Vercors Satellit.JPG | DEMVercors.png des Vercors, ca. 80x65 km. Genoble liegt am rechten obenen Bildrand (45°10', 5°43')]]
Der Vercors ist ein durch tiefe Täler begrenzter Gebirgsstock im äußersten Westen der französischen Alpen. Er hat eine Ausdehnung von etwa 30x40 km und mehrere Zweitausender (Gipfelhöhen bis zu 2350 m). Da er an allen Seiten schroff ansteigt, konnte er erst im 20. Jahrhundert, teilweise mit in den Fels gesprengten Galerien, für den Straßenverkehr zugänglich gemacht werden. Aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit befindet sich im Vercors das mit 170 km² größte Naturschutzgebiet Frankreichs.
Als südlichstes Element der fünf Chaînes Subalpines Septentrionales (Haut Griffra, Aravis, Bauges, Chartreuse, Vercors) ist der Vercors ein in sich abgeschlossenes Massiv mit einem langen, nord-südlich ausgerichteten, hügeligen Hochtal. Der Grand Veymont ist mit 2341 m der höchste Gipfel des Massivs. Es folgt mit 2284 m der Gipfel von La Grande Moucherolle.
Im Mesozoikum brach Pangäa ganz auseinander. Laurasia rotierte im Uhrzeigersinn Richtung Süden, und Afrika schob sich nach Norden. Die Schere um die Tethys schloss sich langsam. Während des Jura (ca. 200-135 Mio. Jahre) erstreckte sich in der Gegend des Vercors noch ein tiefes Meeresbecken. 2000 Meter Tiefseetone und Mergel sammelten sich an. Die Tiefseetone sind vor allem als Terres Noires, schwarze, feinblättrige Lagen, aufgeschlossen. Das Becken ging nordöstlich des Vercors, etwa im Isère-Tal, in eine Küstenregion über. In der unteren Kreidezeit (ca. 135 – 100 Mio. Jahre) hatte sich die Küstenlinie weiter in den Südosten geschoben. Hier lagerten sich im Wechsel Mergel und Kalkbänke ab, wobei der Mergel eher auf kühleres bzw. tieferes Wasser und der Kalkstein eher auf wärmeres bzw. flacheres Wasser hindeutet. Die Kalke sind festes Gestein, während die Mergel ein weiches und mürbes Sedimentgestein bilden. Dieser blätterteigartige Wechsel bietet bei Aufschlüssen in der Gestreiftheit der Sedimente heute einen reizvollen Anblick. Die Gegend um den Vercors war nun nicht mehr Tiefsee. Es breitete sich schließlich eine flache, warme Lagune mit sehr mächtigen Riffen aus, die heute bis zu 300 m hohe massive weiße Klippen bilden und dem Vercors seinen einzigartigen Reiz verleihen. In der oberen Kreidezeit (ca. 100 – 65 Mio. Jahre) hatten sich durch die Subduktion der Tethyschen Ozeankruste unter die Kontinentalkruste Landstreifen aus dem Meer gehoben. Im Wechsel fielen Teile des Vercors trocken und wurden wieder von flachem Meer bedeckt.
Diese Falten sind einem ständigen Erosionsprozess ausgeliefert. Die Reste der hoch liegenden Teile der Falten (Antiklinalen) bilden die mächtigen Bergketten des Vercors. Vor allem die freigelegten Riffkalke ragen schroff empor und zeigen bis zu 300 m steil abfallende Klippen. Sie sind reich an Fossilien, vor allem Ammoniten und frühen im Meer lebenden Schnecken. In den mürben Mergelschichten dazwischen finden sich pyritisierte Ammoniten und Belemniten. In den Faltentälern (Synklinalen) ist die Erosion weniger fortgeschritten. Hier haben sich die sandigen Ablagerungen des Miozäns und die Flachwasser-Kalke der oberen Kreide erhalten.
Etwa 9000 Jahre v. Chr. begann die moderne Warmzeit. Die Landschaft veränderte sich wiederum sehr schnell und stark, Kiefern- und Birkenwälder ersetzten die Kaltsteppe, die Zahl der jagdbaren Tiere ging zurück, der Steinbock wanderte in höhere, nur schwer erreichbare Hochgebirgsregionen, Rentier- und Pferdeherden zogen nach Norden ab. Der Mensch musste seine Lebensweise anpassen, das Magdalénien ging ins Azilien über. Die nun mehr vereinzelt auftretenden Tiere wurden mit Pfeil und Bogen gejagt. Die Höhlen wurden nicht mehr bewohnt, die Lager mussten den Jagdtieren folgen, die Feuersteinwerkzeuge wandelten sich zu Mikrolithen von etwa 1-3 cm Länge, die universal als Schneidwerkzeuge oder als Bestandteile von Waffen (Speer- und Bogenspitzen) nutzbar waren.
In diese Zeit fällt auch die Domestizierung des Hundes und der langsame Übergang vom rein nomadischen Jäger zum mehr sesshaften Hirten und Bauern. Im Vercors, wie überhaupt im Alpenbereich, ist dies etwa auf den Zeitraum von 4000 – 2000 Jahre v. Chr. anzusetzen. Äxte für größere Rodungen, Keramikgefäße zur Lagerung der Ernteerträge, dauerhaftere Siedlungen für eine steigende Bevölkerung kennzeichnen die mittlere Jungsteinzeit. Die Technik der Feuersteinbearbeitung bleibt im erzarmen Vercors erhalten, wird qualitativ (Sensen, Sicheln, Schmuck…) und quantitativ (Export aus der Hochebene von Vassieux-en-Vercors) erweitert. Erst gegen Ende der Bronzezeit (ca. 1750 – 750 v. Chr.) gibt es auch eine regionale Metallproduktion, vor allem Pfeilspitzen und Schmuck, parallel dazu aber bleibt die Bearbeitung des Feuersteins ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die immer mehr auf Sesshaftigkeit, Bauern- und Hirtenarbeit abgestellte Gesellschaft im Vercors hatte als Haustiere vor allem Schweine, Rinder und Schafe, wobei bei der Fleischversorgung die Jagd auch weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Immer größere Rodungen im Vercors sowie die Entdeckung zahlreicher Mühlen und Mörser weisen auf eine starke Ausweitung der Getreidewirtschaft, aber auch auf eine steigende Bevölkerungszahl hin.
Um ca. 750 v. Chr. drangen Reiterstämme aus dem Norden mit eisernen Waffen in das Vercors-Gebiet ein (Grab bei St-Thomas-en-Royans).
Für die Römer waren die klimatisch milden Tiefebenen um den Vercors ein bevorzugter Lebensraum. Für Denkmäler und Prachtbauten in Die bauten sie auf den Hochplateaus Kalkstein ab. Ein Steinbruch ist noch erhalten, ebenso ein Stück Römerstraße.
Eine Klimaverschlechterung machte die Rinderzucht schwieriger, Schafe und Ziegen wurden die wichtigsten Nutztiere. Germaneneinfälle am Ende des weströmischen Reiches machten den Vercors dann zu einem Schutz- und Rückzugsbereich, in dem Kultur und Gesellschaft sich ohne große Veränderungen über das Mittelalter hinaus erhielten. Reste von Befestigungsanlagen lassen auf die Kontrolle des Handelsweges zwischen Grenoble und Die schließen.
Leider mussten die Résistance-Kämpfer aber feststellen, dass die alliierte Zusage nicht eingehalten wurde: Es wurden keine zusätzlichen Truppen gesandt, die Versorgung über eine Luftbrücke blieb aus, die Vercors-Kämpfer waren isoliert und auf sich gestellt.
Die Bedrohung der Etappe durch einen offenen, bewaffneten Aufstand vom Vercors aus war für die deutsche Wehrmacht nicht tragbar; noch im Juli 1944, einen Monat vor der Befreiung Grenobles durch die Alliierten, griffen trotz der Bedrohungen durch die alliierten Invasionstruppen in der Normandie und in Italien und der massiven sowjetischen Angriffe im Osten zwei schwer bewaffnete Divisionen (15.000 Gebirgsjäger) am 19. Juli mit Artillerieunterstützung die Felspässe an, während 400 Mann Waffen-SS mit Lastenseglern im Hochtal landeten. Die Angreifer brannten zwei Dörfer nieder (darunter Valchevrière), erschossen Gefangene und „Verdächtige“, insgesamt 639 Widerstandskämpfer und 231 Zivilisten. Die deutschen Verluste betrugen etwa 150 Mann. Besonders tragisch verlief die Eroberung des Höhlenlazaretts St-Martin (Grotte de la Luire) am 27. Juli: 19 Verwundete wurden ermordet, zwei Ärzte und ein Priester in Grenoble exekutiert, zwei Krankenschwestern in das KZ Ravensbrück abtransportiert, von denen nur eine das Kriegsende und die Befreiung erlebte. Die meisten Widerstandskämpfer konnten sich in den unzugänglichen Wald von Lente zurückziehen. Im Musée de la Résistance in Vassieux-en-Vercors mit dem Ehrenfriedhof Cimetière National du Vercors für 186 Gefallene der Résistance werden die Geschehnisse dieses Widerstandes dokumentiert.
Im Parc Naturel Régional gedeihen ca. 1800 Pflanzenarten, darunter 60 Orchideen. 135 Vogelarten und 65 Säugetierarten haben hier ein zum Teil letztes Reservat gefunden.
Im Süden und Westen herrschen mediterrane Ebenen und hügeliges Bergland vor, während im Norden und Osten in Bergwäldern und Hochtälern ein raueres alpines Klima regiert. Die milderen Gegenden werden landwirtschaftlich genutzt. Laubwälder mit Eichen und Buchen, darunter Kiefern, besiedeln die eher naturbelassenen Gebiete. In den höheren Lagen herrschen Nadelwälder, vor allem mit Kiefern und Fichten vor, ebene Hochflächen werden als Weide benutzt oder sind Heideland.
In allen Lagen, bis auf die höchsten unwirtlichen, sind zu Hause Feldenzian und Kreuzenzian, Frühlingskrokus, gelbe Narzisse, Türkenbund, Hundszahn und die wilde Tulpe, die ein Motiv des Regionalpark-Logos ist. An manchen Stellen finden sich hier der weiße Affodill, in den wärmeren, mediterranen Waldgegenden (200 - 900 m) außerdem noch Graslilie, Binsenlilie und Herbstzeitlose.
Berühmt ist der Vercors für den einzigartigen Reichtum an Orchideen. Etwa 60 Arten kommen im Gebiet vor. Der Frauenschuh, die Orchidee mit der größten Blüte, kommt noch verbreitet vor. In Höhenlagen sind alpine Arten wie das schwarze Kohlröschen anzutreffen, in Tallagen dagegen eher mediterran verbreitete Orchideen wie Affen-Knabenkraut, Südfranzösisches Knabenkraut, Dreizähniges Knabenkraut, Ohnhorn und Drôme-Ragwurz. Besonderheiten sind die gehäuften Vorkommen des ansonsten extrem seltenen Spitzels Knabenkrautes sowie die Massenvorkommen des Holunder-Knabenkrautes auf den Hochplateaus. Weiterhin findet man Fuchs' Knabenkraut, Kleines Knabenkraut, Helm-Knabenkraut, Männliches Knabenkraut, Rotes Waldvöglein und viele Arten mehr.
Neben diesen eher spektakulären Pflanzen gibt es auch noch weitere rare Arten, darunter exemplarisch den Wolfshut, die Küchenschelle, den großen gelben Fingerhut, Schneeglöckchen, Alpenglöckchen und die Alpenrose.
Wie fast überall in Europa sind auch im Vercors die großen Raubtiere so gut wie verschwunden. Der letzte Braunbär wurde 1938 erlegt. Auch Luchs und Wölfe sind nicht mehr vorhanden. Aber die verbliebene Tierwelt ist in Europa einzigartig. Speziell an den Steilhängen der Riffkalke sind Steinadler, Wanderfalke, Uhu, Alpensegler, Felsenschwalbe und der Mauerläufer, der nur selten fliegt, unterwegs. Als einziges großes Säugetier findet sich hier der in den 90er Jahren wieder eingebürgerte Steinbock. Die höheren Lagen des Vercors besiedeln Rauhfußkauz, Habicht, Eisvogel, Haselhuhn, Fichtenkreuzschnabel und Schwarzspecht. Uhu-muc.jpg Der Bart- und Mönchsgeier konnte in den letzten Jahren wieder eingebürgert werden. In den höchsten Lagen kommen noch Tannenhäher, Steinkauz und Birkhuhn vor, das ebenfalls das Logo des Parc Régional ziert, außerdem noch der Schneehase und das Murmeltier, ebenfalls wieder eingebürgert. Eine Kostbarkeit ist der sehr selten gewordene Apollofalter, dessen Raupen von Fetthennen (Sedum) leben, einer mit dicken fleischigen Blättern ausgestatteten Pflanze, die es noch hoch oben gibt. Etwas tiefer finden sich dann auch noch Gämse, Mufflon und Hirsch sowie an Reptilien Ringelnatter, Vipernnatter und Erdkröte.
Großen Artenreichtum weisen die warmen tieferen Lagen auf: Kernbeißer, Neuntöter, Bienenfresser, Pirol, Spechte, Steinkauz, Zwergohreule, Schwarzmilan, Rotmilan und in den wasserreichen Niederungen der Fischadler, Rohrweihe, Seidensänger, und, wieder eingebürgert, der Biber. Äskulapnatter und Westliche Smaragdeidechse lieben ebenfalls die südliche Wärme.
Allgegenwärtig ist der zierliche, bunte Turmfalke. Auch die zahlreichen Grotten bergen viele Lebewesen, beispielsweise etwa 30 Fledermausarten wie Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Kleine und Große Hufeisennase.
Wie die meisten Feriengebiete Frankreichs wird der Vercors zum größten Teil von den Franzosen selbst besucht. Auch die Bewohner der benachbarten Universitätsstadt Grenoble profitieren von den Freizeitangeboten in Vercors. Die Bandbreite der touristischen Angebote erstreckt sich von anspruchsvolleren Sportarten wie Gleitschirmfliegen, Bergsteigen und Höhlenerkundungen bis zu den Klassikern des Sports, Schifahren und Wandern, wobei speziell hier auch geführte Wanderungen und Packagetouren angeboten werden. Sogar Wandern mit Schlittenhundgespannen sind möglich. Tropfsteinhöhlen, die für den Besucher erschlossen worden sind, treffen auf großes Interesse.
Auch das Konzept des Parc Regional trägt zur Beliebtheit dieses Feriengebietes bei. Der Parc hat als Ziel die Erhaltung der Landschaft und Bewahrung der traditionellen wirtschaftlichen und traditionellen Kultur. So ist hier auch die nachhaltige Landwirtschaft wieder rentabel geworden. Einheimische Produkte wie Schafskäse und Honig erfreuen sich größter Nachfrage auf den regionalen Wochenmärkten. Ein zentraler Begriff ist hier auch die Transhumance ovine, der sommerliche Auftrieb der Schafherden der französischen Provence auf die Hochweiden des Vercors, wenn die heimatlichen Wiesen in der Sommerdürre gelb werden. Früher wurden die Schafe über schmale Pfade hinaufgeleitet, heutzutage werden zumeist große Viehtransporter eingesetzt, was für das Vieh schonender ist.
Ebenfalls von Norden nach Villard-de-Lans steigt die D218 (im Anfangsbereich ab Saint-Quentin-sur-Isère steil und schmal, mit einer weiteren ebenfalls steilen und engen Zufahrt über die D3 von Veurey Voroize) über Autrans und die Gorges de la Méaudret.
Im Nordwesten gibt es noch die z.T. gefährliche, sehr schmale und steile D35 von Rovon (Route des Ecouges) zu den oberen Gorges de la Bourne. Im Nordwesten ist von Cognin-les-Gorges aus durch eine sehr enge, kurvenreiche und steile Schluchtenstraße (Gorges du Nan) der Cirque de Mallevat erreichbar. Die Westseite des Vercors ist stark zerklüftet und bietet durch die Schlucht der Bourne, die Grands Goulets und über den Combe Laval mit dem Pass de la Machine Zufahrtsmöglichkeiten. In den Gorges de la Bourne befindet sich die ebenfalls für Touristen erschlossene Grotte von Choranche, mit bis zu 15 Meter hohe Sälen, Versteinerungen und Tropfsteingebilden. Sie beherbergt einen unterirdischen See von etwa 50 Meter Länge und bis zu 8 Metern Tiefe. Weiter führen die Gorges de la Bourne von Pont-en-Royans zum Hauptort des Vercors, Villard-de-Lans.
Die Goulets, eine vor allem im oberen Teil, dem Galerientunnel der Grands Goulets, sehr eindrucksvolle Klamm, sind ebenfalls von Pont-en-Royans erreichbar und enden in Barraques-en-Vercors. Auf der Hochfläche dieser Zufahrt sind die Grotten de la Luire, die als Lazarett für Résistance-Kämpfer des zweiten Weltkriegs eine sehr traurige Berühmtheit erlangte, und la Draye Blanche Serre Plume zu besichtigen.
Von Vassieux-en-Vercors (Necropole du Vercors und Musée de la Résistance) geht die D76 über den Col de Lachau durch den Wald von Lente, dem Zufluchtsgebiet der Resistance-Kämpfer 1944 zum Combe Laval, einem kühn bis zu 600 Meter über der Laval-Schlucht in den Fels geschlagenen Passübergang nach St-Jean-en-Royans, von wo die bezaubernde D70 zum Col de Tourniol geht. Dieser Pass ist von Vassieux-en-Vercors auch über den Col de la Bataille erreichbar. Am Treffpunkt dieser beiden Straßen liegt das kleine aufgelassene Kloster Léoncel, das besichtigt werden kann.
Von Süden her, aus Die kommend, wird der Vercors durch den Col de Rousset erschlossen, eine sehr kurvige, teilweise steile Straße, die das Hochtal durch einen etwa 200 Meter langen Tunnel erreicht. Dieser verbindet zwei manchmal sehr unterschiedlich ausgebildete Klimazonen; oft fährt man durch Nebel und Regen die Auffahrt auf der Hochebene und erlebt nach der Durchfahrt des Scheiteltunnels den sonnigen Süden. Von hier aus hat man außerdem einen weiten Blick über die schon provenzalisch anmutenden Berge des Diois.
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