Als vaskonische Sprache wird eine hypothetische Sprachfamilie bezeichnet, die ursprünglich auf dem europäischen Kontinent verbreitet gewesen sei, bevor sich die indogermanischen Sprachen auf ihm durchsetzten. Relikte dieser Sprachfamilie seien gemäß der Theorie nur noch die baskische Sprache, sehr viele Gewässer und Flurnamen in ganz Mittel- u. Westeuropa, sowie evtl. die kaukasischen Sprachen.
Der linguistische Ansatz bezieht sich darauf, dass in Europa vielfach Orts- und Flüssenamen gleiche oder ähnliche Wortkerne enthalten, die heute noch im Baskischen anzutreffen sind. Ausgehend von der Annahme, geographische Namen seien umso älter, je öfter man sie antreffe, folgert Vennemann daraus, der Name dieser Orte stamme aus einer Ursprache, die zeitlich vor dem Indoeuropäischen angesiedelt sei.
Das vaskonische Sprachgebiet könne durch die Zusammenschau von Gewässernamen mit gleichen Wortkernen wie al-/alm (Aller, Alm), var-/ver (Werre, Warne), sal-/salm (Saale), is-/eis (Isar, Eisack) sowie ur-/aur (Urach, Aurach) ermittelt werden und erstrecke sich über ganz West- und Mitteleuropa. Der Zusammenhang mit der baskischen Sprache wird hergestellt, da sich in deren Wortschatz charakteristische Wortelemente - is, arn und ibar - fänden, die in vielen Namen europäischer Gewässer stecken und im Baskischen stets eine Bedeutung in Zusammenhang mit Wasser oder natürlichen Gewässern haben.
Der Lehrstuhl für Germanistische und Theoretische Linguistik an der Universität München stellte in einer Untersuchung von Siedlungsnamen fest, dass sich viele „ibar-Orte“ (ibar ist das baskische Wort für „Tal, Flussmündung“) eben an Tälern oder Flüssen befinden. Die baskische Silbe is, die „Wasser, Gewässer“ bedeutet, findet sich europaweit bei Orten an Gewässern und die „Arn-Orte“ (aran: bask. „Tal“) in Tälern. Auch die Verwendung des Vigesimalsystems sei Kennzeichen der Alteuropäischen Sprache gewesen und habe sich neben dem Baskischen noch in keltischen Sprachen, der französischen und dänischen Sprache erhalten. Erst durch die indogermanische Einwanderung habe sich das Dezimalsystem in Europa ausgebreitet.
Unerwartete Unterstützung aus der Genforschung erhielt die vaskonische Theorie im Jahr 2000, als im renommierten Science-Magazin eine Studie zum männlichen Y-Chromosom publiziert wurde, die zum Ergebnis hatte, dass 80 Prozent der heutigen Europäer auf dieselbe Urbevölkerung zurückgingen, wobei unter den Basken der Anteil noch leicht höher sei. Lediglich 20 Prozent der Europäer stammten von indogermanischen Bauern ab. Auch die Blutgruppenforschung lieferte Indizien, die sich mit der Vennemann-Theorie vereinbaren lassen.
Der Begriff alteuropäisch und Hydronomie Europas wird schon länger von Hans Krahe für eine andere Hypothese beansprucht.
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