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Das Veltlin (ital. Valtellina) ist das Tal der Adda mit seinen Seitentälern.

Lage


Das Veltlin ist Teil der italienischen Region Lombardei und speziell der Provinz Sondrio. Es beginnt im Nordosten im Kessel von Bormio und endet mit der Mündung der Adda in den Comer See. Das Veltlin besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilstücken: Das obere Veltlin ist ein enges, steiles, hauptsächlich in südlicher und südwestlicher Richtung verlaufendes Tal. Etwa von Tirano an verläuft das untere Veltlin breit und fast ohne Gefälle in westlicher Richtung. Das obere Veltlin wird von der Ortlergruppe einerseits und den Grosina-Alpen andererseits gesäumt; das untere Veltlin wird rechter Hand von der Berninagruppe und linker Hand von den Bergamasker Alpen gesäumt.

Das untere Veltlin ist Teil der großen Verwerfung (Periadriatische Naht), die die (zentralen) Ostalpen von den Südalpen trennt.

Vom oberen Veltlin führen das Stilfser Joch nach Südtirol, der Umbrailpass ins Val Müstair, der Passo di Fraele ins Unterengadin und der Passo di Foscagno nach Livigno. Vom unteren Veltlin führen der Apricapass ins Val Camonica (und weiter über den Tonalepass ins Trentino), der Berninapass ins Oberengadin und der Murettopass ins Bergell.

Hauptort ist Sondrio, weitere bedeutende Orte sind Morbegno und Tirano.

Geschichte


Das Veltlin gehörte seit dem 14. Jahrhundert zum Herzogtum Mailand. Von 1512 an war es zusammen mit Chiavenna ein Untertanenland des Freistaats der Drei Bünde (so hieß damals das heutige Graubünden), welches ein zugewandter Ort der alten Eidgenossenschaft war. Als Mailand 1535 habsburgisch wurde, erlangte das Veltlin für die damalige Weltmacht Habsburg höchste strategische Bedeutung als Verbindung von Tirol und Oberitalien. Dementsprechend versuchten die Habsburger mehrfach, das Veltlin wieder an Mailand und damit an ihren Machtbereich anzugliedern. In der Zeit der Reformation blieb das Veltlin mehrheitlich katholisch, während Bünden, insbesondere das Engadin, die Reformation einführte. Den daraus resultierenden konfessionellen Konflikt zwischen katholischen Untertanen und reformierten Bündner Herren versuchten sich die katholischen Habsburger nutzbar zu machen, insbesondere während des Dreißigjährigen Kriegs - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Nachdem die Bündner auf die habsburgische Seite gewechselt waren, gaben ihnen die Spanier das Veltlin wieder zurück. Der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer verarbeitet diese Auseinandersetzungen in seinem Roman "Jürg Jenatsch".

Die Bündner Herrschaft endete 1797, als Napoleon das Veltlin der neugegründeten Cisalpinischen Republik zuschlug. Durch den Wiener Kongress wurde 1815 das Veltlin dem neugegründeten Lombardo-Venetianischen Königreich zugeschlagen, das in Personalunion mit Österreich verbunden war. Eine Vereinigung des Veltlins mit Graubünden scheiterte an verschiedenen Gründen. Zum einen waren die Grossmächte, insbesondere Österreich, nicht daran interessiert, das strategisch wichtige Gebiet aus den Händen zu geben. Zum anderen konnten sich die Bündner selbst nicht darüber einigen, den Veltlinern anzubieten, als gleichberechtigtes Land in den Kanton Graubünden einzutreten aus Angst, das italienische und katholische Element würde in Graubünden zu mächtig. Für die Veltliner kam ein Anschluss an die Schweiz aber nur als eigenständiger Kanton oder als gleichberechtigter Teil Graubündens in Frage. Der Verlust des Veltlins wurde in Graubünden noch weit bis ins 20. Jahrhundert beklagt. 1859 fiel das Veltlin mit der Lombardei an Sardinien-Piemont bzw. 1861 an das neugegründete Königreich Italien.

Am 28. Juli 1987 löste sich in der Ostflanke des Pizzo Copetto (Grosina-Alpen) ein Bergsturz, der das Dorf San Antonio Morignone unter sich begrub, 27 Menschenleben forderte und die Adda vorübergehend aufstaute. Der Talboden ist seither auf mehrere Kilometer Länge verschüttet. Die Staatsstraße 38 wurde in den Berg verlegt.

Wirtschaft


Tourismus

Von Tirano führt die Rhätische Bahn (Berninabahn) ins schweizerische Puschlav und weiter ins Oberengadin. Eine Linie von Trenitalia (Tochtergesellschaft des Gruppo FS) führt über Sondrio und Lecco nach Mailand bzw. Bergamo sowie über Sondrio nach Chiavenna. Das Hochgebirge bietet dem Alpinisten vielseitige Möglichkeiten. Im Veltlin liegen mehrere Wintersportorte, darunter Bormio, Chiesa in Valmalenco und Caspoggio. Das Val Masino ist für Kletterer interessant (Bergellgranit).

Wein

Bekannt ist der Veltliner. Er wird seit Jahrhunderten aus der hauptsächlich in den weitläufigen Weinbergen des mittleren und unteren Veltlins wachsenden Nebbiolo-Traube hergestellt. Die Qualität dieses Rotweines (es gibt jedoch auch Rosés und Weißweine), der in verschiedenen Stärken und Geschmacksrichtungen hergestellt wird (z.B. Inferno, Sforzato, Grumello, Montagna, etc.) ist sehr hoch. Der Wein wird, außer dem Konsum im Tal selber, vor allem in die Schweiz exportiert und ist in Graubünden noch heute das Nationalgetränk bei geselligen aber auch bei gediegenen Anlässen. Der leicht herbe Veltliner passt am besten zu rotem Fleisch aber auch zu Trockenfleisch wie Bündnerfleisch, Bresaola, Salsiz, Speck, Salametti, Mortadella usw., welche alle auch Spezialitäten des Veltlins sind.

Weblinks


Weinbaugebiet | Tal in Italien | Schweizerische Geschichte

Valtellina | Valtelina | Valteline | Valtellina | Valtellina

 

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