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Verbal Behavior ist der Titel eines Buches von B. F. Skinner. Verbal Behavior erschien 1957 und ist eine theoretische Analyse des sprachlichen Verhaltens aus der naturwissenschaftlichen Sichtweise der Verhaltensanalyse heraus. Sprachliches Verhalten, so Skinner (1957), unterliegt den selben Gesetzmäßigkeiten wie anderes Verhalten auch.

Überblick


Skinner definiert zunächst sprachliches Verhalten und erläutert die Anwendung des verhaltensanalytischen Begriffsapparates auf den Bereich der Sprache. Sodann werden ausführlich die verschiedenen Arten verbaler Operanten (das sind die Einheiten sprachlichen Verhaltens) vorgestellt und erläutert. Die Generalisation und Diskrimination von sprachlichem Verhalten bewirkt die Formung neuer und komplexerer Formen sprachlichen Verhaltens. Besonderes Gewicht legt Skinner auf die multikausale Verursachung von Sprechakten: Verbales Verhalten wird nur selten durch einen der von Skinner beschriebenen Prozesse alleine ausgelöst, auch können die Variablen des sprachlichen Verhaltens mehr als ein Verhalten kontrollieren. Unter der Überschrift "Autoklitisches Verhalten" erläutert Skinner, wie das eigene sprachliche Verhalten des Sprechers das sprachliche Verhalten kontrolliert. Zuletzt beschreibt Skinner die Selbstkontrolle sprachlichen Verhaltens, d.h. wie das sprachliche Verhalten des Sprechers durch sein anderes Verhalten kontrolliert wird. Dabei fasst Skinner auch das Denken als Verhalten auf.

Skinner führt hier vieles aus, was er in Wissenschaft und menschliches Verhalten (1982Skinner, B. F. (1982). Wissenschaft und menschliches Verhalten. München: Kindler. ISBN 346300562X, original Science and Human Behavior, 1953Skinner, B. F. (1953). Science and Human Behavior. New York: The Free Press. ISBN 0-02-929040-6 (Buch als downloadbare Pdf-Datei)) nur anreißt. Das Buch beinhaltet jedoch keine neuen Gesetze des Verhaltens zur Erklärung sprachlichen Verhaltens. Die einzigen neuen Begriffe, die Skinner einführt, sind die sechs grundlegenden verbalen Operanten (Mand und Tact, echoisches, textuales und intraverbales Verhaltens sowie die Zuhörer-Beziehung). In wissenschaftstheoretischer Hinsicht ist Verbal Behavior also eine sparsame Theorie. Skinner illustriert seine Annahmen im Lauf des Buches mit vielen hunderten Beispielen.

Ein Verständnis des Inhalts von Verbal Behavior ist ohne grundlegende Kenntnisse der Verhaltensanalyse nur schwer möglich (wobei Skinner ein gut lesbares Englisch schreibt). Insbesondere der Versuch, Verbal Behavior mit dem traditionellen Verständnis des Phänomens Sprache im Hinterkopf zu verstehen, scheitert, da der verhaltenswissenschaftliche Ansatz hier eher kontraintuitiv ist. Auch dieser Artikel kann nur einen knappen Einblick in das Thema geben. Vor allem Skinners Erklärung komplexeren sprachlichen Verhaltens sprengt den Rahmen eines Enzyklopädieeintrages.

Voraussetzungen


Skinner (1938Skinner, B. F. (1938). The Behavior of Organisms. New York: Appleton-Century-Crofts. ISBN 1-58390-007-1, 1953Skinner, B. F. (1953). Science and Human Behavior. New York: The Free Press. ISBN 0-02-929040-6 (Buch als downloadbare Pdf-Datei)) ist einer der Begründer der Verhaltensanalyse. In Verbal Behavior wendet er die in Experimenten an Tieren und Menschen gewonnenen Erkenntnisse der Verhaltensanalyse auf das sprachliche Verhalten an. Verhalten unterliegt aus verhaltensanalytischer Sicht der Kontrolle durch die Umwelt, oder anders formuliert: Verhalten wird von der (gegenwärtigen und vergangenen) Umwelt des Organismus geformt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der
  • Stimuluskontrolle – Womit der Einfluss aller Ereignisse in der Umwelt des Organismus gemeint ist, die zeitlich vor dem Verhalten stattfinden, also der vorausgehenden Bedingungen des Verhaltens (Antecedents)
und der
  • Verstärkerkontrolle – Damit ist der Einfluss der dem Verhalten zeitlich nachfolgenden Umweltereignisse gemeint, also der Konsequenzen des Verhaltens (Consequences).
Mit Hilfe des ABC-Modells (das "B" steht für Behavior, also Verhalten) kann die Form und die Häufigkeit von Verhalten erklärt werden:

A → B → C

Man spricht hier auch von der Dreifachkontingenz (three-term-contingency) des Verhaltens. Vereinfacht lässt sich die Kernaussage dieses Modell so umschreiben: Verhalten wird von vorausgehenden Bedingungen (der Situation, den Stimuli) ausgelöst und von Konsequenzen aufrechterhalten. Ein weiterer wichtiger Begriff der Verhaltensanalyse ist der Verstärker bzw. die Verstärkung. Verhalten, das häufiger als einmal auftritt, wird von Konsequenzen des Verhaltens aufrechterhalten.

Der Begriff der Kontrolle gibt zu dem Missverständnis Anlass, das sich der Organismus aus Sicht der Verhaltensanalyse gewissermaßen mechanisch und fremdgesteuert verhält. Skinner betont jedoch die Aktivität des Organismus: Das (operante) Verhalten des Organismus ist der Ausgangspunkt. Skinner drückt dies in der Einleitung zu Verbal Behavior so aus:

"Men act upon the world, and change it, and are changed in turn by the consequences of their action" (S. 1).

(Dt.: Menschen verhalten sich in der Welt und verändern sie. Im Gegenzug werden sie von den Konsequenzen ihrer Handlungen verändert).

Definition


  • Skinner (1957) definiert sprachliches Verhalten als Verhalten, welches nicht direkt auf die physikalische Umwelt einwirkt, sondern nur durch das Verhalten eines anderen Menschen einen Effekt hat ("Behavior which is effective only through the mediation of other persons", S. 2). Wenn jemand durstig ist, kann er sich ein Glas Wasser holen oder zu einer anderen Person sagen "Bitte gib mir Wasser". Letzteres Verhalten (zu sagen "Bitte gib mir Wasser") führt nur dann zu einer Verstärkung, wenn jemand anderes (ein Zuhörer) etwas tut (das Wasser bringt). Der Zuhörer muss dabei auf die Verstärkung sprachlichen Verhaltens (nicht unbedingt explizit) trainiert worden sein, er muss also Mitglied der selben Sprachgemeinschaft sein wie der Sprecher.
Ein Beispiel zeigt, wie weit Skinners Definition gefasst ist: Ein Taube, die in einem verhaltenswissenschaftlichen Experiment gelernt hat, auf einen Schalter zu picken, wenn eine grüne Scheibe sichtbar ist, wird ebenfalls nicht direkt durch die physikalische Umwelt verstärkt, sondern von einem "Zuhörer", dem Experimentator, der darauf trainiert worden ist, das Verhalten der Taube im gegebenen Fall zu verstärken (indem er ihr z.B. eine Futterkugel gibt). Das Picken der Taube ist demnach ein sprachliches Verhalten. Als weiteres Kriterium für sprachliches Verhalten wurde daher später auch die Austauschbarkeit der Rollen eingeführt, d.h. der Sprecher kann auch Zuhörer sein und umgekehrt. Im obigen Beispiel sind die Rollen von "Sprecher" (Taube) und "Zuhörer" (Experimentator) nicht austauschbar: Daher handelt es sich in diesem Beispiel nicht um sprachliches Verhalten. Würde dagegen die Position der Taube von einem anderen Menschen eingenommen, wäre das Verhalten der "menschlichen Taube" ein sprachliches Verhalten.

Wenn man sprachliches Verhalten als Verhalten, dass nur durch die Vermittlung anderer Personen verstärkt wird, auffasst, dann wird klar, dass dieses nicht durch seine Form (bzw. das Medium) definiert werden kann. Die häufigste Form sprachlichen Verhaltens ist das Sprechen (vokales Verhalten), welches zudem den geringsten Einfluss auf die physische Umwelt hat (nur selten, so Skinner, 1957, gelingt es, durch Sprechen die Mauern von Jericho einstürzen zu lassen oder die Sonne in ihrem Lauf aufzuhalten, S. 2). Hinzu kommen die verschiedensten Formen von geschriebener Sprache und Zeichensprache, auch Sprachen, bei denen der "Sprecher" die Haut der "Zuhörers" berührt, gibt es (Taubblindensprache). Hörbare Formen sprachlichen Verhaltens können auch das Klatschen der Hände (im Theater) oder das Blasen eines Horns (in der Schlacht) sein. Auch der Mann am Telegraphen verhält sich, so Skinner (1957), sprachlich, wenn er seine Hand bewegt, ebenso, wer auf Tafeln mit Worten deutet – immer vorausgesetzt, dass dieses Verhalten das Verhalten einer anderen Person verändert.

Skinner grenzt sich mit dieser Definition von der traditionellen (insbesondere linguistischen) Sicht auf das Problem Sprache ab: Linguisten beschäftigen sich selten mit dem sprachlichen Verhalten einer einzelnen Person, sondern sie untersuchen Sprachen (also das abstrahierte sprachliche Verhalten vieler Menschen). Traditionellerweise wird auch angenommen, dass sprachliches Verhalten (wie anderes Verhalten auch) nur durch Ereignisse innerhalb des Organismus erklärt werden können: Sprache dient nach traditioneller Ansicht dazu, "Ideen" (oder "Bedeutung" oder "Information") auszudrücken. Skinner dagegen sieht die "Bedeutung" dessen, was gesagt wird, außerhalb des Organismus (in den Beziehungen zwischen Umweltereignissen und Verhalten). Skinners Auffassung von Sprache ähnelt damit der von Ludwig WittgensteinWittgenstein, L. (2001). Philosophische Untersuchungen. Frankfurt a.M.: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. PU 43.: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache".

Grundlagen


Das verbale Operant - Die Einheit sprachlichen Verhaltens

Sprachliches Verhalten tritt als ein Fluss auf: Zum Zweck der Untersuchung muss es in Einheiten untergliedert werden. Die traditionellen Einheiten Wort, Satz usw. böten sich hier an. Skinner benötigt jedoch eine Einheit, die eindeutig identifizierbar ist und die mit bestimmten unabhängigen Variablen in einem funktionalen (d.h. regelhaften) Zusammenhang steht. Der Verhaltensanalytiker legt die Einheit des Verhaltens (das Operant), das er untersucht, nicht von vornherein fest, sondern danach, ob sie als Funktion einer bestimmten anderen Variable (z.B. Umweltvariable) auftritt. Das kann für den Fall des verbalen Operanten bedeuten, dass diese Einheit sowohl ein so geringfügiges Merkmal wie eine Betonung oder ein einzelner Laut als auch eine vollständige Redewendung oder ein Satz (wie etwa "was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen") sein kann. – Immer vorausgesetzt, das verbale Operant variiert mit einer anderen Variable, d.h. es steht zu ihr in einem funktionalen Zusammenhang. Ein Beispiel: Wenn das Setzen oder Weglassen eines Akzents bewirkt, dass das sprachliche Verhalten verstärkt wird oder nicht, dann ist der Akzent die relevante Untersuchungseinheit. Dies widerspricht natürlich stark den Gepflogenheiten in der Sprachwissenschaft. Jedoch ist diese Definition von verbalem Operant (jedes Stück sprachlichen Verhaltens, das in einem funktionalen Zusammenhang zu einer anderen Variable steht) eine Konsequenz der Übertragung der Methoden der Verhaltensanalyse auf den Bereich sprachlichen Verhaltens.

Verbale Operanten sind nicht gleichbedeutend mit Wörtern. Sie sind vielmehr individuelles Verhalten einer bestimmten Person in einem bestimmten Kontext. "Wörter" dagegen sind Elemente eines abstrakten Systems Sprache. Im Gegensatz zu vielen Linguisten geht Skinner nicht davon aus, dass mit dem Wort eine Bedeutung erworben wird, sondern dass jedes sprachliche Verhalten einzigartige vorausgehende Bedingungen und Konsequenzen hat. Jedes verbale Operant muss daher einzeln als das Produkt einer bestimmten Situation betrachtet werden, als abhängig von den Umweltbedingungen, welche kontrollieren, ob und wann das Operant geäußert wird. Die Fähigkeit eines Kindes, "Keks" zu sagen, wenn das Kind den Keks sieht (das Kind äußert hier ein Tact) ist von der Fähigkeit, "Keks" zu sagen, wenn es hungrig ist (das Kind äußert hier ein Mand), verschieden. Die verbalen Operanten sind also funktional unabhängig (auch wenn sich ihre Form gleicht). Die Vermutung Skinners, dass verbale Operanten funktional unabhängig sind, ist mittlerweise vielfach empirisch bestätigt wordenSautter, R. A. & LeBlanc, L. A. (2006). Empirical applications of Skinner's analysis of verbal behavior with humans. The Analysis of Verbal Behavior, 22, 35-48..

Eine weitere Untersuchungseinheit ist das sprachliche Repertoire. Damit wird das potenzielle Verhalten das Sprechers bezeichnet. Allerdings ist es genauso unsinnig zu fragen, wo ein verbales Operant ist, wenn es nicht geäußert wird, wie zu fragen, wo der Patellarsehnenreflex ist, wenn er nicht ausgelöst wird.

Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens

Einige verbale Operanten treten mit größerer Wahrscheinlichkeit auf als andere. Die Wahrscheinlichkeit (im Sinne der Auftretenshäufigkeit) eines verbalen Operanten in einer bestimmten Situation ist die wichtigste interessierende Größe bei der Untersuchung sprachlichen Verhaltens. Gemeint ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass z.B. irgendwann ein bestimmtes Wort gesagt wird (wie sie sich etwa in Worthäufigkeitslisten wiederfinden), sondern die Auftretenswahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt, in einer bestimmten Situation. Man nennt dies auch die Stärke eines Operanten.

Das Mand und das Tact als verbale Operanten


Skinner (1957) teilt die verbalen Operanten in sechs verschiedene Klassen ein, je nachdem, in welcher Beziehung sie zu vorausgehenden Bedingungen (Stimuli) und Konsequenzen stehen. Die zwei wichtigsten sind das Mand und das Tact.

Das Mand

Ein verbales Operant, welches in einer Sprachgemeinschaft üblicherweise eine bestimmte Konsequenz in der Umwelt des Sprechers zur Folge hat, wird von Skinner (1957) mit dem Kunstwort Mand bezeichnet. Er leitet diesen Begriff von Wörtern wie demand (fordern) und command (befehlen) ab.

  • Ein Mand ist ein verbales Operant, welches nur durch eine bestimmte Konsequenz verstärkt wird und das somit unter (funktionaler) Kontrolle der zugehörigen motivationalen Zustände steht.

Im ABC-Modell lässt sich das Mand so beschreiben:

  • A: Die vorausgehende Bedingung des Mand ist eine bestimmte etablierende Operation (nach Michael, 1993Michael, J.L. (1993). Establishing operations. The Behavior Analyst, 16, 191-206.) oder wie Skinner selbst es ausdrückt, ein motivationaler Zustand des Organismus (der Begriff etablierende Operation ist jedoch vorzuziehen, da er keine Bezüge zu inneren Zuständen des Organismus als Ursache des Verhaltens nahe legt und zudem weiter gefasst ist).
  • B: Das Mand.
  • C: Die Konsequenz des Mand muss spezifisch sein.

Beispiel:

Eine Person sagt am Imbisstand: "Einmal Pommes Rot-Weiß" und bekommt diese auch.

  • A: Die Person hat Hunger (motivationaler Zustand) bzw. schon länger keine Nahrung zu sich genommen (etablierende Operation).
  • B: "Einmal Pommes Rot-Weiß"
  • C: Die Person bekommt eine Portion Pommes

Das sprachliche Verhalten "Einmal Pommes Rot-Weiß" ist in diesem Fall ein Mand, da es eine bestimmte etablierende Operation voraussetzt und nur durch eine bestimmte Konsequenz verstärkt wird: Das Verhalten "Einmal Pommes Rot-Weiß" wird künftig nur dann in ähnlichen Situationen (also z.B. am selben Imbissstand) häufiger auftreten, wenn es durch eine bestimme Konsequenz (die Pommes Rot-Weiß) verstärkt wird (nicht aber, wenn eine andere Konsequenz eintritt, die Person hier z.B. keine Pommes Rot-Weiß bekommt).

Ein Mand "bezeichnet" die erwünschte Verstärkung: "Hör zu!", "Stop!", "Sag ja!" usw. bezeichnen das erwünschte Verhalten des Zuhörers, "Mehr Suppe!" oder "Salz!" bezeichnet den Verstärker als solchen.

Das Tact

Das eigene sprachliche Verhalten und das sprachliche Verhalten anderer ist einer der wichtigsten Auslöser für sprachliches Verhalten. Skinner behandelt diese Fälle als echoische, textuale und intraverbale Operanten. Zwei Arten von Stimuli sind üblicherweise nonverbal: Die (Anwesenheit der) Zuhörerschaft und die gesamte physische Umwelt. Skinner (1957, S. 81) verwendet für den Fall, dass die physische Umwelt ein auslösender Stimulus für ein sprachliches Verhalten ist, den Begriff Tact. Er leitet das Wort vom "Kontakt" (contact) ab, in den das Individuum mit der Umwelt tritt.

Ein Tact wird definiert als ein verbales Operant, bei dem eine bestimme Verhaltensantwort von einer bestimmten Form durch ein bestimmtes Objekt, ein Merkmal eines Objekts oder Ereignis in der Umwelt des Sprechers hervorgerufen oder zumindest gestärkt wird.

Im ABC-Modell lässt sich das Tact so beschreiben:

  • A: Die vorausgehende Bedingung ist die Anwesenheit eines bestimmen Stimulus (z.B.: Objekts). Der Zustand des Organismus bzw. etablierende Operationen sind in diesem Fall nicht relevant.
  • B: Das Tact.
  • C: Die Konsequenz ist eine nicht spezifische Verstärkung des Tact. Während das Mand "Einmal Pommes Rot-Weiß" nur durch eine ganz spezifische Konsequenz verstärkt wird, wird ein Takt von generalisierten Verstärkern aufrechterhalten.

Beispiel:

Ein Kind sieht eine Puppe und sagt "Puppe".

  • A: Die Anwesenheit einer Puppe
  • B: "Puppe"
  • C: Die Mutter lobt das Kind (oder lächelt es an oder spricht weiter mit ihm - der Verstärker ist nicht-spezifisch bzw. ein generalisierter Verstärker)

Das Tact dient meist vorrangig den Interessen des Zuhörers und wird dann oft durch negative Verstärkung aufrechterhalten (der Sprecher erfährt keine positive Konsequenz wie z.B. Lob oder Dankbarkeit, sondern entgeht bspw. einer unangenehmen Situation – man denke hier an das Antworten in einer Prüfung).

Entstehungsgeschichte und Rezeption


Der Impuls für Verbal Behavior ging 1934 von einer Unterhaltung Skinners mit dem Philosophieprofessor Alfred North Whitehead bei einem Dinner in Harvard aus. Skinner legte seine Ansichten dar, bis Whithead ihn aufforderte, doch sein sprachliches Verhalten zu erklären, wenn er jetzt gleich "No black scorpion is falling upon this table" (Kein schwarzer Skorpion fällt jetzt auf diesen Tisch) sagen werde. Skinner nahm die Herausforderung an und begann am nächsten Tag mit der Arbeit an Verbal Behavior. Die Herausforderung Witheheads beantwortete Skinner im letzten Kapitel von Verbal Behavior.

Skinner schrieb über zwei Jahrzehnte an Verbal Behavior. Skinner griff dabei auch auf die Terminologie der Linguistik zurück und orientierte sich dahingehend überwiegend an Leonard BloomfieldBloomfield, L. (1933 / 1961). Language. New York: Holt, Rinehart & Winston., Matos, M.A. & Passos, M.d.L.R.d.F. (2006). Linguistic sources of Skinner’s Verbal Behavior. The Behavior Analyst, 29, 89 – 107..

Skinner betrachtete Verbal Behavior als sein wichtigstes Werk (Skinner, 1983Skinner, B. F. (1983). A Matter of Consequences. New York: Knopf. ISBN 0-394-53266-0). Das Erscheinen des Buches fällt jedoch auch mit dem Beginn der sogenannten kognitiven Wende und der damit verbundenen Abspaltung der Verhaltensanalyse von der Psychologie zusammen. In der breiten psychologischen Fachöffentlichkeit wurde das Werk daher kaum ernsthaft zu Kenntnis genommen und wird auch heute allenfalls aus Sekundärquellen zitiert (so Ickler, 1994Ickler, T. (1994). Skinner und "Skinner". Ein Theorien-Vergleich. Sprache und Kognition, 13, 221-229. (Artikel online)).

Prominent ist die Besprechung des Buches durch den Sprachwissenschaftler Noam Chomsky. Chomsky (1959)Chomsky, N. (1959): A Review of B. F. Skinner’s Verbal Behavior. Language, 35(1), 26-58. (Artikel online) urteilte, Verbal Behavior könne das Phänomen Sprache nicht erklären und vereinfache den Gegenstand über Gebühr. Skinners Begriffe seien, so Chomsky (1959), nur wissenschaftlich klingende Umschreibungen der traditionellen Begriffe der Sprachwissenschaft. Chomskys Kritik war später selbst Gegenstand der Kritik (z.B. MacCorquadale 1970MacCorquodale, K. (1970). On Chomsky's Review of Skinner's Verbal Behavior. Journal of the Experimental Analysis of Behavior, 13, 83-99. (Artikel online)): Chomsky interpretiere aufgrund seiner Unkenntnis der Verhaltenswissenschaft Verbal Behavior in vieler Hinsicht falsch und scheine das Buch nicht wirklich gelesen zu haben. Die Erwiderung auf Chomskys Kritik wurde jedoch kaum zur Kenntnis genommen. Nach wie vor ist in vielen psychologischen und sprachwissenschaftlichen Fachbüchern zu lesen, Chomsky habe Skinners Ansatz zu Erklärung der Sprache, bzw. überhaupt die Verhaltensanalyse und den Behaviorismus widerlegt.

Unter Verhaltensanalytikern wurde Verbal Behavior positiv aufgenommen. Insbesondere die verhaltensanalytische Behandlung des frühkindlichen Autismus stützt sich auf Verbal Behavior. Die Häufigkeit, mit der das Werk zitiert wird, hat über die Jahre seit dem Erscheinen stetig zugenommen. Von 1984 bis 2004 wurde Verbal Behavior in wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Gutachterverfahren insgesamt 1093 mal zitiertDymond, S.; O’Hara, D.; Whelan, R. & O’Donovan, A. (2006). Citation analysis of Skinner’s Verbal Behavior: 1984-2004. The Behavior Analyst, 29, 75-88. (zum Vergleich: Chomskys Language and MindChomsky, N. (1968). Language and Mind. New York: Harcourt, Brace & World. ISBN 3518276190 von 1968 wurde im selben Zeitraum 250 mal, BrownsBrown, R. (1973). A First Language: The Early Stages. Cambridge, MA: Harvard University Press. ISBN 0674303261 A First Language: The Early Stages von 1973 wurde 1343 mal zitiert). Die Häufigkeit empirischer Untersuchungen, die auf Skinners Konzeption beruhen, nahm ebenso zu. Ihre Anzahl hat sich im Zeitraum von 1989 bis 2004 beinahe vervierfachtSautter, R. A. & LeBlanc, L. A. (2006). Empirical applications of Skinner's analysis of verbal behavior with humans. The Analysis of Verbal Behavior, 22, 35-48., was als ein Beleg für die Vitalität und Fruchtbarkeit der Theorie angesehen werden kann.

Literatur


Original

  • Skinner, B. F. (1957). Verbal Behavior. Acton: Copley Publishing Group. Hardcover: ISBN 1-58390-021-7, Paperback: ISBN 0-87411-591-X
Von Verbal Behavior wurde keine deutsche Übersetzung veröffentlicht. Das englische Original kann als Reprint über die B.F. Skinner Foundation bezogen werden.

Quellen

Weblinks


Allgemein

Rezeption

Behaviorismus | Psycholinguistik

Verbal Behavior

 

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