Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Abk.: ver.di, Aussprache: //) ist eine Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sitz in Berlin. Sie hat rund 2,4 Millionen Mitglieder (Stand: Ende 2005) und ist damit die zweitgrößte Gewerkschaft im DGB. ver.di ist die Gewerkschaft der Dienstleistungsbranchen. Rund 31.000 Mitglieder sind Selbstständige, überwiegend aus freien Berufen, insbesondere aus der Medienbranche.
ver.di entstand 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften:
Mit der ver.di-Gründung wurde die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) integriert, was von manchen als bedeutender historischer Schritt gewertet wurde. Verdi1_Berlin.JPG)]] Berlin-verdi-Zentrale.jpg
ver.di ist als sogenannte Matrixorganisation aufgebaut. Sie besteht aus regional gegliederten Ebenen, die bestimmte jeweilige Politikfelder bearbeiten und Fachbereichen, die sich um berufliche und berufspolitische Themen kümmern.
Die 13 Fachbereiche (FB) orientieren sich an den Branchen der Arbeit- und Auftraggeber:
Am 18. März 2001 hatten die Verschmelzungskongresse der fünf Gewerkschaften in Berlin beschlossen, gemeinsam die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft zu bilden. Mit dem Eintrag ins Vereinsregister (Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg, Registernummer: VR 20229Nz) am 2. Juli 2001 hatte ver.di die Nachfolge der fünf Gründungsorganisationen auch rechtlich angetreten. Die Rechtsform 'e.V.' war nur gewählt worden, um die Verschmelzung rechtlich möglich zu machen. Seit dem 1. Juli 2004 ist ver.di nun kein eingetragener Verein (e.V.) mehr, sondern ein nicht eingetragener Verein - wie auch alle anderen DGB-Gewerkschaften.
ver.di hatte bei der Gründung rund 2,9 Millionen Mitglieder aus mehr als tausend Berufen und war vor der IG Metall - inzwischen die größte DGB-Gewerkschaft - nach der Gründung die größte Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
Vorsitzender von ver.di ist seit Gründung der Gewerkschaft Frank Bsirske, vor 2001 Vorsitzender der ÖTV.
ver.di leidet wie viele andere Gewerkschaften unter Verlusten an Mitgliedern und Finanzmitteln; so musste im Jahr 2003 ein Personalkostendefizit von rund 59 Millionen Euro verzeichnet werden (Frank Bsirske in „Die Welt“ vom 15. Oktober 2003). Seit Januar 2004 sollen bis 2010 die derzeit 5000 Arbeitsplätze auf ca. 4200 reduziert werden.
| Jahr | Mitglieder (Mio.) |
|---|---|
| 2001 | 2,80 |
| 2002 | 2,74 |
| 2003 | 2,61 |
| 2004 | 2,46 |
| 2005 | 2,36 |
ver.di zählte bisher zu den eher kämpferischen, gern auch als „links“, „unpragmatisch“ oder „traditionalistisch“ bezeichneten Gewerkschaften, die auch die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Schröder besonders intensiv kritisierten.
Die Massenarbeitslosigkeit bringt für ver.di - wie auch die meisten anderen Gewerkschaften - erhebliche Legitimationsprobleme in einer Gesellschaft mit sich, die in ihrer Mehrheit die Marktwirtschaft nicht anzweifelt und davon auszugehen scheint, dass das Sinken der Reallöhne und der weitere massive Abbau der Sozialsysteme aufgrund der weltwirtschaftlichen Konkurrenzsituation weder durchsetzbar noch im gesamtgesellschaftlichen Interesse wären. Da viele ver.di-Mitglieder im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind, wirkt sich die angespannte finanzielle Situation und hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte zusätzlich negativ auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Gewerkschaft aus. Arbeitnehmer zweifeln deshalb an den Möglichkeiten der Gewerkschaften, noch zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensverhältnisse beitragen zu können. Arbeitslos gewordene Arbeitnehmer treten häufig aus ihrer Gewerkschaft aus.
Die Gewerkschaftsbindung ist auch gering bei Arbeitnehmern, die in neuen Beschäftigungsbereichen (z. B. IT-Bereich, Teilzeit, Niedriglohnsektor) tätig sind, so dass selbst eine Wende auf dem Arbeitsmarkt die Abnahme der Mitgliederzahlen wohl nicht bremsen wird. ver.di organisiert allerdings über 31.000 Selbständige (meist Freiberufler, von denen es in Deutschland ca. 1 Million gibt Freiberuf), die in neuen Arbeitsformen ihre Existenz sichern. Dazu wurde das einzigartige Projekt mediafon eingerichtet, eine bundesweite Hotline für sogenannte Solo-Selbstständige, also einzeln arbeitende Selbstständige ohne Angestellte.
Der Marburger Bund als Verband der angestellten und beamteten Ärzte fühlte sich nicht mehr von ver.di vertreten und beschloss am 10. September 2005 die Trennung des Marburger Bundes von ver.di als Tarifpartner.
Kritiker halten ver.di vor, sie widersetze sich mehr als andere Gewerkschaften den Forderungen von Wirtschaftsexperten, Reformmaßnahmen zu Lasten der Arbeitnehmer in Deutschland schnell voranzutreiben. Sie setzte trotz der internationalen Konkurrenz aus Osteuropa oder Asien weiterhin auf Maßnahmen, die höhere Löhne und weniger Flexibilisierung bewirken sollten. Vor dem Hintergrund der These, dass für Arbeitnehmer negative Reformen wie Verlängerung der Arbeitszeit, Einfrieren des Lohnniveaus oder Erleichterung von Entlassungen positiv auf den Arbeitsmarkt wirken sollen, wird ver.di häufig vorgeworfen, die Arbeitnehmerinteressen über die der Arbeitslosen zu stellen. ver.di müsse, um wieder mehr Mitglieder zu gewinnen, einer Politik der Deregulierung zustimmen. Dass Deregulierung dauerhaft Arbeitsplätze schafft, ist allerdings nicht bewiesen.
ver.di hält dieser Kritik entgegen, dass die ökonomischen Probleme der letzten Jahre nicht durch mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten, sondern vor allem durch eine schwache Binnenkonjunktur entstanden sind, während die Exportquote Bestmarken erreiche. Die Exportwirtschaft sei jedoch zu sehr vom Weltmarkt abhängig und ihre Erlöse könnten die mangelnde Binnennachfrage nicht ausgleichen. Gemessen am Volkseinkommen sinke der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen (Lohnquote), während die Löhne durch Steuern, Abgaben und Eigenvorsorge noch zusätzlich belastet würden. Daher sollten, so eine ver.di-Forderung, im Rahmen der Steuergerechtigkeit hohe Einkommen stärker belastet werden.
Die Gewerkschaft setzt also auf eine ökonomische Gesundung durch höhere Löhne, die die Massenkaufkraft stärken sollen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit soll durch eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht werden. Durch Haus- und Firmentarifverträge, die die besondere Situation einzelner Unternehmen berücksichtigen, habe ver.di im Übrigen ausreichend Flexibilität bewiesen. Der ver.di-Bundesvorstand hat einen Bereich Wirtschaftspolitik, dessen Chefvolkswirt Michael Schlecht am Samstag, 14. Januar 2005 in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau forderte, die große Koalition solle ihr geplantes Investitionsprogramm von „pro Jahr netto vier Milliarden Euro“ auf 40 Milliarden Euro erweitern und somit eine Million neuer Arbeitsplätze schaffen. Zur Finanzierung müsste, so Schlecht, „der Finanzminister nur die Milliarden-Steuergeschenke seiner Vorgänger an die Reichen wieder einsammeln.“
Der Fachbereich setzt sich für gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung und gute Arbeitsbedingungen in Bildungseinrichtungen ein.
Tarifpolitisch engagiert ist der Fachbereich bei den Ersatzkassen (Barmer, DAK usw.). Im Jahre 2004 wurde ein Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen für ver.di-Mitglieder vereinbart. Nach Warnstreiks im Mai 2005 wurde die Ende 2005 eigentlich auslaufende Beschäftigungssicherung bis 31. Dezember 2007 im Rahmen von aktuellen Tarifverhandlungen verlängert.
Innerhalb der großen Fachbereiche können Fachgruppen gebildet werden, die die berufsspezifischen Interessen besonders fördern sollen. In dem Fachbereich Medien, Kunst und Industrie sind dies:
Zu den Schwerpunkten der Fachgruppe gehören, Ausstellungshonorare als Standard durchzusetzen und das Recht auf Ausstellungsvergütung im Urheberrechtsgesetz zu verankern.
Für Selbstständige und Angestellte im privaten Rundfunk, Film, AV-Produktion und den Neuen Medien gibt es außerdem das Projekt connexx-av, das vor allem zwischen Gewerkschaft und Medienszene vermittelt.
ver.di ist Mitglied in vielen internationalen Gewerkschaftszusammenschlüssen, etwa der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF), der Internationalen Grafischen Föderation, der Europäischen und Internationalen Journalistenföderation.
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