Das Vereinigte Silla war ein Staat in Korea, der 668 entstand, nachdem das im Südosten Koreas liegende Reich Silla mit seinem Verbündeten, der chinesischen Tang-Dynastie die anderen beiden rivalisierenden Reiche Koreas Baekje (erobert 660, eine weitere Schlacht gegen dessen japanischen Verbündeten 663) und 668 das Nordreich Goguryeo eroberte und das Land vereinigte.
Die sogenannte Silla-Zeit in Korea wird von 668-935 gerechnet. Korea wurde aus dem äußersten Südosten heraus regiert, aus der heutigen Stadt Gyeongju.
Das Reich umfasste nicht das ganze Gebiet des ehemaligen Goguryeo im Norden, da sich unter dem Goguryeo-General Tae Cho-Yeong im Zusammenwirken mit denm halbnomadischen tungusischen Volk der Malgal der Staat Balhae bildete. Dieser Staat kontrollierte auch den Nordzipfel des heutigen Nordkorea.
Der Buddhismus, der vorher schon die Staatsreligion in den drei Teilstaaten war, wurde auch Staatsreligion in Groß-Silla.
Die Kultur erreichte ihren Höhepunkt, die Silla-Hauptstadt, die auf der Stelle der heutigen Stadt Gyeongju lag, war eine für ihren Reichtum berühmte Millionenstadt.
Im Nordosten hat währenddessen der Bandit Yanggil eine unabhängige Zone geschaffen. Sein Mitstreiter ist zunächst der ehemalige Mönch Kung-Ye. Kung-Ye übernimmt in diesem Gebiet schließlich die Herrschaft und nennt sich ab 901 König des "späteren Koguryo". Wanggeon (877-943), einer von Kung-Yes Gefolgsleuten, wird dabei immer bedeutender, unter anderem weil er eine eigene Flotte für dieses Reich aufbaut. Er stürzt 918 Kung-Ye und nennt das nördliche Teilreich Goryeo oder Koryo. Er verlegt die Hauptstadt nach Gaeseong oder Kaesong, das sich heute im äußersten Süden Nordkoreas befindet (also im Silla-Reich ganz zentral liegt).
927 wird der Silla-Rumpfstaat von Kyonwhon von Spät-Baekje angegriffen und besiegt. Er tötet den König und setzt den Marionettenkönig Gyeogsun ein. Dieser wendet sich einige Jahre später, 935, mit der Bitte um Hilfe an Wanggeon, welcher Shin-geom, den Sohn des Kyonwhon 936 schlägt und die Reichsteile wieder vereint. Hauptstadt für das ganze Reich ist jetzt aber das zentral gelegene Gaeseong.
Silla, das die Drei Königreiche vereinigt hatte, änderte die Herrschaftsstruktur und das politische System. Das stabilisierte sowohl die Regierung als auch die Gesellschaft. Als Folge der Vereinigung konnte König Muyeol (654-661) aufgrund einer ununterbrochenen Herrschaftsdynastie die Machtposition des Monarchen stärken. Gleichzeitig wurde aber die politische Rolle der Aristokratie geschwächt.
Von da an wurden die Machtbefugnisse der Shichung, die als Exekutive diente und sowohl Anordnungen des Königs als auch Gesetze ausführen musste, größer, als davor die der vom Adel beherrschten Sangdaedung. Im Zuge einer Reihe sozialer Entwicklungen wurden viele Behörden und Gukhak-Schulen als Lehranstalten für den Konfuzianismus eingerichtet. Der Buddhismus wurde weiter entwickelt und im ganzen Volk verbreitet. Davon zeugt die Entstehung von vielen Schulen, aber auch der fünf Gyo-Sekten und der neun Zen-Sekten (Ogyo Gusan).
Umorganisiert wurden auch kommunale Verwaltungssysteme. Während der Herrschaft von König Sinmun (681-691) wurden neun Provinzen und fünf Städte gebildet. Damit wurde das Land in neun Provinzen aufgeteilt. In jeder der Provinzen entstanden Landkreise (Gun und Hyeon). In den zentralen Regionen dieser Gebiete wurden fünf Städte mit Bürgermeistern an der Spitze der Verwaltung gegründet. Dahinter stand die Überlegung, sie zu Zentren der örtlichen Regierung zu machen und kulturell auszubauen.
Silla nahm auch eine Umstrukturierung des Militärs mit der Absicht vor, die Streitkräfte zu stärken. In den zentralen Hauptquartieren wurden neun Seodangs eingesetzt. In Ortsregionen waren zehn Cheongs für die wichtigsten Gebiete der neun Provinzen verantwortlich.
Im Vereinigten Silla erlebte das von den Aristokraten beherrschte Wirtschaftsleben einen sichtbaren Aufschwung. Die Aristokraten hatten Anspruch auf Land und besaßen daher oft große Ländereien. Zu ihrem Landbesitz gehörten große Weideflächen in Bergtälern und auch auf Inseln. Ferner besaßen die Aristokraten zahlreiche Leibeigene. Durch Wucherpraxis kam diese Oberklasse zu großem Reichtum.
Die reichen Aristokraten lebten in Luxushäusern. Ihr sichtbarer Wohlstand ermöglichte ihnen ein extravagantes, dem Müßiggang und Vergnügen gewidmetes Leben. Die Folge dieses ausschweifenden Lebenswandels war ein allgemeiner geistiger und moralischer Verfall des davor von einem starken Nationalgeist erfüllten Silla-Volkes.
Im krassen Gegensatz zu den Ausschweifungen des Adels stand das harte Leben der entweder beim Staat oder den Aristokraten hochverschuldeten Bauern. Diese ausgebeuteten und unterdrückten Menschen lebten entweder in Dörfern oder in besonderen Verwaltungsbezirken, die Hyang, So oder Bugok hießen.
Die Regierung ließ alls drei Jahre die Fläche aller nutzbaren Landwirtschaftsgebiete, die Bevölkerungszahl, die Stückzahl des Viehs und sogar die Zahl der Bäume erfassen. Auf dieser Grundlage wurde dann der Umfang des gesamten Produktionspotenzials und die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte ermittelt.
Silla erlebte nach der Vereinigung etwa 100 Jahre lang Wohlstand. Aber in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Probleme. König Muyeols dynastische Linie wurde mit König Hyegong (765-780) als dem letzten Sohn dieses Königshauses unterbrochen. Die Chingol-Aristokraten stritten sich um die Krone.
Als Folge herrschte in der Spätzeit Sillas ein derartiges Chaos, das sich in einer Zeitspanne von 150 Jahren 20 Könige ablösten. Auf dem Land brachen im Jahre 822 von Gim Heon-chang angeführte Aufstände aus. Sie schwächten die Macht der Zentralregierung. Als sich die Regierung und Gesellschaft wegen des Streits unter den Chingol-Aristokraten um die Krone mit politischen Unsicherheiten konfrontiert sahen, stärkte diese Lage die Position von Landesfürsten und der Seekapitäne.
Ein gutes Beispiel ist der Silla-General Chang Po-go, der sich die Macht über den Seehandel im (koreanischen) Südmeer und im Gelben Meer zwischen China und der koreanischen Halbinsel errang. Als es ihm auch noch glückte den Seehandel zwischen Tang und Japan zu monopolisieren, wurde er ungekrönter Herrscher der Meere.
Die traditionell in ihrem Gebiet verwurzelten lokalen Machthaber hatten stärkere Ambitionen, unabhängig zu werden. Sie nannten sich Herren von Städten und Generäle. Sie stellten sich an die Spitze derjenigen Kräfte, die bei der Aufweichung der königlichen Herrschaftsstruktur der Chingol-Regierung Sillas führende Rollen spielten.
Damals wurden verarmte Bauern entweder Leibeigene oder Diebe und Räuber. Während der Herrschaft von Königin Jinsoeng (887-897) brachen überall im Land Bauernaufstände aus. Silla wurde in einen Strudel von Bürgerkriegen gerissen und Klanchefs beherrschten immer größere Gebiete. König Gyeongsun (927-935), Sillas letzter Souverän, übertrug auf Wunsch des Volkes seine Souveränität auf Goryeo, was das Ende des Staates Silla bedeutete.
Es könnte sein, dass spätere Geschichtsschreiber besonders die Königinnen und ihre Regierungszeiten absichtlich als von Chaos und Verfall gekennzeichnet darstellten, etwa um die Ablösung der Dynastie zu rechtfertigen (Mandat des Himmels). Erfolge Sillas in dieser Zeit werden typischerweise nicht den Königinnen, sondern Männern zugerechnet; Unglück wird hingegen auf die Königinnen zurückgeführt.
Koreanische Geschichte | Silla-Dynastie
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