!", wenn ein Hund etwas Unerlaubtes tut (sofern das Pfui ein konditionierter Strafreiz für den Hund ist).
Das Kontingenzschema
Holland und Skinner (1974) veranschaulichen die genannten Begriffe im sogenannten Kontingenzschema (S. 245):
|
| Darbietung
| Beseitigung
|
| Positiver Verstärker
| positive Verstärkung
| Bestrafung (durch Verlust)
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| Negativer Verstärker
| Bestrafung
| negative Verstärkung
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Literatur
Holland, J. & Skinner, B. (1974).
Analyse des Verhaltens. München: Urban & Schwarzenberg.
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