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Vaudeville
 

Der Ausdruck Vaudeville bezeichnet eine traditionelle populäre Musiktheater-Darbietung in Frankreich, bzw. das US-Unterhaltungstheater Anfang des 20. Jahrhunderts. Er entstammt dem Franösischen. Möglicherweise aus Val de Vire (Tal der Vire, Normandie), wo Olivier Basselin um die Mitte des 15. Jahrhunderts lustige, in seiner Heimat viel gesungene Trinklieder dichtete. Eine andere Definition führt es auf „voix de ville“ (Stimme der Stadt) zurück.

Vaudeville bezeichnet

  • eine Frühform des Schlagers in den Großstädten Frankreichs (v. a. Paris) seit dem 16. Jahrhundert: neue Melodien, die sich wie ein Lauffeuer verbreiteten.
  • eine Pariser Theatergattung im frühen 19. Jahrhundert mit Gesang und Instrumentalbegleitung, die in den 1840er-Jahren den Höhepunkt der Beliebtheit erreichte: Modische Komödien mit realistischem, alltäglichem Inhalt und lokalen Anspielungen (vgl. Boulevardtheater). Sie enthielten kurze Musiknummern. Aufgrund ihrer Popularität wurden sie in viele andere Sprachen übersetzt.
  • ein Genre des amerikanischen (vor allem New Yorker) Unterhaltungstheaters als temporeiche Zusammenstellung gemischter Nummern in der Art eines Varietés. Es begann populär zu werden in den 1880er-Jahren mit dem Wachsen der Industrie in Nord-Amerika und erlebte seinen Niedergang ab den 1920er-Jahren mit dem Aufkommen des Tonfilms und des Radios und der großen Depression in den 1930er-Jahren.

Das Pariser Vaudeville


Das Vaudeville verband mit dem Liederspiel, dass bei beiden im Gegensatz zur Operette die mit der dargestellten Handlung verbundenen Gesangstücke entweder aus allgemein bekannten Liedern mit untergelegtem Text oder doch aus eingängigen Melodien bestanden, unterscheid sich aber von diesem dadurch, dass das Vaudeville seiner französischen Heimat entsprechend, vorzugsweise frivol, witzig, ja satirisch, das Liederspiel dagegen (seinem deutschen Ursprung gemäß) vorzugsweise sentimental, ja gefühlvoll und rührend auftritt (z.B. Himmels "Fanchon").

Je nach der mehr rein komischen oder mehr possenhaften Färbung unterscheidet man Drame-Vaudeville, Comedie-Vaudeville bzw. Folie-Vaudeville. In Paris bestanden Anfang des 20. Jh. mehrere Vaudevilletheater, z.B. das Gymnase, das Vaudeville, die Varietes, das Theatre du Palais - Royal u. a.

Epochemachend galt in der Vaudevilledichtung besonders Scribe, der in seiner Antrittsrede in der französischen Akademie 1836 die Berechtigung dieses Genres nachzuweisen suchte und die Pariser Bühnen reichlich mit Vaudevilles versorgte.

Das US-Vaudeville


Ein erstes Theater für das Vaudeville wurde 1865 in Manhattan von dem Impressario Tony Pastor eröffnet. Eine ganze Kette von Theatern gehen auf Benjamin Franklin Keith zurück. Im Vaudeville traten eine ganze Reihe unterschiedlicher Künstler auf: Musiker, Komödianten, Magier, Tierdresseure, Akrobaten und Gymnastikkünstler, Bauchredner und viele mehr. Darunter waren so bekannte Personen wie W. C. Fields, Buster Keaton, die Marx-Brothers, Edgar Bergen mit seiner Puppe Charlie McCarthy und die „Drei Stooges“, die allesamt ihre Karrieren im Vaudeville-Theater begannen. Sogar gestandene Schauspieler, wie z.B. Sarah Bernhardt, ergänzten manchmal ihr Einkommen durch das Auftreten in Vaudeville-Shows.

In Großbritannien nannte man diesen Theatermix eher „Music Hall“. Charlie Chaplin und Stan Laurel gingen aus dieser Theaterform hervor. Der Begriff „Vaudeville“ bekam dort einen eher anrüchigen Charakter durch das Einbeziehen von Stripshows und erotischen Tänzen (dies wurde dann wiederum in Amerika als „Burlesque“ bezeichnet).

Ein in Deutschland bekannter englischer Vaudeville-Künstler ist Freddie Frinton, dessen TV-Geschichte Dinner for One auf eine Vaudeville-Vorstellung zurückgeht. Das Vaudeville kennzeichnete in den USA auch die Einführung des so genannten „Big Business“ in die Welt der populären Unterhaltung. Verschiedene Vaudeville-Ketten kämpften um die Vorherrschaft auf dem Unterhaltungsmarkt. Sie legten ein genaues Regelwerk an, was in den Shows gezeigt werden durfte und was nicht, und sie engagierten Vollzeit-Künstler, die von einem Theater zum anderen reisten. Diese Ketten scheuten sich auch nicht, sich untereinander die besten Künstler abspenstig zu machen.

Diese Theaterform war handwerkliche Basis für die Stummfilmkomik.

Literatur


  • Herbert Schneider (Hrsg.): Das Vaudeville. Funktionen eines multimedialen Phänomens. Hildesheim: Olms 1996. ISBN 3-487-10264-1 (Vaudeville als früher Schlager)
  • Lothar Mattes: Vaudeville. Untersuchung zu Geschichte und literatursystematischem Ort einer Erfolgsgattung. Heidelberg: Winter 1983. ISBN 3-533-03430-5 (Vaudeville als Pariser Komödie)
  • Anthony Slide: The Encyclopedia of Vaudeville. Westport (CT): Greenwood Press 1994. ISBN 0-313-28027-4 (amerikanisches Vaudeville)

Weblinks


Musiktheater

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