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Der Begriff Venezianische Mehrchörigkeit bezeichnet eine Musikpraxis, die Mitte des 16. Jahrhunderts in der späten Renaissance in Italien aufkam. Venedig war zu dieser Zeit ein führendes Innovationszentrum auf dem Gebiet der Musik (vgl. Venezianische Schule).

Es entstanden Werke, die den Raum, in dem musiziert wurde, einbezogen, indem sie auf zwei oder mehr Teil-Ensembles (so genannte „Chöre“) verteilt waren, die an verschiedenen Stellen des Raumes standen und teils abwechselnd aufeinander antworteten, teils sich in Tutti-Passagen vereinigten und so den ganzen Raum mit Klangpracht erfüllten. Der erste Komponist, der diese Schreibart systematisch auskostete, war Adrian Willaert in seinen „Salmi spezzati“ von 1550.

Seit Giovanni Gabrieli wurde auch immer öfter eine Differenzierung der Klangfarben explizit vorgeschrieben, etwa indem ein Chor mit Streichern und ein anderer mit Bläsern besetzt wurde.

Das mehrchörige Komponieren und Musizieren verbreitete sich rasch über große Teile Europas. Der bedeutendste deutsche Komponist, der die Mehrchörigkeit adaptierte, war Heinrich Schütz. In der Mitte des 17. Jahrhunderts verlor sich die Vorliebe für Mehrchörigkeit dann zugunsten einer mehr orchestralen Schreibweise, die überwiegend von Frankreich ausging. Ein Rest der Mehrchörigkeit lebte im Concerto grosso fort, von dem dann wieder Impulse für das barocke Solokonzert ausgingen.

Noch Johann Sebastian Bach schrieb doppelchörige Motetten, auch seine Matthäus-Passion hat eine doppelchörige Anlage.

Aus der Beschäftigung mit historischen Vorbildern heraus schufen romantische Komponisten hin und wieder doppel- oder mehrchörige Werke, besonders häufig Felix Mendelssohn Bartholdy.

Musikgeschichte

Venetian polychoral style | コーリ・スペッツァーティ

 

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