Als Verlagsherstellung, Buchherstellung oder kurz Herstellung
bezeichnet man in der Verlagswirtschaft zusammenfassend alle Schritte zur materiellen Produktion eines Verlagsproduktes. Im weiteren Sinne gehören auch Planung, Koordination und Kontrolle des Herstellungsprozesses dazu. Schließlich bezeichnet Herstellung eine Abteilung im Verlag.
Materielle Produktion
Die Verlagsherstellung umfasst fünf Abschnitte, die sich zum Teil wechselseitig beeinflussen:
- 1. Gestaltung
Zu Begin der Herstellung wird die
Ausstattung festgelegt, etwa
Buch- bzw.
Zeitungsformat,
Umfang, Farbigkeit,
Papier und
Einbandart. Anschließend entwickelt ein
Grafiker das Musterlayout, welches
Satzspiegel,
Rastersystem und
Typografie festlegt.
- 2. Vorbereitung des Manuskriptes für den Satz
Das
lektorierte Manuskript wird für den
Satz geprüft, zum Beispiel auf Vollständigkeit und inhaltliche Spezialfälle. Es werden Satzanweisungen erstellt und gestalterische Besonderheiten notiert.
Abbildungen werden gesichtet und ggfs. werden Scannen, Farbkorrektur und Retusche beauftragt.
- 3. Satz und Korrektur
Nach den Vorgaben des Musterlayoutes und der Satzanweisung wird das Buch – meist per
Desktop Publishing – gesetzt. Bilder werden – je nach Arbeitsstand – als Platzhalter,
Roh-Scan oder
Fein-Scan eingebunden. Anschließend erhalten
Autoren oder
Herausgeber,
Lektoren bzw.
Korrektoren einen
Umbruch zur Durchsicht. Die entstehenden
Korrekturen werden in den Satz eingearbeitet und ggfs. weitere Korrekturschritte veranlasst.
Abschließend werden aller Bilder in Druckauflösung eingebunden. Der Satz wird in Hinblick auf das Druckverfahren optimiert (z.B. Festlegung von Druckraster und Ausgabefarbprofil, Trapping) und geprüft. Das Ergebnis ist heute meist eine druckfähige PDF-Datei, z.B. nach PDF/X.
- 4. Druckvorstufe
Analoge Fotos und
Illustrationen werden
gescannt. Bilddaten werden
retuschiert,
freigestellt und beschnitten. Zur Beurteilung der Qualität der Abbildungen werden
Proofs (und in seltenen Fällen
Andrucke) erstellt und die Bilder ggfs. nachbearbeitet. Auch die
Filmbelichtung gehört zur Druckvorstufe, hat aber stark an Bedeutung verloren, weil Druckereien heute ihre Druckplatten oft per
Computer to Plate direkt aus den Daten belichten.
- 5. Druck und Bindung
Mit den druckfähigen Daten oder Filmen werden zunächst
Bogen (zu meist 8, 12, 16, 24 oder 32 Seiten)
montiert und dann mit einem fotochemischen Verfahren
Druckplatten hergestellt. Gedruckt wird meist im
Offsetdruck, bei hohen Auflagen auch im
Tiefdruck bzw. bei kleinen Auflagen auch im
Digitaldruck (bis hin zur Fertigung von einzelnen Exemplaren, siehe
Book on Demand). Farbiger Druck erfolgt meist nach dem
CMYK-Verfahren, so dass hier der vierfache Aufwand gegenüber dem reinen Schwarzdruck entsteht. An Hand der Proofs kann direkt an der Druckmaschine das Druckbild geprüft und korrigiert werden.
Die bedruckten Rohbogen werden gefalzt, gebunden, beschnitten und mit einem Einband versehen. Eventuell werden zum Schluss die nun fertigen Bücher, Hefte, Zeitschriften oder Zeitungen noch einzeln oder zu mehreren eingeschweißt bzw. in Papier eingeschlagen.
Planung, Koordination, Kontrolle
Da die einzelnen Bearbeitungsschritte der Herstellung teilweise voneinander abhängen und Verlage in der Regel Wirtschaftsunternehmen mit
Gewinnerzielungsabsicht sind, erfordert die materielle Herstellung eine kontinuierliche Begleitung durch Planung, Koordination und Kontrolle hinsichtlich der Kosten und der Terminerfüllung.
- Planung
Die
Kostenplanung umfasst im wesentlichen die herstellerische
Kalkulation. Dabei werden auf Grund von Erfahrungen und konkreten projektbezogenen
Angeboten die Kosten (in der Regel die verlagsexternen
Stückkosten) für die technische Herstellung eines Produktes geschätzt. Zusammen mit den Absatzerwartungen der
Marketingabteilung bilden diese Angaben die Grundlage für eine
Deckungsbeitragsrechnung.
Die Terminplanung ermittelt ausgehend vom geplanten Erscheinungstermin auf der Grundlage des Arbeitsaufwandes für die einzelnen Abschnitte der Herstellung Eckdaten für Manuskriptabgabe, Satzherstellung, Drucktermin usw.
- Koordination
Da bei der Herstellung verschiedene verlagsinterne und -externe Beteiligte mit den einzelnen Arbeitsschritten befasst sind, ist eine starke Koordination, besonders der Abläufe und Termine, notwendig. Abweichungen von der Kosten- und Terminplanung müssen ebenso wie Qualitätsprobleme frühzeitig erkannt und effizient kompensiert werden.
In manchen Verlagen ist die Herstellungsabteilung auch für die Lieferbarkeit der Backlist verantwortlich, d.h. sie löst selbstständig Nachauflagen aus.
- Kontrolle
Begleitend zum Herstellungsprozess werden laufend Qualität und Termintreue geprüft, etwa an Hand von Materialmustern,
Standbogen,
Proofs,
Andrucken oder
Aushängern. Nach der Produktion wird das fertige Produkt geprüft, ebenso die Kosten an Hand der Rechnungen der externen Dienstleister.
Herstellungsabteilung
Da Verlage häufig nicht selbst ihre Produkte gestalten und setzen sowie fast nie über eine eigene Druckerei oder Buchbinderei verfügen, ist die Hauptaufgabe der Herstellungsabteilung die Planung, Koordination und Kontrolle des Herstellungsprozesses. Hersteller vermitteln zwischen verlagsinternen Abteilungen und externen Dienstleistern und führen damit die einzelnen Dienstleistungen zum fertigen Produkt zusammen. Entsprechend sollten Hersteller über solide Kenntnisse in folgenden Bereichen verfügen:
Die meisten Hersteller sind Autodidakten, die aus dem grafischen Gewerbe (Grafikdesign, Satz, Druck) kommen und sich das notwendige weitere Wissen selbständig angeeignet haben. An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig gibt es einen gestalterisch-ökonomischen Studiengang Verlagsherstellung mit Abschluss als Dipl.-Ing. (FH). Die Akademie des Deutschen Buchhandels bietet regelmäßig kostenpflichtige Seminare zur Herstellungs-Themen an.
Literatur
- Herstellung. In: Erhard Schütz u.a. (Hrsg.): Das BuchMarktBuch. Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2005. ISBN 3-499-55672-3.
- Dietrich Kerlen: Lehrbuch der Buchverlagswirtschaft. Stuttgart: Dr. Ernst Hauswedell & Co., 2003. ISBN 3-7762-1002-8.
- Rainer Groothuis: Wie kommen die Bücher auf die Erde? Über Verleger und Autoren, Hersteller, Verkäufer und: das schöne Buch. Nebst einer kleinen Warenkunde. Köln: DuMont Buchverlag, 32002. ISBN 3-8321-3164-7
Weblinks
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