Vechelde ist eine Gemeinde in
Niedersachsen, die zum
Landkreis Peine gehört.
Geografie
Gemeindegliederung
- Alvesse
- Bettmar
- Bodenstedt
- Denstorf
- Fürstenau
- Groß Gleidingen
- Klein Gleidingen
- Köchingen
- Liedingen
- Sierße
- Sonnenberg
- Vallstedt
- Vechelade
- Vechelde
- Wahle
- Wedtlenstedt
- Wierthe
Geschichte
Erste urkundliche Erwähnung 973 als “Fehtlon”, 1145 als “Vechtla”, und um 1250 als “Vechtelde”. Ende des 14. Jahrhunderts erbauten die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg hier eine Burg, an deren Stelle Herzog Rudolf August 1695 einen fürstlichen Landsitz errichtete. Herzog Ferdinand (1721-1792) von Braunschweig und Lüneburg, ein Schwager Friedrichs des Großen, erwarb das Schloss Vechelde im Jahr 1767. Ferdinand starb nach längerer Krankheit 1792 in seiner Residenz Vechelde. Das barocke Schloss diente von 1804 bis 1819 als Erziehungsanstalt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch ein klassizistisch anmutendes Amtsgericht ersetzt, heute Bürgerzentrum. Der Park blieb erhalten.
Eingemeindungen
Die Gemeinde Vechelde und ihre zugehörigen Ortschaften gehörten lange Zeit zum
Landkreis Braunschweig.
Seit dessen Auflösung 1975 gehören sie dem Landkreis Peine an.
Politik
Gemeinderat
Die 32 Sitze des Gemeinderates verteilen sich wie folgt:
(Stand: Kommunalwahl am 9. September 2001)
Bürgermeister
Der Bürgermeister Hartmut Marotz war vorher Gemeindedirektor von
Lengede
Städtepartnerschaften
Die Gemeinde Vechelde unterhält Städtepartnerschaften mit
Valkeakoski in
Finnland,
Biederitz in
Sachsen-Anhalt (östlich von Magdeburg) und seit dem 05.05.2006 mit
Niemodlin (Falkenberg) in Polen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
In Vechelde stand ab 1861 Europas erste Jutespinnerei auf dem Festland, gegründet von Julius Spiegelberg, stillgelegt 1926 wegen Arbeitsmangels. Während des Zweiten Weltkrieges war dort das Unterkommando Vechelde des Konzentrationslagers Neuengamme untergebracht. Polnische Juden mussten dort im Rahmen der Rüstungsproduktion Achsen für die Braunschweiger Firma Büssing herstellen.
Heute steht nur noch das Jutetor. Die ehemaligen Arbeiterwohnungen dienen zur Zeit als AWO-Altenpflegeheim. Dieses soll allerdings 2007 verlegt werden, aus dem Altenheim werden dann Eigentumswohnungen.
Im Zentrum Denstorfs befindet sich die St.-Johannes-Kirche, die wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als Archidiakonatskirche errichtet wurde. Sie bietet ungefähr 320 Menschen Platz und ist damit auch die größte Kirche der Propstei Vechelde. Beim Betreten von die Kirche, fällt der Blick auf ein kunsthistorisches Kleinod: eine ca. 1,20 m. hohe Christusfigur aus dem Jahre 1525, eine sehr lebensnahe und eindrückliche Darstellung des Leidenden Jesus am Kreuz. Die Orgel ist eine der ältesten Orgeln im Braunschweiger Land, und wurde erbaut in den Jahren 1766 - 1769 von der Werkstatt des Orgelbauers J. Chr. Hüsemann. Sie hat einen spätbarocken Prospekt und eine romantische, eigenwillige Disposition. Nach Um- und Neubauten des Orgelwerks hat die Kirchengemeinde 1988 mit ein neues Orgelwerk mit der alten romantischen Disposition einbauen lassen. Auch wegen der Orgel finden regelmäßig kirchenmusikalische Veranstaltungen statt.
Auch die Groß Gleidinger Kirche liegt im Ortskern. Sie wird laut Erbregister von 1587 bereits erwähnt, muss aber wohl nach einem Brand 1780 grundlegend verändert worden sein. Die kleine Dorfkirche bietet ca. 130 Menschen Platz. Sie wurde 1996 Eigenmitteln renoviert und ist Versammlungsraum für die Gemeinde. Viele Veranstaltungen und Treffen finden allerdings auch im in direkter Nachbarschaft liegenden Dorfgemeinschaftshaus, der alten Schule statt.
Parks
Der Schlosspark am ehemaligen Wasserschloss des Herzoges Ferdinand bietet neben Grünflächen und ein wenig Wald auch eine
Boule Anlage. Barocken Sonnenuhr, Standbild des Hades beim Raub der Persephone.
Sport
Vecheldes zwei größten Sportvereine sind der MTV Vechelde und der SV Arminia Vechelde.
Großes mediales Interesse erregt der MTV Vechelde besonders mit seiner Volleyballmannschaft, die 2004 den Aufstieg in die Regionalliga schaffte.
Des Weiteren mit ihrer Mannschaft Blue Rats der, in Deutschland selten vertretenden Sportart, Pesäpallo, einer Art finnisches Baseball.
Der SV Arminia Vechelde ließ hingegen das Augenmerk auf sich richten, als die Zweitligamannschaft von Eintracht Braunschweig ein Freundschaftsspiel gegen die Herren I ausrichtete.
Zudem werden immer wieder Spieler der Vechelder Mannschaften an die großen Vereine wie Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg oder Hannover 96 abgegeben.
Regelmäßige Veranstaltungen
Jedes Jahr findet am letzten Samstag im November der 'Verkaufsoffene Samstag', ein Straßenfest größtenteils direkt an der B1, statt.
Jedes Jahr findet abwechselnd die 'Handels und Gewerbeschau' im Bürgerzentrum, beziehungsweise das 'Schlossparkfest' im Schlosspark des ehemaligen Wasserschlosses in Vechelde statt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Im Vechelder Ortsteil Wierthe war bis 31. Dezember 2005 eine Zuckerfabrik der
Nordzucker AG ansässig.
Verkehr
Der Ort hat gute Verkehrsanbindungen. Er liegt direkt an der Bahnlinie
Braunschweig -
Hannover, an der
Bundesstraße 1 nach Braunschweig und
Hildesheim und an der
Bundesstraße 65 nach Hannover. Außerdem liegt der Ort in der Nähe vom Stichkanal des
Mittellandkanals nach
Salzgitter. Durch die LKW-Maut ist der Durchgangsverkehr entlang der B1 von Braunschweig bis Hildesheim sprunghaft gestiegen, und belastet die Anwohner stark.
Bildung
Der Kernort Vechelde besitzt alle nötigen Schulformen zur Bildung der Kinder und Jugendlichen der Gemeinde.
Es gibt eine Grundschule zur Unterrichtung der Klassen 1 bis 4. Nachdem die Grundschule absolviert ist, haben die Kinder die Möglichkeit auf eine der drei weiterführenden Schulen Hauptschule, Realschule und seid dem Jahr 2004 auch Gymnasium ihren weiteren Werdegang zu bestimmen.
Des Weiteren gibt es eine Förderschule für lernschwache Schüler in Vechelde.
Bis Ende 2003 verfügte Vechelde als eine der letzten Gemeinden noch über eine Orientierungsstufe, bevor diese dann Aufgegeben wurde und zum Gymnasium umgestaltet wurde.
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Caroline Franziska Elsbeth Gnauck-Kühne, genannt Elisabeth, Wegbereiterin der evangelischen und katholischen Frauenbewegung, Sozialwissenschaftlerin, Lehrerin, Publizistin, geboren am 2. Januar 1850 in Vechelde/Braunschweig als Tochter eines Staatsanwalts, gestorben am 12. April 1917 in Blankenburg/Harz. Nach dem Besuch des Lehrererinnenseminars arbeitete sie als Hauslehrerein im Ausland. Mit 25 Jahren gründete sie in Blankenburg (Harz) ein Erziehungsinstitut für Mädchen und leitete das Institut bis 1888. Die Ehe mit dem Nervenarzt Dr. Gnauck scheiterte nach wenigen Monaten und wurde nach einem Jahr geschieden. Danach erwarb sie die Voraussetzung zum wissenschaftlichen Studium. Nachdem mehrere Gesuche des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Frauen zum Studium zuzulassen, vom Reichstag abgelehnt worden waren, wendete sich Gnauck-Kühne 1891 mit der Streitschrift "Das Universitätsstudium der Frau" an die Öffentlichkeit. Im Jahre 1895 erhielt sie die ministerielle Sondergenehmigung, als erste Frau offiziell an Seminaren teilnehmen zu können. 1900 trat Elisabeth Gnauck-Kühne zum katholischen Glauben über. Sie hatte Kontakt mit den Gründerinnen des Katholischen Frauenbundes und gab bereits im Gründungsjahr des KDFB 1903 Kurse für die Führungsfrauen im KDFB.
- Dr.-Ing. Wilhelm Klauditz, geboren am 24. Februar 1903 in Vechelde bei Braunschweig, studierte Chemie an der Technischen Hochschule Braunschweig und promovierte 1928. 1929 trat er in das Zentrallaboratorium der Koholyt GmbH in Köln ein. Nach Übernahme der Firma durch die Feldmühle AG 1934 stieg er 1936 zum stellvertretenden Leiter des Forschungslaboratorium der Feldmühle in Stettin auf. 1939 ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Reichsanstalt für Holzforschung. 1941 wurde er stellvertretender Leiter und bereits 1944 Leiter des chemisch-technologischen Instituts der Reichanstalt für Holzforschung.
1946 trug Klauditz
wesentlich zur Gründung der »Versuchs- und Beratungsstelle für technische Holznutzung des Vereins für Technische Holzfragen« bei und leitete diese. 1950 erhielt er den Lehrauftrag für »Holzforschung und Holztechnologie« an der Technischen Hochschule Braunschweig. Ab 1951 gab er die Fachzeitschrift »Holzforschung« heraus. 1953 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Ab 1954 arbeitete er in internationalen Organisationen (OEEC, FAO, ECE). Am 30. Juni 1963 starb er auf einer Dienstreise nach München bei einem Verkehrsunfall. Nach ihm ist in Braunschweig das Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. benannt worden.
Weblinks
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