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Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Abk.: ver.di, Aussprache: //) ist eine Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sitz in Berlin. Sie hat rund 2,4 Millionen Mitglieder (Stand: Ende 2005) und ist damit die zweitgrößte Gewerkschaft im DGB. ver.di ist die Gewerkschaft der Dienstleistungsbranchen. Rund 31.000 Mitglieder sind Selbstständige, überwiegend aus freien Berufen, insbesondere aus der Medienbranche.

ver.di entstand 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften:

Mit der ver.di-Gründung wurde die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) integriert, was von manchen als bedeutender historischer Schritt gewertet wurde. Verdi1_Berlin.JPG)]] Berlin-verdi-Zentrale.jpg

Interne Organisation


ver.di ist als sogenannte Matrixorganisation aufgebaut. Sie besteht aus regional gegliederten Ebenen, die bestimmte jeweilige Politikfelder bearbeiten und Fachbereichen, die sich um berufliche und berufspolitische Themen kümmern.

Fachbereiche

Die 13 Fachbereiche (FB) orientieren sich an den Branchen der Arbeit- und Auftraggeber:

  • FB 01 - Finanzdienstleistungen
  • FB 02 - Ver- und Entsorgung
  • FB 03 - Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen
  • FB 04 - Sozialversicherung
  • FB 05 - Bildung, Wissenschaft und Forschung
  • FB 06 - Bund und Länder
  • FB 07 - Gemeinden
  • FB 08 - Medien, Kunst und Industrie
  • FB 09 - Telekommunikation, Informationstechnologie, Datenverarbeitung
  • FB 10 - Postdienste, Speditionen und Logistik
  • FB 11 - Verkehr
  • FB 12 - Handel
  • FB 13 - Besondere Dienstleistungen

Fachgruppen
Unterhalb der Ebene der Fachbereiche gibt es die Fachgruppen. So gibt es im Fachbereich 06 - Bund und Länder 8 Fachgruppen:

  • Bundeswehr
  • Stationierungsstreitkräfe
  • Bundes- und Landesverwaltungen
  • Bundes- und Landesfinanz- und Steuerverwaltung
  • Justiz
  • Bundesverkehrs- und Straßenbauverwaltung
  • Flugsicherung
  • Staatliche Bauverwaltung
  • Statistische Ämter

Fachkommissionen
Innerhalb einer Fachgruppe können sich Fachkommissionen bilden. So gibt es in der Fachgruppe Bund und Länder 4 Fachkommissionen:

  • Bund
  • Land
  • Landessozialverwaltung
  • Vermessung Kartographie

Personengruppen
Zu den Ebenenaufgaben gehören beispielsweise auch die sogenannten Personengruppen: Beamte, Erwerbslose, Frauen, Jugend, Migranten, Selbstständige und Senioren.

Vorstandsmitglieder


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Geschichte


Am 18. März 2001 hatten die Verschmelzungskongresse der fünf Gewerkschaften in Berlin beschlossen, gemeinsam die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft zu bilden. Mit dem Eintrag ins Vereinsregister (Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg, Registernummer: VR 20229Nz) am 2. Juli 2001 hatte ver.di die Nachfolge der fünf Gründungsorganisationen auch rechtlich angetreten. Die Rechtsform 'e.V.' war nur gewählt worden, um die Verschmelzung rechtlich möglich zu machen. Seit dem 1. Juli 2004 ist ver.di nun kein eingetragener Verein (e.V.) mehr, sondern ein nicht eingetragener Verein - wie auch alle anderen DGB-Gewerkschaften.

ver.di hatte bei der Gründung rund 2,9 Millionen Mitglieder aus mehr als tausend Berufen und war vor der IG Metall - inzwischen die größte DGB-Gewerkschaft - nach der Gründung die größte Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Vorsitzender von ver.di ist seit Gründung der Gewerkschaft Frank Bsirske, vor 2001 Vorsitzender der ÖTV.

Entwicklung und Lage


ver.di leidet wie viele andere Gewerkschaften unter Verlusten an Mitgliedern und Finanzmitteln; so musste im Jahr 2003 ein Personalkostendefizit von rund 59 Millionen Euro verzeichnet werden (Frank Bsirske in „Die Welt“ vom 15. Oktober 2003). Seit Januar 2004 sollen bis 2010 die derzeit 5000 Arbeitsplätze auf ca. 4200 reduziert werden.

Mitgliederentwicklung am Jahresende
Jahr Mitglieder (Mio.)
2001 2,80
2002 2,74
2003 2,61
2004 2,46
2005 2,36
ver.di hat seit der Gründung eine negative Mitgliederentwicklung. Grund für diesen Rückgang ist laut ver.di vor allem der Arbeitsplatzabbau in vielen Branchen, wie dem Öffentlichen Dienst, der Druckindustrie und im Bankgewerbe. Die Gesamtbeiträge der ver.di-Mitglieder lagen Ende 2003 bei rund 430 Millionen Euro.

ver.di zählte bisher zu den eher kämpferischen, gern auch als „links“, „unpragmatisch“ oder „traditionalistisch“ bezeichneten Gewerkschaften, die auch die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Schröder besonders intensiv kritisierten.

Die Massenarbeitslosigkeit bringt für ver.di - wie auch die meisten anderen Gewerkschaften - erhebliche Legitimationsprobleme in einer Gesellschaft mit sich, die in ihrer Mehrheit die Marktwirtschaft nicht anzweifelt und davon auszugehen scheint, dass das Sinken der Reallöhne und der weitere massive Abbau der Sozialsysteme aufgrund der weltwirtschaftlichen Konkurrenzsituation weder durchsetzbar noch im gesamtgesellschaftlichen Interesse wären. Da viele ver.di-Mitglieder im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind, wirkt sich die angespannte finanzielle Situation und hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte zusätzlich negativ auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Gewerkschaft aus. Arbeitnehmer zweifeln deshalb an den Möglichkeiten der Gewerkschaften, noch zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensverhältnisse beitragen zu können. Arbeitslos gewordene Arbeitnehmer treten häufig aus ihrer Gewerkschaft aus.

Die Gewerkschaftsbindung ist auch gering bei Arbeitnehmern, die in neuen Beschäftigungsbereichen (z. B. IT-Bereich, Teilzeit, Niedriglohnsektor) tätig sind, so dass selbst eine Wende auf dem Arbeitsmarkt die Abnahme der Mitgliederzahlen wohl nicht bremsen wird. ver.di organisiert allerdings über 31.000 Selbständige (meist Freiberufler, von denen es in Deutschland ca. 1 Million gibt Freiberuf), die in neuen Arbeitsformen ihre Existenz sichern. Dazu wurde das einzigartige Projekt mediafon eingerichtet, eine bundesweite Hotline für sogenannte Solo-Selbstständige, also einzeln arbeitende Selbstständige ohne Angestellte.

Der Marburger Bund als Verband der angestellten und beamteten Ärzte fühlte sich nicht mehr von ver.di vertreten und beschloss am 10. September 2005 die Trennung des Marburger Bundes von ver.di als Tarifpartner.

Streit um die richtige Gewerkschaftspolitik


Kritiker halten ver.di vor, sie widersetze sich mehr als andere Gewerkschaften den Forderungen von Wirtschaftsexperten, Reformmaßnahmen zu Lasten der Arbeitnehmer in Deutschland schnell voranzutreiben. Sie setzte trotz der internationalen Konkurrenz aus Osteuropa oder Asien weiterhin auf Maßnahmen, die höhere Löhne und weniger Flexibilisierung bewirken sollten. Vor dem Hintergrund der These, dass für Arbeitnehmer negative Reformen wie Verlängerung der Arbeitszeit, Einfrieren des Lohnniveaus oder Erleichterung von Entlassungen positiv auf den Arbeitsmarkt wirken sollen, wird ver.di häufig vorgeworfen, die Arbeitnehmerinteressen über die der Arbeitslosen zu stellen. ver.di müsse, um wieder mehr Mitglieder zu gewinnen, einer Politik der Deregulierung zustimmen. Dass Deregulierung dauerhaft Arbeitsplätze schafft, ist allerdings nicht bewiesen.

ver.di hält dieser Kritik entgegen, dass die ökonomischen Probleme der letzten Jahre nicht durch mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten, sondern vor allem durch eine schwache Binnenkonjunktur entstanden sind, während die Exportquote Bestmarken erreiche. Die Exportwirtschaft sei jedoch zu sehr vom Weltmarkt abhängig und ihre Erlöse könnten die mangelnde Binnennachfrage nicht ausgleichen. Gemessen am Volkseinkommen sinke der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen (Lohnquote), während die Löhne durch Steuern, Abgaben und Eigenvorsorge noch zusätzlich belastet würden. Daher sollten, so eine ver.di-Forderung, im Rahmen der Steuergerechtigkeit hohe Einkommen stärker belastet werden.

Die Gewerkschaft setzt also auf eine ökonomische Gesundung durch höhere Löhne, die die Massenkaufkraft stärken sollen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit soll durch eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht werden. Durch Haus- und Firmentarifverträge, die die besondere Situation einzelner Unternehmen berücksichtigen, habe ver.di im Übrigen ausreichend Flexibilität bewiesen. Der ver.di-Bundesvorstand hat einen Bereich Wirtschaftspolitik, dessen Chefvolkswirt Michael Schlecht am Samstag, 14. Januar 2005 in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau forderte, die große Koalition solle ihr geplantes Investitionsprogramm von „pro Jahr netto vier Milliarden Euro“ auf 40 Milliarden Euro erweitern und somit eine Million neuer Arbeitsplätze schaffen. Zur Finanzierung müsste, so Schlecht, „der Finanzminister nur die Milliarden-Steuergeschenke seiner Vorgänger an die Reichen wieder einsammeln.“

Einzelne Fachbereiche


Bildung, Wissenschaft und Forschung

Bildung ist eine wesentliche Grundlage für die gesellschaftliche, politische und ökonomische Teilhabe jedes Einzelnen. Der Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung organisiert den Arbeits- und Lernort Hochschule, die außeruniversitäre Forschung, die Weiterbildung und Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen. Schwerpunkt sind die Hochschulen mit ihren Studierenden, den wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Beschäftigten und den Kollegen der Studentenwerke.

Der Fachbereich setzt sich für gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung und gute Arbeitsbedingungen in Bildungseinrichtungen ein.

Sozialversicherung

Der Fachbereich Sozialversicherung vertritt rund 150.000 Mitarbeiter der gesetzlichen Krankenkassen, die 90.000 Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitsagenturen, die etwa 80.000 Beschäftigten der Rentenversicherungsträger (Deutsche Rentenversicherung Bund, Deutsche Rentenversicherung (frühere LVAen) und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (früher Bundesknappschaft u.a.)) sowie die gesetzliche Unfallversicherung, die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen und die Landwirtschaftliche Sozialversicherung. Der Fachbereich Sozialversicherung ist zwar einer der kleinen Fachbereiche in ver.di, steht jedoch seit seiner Bildung an allen Fronten im Einsatz für seine Mitglieder und die Beschäftigten. Sei es in den Politspektakeln beim sogenannten Statistikskandal 2002 bei der Bundesanstalt bis hin zum Umbau zu einer kundenorientierten Agentur. Bundesfachbereichsleiterin Sozialversicherung ist Isolde Kunkel-Weber.

Tarifpolitisch engagiert ist der Fachbereich bei den Ersatzkassen (Barmer, DAK usw.). Im Jahre 2004 wurde ein Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen für ver.di-Mitglieder vereinbart. Nach Warnstreiks im Mai 2005 wurde die Ende 2005 eigentlich auslaufende Beschäftigungssicherung bis 31. Dezember 2007 im Rahmen von aktuellen Tarifverhandlungen verlängert.

Einzelne Fachgruppen


Innerhalb der großen Fachbereiche können Fachgruppen gebildet werden, die die berufsspezifischen Interessen besonders fördern sollen. In dem Fachbereich Medien, Kunst und Industrie sind dies:

RFAV und dju

Die neben den Industriefachgruppen (Druck und Papierverarbeitung) größten Fachgruppen im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di (Fachbereich 8) sind die Fachgruppe „Rundfunk Film AV Medien“ und die „Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju)“. Die beiden Fachgruppen verhandeln zur Zeit (Anfang 2006) über eine Fusion zu einer Medienfachgruppe.

Fachgruppe Musik

Die Fachgruppe Musik im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie von ver.di vereint 6.000 in Musikberufen Tätige: Lehrkräfte an Musikschulen, selbständige Musiklehrer, Musikwissenschaftler, Komponisten, Solisten, Ensemblemitglieder von Orchestern, Kapellen, Kurkapellen und Bands.

Fachgruppe Bildende Kunst

In der Fachgruppe Bildende Kunst des Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di vereint professionelle Künstler, die auf den Gebieten Malerei und Grafik, Bildhauerei, Design, Objektkunst, Foto-, Film- und Videoinstallation, Textilkunst, Aktionskunst und Performance und der Kulturarbeit tätig sind.

Zu den Schwerpunkten der Fachgruppe gehören, Ausstellungshonorare als Standard durchzusetzen und das Recht auf Ausstellungsvergütung im Urheberrechtsgesetz zu verankern.

Fachgruppe Verlage und Agenturen

In der Fachgruppe Verlage und Agenturen im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie von ver.di sind Mitglieder aus Zeitschriften- und Buchverlagen, Zeitungsverlagen sowie der Kommunikationswirtschaft (Media- und Werbeagenturen) zusammengefasst. Die Fachgruppe veröffentlicht regelmäßig umfangreiche Brancheninformationen über Verlage sowie Quartalsberichte zur Medienwirtschaft in Deutschland.

Personengruppen


Sogenannte Personengruppen können laut ver.di-Satzung gebildet werden. Diese sind antragsberechtigt an alle Gliederungen. Zu den Personengruppen zählen:
  • Frauen
  • Senioren
  • Jugend (die nach der IG Metall-Jugend die größte Gruppe in der DGB-Jugend stellt)
  • Selbstständige
  • Erwerbslose
  • Arbeiter
  • Beamte
  • Meister, Techniker und Ingenieure

Personengruppe Selbstständige

Für Selbstständige wurden - für eine Gewerkschaft ungewöhnlich und in der Bundesrepublik einmalig - eigene Strukturen der ehrenamtlichen Vertretung und ein Referat auf Bundesvorstandsebene geschaffen. Das Referat Selbstständige und Freie verantwortet unter anderem das anspruchsvolle Beratungsangebot mediafon.net, das (gegen Gebühr) auch Nicht-Mitgliedern von ver.di zugänglich ist.

Für Selbstständige und Angestellte im privaten Rundfunk, Film, AV-Produktion und den Neuen Medien gibt es außerdem das Projekt connexx-av, das vor allem zwischen Gewerkschaft und Medienszene vermittelt.

Internationales


ver.di ist Mitglied in vielen internationalen Gewerkschaftszusammenschlüssen, etwa der Internationalen Transportarbeiterföderation (ITF), der Internationalen Grafischen Föderation, der Europäischen und Internationalen Journalistenföderation.

Siehe auch


Weblinks


Gewerkschaft (Deutschland) | Organisation in Berlin | Verkehrsgewerkschaft

Ver.di | Ver.di | Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

 

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