Direkte Anrede --Joystick 18:37, 29. Apr 2006 (CEST)
Vergesslichkeit ist normal. Auch wenn es zunächst unlogisch klingt: Das Gedächtnis (in unserem Gehirn) funktioniert nur, wenn es Vergesslichkeit gibt.
Allerdings kann sie auch Symptom(Anzeichen), eine Vorstufe krankhaften Intelligenzabbaus (einem Alterssyndrom) der Demenz sein. Als Symptom gilt sie erst bei einer länger als 6 Monate anhaltenden veränderten und auch für Dritte beobachtbaren Gedächtnisleistung. Und nicht, wenn immer mal wieder "Kleinigkeiten" wie ein Paßwort, ein Termin oder ein Einkauf entfallen.
Lurija und Vester wiesen ziemlich als Erste darauf hin: Könnte das Gehirn nicht, relativ automatisch, etwas vergessen, müßte dort jede Wahrnehmung verarbeitet werden. Und zwar lebenslang, dauerhaft. Jede Reaktion auf einen Reiz erfordert zuerst einen Vergleich des Neuen mit früheren Reizen, ob tatsächlich etwas neu ist - etc. Die notwendige Zahl der Neuronen-Verknüpfungen würde schnell in unvorstellbare Größenordnungen anwachsen. Weit über die Kapazität der relativ vielen Gehirnzellen hinaus. Diese neuronale Arbeit wird durch Vergesslichkeit "gespart" und damit Gehirnleistungskapazität für unbewusste (z. B. Reflexe) und bewusste Denkprozesse bereit gestellt.
Aus allen drei Speicherarten (einem wichtigen Modell der Neurowissenschaft) des Gehirns gibt es stets auch einen Ausweg für "überflüssige" Informationen in den Papierkorb der Vergesslichkeit: Sensorischer Speicher (Eingangsfilter), Arbeitsgedächtnis (früher Kurzzeitgedächtnis genannt), Langzeitgedächtnis können vergessen.
Allerdings können wir nicht willentlich etwas vergessen. Durch das Denken daran werden die entsprechenden Neuronen-Verbindungen aktiviert und es tritt genau das Gegenteil ein. Der Beitrag der Psychoanalyse zur Verdrängung widerspricht dem nicht.
Sozialpsychologisch ist der Ansatz von Welzer u. a. recht gut fundiert, der sagt, dass nicht die Realität sondern die wiederholte Bearbeitung von Erinnerungen unseren Eindruck von der Wirklichkeit stets neu schafft. Erwünschtes (individuell oder sozial) wird so teilweise zur Erklärung von Vergessen oder Behalten.
Wieweit eine kumulative Wirkung verschiedener Ursachen vorliegt, ist nicht erforscht. Weder auf der Individualebene noch allgemein.
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"Vergesslichkeit".
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