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Vvn2.jpg Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ist ein Verband mit Sitz in Berlin, der 13 Landesverbände umfasst. Die VVN-BdA, ursprünglich VVN, ging aus nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gegründeten Opferverbänden hervor, deren Mitglieder sich mehrheitlich aus politisch-ideologischen Gegnern des NS-Regimes und aus Kreisen des linken (sozialistischen und kommunistischen) Widerstands gegen die Diktatur des Nationalsozialismus zusammensetzten.

Die VVN, in ihrem Selbstverständnis eine überparteiliche und unabhängige Organisation, die den Widerstand gegen Faschismus und Krieg zu ihrem wesentlichen moralischen Grundsatz gemacht hat, galt in den 1950er Jahren in der Führungsebene als von der KPD, und ab 1968 von der DKP geprägte Organisation, wobei ihre Mitgliederschaft sich bis in die Gegenwart von Parteilosen zu Sozialdemokraten über Bündnisgrüne bis hin zu orthodoxen Kommunisten erstreckt.

Die VVN-BdA ist Mitglied der Fédération Internationale des Résistants (Internationale Föderation der Widerstandskämpfer), der Organisationen aus ganz Europa und Israel angehören.

Geschichte


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Gründung

Am 23. Februar 1947 gründeten Überlebende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft aus den Konzentrationslagern und dem kommunistischen Widerstand im Haus der deutschen Zentralverwaltung in Berlin die VVN. Erster Generalsekratär der VVN in der sowjetischen Besatzungszone war Karl Raddatz.

Der rote Winkel – das Kennzeichen der politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern – wurde zum Abzeichen der VVN. Ziel der überparteilichen Organisation war die soziale Betreuung der ehemaligen Häftlinge, worauf sich die zusammengeschlossenen Häftlinge aber nicht beschränken wollten. Den Terror, den sie am eigenen Leib erfahren hatten, wollten sie getreu dem Schwur von Buchenwald nie wieder Wirklichkeit werden lassen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Die Initiative zur Gründung ging von Vertretern der Arbeiterparteien aus, die in Betreuungsstellen für politisch, religiös und rassisch Verfolgte bzw. den OdF(Opfer des Faschismus)-Ausschüssen direkten Kontakt zu den Betroffenen hatten. „Über alle Schichten, Konfessionen und Rassen und Parteien hinweg schließen sich die Kämpfer gegen den Nazismus und die vom Nazi-Regime Verfolgten zu einer überparteilichen Organisation zur Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) zusammen“, hieß es in dem ersten Programm vom August 1946.

In den Jahren 1948 bis 1952 konnten drei Hauptkonferenzen veranstaltet werden. Die Säuberungswelle der Stalinisierung in der SED 1949/1950 warfen dem VVN Agententätigkeit vor, gleichzeitig gab es eine steigende antisemitische Tendenz in der DDR.

Am 15. Januar 1953 wurde in der DDR die Auflösung der VVN ohne deren Anhörung beschlossen.

Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland

Innerhalb der Organisation gewannen kommunistische Kräfte stark an Einfluss, so dass die VVN als getarnte KP-Organisation angesehen wurde. Im Mai 1948 setzte Kurt Schumacher im SPD-Vorstand einen Beschluss zur Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in der SPD und der VVN durch. Dieser Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD existiert zwar formell bis in die Gegenwart, es sind jedoch seit dem Ende des Kalten Krieges keine Fälle seiner Umsetzung bekannt geworden.

Mitglieder der VVN gerieten im antikommunistischen Klima im Westdeutschland der Nachkriegszeit ins Visier des Verfassungsschutzes und waren in den 1970er Jahren teilweise vom Radikalenerlass betroffen. Es wurden mehrere Versuche unternommen, die VVN-BdA zu verbieten.

Neben der Mahnung und Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus nahm sich die VVN auch der Betreuung von Opfern des NS-Unrechts an. Dazu gehörte unter anderem beispielsweise die Sozialberatung nach dem Bundesentschädigungsgesetz (Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung - abgekürzt BEG), das 1956 rückwirkend auf den 1. Oktober 1953 in Kraft trat.

Erweiterung zum „Bund der Antifaschisten“

Vvn.jpg Mitglieder der VVN engagierten sich gegen die Wiedereinsetzung alter Nazis als Funktionsträger, gegen das Wiederentstehen nationalsozialistischer Organisationen, gegen Wiederbewaffnung und atomare Aufrüstung und gegen die Verdrängung der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945. Initiativen der VVN führten zur Errichtung von Gedenkstätten; so waren beispielsweise VVN-Mitglieder Mitte 1960er Jahre maßgeblich daran beteiligt, das ehemalige Konzentrationslager Dachau in eine würdige Gedenkstätte umzuwandeln.

1971 erweiterte sich die VVN zum „Bund der Antifaschisten“, da sie im Gefolge der studentischen Protestbewegung und durch das starke Anwachsen der rechtsextremen Partei NPD verstärktes Interesse der jungen Generation an der Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit ausmachte. Schwerpunkte der siebziger und achtziger Jahre bildeten die Unterstützung der Friedensbewegung sowie Aktivitäten gegen alte und neue Nazis und deren Propaganda.

Krise 1989

1989 wurde offenbar, dass die VVN einen großen Teil ihrer Arbeit auf Bundesebene durch Zuwendungen aus der DDR finanzierte. Mit dem Ende der Zahlungen ergab sich eine finanzielle Krise, die die Vereinigung an den Rande der Auflösung brachte. Es setzten sich aber die Stimmen für die Fortführung der Arbeit mit den eingeschränkten Mitteln und einer neuen Organisationsstruktur durch.

Vereinigung der ost- und westdeutschen NS-Verfolgtenverbände

Vvn-vereinigung.jpg Im Oktober 2002 vereinigte sich die westdeutsche VVN-BdA in Berlin mit dem ostdeutschen Verband der ehemaligen Verfolgten und Widerstandskämpfer und besaß nach dem Zusammenschluss rund 9.000 Mitglieder.

An der Vereinigungskonferenz nahmen Vertreter in- und ausländischer Organisationen ehemals Verfolgter des NS-Regimes sowie Gäste bundesdeutscher Organisationen teil. Unter ihnen befand sich auch das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Horst Schmitthenner, der auf dem VVN-Kongress den Zusammenschluss nachdrücklich begrüßte und erklärte: „Wie in der Vergangenheit wird die IG Metall auch zukünftig das unverzichtbare Wirken der VVN-BdA unterstützen“.

Heutige Situation


Die VVN-BdA will Widerstand leisten gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Weltanschauung und gegen die Bedrohung für deren Leib und Leben.

Der Verband hat unter 9.000 Mitglieder (Stand: 2003) und gibt die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift antifa heraus.

Ehrenpräsident der Vereinigung ist Kurt Julius Goldstein.

Einschätzung des deutschen Verfassungsschutzes


Verfassungsschutzberichte beschreiben die VVN-BdA als orthodox-kommunistisch beeinflusste Organisation und ordnen sie deswegen dem sogenannten linksextremistischen Spektrum zu. Sie wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet, unter anderem, weil sie - laut Verfassungsschutz - im Sinne einer „offenen Bündnispolitik“ auch mit „gewaltbereitenautonomen Gruppen zusammenarbeite.

Siehe auch


Literatur


  • Wolfgang Rudzio: Die Erosion der Abgrenzung. Zum Verhältnis zwischen der demokratischen Linken und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland. Opladen 1988 (S. 111ff.), ISBN 353112045X
  • Elke Reuter, Detlef Hansel: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953. Berlin 1997, ISBN 3929161974
  • Kurt Faller, Bernd Wittich: Abschied vom Antifaschismus. Frankfurter (Oder) 1997, ISBN 3930842033
  • Ulrich Schneider: Zukunftsentwurf Antifaschismus. 50 Jahre Wirken der VVN für „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit“. Bonn 1997, ISBN 3891442378
  • Bundesamt für Verfassungsschutz: "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA), Köln Juni 1997
  • Der Bundesminister des Innern (Hg.): Bedeutung und Funktion des Antifaschismus, Bonn 1990
  • Bettina Blank: "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA), in: Jahrbuch Extremismus & Demokratie. 12 (2000), Baden-Baden 2000, S. 224-239

Weblinks


Antifaschistische Aktivitäten und Organisationen | Holocaustgedenken

 

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