Die Verkaufspsychologie befasst sich mit den psychischen Abläufen von Wahrnehmung, Überzeugung und Motivation, dem Schaffen und gezielten Wecken von Emotionen, mit kundenspezifischer Sprachanwendung und Kommunikation im Verkaufsgespräch. Ihre Anwendung ist ein Kernelement der Verkaufstechnik und kann, je nach Grad individueller Wirtschaftsethik, auch Gegenstand gezielter Manipulationstechniken sein.
Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt im Verkaufsaußendienst und im hochwertigen Ladenverkauf.
Seit der Gründung eines experimentalpsychologischen Laboratoriums an der Universität Leipzig durch Wilhelm Wundt im Jahre 1879 hat sich die Psychologie von ihrer Ursprungsheimat, der Philosophie, gelöst und ist zu einer eigenständigen Disziplin mit vielen Teilbereichen geworden. Die Verkaufspsychologie korrespondiert in diesem Zusammenhang mit folgenden psychologischen Disziplinen:
Daneben integriert die Verkaufspsychologie insbesondere folgende Bereiche:
In der analytischen Perspektive stellt der Verkaufsvorgang sowohl den Austausch individueller Verkäufer- und Käufermerkmale als auch die soziale Interdependenz der Marktparteien dar. Über den Charakter der dyadischen Interaktion zwischen Käufer und Verkäufer schreibt Franklin B. Evans: „Der Verkauf ist eine soziale Situation, an der zwei Personen teilnehmen. Die Interaktion zwischen den beiden Personen hängt ihrerseits von den wirtschaftlichen, physischen und persönlichen Eigenschaften eines jedes einzelnen von ihnen ab. Um jedoch den Prozess zu verstehen, ist es notwendig, beide Parteien des Verkaufs als eine Dyade zu betrachten, und nicht jede einzeln. Insbesondere lautet die Hypothese: Der Verkauf ist ein Produkt der spezifischen dyadischen Interaktion eines gegebenen Verkäufers und eines potenziellen Kunden und nicht das Ergebnis der individuellen Eigenschaften eines jeden von ihnen für sich genommen.“
Das Hauptergebnis empirischer Untersuchungen von Evans lautet: Je ähnlicher Verkäufer und Kunde einander sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kauf zu Stande kommt. Gemessen wurde dabei die Ähnlichkeit in den Dimensionen Alter, Körpergröße, Einkommen, Religion, Erziehung, politische Einstellungen oder auch Rauchgewohnheiten. Bei näherer Betrachtung dieser Dimensionen kann festgestellt werden, dass nonverbale Merkmale - insbesondere Körpergröße und -geruch - für den Menschen Signalwirkung für den potenziellen Status und die Akzeptanz des Gegenüber haben. Dieses Wissen findet beispielsweise über das Streben nach Statussymbolen und aufmerksamer Körperpflege für Verkäufer seinen Niederschlag oder in der Auswahl sozial passender Typologien im Recruiting.
Ein erster Ansatz zur systematischen Gliederung eines Überzeugungsgespräches wurde 1898 von Elmo Lewis gefasst. Er entwickelte die so genannte AIDA-Modell als frühen Ansatz überzeugungsorientierter Kommunikation im Verkauf. Das Modell wurde von anderen Autoren erweitert. Die relativ neue Methodensammlung der NLP bietet dem Verkäufer weitaus differenziertere Werkzeuge, um dem einen Kunden beispielsweise Bilder zu vermitteln, während ein anderer mit kinästhetischen Erlebnissen versorgt wird (z.B. mit Mustern). Nicht blinder Aktionismus aus dem Handbuch und nach Leitfaden, sondern systematisch individualisierte Leistung entscheidet in transparenten Käufermärkten über Sympathie und Glaubwürdigkeit des Angebotes. Je nachdem wie empathisch der Verkäufer vorgeht, wird er sich dem Kunden also unter Berücksichtigung der modernen Verhaltensforschung und Wahrnehmungspsychologie in Abfolge und Gestaltung der Gesprächsführung anpassen und Diktion, Kundenprägung oder Kundenvorlieben bewusst zu nutzen versuchen.
Der Verkäufer versucht, anhand von verbalen oder nonverbalen Äußerungen des Kunden und seiner (Wohn- oder Arbeits-) Umgebung eine Zuordnung in die vorherrschende Bedürfnislage (siehe Bedürnispyramie) vorzunehmen. Hierzu sind beinahe alle Beobachtungen im Zusammenhang mit dem Kunden relevant. Hat der Verkäufer eine solche Zuordnung getroffen, kann er seine Argumente dem Charakter des Kunden anpassen. Interessant hierbei ist, dass es für jeden Sachinhalt auch eine entsprechende Möglichkeit zur Anpassung an die Bedürfnislage des Kunden gibt. Eine für Schulungszwecke bereits fertig ausgefüllte Beispieltabelle der wichtigsten Argumentationsformen in Verbindung mit verschiedenen Produkten und den wichtigsten Bedürfnislagen findet sich hier.
Auch bilden die Erkenntnisse einer subjektiven Wahrnehmung des Menschen das Fundament der Verkaufspychologie. Wie Immanuel Kant bereits bewiesen hat, ist neben dem Verstand auch die Anschauung Erkenntnisquelle. Und Sigmund Freud hat hinlänglich erarbeitet, dass nicht die Tatsache, sondern das Gefühl den Menschen lenken. Stellt man sich zudem der Tatsache, dass Wahrnehmung immer von äußeren Umständen, dem situativen Kontext, Stimmung, Intelligenz sowie persönlicher Prägung und Sozialisation abhängt (siehe: selektive Wahrnehmung), dann wird deutlich, welche Rolle die Verkaufspsychologie bei der Anpassung einer so genannten Realität an das subjektive Erleben des Rezipienten zu leisten hat.
Eine optimierte Wahrnehmung der Verkaufsversprechen hat beispielsweise zum Ziel, die Verkaufsunterlagen optisch so zu gestalten, dass wichtige Informationen direkt ins Auge fallen und Leistungseinschränkungen auf der Rückseite des Vertrages in kleiner Schrift oder im Fernsehbildschirm kaum lesbar und nur kurz aufzunehmen sind. In diesem Zusammenhang sind auch die Wirkungen von Bildern und Typografie auf die beiden Großhirnhälften bekannt. Die unterschiedliche Signalverarbeitung auf neuronaler Ebene (stark vereinfacht; die rechte Gehirnhälfte für Gefühle, Bilder, ganzheitliches Denken und die linke Gehirnhälfte für Zahlen, Daten, Sprache und analytisches Denken) hat der Verkaufspsychologie den Weg zu der Erkenntnis bereitet, dass Präsentationen ganzheitlich, d.h. mit Text- und Bildanteil zu zeigen sind. Aus der Gehirnforschung ist inzwischen auch die Bedeutung der Geruchswahrnehmung im zwischenmenschilchen Dialog bekannt und in die Verkaufspraxis eingegangen.
Aufgrund der unbewussten und nicht kontrollierbaren Wirkungen der einzelnen Elemente auf den Kunden, stellt sich hier häufig der Frage der Ethik im Zusammenhang mit dem bewussten Einsatz dieser Kenntnisse im Zusammenhang mit einem evolutionären Prinzip der Konkurrenz um die bessere Strategie sowie dem Grundbedürfnis des Menschen zur Dominanz begrenzter Ressourcen oder der Eroberung genetischer Eigenschaften anderer Gruppen (analog hierzu betriebswirtschaftlich: Patente, Methoden und technische Verfahren). Diese Möglichkeiten wurden seit jeher genutzt, um andere Sippen (Marktteilnehmer/Kundengruppen) zu täuschen und an begehrte Güter zu gelangen. Raumbeduftung, Körpergeruch, Temperatur aber auch Lichtfarbe im Verkaufsraum, der gezielte Einsatz von positiven Reizworten im Gespräch oder das Angebot haptischer Elemente des situativen Kontext finden daher ebenso Eingang in die Verkaufspsychologie wie die Aufmerksamkeitskurve der Lernpsychologie oder das Gruppenverhalten des Menschen aus der Sozialpsychologie.
Die meisten Verkäufer sind psychologisch nicht primär am Produkt bzw. dem Kundennutzen orientiert, sondern sekundär an der Belohnung für den Nutzen, der eigenen Vergütung und den damit zu erzielenden Statussymbolen bzw. eigenen Bedürfnissen sowie am Machtausbau. Die Freude am Umgang mit Menschen wird dazu genutzt, andere zu überzeugen und in Verbindung mit dem Marketing Bedürfnisse zu suggerieren. Hieraus entsteht das so genannte Hard selling, bei dem sehr starke Anlehnungen an populäre Kriegsstrategien und darwinistische Selektionsszenarien genommen werden. Erfolgreiche Verkäufer, so die landläufige Meinung dieser eher an eine Trieb-Theorie von Sigmund Freud angelehnten Werteordnung, schalten Wettbewerber aus und verdienen viel Geld (im Sinne einer Objektwegnahme).
Gestützt wird diese Beobachtung durch die Tatsache, dass Verkäufer sich in der Regel mit Geld, hochwertigen Reisen, Statussymbolen und ähnlichen Gütern sekundär motivieren lassen. Auf Kooperationsbestrebungen oder dem Wunsch nach gleichberechtigter Verhandlungsposition gehen sie daher nur insoweit ein, wie diese dem Wohl der eigenen Gruppe (Firma, Familie) dienen. Sehr erfolgreiche Verkäufer verlieren jedoch im Laufe ihrer Karriere durch die permanente Manipulation ihrer Umgebung privat eher an Halt und Glaubwürdigkeit und verlieren häufiger tragfähige Bindungen.
In einigen Unternehmen wird hingegen eine Vertriebskultur propagiert, die zu einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden, fairen und gewinnbringenden Abschluss führt. Solche Ansätze der Verhandlungstechnik basieren daher nicht auf Überreden-Taktik, sondern auf dem Ziel, zu überzeugen und dem Partner selbst nachhaltiges Wachstum zu verschaffen. In Anlehnung an die so genannte Delphinstrategie, das Harvard-Konzept oder das bekannte Win-Win-Prinzip werden hierbei die Ressourcen des Kunden und teilweise sogar des Wettbewerbes aktiv mit einbezogen. Unternehmen, die ihren Vertrieb auf diese Weise psychologisch motivieren, stellen in erster Linie Weiterbildung, soziale Aktivitäten im Team, Freizeit oder Teilzeitarbeit bei gesichertem Einkommen und hohe gestalterische Freiheiten im Arbeitsablauf (incl. der Aufforderung, Fehler zu machen und daraus zu lernen) in Aussicht. Betriebswirtschaftlich kann dieser Stil auch vorteilhaft sein, da das subjektive Wohlbefinden des Verkäufers dazu führt, dass er mit weniger Geld zufriedener ist als mit hohen Provisionsaussichten unter Druck.
Multinational erfolgreiche Konzerne zeigen allerdings, dass psychologisch und ökonomisch ausgefeilte Strategien zu Hegemoniebestrebungen führen, die wenig humanistisch ausgerichtet sind und selbst durch rechtsstaatliche Kontrollmechanismen kaum wirkungsvoll begrenzt werden können. Quasi-Monopolisten und Oligarchen beispielsweise im Bereich Lebensmitteldiscount, im EDV-Markt, dem Drogenanbau, der Pharma- oder Energieversorgungsunternehmen, also vor allem in Wirtschaftsbereichen, die geeignet sind Abhängigkeiten zu schaffen, haben über Lobbyisten dabei selbst oft Einfluss auf die gesetzgebende Gewalt.
| Appell an den Instinkt | Verbalbeispiel | Beispiel für nonverbal/situativ |
|---|---|---|
| Angst und Sicherheit | Es geht um Ihre Zukunft! | Stempel auf Unterlagen drucken. |
| Jäger und Sammler | Eine Figur findest Du in jedem 7. Ei! | Coupons auf die Verpackungen drucken. |
| Sex | Männer: Ihre Frau wird wissen, wie sie es Ihnen danken kann! Frauen: Dann klappt's auch mit dem Nachbarn... | Sexuell sehr attraktive Verkäufer(innen) oder Barbesuche. |
| Eitelkeit und Anerkennung | Sie als Profi wissen doch... | Werbegeschenke überreichen. |
| Mitgefühl und Sozialverhalten | Tun Sie etwas gegen die Not! | Familienszenen zeigen. |
| Spieltrieb | Testwochen vom ... bis... | Konsolenaufbau im Laden anbieten. |
Die bekannteste nonverbale Strategie ist hier die Wahl des Verhandlungsortes: Wer kommt zu wem? Hier wird extrem deutlich, wer etwas vom anderen möchte und in das Revier des Verhandlungspartners eintreten muss. Die Spannweite reicht dabei von der Wahl des Ortes und der Zeit bis hin zur Einrichtung, Beleuchtung und Bewirtung der Gesprächspartner. Lässt sich ein solches Revierverhalten nicht zum eigenen Vorteil arrangieren, wird häufig versucht, den Verhandlungspartner in die Defensive zu bringen, indem man ihn in seinen Privaträumen aufsucht, um eine persönliche Atmosphäre der Vertrautheit aufzubauen und das Sicherheitsgefühl des Hausherren (der Hausfrau) in ihren eigenen vier Wänden zu nutzen.
Eine ähnliche Strategie hat zum Ziel, dass externe Verbündete die Grundvoraussetzungen der Verhandlung ändern. Dies kann im Vorfeld durch eigene Mitgliedschaft in politischen Gremien (gesetzgebende Gewalt), durch Kooperation und Fusion im Markt oder durch Einflussnahme auf Kundenwünsche geschehen. Die derart in die Defensive gebrachte Verhandlungspartei wird ihrerseits ebenfalls Verbündete suchen müssen, um ihren Status zu verbessern.
Die bekannten Verbalstrategien finden sich häufig in der Verwendung so genannter direktiver Kommunikationsmethoden. Hierunter fallen folgende Sprachmodelle (Reihenfolge nach Grad der Beeinflussung und Verengung der Wahlmöglichkeiten für den Verhandlungspartner):
Der nächstzwingendere Schritt ist die Vorführung, also die Demonstration der Ware oder das Schaffen von Tatsachen im Verkauf.
Schließlich ist die Übernahme eines Wettbewerbers gegenüber den potenziellen Endkunden die direktivste Form des Verkaufs, da diese hier übernommen werden. Sie müssen dadurch nicht mehr langwierig überzeugt werden (siehe Wirtschaftskrieg und Feindliche Übernahme).
Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) führt grundlegende Bestimmungen zu Werbeaussagen aus und stellt die Basis der Aussagebeschränkungen in Deutschland dar. Es beginnt in § 1 UWG mit der Definition des gesetzlichen Schutzzwecks. Danach sollen Mitbewerber, Verbraucher und sonstige Marktteilnehmer vor unlauterem Wettbewerb geschützt werden und dabei dem Interesse der Allgemeinheit an unverfälschtem Wettbewerb Rechnung getragen werden. Dem schließt sich in § 2 UWG ein Katalog von Definitionen an, von denen die der Wettbewerbshandlung als „jeder Handlung mit dem Ziel der Förderung des eigenen oder fremden Absatzes oder Bezugs von Waren oder Dienstleistungen“ besondere Hervorhebung verdient. In § 3 UWG findet sich dann eine neue Generalklausel, die nicht mehr auf die guten Sitten im Wettbewerb abstellt, sondern schlicht jede unlautere Wettbewerbshandlung verbietet. Welche Wettbewerbshandlungen unlauter sind, ist beispielhaft in den dann folgenden Vorschriften geregelt.
Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) werden so genannte „Haustürgeschäfte“ (§ 312) unter besonderen Schutz gestellt (siehe weiter unten: Dominanzstrategien). Dem Kunden wird aufgrund der überraschenden Situation aufgrund des Verhandlungsortes bei Haustürgeschäften als „besonderer Vertriebsform“ eine Rücktrittsfrist von 14 Tagen eingeräumt. Auch diese Schutzbestimmung belegt die Gefahr psychologisch ausgefeilter Verkaufsgespräche für den Kunden und wird, wie auch alle anderen Beschränkungen, nicht durch die Argumentation für neue Arbeitsplätze und dem Wettbewerb des stärksten Verkäufers entkräftet.
Andere Bestimmungen im BGB, wie z.B. zum Verbraucherdarlehnsvertrag (§§ 491-507), zur sog. Schlechtleistung (im wesentlichen § 323 und 280, 281) oder zum sog. Treu und Glauben (§ 242) schützen den Kunden ebenfalls vor überhöhten Verkaufsversprechen oder Überrumpelung (also hoher Abschlussstärke) des Verkäufers.
Bestimmte Berufsgruppen unterliegen darüber hinaus zusätzlich Werbebeschränkungen. Sinn und Zweck dieser Bestimmungen, welche in den jeweiligen Standesverordnungen der Bundesländer verankert sind, dass Menschen nicht bei lebenswichtigen Entscheidungen mit aufdringlicher, umsatzorientierter und psychologisch wirkender Werbung beeinflusst werden. Es verstösst gegen diese Standesordnungen, wenn z.B. ein Arzt potentiellen Patienten in der Zeitung Heilung verspricht oder wenn ein Steuerberater damit wirbt, den Staat übervorteilen zu können. Einem generellen Werbeverbot unterliegen diese Berufsgruppen jedoch inzwischen nicht mehr. Sachliche Werbung, wie z.B. eine rational informative Homepage oder das Inserat in der Tageszeitung mit der Angabe von Schwerpunkttätigkeiten oder Parkplatzhinweisen ist zulässig. Irreführende, unsachliche und reißerische Werbung ist verboten. Erfasst sind im Wesentlichen:
Siehe hierzu Ladenverkauf
Siehe hierzu Internetverkauf
Siehe hierzu Verkaufsgespräch
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