Verliebtheit oder auch Limerenz ist ein Gefühl der Hingezogenheit zu einer anderen Person, das nach einer gewissen Zeit abflauen kann oder in Liebe mündet. Ins Englische wird sich verlieben treffend mit to fall in love, wörtlich in Liebe fallen übersetzt.
Dagegen erscheinen Momente, in denen man nicht zusammen ist, häufig als schmerzhaft. Besonders verletzend gestaltet es sich dann, wenn die Zuneigung nicht erwidert wird. Für manche scheint dann eine Welt zusammenzubrechen, doch dieses Gefühl des Liebeskummers legt sich in der Regel nach einiger Zeit wieder.
Der Verliebte selbst projiziert seine Vorstellungen, Träume und Wünsche auf die Person seiner Begierde, wobei sie derart idealisiert wird, dass es der Realität nicht mehr entsprechen muss. Auch wenn die begehrte Person mitunter die Gefühle des Anderen nicht einmal bemerkt, kann sie trotzdem Opfer von Stalking werden.
Auffällig bei der Verliebtheit sind wenige durchgängig auftretende Phänomene, die erwähnenswert sind. So scheint sich eine emotionale Bindung zu dem Gegenüber aufzubauen, die je nach Individuum an Stärke variiert. Mitunter scheint das Gefühl so mächtig, so verzehrend, dass der Mensch glaubt, nur mit diesem einen Wunschpartner glücklich werden zu können. Fast immer erliegt der Verliebte der Täuschung, sein von ihm begehrter Wunschpartner empfände für ihn ähnliche Gefühle wie er selbst. Psychoanalytisch betrachtet hat sich eine psychische Abhängigkeit oder auch eine Hörigkeit eingestellt. Die Ursache für solche recht homogen auftretenden Ereignisse in der menschlichen Biographie sind nur unter dem psychopathologischem Gesichtspunkt (Liebeswahn) erforscht.
Hat man derartige Klippen erstmalig im Leben umschifft, stellt der Betroffene oft fest, dass sich derartige Phänomene im Leben wiederholen und dass man eigentlich schon öfter mit mehr schwärmerischer Intensität davon betroffen war. Nur in der akuten Phase stand dem Menschen der sonst ausgleichende Verstand nicht zur Verfügung, weil sich eine Realitätsverschiebung eingestellt hatte, die - in der Retrospektive betrachtet - mitunter skurrile Züge angenommen hatte.
Das Verlieben selbst ist nicht dazu angetan, eine Befriedigung zu erzielen. Es gleicht mehr einer hysterischen Aufgeregtheit unter Beteiligung aller Sinne, die zuweilen grelle und allzu laute Empfindungen liefern. Eigentlich gibt es nur zwei Wege diesem emotionalen Stress zu entkommen. Wenn man erkennt, dass das Liebeswerben nicht von Erfolg gekrönt sein wird, kann man sich gezwungen sehen sich seiner eigenen Verliebtheit zu entziehen. Tatsächlich ähnelt dann dieser Vorgang einem Entzug nach langer Drogenabhängigkeit mit allen bekannt schmerzhaften Symptomen, depressiven Stimmungsschwankungen und der immer wieder drohenden Gefahr eines Rückfalls.
Im Gesamtkomplex Verlieben und Liebe sind Veränderungen bei Neurotransmittern und Neurohormonen gefunden worden. Das Gehirn eines Verliebten unterliegt einer gesteigerten Produktion des Belohnungs-Neurotransmitters Dopamin, der den Verliebten in die Lage versetzt, einige Anstrengungen auf sich zu nehmen, auf Essen und Trinken zu verzichten und kaum Schmerzen zu empfinden. Auch Adrenalin (sorgt für die Aufregung) tritt verstärkt in Erscheinung. Hingegen sinkt der Serotoninspiegel (Glückshormon) stark ab und dieses ähnelt dem Zustand bei einem psychisch Kranken. Das alles trägt dazu bei, dass Verliebte sich zuweilen in einem Zustand fast völliger Unzurechnungsfähigkeit befinden, sich zu irrationalen Handlungen hinreissen lassen und Hemmschwellen abbauen. Das Hormon Oxytocin, das beim Sex vermehrt gebildet wird, aber auch bei der Geburt eine wichtige Funktion hat, scheint bei der Entwicklung von engen zwischenmenschlichen Bindungen eine Rolle zu spielen. Nach einiger Zeit (1 bis 3 Monate) gewöhnt sich das Gehirn an diese Veränderungen und beendet ganz allmählich den Rausch der Sinne. Wenn sich die Verliebtheit dann nicht weiterentwickelt hat, werden die so entstandenden Paarbeziehungen instabil.
Biologisch muss das Phänomen so gedeutet werden, dass es zur Vorbereitung auf den sexuellen Bestandteil des Lebens dient und mit einiger Sicherheit auch bei anderen Tierarten stattfindet. (Man denke an die "Kopflosigkeit" einiger heimischer Tierarten während der Brunstzeit.) Ethophysiologisch scheint es Bestandteil der umstrittenen "Black Box" im Zwischenhirn zu sein, die die vielfältigen Lebensäußerungen des Lebewesens auf neurale und neuroendokrine Art und Weise steuert. Entsprechend zu dem geringen Bewusstheitsanteil, dem diese archaischen Instanzen des Gehirns unterliegen, empfindet mitunter der betroffene Mensch, über den etwas gleichermaßen Unheimliches wie Schönes hereinbricht, dem er ausgeliefert scheint.
Dementsprechend macht sich die Verliebtheit in körperlichen Phänomenen bemerkbar, die alle dem vegetativen System zuzuordnen sind. So fühlen sich Betroffene anfangs oft fast krank, weil sie an Appetitlosigkeit, schweißigen Händen, rasendem Puls und teilweise auch an Schlaflosigkeit leiden. Die Gedanken des Verliebten kreisen fast ununterbrochen um die geliebte Person. Durch diesen Stresszustand, der anscheinend sogar das Immunsystem stärken soll, kann es auch kommen, dass die Betroffenen vorübergehend ebenfalls unter Verdauungsproblemen, wie Durchfall leiden. Obwohl dieser Zustand am Anfang eher beängstigend als erfreulich wirkt, wird, sobald sich herausstellt, dass die Verliebtheit auf Gegenseitigkeit beruht, das Ganze als sehr positive Erfahrung gewertet.
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