Verführung bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch eine Person so zu "manipulieren", dass sie etwas tut, was sie eigentlich nicht wollte (z.B. etwas kaufen etc.). Im Speziellen bedeutet Verführung eine Form der gewaltfreien Überwindung von Widerständen zum Erreichen sexueller Befriedigung, z.B. durch das Herstellen einer erotischen Atmosphäre.
Der charismatische Charakter vermag durch seine Begeisterungsfähigkeit andere Menschen für sich und seine Ziele zu vereinnahmen. Diese Fähigkeit wird und wurde gebraucht, um seinen Mitmenschen zu helfen, wie es Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi getan haben. Allerdings wurden auch Diktaturen durch charismatische Personen geschaffen, z.B. Adolf Hitler und Benito Mussolini.
Ein weiterer Bereich der Verführung ist das private Leben. Hier lässt sich praktisch lernen und üben, was dann in den weiteren Kreisen des Lebens Anwendung finden kann. Bei Beziehungen kann die Verführung die Neubildung einer Beziehung zweier Menschen sein, die zur Liebesbeziehung (auch Fremdgehen oder Liebesaffäre) führt. Eine Verführung kann auch bedeuten, einen Geschlechtspartner zur Kopulation zu verleiten. Es gibt wohl keinen Bereich des Lebens, in dem nicht auch die Verführungskunst zur Anwendung kommt.
Auch hier findet sich der negative Bruder der Verführung, nämlich die Manipulation. Mittels bestimmter Techniken können Menschen von Dingen oder Vorstellungen (zumindest zeitweise) begeistert werden, die für sie weder gut noch objektiv nachvollziehbar sind.
Aus Sicht der Persuasionstheorie können wir den Begriff der Verführung (besser: Seduktion) als eine spezielle Art der Persuasion bzw. als eine besonderes Persuasionssetting (Persuasion unter bes. Rahmenbedingungen) betrachten. Die Persuasionsleistung besteht darin, daß der Sender (der rhetorische Terminus Technicus lautet: Orator) den Adressaten von einem mentalen Zustand a) in einen Zustand b) bringt und zwar durch das Ausagieren von - verbalen o. nonverbalen - Texten (z.B: Redetexte, Schrifttexte, Bildtexte usw.). Im Fall der Verführung/Seduktion gilt es den Rezipienten vom Zustand des a)"nicht-verliebt-seins" in den des b) "verliebt-seins" zu bringen. Diese Zustandsänderung bezeichnen wir als Wechsel (Metabolie), den Affekt des "verliebt-seins" als Amor-Affekt. Hierbei muss der Amor-Affekt natürlich gerichtet sein und zwar auf den Sender (Orator).
Strategie der Amor-Affekt-Implementierung:
Um unser Ziel (giechisch: Telos) - die Implementierung eines auf den Sender gerichteten Amor-Affekts beim Rezipienten - zu erreichen, kommt es zunächst auf die Erweckung dieses Affekts beim Sender an: Ein Affekt kann vom Sender beim Adressaten nur implementiert werden, wenn der Sender diesen Affekt selber verspürt bzw. zu verspüren scheint. Klassisches Beispiel ist ein Schauspieler der das Publikum zu Tränen rühren soll. Bereits die antike Rhetorik-Theorie bezeugt, dass dies nur gelingen kann, wenn der Schauspieler/Orator sich selbst in den emotionalen Zustand der Traurigkeit bringt oder gar zu weinen anfängt, sofern er das Publikum dazu bewegen will. (Vgl. Cicero: De Oratore; Quintilian: Institutio Oratoria). Da nun beim Verführenden/Sender/Orator in der Regel bereits ein gewisses Begehren der Zielperson vorliegt (die Rhetorik redet vom "Zertum"), gilt es, dieses Begehren durch rhetorisch-elokutionäres Ausagieren so weit zu steigern, dass der emotionale Zustand des "verliebt-seins", d.h. der Amor-Affekt, glaubhaft vom Verführenden simuliert wird und sich so auf den Adressaten/Verführten überträgt. Die Simulation des Amor-Affekts durch den Sender bewirkt nicht nur die Erzeugung desselben beim Adressaten, sondern führt gleichzeitig zu einer (notwendigen) Steigerung des Affekts im Sender selbst und dieser gesteigerte Affekt im Sender wirkt wiederum auf den Rezipienten. Das Vorhandensein bzw. scheinbare Vorhandensein des Affekts im Bewusstsein des Senders ist also notwendige Bedingung für die Implementierung des Affekts im Bewusstsein des Rezipienten: Affekterregung muss immer Affektübertragung sein: Liebe (Amor) wird erzeugt indem man Liebe vorspielt/hochspielt (amplifiziert). Da bei diesem Prozess Sender und Adressaten sich (durch die Strategie des Senders!) emotional angleichen, kann man von einer Assimilations-Strategie (Assimilation: (lat.) "Ähnlichmachung") oder von Seduktion durch Assimilation sprechen.
Siehe auch: Hypnose, NLP, Suggestion
Wilfried Stroh: Rhetorik und Erotik; Eine Studie zu Ovids liebesdidaktischen Gedichten; In: Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft, hrsgg. v. Joachim Latacz - Günter Neumann - Ernst Siegmann, Würzburg 1979 (5).
Vance Packard: Die geheimen Verführer, 1958, ISBN 3548340326
Greene, Robert: Die 24 Gesetze der Verführung, dtv, 2004.
Ovid: Liebeskunst / Ars amatoria, *], Ditzingen 1992.
Vatsyayana, Mallanaga: Das Kamasutra, Reclam, Stuttgart 1999.
Jane Austens Roman "Überredung" wurde verfilmt und heißt in der dt. Fassung "Verführung"
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