Ein Velomobil (frz. "vélo" - Fahrrad) ist ein muskelkraftbetriebenes Fahrzeug das mit einer geschlossenen Verkleidung ausgestattet ist, die den Fahrer vor Wind und Regen schützt. Es ist ein umweltschonendes Verkehrsmittel für den Alltagsgebrauch. Der Fahrer nimmt in der Mehrheit der Fälle eine liegende Position ein, ähnlich der bei einem Liegerad.
Vom Zweck und Bauform her sind Velomobile meist deutlich sportlicher ausgelegt als Rikschas und legen Wert auf Leichtbauweise. Unterstützung durch Elektromotoren ist oft möglich (Verbrennungsmotoren gibt es so gut wie nicht, diese würden am Zweck des Velomobils vorbeigehen). Velomobile werden oft aus Liegerädern entwickelt.
Bauform und Konstruktion
Das Leergewicht kommerziell erhältlicher Velomobile liegt meist zwischen 25 bis 50 kg. Um den
Luftwiderstand niedrig zu halten, sind Velomobile oft
stromlinienförmig konstruiert. Sie besitzen in der Regel drei Räder, wobei die sogenannte Tadpole-Bauform mit zwei Vorderrädern am verbreitetsten ist. Es existieren jedoch auch zweirädrige und vierrädrige Fahrzeuge, wie die Anfang der 30er Jahre von
Charles Mochet erbauten
Velocars. Zweirädrige Velomobile sind heute fast ausschließlich bei Rennen zu sehen, da sie recht viel Geschicklichkeit seitens des Fahrers erfordern. Vierrädrige Velomobile sind selten, da sie im Vergleich zu dreirädrigen Konstruktionen bei höherem Gewicht kaum Vorteile bieten.
Velomobile sind bis auf wenige Einzelexemplare Einsitzer.
Velomobile werden sowohl vollständig geschlossen als auch in offener Bauform gebaut. Bei letzterer Bauform befindet sich der Kopf des Fahrers im Freien. In der Praxis unterscheiden sich die beiden Bauformen vor allem im Wetterschutz, bei der Aerodynamik und bei den Sichtverhältnissen bei Regen und Schnee. Viele Velomobile besitzen abnehmbare Kopfhauben, so dass sie sowohl offen als auch geschlossen gefahren werden können.
Einige Velomobile können zusätzlich mit einem Elektromotor ausgestattet werden. Dieser erleichtert das Erklimmen steiler Anstiege und ermöglicht auch älteren Menschen oder Menschen mit geringer körperlicher Fitness effiziente Mobilität.
Alltags- und Wettertauglichkeit
Im Vergleich zu herkömmlichen
Fahrrädern bieten Velomobile hervorragenden Wetterschutz vor Wind, Regen, Schnee, Hagel und Kälte. Sie können meist ohne Regenschutzkleidung gefahren werden. In Velomobilen, bei denen der Kopf des Fahrers dem Fahrtwind ausgesetzt ist, sollte allerdings der Kopf mit Mütze oder Helm geschützt werden. Die aufgrund der körperlichen Anstrengung produzierte Wärme reicht aus, um für ein angenehmes Klima innerhalb der Verschalung zu sorgen.
Bei sommerlichen Temperaturen ab 30 Grad aufwärts kann es bei Velomobilen mit schlechtem Kühlkonzept zu starker Aufheizung kommen. Andererseits bleibt der Fahrer bei geschlossenen Velomobilen ohne große Fensterflächen von den heizenden Sonnenstrahlen verschont. Gut funktionierende Fahrtwindkühlung ist also wichtig bei der Konstruktion dieser Fahrzeuge. Die meisten Velomobile können weitgehend als
allwettertaugliche Ganzjahresfahrzeuge bezeichnet werden. Einschränkungen gelten für Fahrten bei Schnee, da hier die Traktion des Antriebsrades stark nachlässt. Ab einer bestimmten Schneehöhe kann außerdem die Verschalung aufsetzen.
Verbreitung
Die geringe Verbreitung von Velomobilen kann teilweise durch ihren hohen Preis erklärt werden. Velomobile werden ausnahmlos als Einzelexemplare oder in Kleinserie gebaut. Die geringen Stückzahlen resultieren in Preisen die auf dem Niveau eines Kleinwagens liegen.
Velomobile werden daher oft von ausgesprochenen Fahrrad-Enthusiasten und einer kleinen Gruppe umweltbewusster Menschen gefahren.
Hinzu kommt, daß Velomobile in vielen für den motorisierten Verkehr optimierten Großstädten manchmal mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringen. Velomobile benötigen im Vergleich zu Fahrrädern mehr Raum, mehr Stellfläche, sind schlecht zu transportieren und weisen eine schlechtere Wendigkeit auf. Zudem bieten sie auf innerstädtischen Kurzstrecken keine Geschwindigkeitsvorteile.
Sicherheit
Aufgrund der geringen Verbreitung von Velomobilen können keine statistisch haltbaren Aussagen zur Sicherheit gemacht werden. Die aus Gewichtsgründen meist sehr leichten Verschalungen bieten bei einem Zusammenstoss mit einem Kraftfahrzeug keinen sicheren Schutz. In der Regel können Velomobile hier nicht mit modernen Fahrgastzellen aus Kraftfahrzeugen verglichen werden. Der Schutz ist auf jeden Fall größer als bei Zweirädern (Ausnahme
BMW C1) und kann bei den meisten Geschwindigkeiten (etwa auf ebener Strecke) ausreichen, zumindest aber, wie Sicherheitsausstattungen anderer Fahrzeuge, wie Helm und Anschnallgurt, schwerste Verletzungen abschwächen und verringern.
Ein Vorteil von Velomobilen ist dabei die liegende Position des Fahrers. Ein Aufprall auf ein von vorn kommendes Hindernis wird so zuerst mit den Füßen und nicht mit dem Kopf genommen. Bei kleineren Unfällen wird ausserdem verhindert, dass der Fahrer vom Rad fällt. Stürze sind bei normalen, unverkleideten Fahrrädern die Hauptursache für Verletzungen.
Die durch einen Unfall verformte Verschalung kann bei Velomobilen mit Metallverschalung (z.B. Allewedder) aber auch dazu führen, dass der Fahrer sich nicht selbst aus dem Fahrzeug befreien kann.
Vor- und Nachteile gegenüber dem Fahrrad
Die Geschwindigkeitsvorteile schneller Velomobile beruhen in erster Linie auf dem wesentlich niedrigeren
cw-Wert. Dies ergibt trotz der meist etwas größeren Frontfläche einen wesentlich reduzierten
Luftwiderstand, wodurch Velomobile, gleich starke Fahrer vorausgesetzt, in erreichbaren Maximal- und Reisegeschwindigkeiten anderen Fahrrädern überlegen sind.
Das höhere Gewicht von Velomobilen macht sich vor allem beim Beschleunigen und an Steigungen negativ bemerkbar. Mit einer entsprechend ausgelegten Gangschaltung sind jedoch auch steilere Berge zu bewältigen. Dreirädrige Velomobile sind bei geringen Geschwindigkeiten zudem fahrstabiler als Zweiräder die bei Langsamfahrt permanent balanciert werden müssen. Velomobile können ihre Vorteile vor allem in der Ebene ausspielen. Daher, aber auch aufgrund der wesentlich besseren Fahrradverkehrsinfrastruktur, sind Velomobile beispielsweise in den Niederlanden ungleich stärker verbreitet als in deutschsprachigen Ländern.
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber Fahrrädern (ohne Anhänger) ist der größere Stauraum bzw. dessen Verschließ- und Unsichtbarkeit von Außen.
Aufgrund des höheren Gewichts und der größeren Abmessungen sind Handhabung und Transport im Vergleich zu Fahrrädern schwieriger. Transporte mit der Bahn sind in manchen Ländern nicht möglich.
Die Fahrstabilität von dreirädrigen Velomobilen wird in erster Linie von Spurweite und Höhe des Fahrzeugschwerpunktes bestimmt. Die Mehrzahl der Velomobile besitzt eine ausreichende Kippstabilität. Wie die Praxis zeigt sind jedoch auch Velomobile nicht vor dem Umkippen gefeit.
Umweltschutz und Verhältnis zu Kraftfahrzeugen
Im Vergleich zum
Auto sind Velomobile als umweltschonende Niedrigstenergie-Verkehrsmittel für den Alltagsgebrauch konzipiert. Die Muskelkraft ergänzende Elektroantriebe werden häufig gegen Aufpreis angeboten, sind jedoch meist auf 25 km/h, beschränkt. Seltener werden auch 45 km/h geboten.
Unter Umweltschutzgesichtspunkten wäre die Nutzung von Solarenergie als Energiequelle wünschenswert (Solarmobil). Aufgrund der niedrigen Wirkungsgrade bei der photovoltaischen Energiegewinnung lassen bezahlbare und alltagstaugliche Solarmobile jedoch bisher auf sich warten.
Kommerziell erhältliche Velomobile
Derzeit stellen Velomobile, insbesondere aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades, eine im Vergleich zu Fahrrad oder Auto äußerst selten anzutreffende Fahrzeugspezies dar. Geringe Stückzahlen haben zur Folge, dass selbst gute Ideen und Konstruktionen nur schwer die Hürden von Finanzierung und kostendeckender Fertigung nehmen. Nicht zuletzt deswegen sind schon viele innovative Konstruktionen ähnlich wie bei
E-Mobilen auf dem Stand von Prototypen oder bei einstelligen Stückzahlen stehengeblieben. Fließende Übergänge existieren zu Fahrrad-Dreirädern und Elektrofahrrädern.
- Der "Aerorider" Aerorider wurde insbesondere durch die Wasserstoff-Variante "Hysun3000" berühmt, ein Fahrzeug, das von Berlin nach Barcelona mit nur umgerechnet 0,4 Liter Benzinverbrauch pro 100km seine Langstreckentauglichkeit unter Beweis gestellt hat.
- Das "Alleweder" Lohmeyer Leichtfahzeuge wurde 1993 von Bart Verhees entwickelt und gilt mit 500 abgesetzten Einheiten als das meistverkaufte Velomobil. Es ist zwar in seiner Konstruktion nicht ganz so modern wie manche neueren Velomobile, aber zeitlos, bewährt und im Vergleich relativ preisgünstig. Auf Grundlage dieses Modelles wurde später das C-Alleweder entwickelt, ein Fahrzeug mit Carbon-Karosserie. Leo Visher von Alligt-Ligfietsen überarbeitete das Ur-Alleweder 2002 erneut in vielen Details (Gepäckraum, mehr Ellenbogenfreiheit, tieferer Einstieg, steifere Karosserie, Aluminiumschwinge)
- Das Birkenstock „Butterfly“ www.speedbikes.ch wurde ca. 2003 präsentiert. Das Fahrzeug ist für den Gebrauch im Straßenverkehr konzipiert und enthält Scheinwerfer und Blinkanlage. Das Vorderteil der voll geschlossen Carbon-Verschalung läßt sich für den einfacheren Einstieg nach vorn klappen. Die Plexiglas-Kopfhaube läßt sich abnehmen und im Heck des Fahrzeuges mitführen. Ein verkleinertes Modell der Verschalung wurde im Windkanal getestet.
- Das "Cab-Bike" www.cab-bike.com ist ein ausgereiftes kommerzielles Velomobil deutscher Konstruktion mit viel Zubehör. Es wurde für die tägliche Fahrt zur Arbeit entwickelt. Unter anderem besitzt es ein selbsttragendes Chassis (Monocoque), eine Vollfederung und eine vollständig gekapselte Kette von welcher Fahrleistungen von sehr viele km berichtet werden. Das Fahrzeug ist modular aufgebaut, und kann so, teilweise gegen Aufpreis, leicht verschiedene Bauformen annehmen. Die "Cabin" Version ist vollverschalt, während bei der "Speedster" Version befindet sich der Kopf des Fahrers im Freien und erreicht dadurch eine höhere Geschwindigkeit. Das "Cab-Bike" zeichnet sich auch durch einen sehr großen Stauraum aus.
- Das "Go-one" www.go-one.de ist ein Velomobil mit spektakulärem Design, bei dessen Konstruktion Anleihen aus Flugzeugbau und Formel-1 genommen wurden. Unter anderem besitzt es ein selbsttragendes Kohlefaser- oder Glasfaser-Chassis und ein Acrylglascockpit. Das Go-One kann sowohl komplett geschlossen, als auch offen gefahren werden. Es ist voll gefedert und gehört in der Kohlefaser-Version mit 28 kg zu den leichteren Velomobilen. Das Go-One besitzt nur sehr wenig Stauraum, kann aber mit einem Kohlefaser-Gepäckträger ausgerüstet werden.
- Das Leiba www.leiba.de ein relativ neues, in Deutschland produziertes und vollverschaltes Velomobil. Besonderheiten sind die Blinker der Standardausführung sowie ein verstellbarer Schlitz in der Frontscheibe zur besseren Belüftung.
- Die "Leitra" www.leitra.dk ist ein 1980 (oder früher) von dem dänischen Flugzeugkonstrukteur Carl Georg Rasmussen konstruiertes vollverschaltes und vollgefedertes Velomobil. Es ist ein komfortables Alltagsfahrzeug, dass nach Aufklappen der vorderen Fahrzeugverschalung den bequemen ebenerdigen Einstieg erlaubt. Die Leitra ist mit einem aufwendigem Belüftungssystem gegen das Beschlagen von Scheiben und sommerliche Hitze ausgerüstet.
- Das "Quest" und das "Mango" www.velomobiel.nl sind 2 Velomobile die seit 2000 und 2003 von der niederländischen Firma J & S angeboten werden. Durch die starke Beschränkung der Stückzahl und der daraus resultierenden Wartezeit von bis zu drei Jahren, fällt es allerdings schwer hier von kommerzieller Erhältlichkeit zu sprechen. J & S wurde von den 2 ehemaligen Flevobike-Mitarbeitern Ymte Sijbrandij und Allert Jacobs gegründet. Letzterer war schon wesentlich an der Entwicklung des Flevobike C-Allewedder beteiligt. Beide Modelle sind im Kopfbereich offen, bieten Vollfederung und eine vollständig gekapselte Kette von welcher Fahrleistungen von bis zu 50000 km berichtet werden. Die Form des Quest wurde im Windkanal der Uni Delft optimiert und ist nach dem Prinzip der Dariusmühle gestaltet um Windsegeleffekte nutzen zu können. Das Quest ist eines der wenigen Velomobile, dessen Aerodynamik es erlaubt, auch bei internationalen Wettbewerben ganz vorn mitzufahren. Das Mango ist eine um 40 cm verkürzte und mit offenen Radkästen versehene, alltagstauglichere Version des Quest mit verringertem Stauraum. Der Name des Quest (engl. Suche) steht für "Die Suche nach dem 'optimalen' Rad für den täglichen Gebrauch". Das Quest wird von vielen sportlich orientierten Velomobilisten als der derzeit beste Kompromiss aus Geschwindigkeit und Alltagstauglichkeit bezeichnet. Bis heute wurden 213 Exemplare von Quest und Mango gebaut (Stand Sept/2005).
- Das "Silbersitz" www.silbersitz.de ist ein Dreirad mit optionalem günstigen Regendach welches auch mit Elektromotor ausrüstbar ist.
- Das Sorcerer www.trisled.com.au wird seit 2003 von der australischen Firma Trisled unter Ben Goodall angeboten. Es ist ein ungefedertes Rad mit geschlossener Carbon-Verschalung hauptsächlich für den Gebrauch bei Rennen konstruiert.
- Das "Versatile" www.flevobike.nl von Flevobike ist ein technisch sehr ausgefeiltes Velomobil ohne Dach, vergleichbar mit dem Quest bzw. Mango, jedoch mit höherer Stirnfläche.
- das WAW www.fietser.be ist ein belgisches Velomobil, das sowohl offen als auch komplett geschlossen gefahren werden kann. Es hat ein ungefedertes Hinterrad und wiegt je nach Ausstattung zwischen 24 und 34 kg. Es besteht aus drei leicht trennbaren Teilen. Das mittlere Teil ist ähnlich einer Sicherheitszelle aufgebaut und beinhaltet sämtliche mechanischen Teile. Die vordere Nase und das Heck sind im Wesentlichen nur noch aerodynamische Elemente.
Siehe auch
Weblinks
Fahrradtyp
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