Verden war bis zur
Reformation bischöfliche Residenzstadt und ist eine der landestypischsten
niedersächsischen Städte nahe des geografischen Mittelpunktes dieses Bundeslandes. In der Region spricht man bis heute häufig
Plattdeutsch. Heute ist Verden (Aller) die
Kreisstadt des gleichnamigen
Landkreises und
Mittelzentrum.
Bekannt als "Reiterstadt" ist die Stadt mit der großen Welt der berühmten Hannoveraner Pferde eng verbunden.
Ausgesprochen wird der Stadtname wie "Ferden" (nicht wie oft fälschlicherweise zu hören wie "Werden").
Geografie
Verden liegt an der
Aller kurz vor ihrer Mündung in die
Weser, etwa 35 km von
Bremen und 70 km von
Hannover entfernt. Die Verdener Altstadt liegt rechts (östlich) der Aller, direkt gegenüber befindet sich der Stadtteil Hönisch.
Ortsteile
Borstel,
Dauelsen,
Döhlbergen,
Hutbergen,
Eitze,
Hönisch,
Scharnhorst,
Walle,
Rieda,
Eissel.
Geschichte
Frühgeschichte
Bis in die frühe Eisenzeit lassen sich im Weichbild der Stadt Spuren menschlicher Siedlung nachweisen. Der Siedlungsplatz Verden wurde neben weiteren, vielfach nicht sicher zuzuordnenden Plätzen bereits um das Jahr 150 n. Chr. vom alexandrinischen Geografen Claudius Ptolemäus schriftlich erwähnt (als "Tulifurdum", was wörtlich mit "Furt mit der entschärften Strömung" übersetzt werden kann); Verden ist deshalb einer der ersten urkundlich erwähnten Orte auf dem Gebiet Niedersachsens. Ferdi in Saxonia, unter dieser Bezeichnung wird Verden in einer Urkunde
Karls des Großen zum erstenmal in etwa heutiger Namensform erwähnt. Der Name weist auf Furt oder Fähre hin.
Verdener Blutgericht
Im Jahre
782 fand im Raum Verden die Unterwerfung der (Nieder-)Sachsen im Verlauf der
Sachsenkriege durch Karl den Großen einen grausamen Höhepunkt: Angeblich 4.500 Bewohner der damals dünnbesiedelten Region wurden hingerichtet ("
Verdener Blutgericht"), nachdem sie sich geweigert hatten, sich dem Frankenkönig Karl zu unterwerfen und den christlichen Glauben anzunehmen (Naturdenkmal Sachsenhain).
Tatsächlich handelt es sich jedoch beim Sachsenhain nicht um einen Ort sächsischer Geschichte. Vielmehr dokumentiert der Sachsenhain mit den im Jahre 1935 entlang des Rundweges aufgestellten 4.500 Findlingen den Versuch der Nationalsozialisten, die Geschichte propagandistisch umzudeuten. (www.verden.de)
Mittelalter
In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Stadt aus zwei Siedlungskernen zusammen: der Norderstadt mit Rathaus und Johanniskirche und der Süderstadt mit dem geistigen Zentrum um den Dom, dem die Fischersiedlung an der Aller angegliedert war. Vom Anfang des 9. Jahrhunderts bis
1643 residierten im
Bistum Verden 50 Bischöfe. 1568 wurde die Reformation im "Stifte Verden" durch den Landesherrn und evangelischen Bischof Eberhard von Holle (geb.
1531 in Uchte) eingeführt. 1667 wurden die Norder- und Süderstadt durch die schwedische Königin Christina zwangsvereint.
Frühe Neuzeit
Im 15. Jahrhundert wurde Verden
freie Reichsstadt bis zum Ende des
Dreißigjährigen Krieges. Durch den
Westfälischen Frieden fiel das Bistum Verden als Reichslehen an die schwedische Krone. Durch Kauf kam das Herzogtum Verden dann 1719 zum
Land Hannover, durch
Annexion 1866 an
Preußen.
Preußische Zeit
Bis zum
Zweiten Weltkrieg bestimmten Handel und Handwerk sowie zahlreiche örtliche und überörtliche Behörden und Dienststellen und die Garnison (berittene Artillerie) die Entwicklung Verdens. Von Kampfhandlungen blieb die Stadt weitgehend verschont.
Nachkriegszeit
Von 1945 bis
1993 war Verden Garnisonsstadt der
Britischen Rheinarmee.
Politik
Bürgermeister und Stadtdirektoren
Hauptamtliche Bürgermeister in Verden:
- 1806 - 1837 Carl-Christian Münchmeyer
- 1837 - 1855 Christoph Gottlieb Pfannkuche
- 1855 – 1890 Theodor Otto Münchmeyer
- 1890 – 1919 Wilhelm Schorcht
- 1919 – 1937 Dr. Friedrich Urban
- 1937 – 1945 Dr. Eduard Lang
- 1945 – 1946 Johann Thies (von der Besatzungsmacht eingesetzt)
Ehrenamtliche Bürgermeister in Verden:
- 1946 – 1948 Andreas Willmesen (DP-CDU)
- 1948 – 1951 Gustav Schäfer (SPD)
- 1951 – 1952 Andreas Willmsen (DP-CDU)
- 1952 – 1956 Gustav Schäfer (SPD)
- 1956 – 1961 Dr. Hartmut Friedrichs (Wahlgemeinschaft)
- 1961 – 1964 Johann Thies (CDU)
- 1964 – 1969 Kurt Winkel (SPD)
- 1970 Hanns Toonen (SPD)
- 1970 – 1990 Dr. Hartmut Friedrichs (CDU)
- 1990 – 2001 Wolfgang Krippendorff (CDU)
- 2001 – 2004 Angelika Lürman (CDU)
Stadtdirektoren in Verden:
- 1946 – 1947 Werner Cassebaum
- 1948 – 1955 Gustav Hoffmann
- 1955 – 1964 Helgo-Fritz Töwe
- 1964 – 1985 Kai Füllgraf
- 1985 – 2004 Dirk Richter
Nach Einführung der kommunalen Eingleisigkeit und Ablauf der Amtszeit des letzten Stadtdirektors sind beide Positionen seit dem 1. April 2004 im Amt des Hauptamtlichen Bürgermeisters vereint.
Hauptamtlicher Bürgermeister:
- Lutz Brockmann (SPD) seit 2004
Stadtrat
Politische Zusammensetzung des aktuellen Stadtrats in der Wahlperiode 2001 - 2006:
- SPD 16 Sitze
- CDU 15 Sitze
- FDP 4 Sitze
- Bündnis 90/Die Grünen 2 Sitze
Ratsvorsitzende: Annelie Meyer-Coordes (CDU) (seit 2004)
stellvertretende Bürgermeister: Jens Richter (CDU), Henning Wittboldt-Müller (FDP)
Als Auszeichnung verleiht der Stadtrat der Stadt Verden die "Städtische Verdienstmedaille".
Wappen
Das Wappen der Stadt zeigt ein schwarzes Nagelkreuz auf silbernem Grund.
Partnerstädte
Sehenswürdigkeiten
Sehenswert in Verden ist vor allem der
gotische Dom und die direkt am Fluss
Aller gelegene Altstadt mit der
romanischen St. Andreas-Kirche, in der die Grabplatte des Bischofs Yso aufbewahrt wird, der St. Johanniskirche, der ältesten Backsteinkirche Norddeutschlands und dem alten Rathaus. Vom unbebauten gegenüberliegenden Allerufer im Ortsteil Hönisch aus bietet sich ein schöner
Panoramablick auf die Altstadt.
Außergewöhnlich ist der Sachsenhain, der sich am Rande der Stadt im Ortsteil Dauelsen befindet. Zu beiden Seiten des Weges, der von großen Eichen gesäumt ist, stehen 4500 Findlinge, die 1935 zum Gedenken an die angeblich hingerichteten Sachsen aufgestellt wurden.
Wirtschaft und Verkehr
Wirtschaft
Größter Industriebetrieb in Verden ist die Masterfoods GmbH (Heimtierbedarf). Herausragend sind weiterhin die Verdener Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag, das Kühl-und Logistikunternehmen Nordfrost, die Badenhop Fleischwerke, der Maschinenbau Focke & Co. Verpackungsmaschinen, Vemag Maschinenbau und Vemag Anlagenbau, Elektroindustrie Block Transformatoren, Baugewerbe Matthäi Straßenbau, Holzkamm Hochbau sowie die Tierzucht Nordrind GmbH, Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung. Im Umland gibt es Pferdezucht und Milchwirtschaft.
Verkehr
Straße
Verden liegt an der
Bundesautobahn 27 und an der
Bundesstraße 215 sowie an den Landesstraßen 171 und 203.
ÖPNV
Verden liegt an der Eisenbahnstrecke
Bremen–
Hannover sowie an der "
Weser-Aller-Bahn" von
Rotenburg (Wümme) nach
Minden, die beide zum Netz der
Deutschen Bahn zählen.
Außerdem ist Verden Stammsitz der Verden-Walsroder Eisenbahn GmbH (VWE), die eine 12,5 km lange Bahnstrecke von Verden nach Stemmen und eine weitere Strecke von Böhme nach Walsrode betreibt (früher waren beide Strecken verbunden). Auf der VWE-Strecke findet seit Jahrzehnten nur Güterverkehr statt. Unter anderem wird über die VWE das Masterfoods-Werk an das Schienennetz angebunden.
Darüber hinaus verfügt die Stadt über einige lokale und regionale Buslinien. Verden gehört dem Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen an.
Wasser
Die Kernstadt liegt unmittelbar an der für die
Binnenschifffahrt befahrbaren
Aller (nur äußerst geringer Sportboot- und Ausflugsschiff-Verkehr), die im Norden des Stadtgebietes (Ortsteil Eissel) in die
Weser mündet. Die Weser wird auch für die gewerbliche Binnenschifffahrt genutzt.
Die Lage an zwei Flüssen führt regelmäßig zum Ende des Winters zu Hochwasser. Dabei werden zumeist die Landesstraße 203 (Verden-Blender) sowie die Kreisstraße zwischen Eissel und Verden sowie Eissel und Langwedel überflutungsbedingt gesperrt. Eissel ist dann vorübergehend nur per Boot zu erreichen, Autofahrer aus Richtung Blender müssen kilometerweite Umwege über Hoya (Kreis Nienburg) oder Achim in Kauf nehmen.
Luft
In Verden-Scharnhorst befindet sich ein Verkehrslandeplatz für Maschinen bis 2000 kg.
Einrichtungen
In Verden gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen. Neben fünf Grundschulen besitzt die Stadt eine Hauptschule, die Klaus-Störtebeker-Schule, die Andreasschule (
Sonderschule), eine
Realschule
und zwei
Gymnasien, das Gymnasium am Wall und das vor 1002 gegründete
Domgymnasium Verden. Daneben existiert noch die Berufsbildende Schule Verden und eine
Kreisvolkshochschule.
Verden ist gemeinsam mit Achim Standort der Aller-Weser-Klinik, eines Krankenhauses der Regelversorgung in kommunaler Trägerschaft.
Leben in Verden
Historische Altstadt mit netter Einkaufszone (Große Straße), Kneipengegend am Lugenstein (genannt "Domviertel") Stadthalle, Domherrenhaus, Museumseisenbahn, Fahrgastschiff auf der Aller sowie einem umfangreichen Sportangebot mit über 40 Sportvereinen.
Veranstaltungen
- Pferdeauktionen, Turniere, Pferderennen, Ausstellungen
- Verdener Domweih, ältestes Volksfest Norddeutschlands, in der Innenstadt
- Lätarespende, Verteilung von Brot und Heringen
- Domfestspiele, saisonales Freilichttheater im Schatten des Doms
Persönlichkeiten
- Johann Bornemacher + (auf dem Scheiterhaufen verbrannt) 2. Januar 1526 in Verden/Aller; luth. Theologe und Märtyrer
- Anita Augspurg, Frauenrechtlerin, Wahlrechtreformerin
- Adolf Köster, Reichsaußenminister 1920, Reichsinnenminister 1922, Gesandter in Belgrad 1928
- Friedrich Lang, Stadtsyndikus in Verden, 1848 Alterspräsident der Frankfurter Nationalversammlung
- Friedrich Gottlieb Müller * 1816, † 1908 in Verden, Maler und Zeichner von Stadtansichten u. a. moderne Bauten und Industriebetriebe im nordwestdeutschen Raum
- Karl von Einem, preußischer Kriegsminister
- Siegmund Seligmann,langjähriger Generaldirektor der Gummiwerke Continental AG in Hannover
- Walther von Seydlitz-Kurzbach
- Ludwig Stubbendorff, 1936 Doppelolympiasieger in der Einzel- und Mannschaftswertung der reiterlichen Vielseitigkeitsprüfung (Military)
Literatur
Geschichte der Stadt Verden (Aller) in Einzeldarstellungen:
Die Geschichte von Verden wurde in 17 Bänden von 1972 - 1991 aufgearbeitet.
Sonstige Publikationen:
- Novemberpogrom 1938„Kristallnacht“ in Verden; Jürgen Weidemann 1988
- Das Weinkaufsbuch, Übertragung von Carl-Christian Hesse 1988
- Urgroßvaters Tagebuch, Max Lehmann 1936-1989
- 1744 - Die Verdener, ihre Gesundheit und ihr Bier, Dr. J. C. Trumph 1744; Neubearbeitung: F. Schmitz, Dr. W. Schöttler 1991
-
- Bauernreihen in den Dörfern der Kirchspiele das alten Amtes Verden; Otto Voigt, 2 Bände, 1993
- Testamente 1774-1850; 2 Bände, Dr. Margarethe Wolters, o.J. (ca.1994)
- Die Tagebücher der Gertrud Schädla 1914 - 1918, Dr. Björn Emigholz 2000
- Das historische Verden; Jürgen Siemers 2000
- Die Holzmarktkaserne im Wandel zu einem neuen Zentrum städtischen Lebens, Edmund von Lührte 2002
- Verdener Gerichts- und Geschichtsquellen 1663-1909; Dr. Bernd Kappelhoff und Dr. Jan Lokers, 2006 -->
Chroniken der zu Verden gehörenden Orte:
- Scharnhorst (Elisabeth Söhl, 1981)
- Walle (Otto Voigt, 1981)
- Eitze (Else Arens, 1989)
- Döhlbergen-Hutbergen (Jürgen Siemers, 1995)
- Eissel (Arbeitskreis Dorfchronik, 1996)
- Dauelsen(Arbeitskreis Dorfchronik, 1997)
- Hönisch (Jürgen Siemers und Arbeitskreis Dorfchronik, 1997)
- Borstel (Heimatverein Borstel in Verden e.V., 2004)
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