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Vasa_Stockholm.jpg | Vasa.quarterdeck.jpg

König Gustav II. Adolf von Schweden ließ 1625 das Kriegsschiff Vasa (deutsch auch Wasa) für den Schutz schwedischer Interessen gegen Polen während des 30jährigen Krieges bauen. Das lutherische Schweden wollte als aufsteigende Seegroßmacht den Import von Hanf zur Herstellung von Tauwerk für neue Schiffe aus dem zur damaligen Zeit unter Einfluss des katholischen Polens stehenden Baltikum sicherstellen. Neben religiösen und strategischen Gründen für den Krieg gab es auch persönliche: Gustav II. Adolf hatte den polnischen König, der sein eigener Vetter war, zuvor vom schwedischen Thron gejagt, den dieser nun hoffte zurückzuerobern.

Der Bau der Vasa


Stockholm ship Vasa.jpg Der Bau der Vasa war für Schweden auch ein Prestigeprojekt. Das Schiff ist 62 m lang, 11,50 m breit und 50 m hoch. Der Tiefgang beträgt 5,25 m und das Heck ragte etwa 16,40 m aus dem Wasser. Es hat 1.200 m² Segelfläche und war bestückt mit 64 Kanonen und über 500 Statuen, deren Fratzen Schwedens Stärke demonstrieren und den Gegner demütigen und ängstigen sollten. An Bord fanden 435 Mann Besatzung Platz. Die Vasa alleine sollte der Feuerkraft der gesamten polnischen Flotte gleichkommen.

Nachdem Gustav Adolf erfahren hatte, dass der Feind ein ähnlich großes Schiff bauen ließ, befahl er 1627, auf dem oberen Batteriedeck Kanonen desselben und damit größeren Kalibers wie auf dem unteren Batteriedeck zu installieren, um so die Feuerkraft weiter zu erhöhen. Ein schwerer Fehler: die gesamte Statik des Schiffes, die durch Ballaststeine im Rumpf kontrolliert wird, geriet außer Kontrolle. Durch den erhöhten Schwerpunkt lagen die Öffnungen für die unteren Kanonen bereits bei geringer Krängung (Schräglage) unterhalb der Wasserlinie.

Besatzung


Die Besatzung der Wasa bestand aus 437 Mann. Aus dem Jahr 1628 stammt ein Vorschlag, wie die Besatzung aufgeteilt sein sollte:

Zum Zeitpunkt des Kenterunglücks waren die 300 Soldaten noch nicht an Bord gegangen.

Der Untergang der Vasa


Bereits auf der Jungfernfahrt am 10. August 1628 sank das Schiff beim ersten Windstoß nach nur etwa 1.500 Metern Fahrt von der Kaimauer im Hafen von Stockholm Richtung Ostsee. Dabei starben schätzungsweise dreißig bis fünfzig Menschen, darunter der niederländische Schiffskonstrukteur. Anschließend gelang es Tauchern in Taucherglocken, einige Kanonen aus dem Wrack zu bergen.

Vermutete Ursache des Unterganges war und ist, dass das Schiff für die Art der Konstruktion viel zu wenig Ballast an Bord hatte und das Verhältnis von Wasserverdrängung, Tiefgang und Breite des Schiffes unausgewogen war. Die Konstruktion dieses Kolosses gab jedoch auch nicht mehr Platz für Ballast her, sodass es fraglich ist, ob dieses Schiff jemals hochseetauglich gewesen wäre. Moderne Berechnungen ergaben, dass das Schiff mit dem bestückten Gewicht einen breiteren Rumpf benötigt hätte - lediglich 15 Zentimeter mehr hätten den Schwerpunkt entscheidend verändernd. Die ursprüngliche Auslegung des Schiffes wurde bei Baufortschritt mehr und mehr erweitert - es wurde ein weiteres Deck und zusätzliche Kanonen verbaut, ohne die Schwerpunktverlagerung jedoch konstruktiv auszugleichen. Dadurch wurde das Schiff toplastig. Eine andere Theorie besagte, dass die Kanonen nicht gesichert waren. Ordentlich vertäute Kanonen, welche bei der Bergung um 1960 herum gefunden wurden, widerlegen dies.

Die Bergung der Vasa


Der Meeresarchäologe Anders Franzén suchte die Vasa seit 1951, in dem er auf einem Boot die Stockholmer Bucht durchkreuzte und systematisch ein Handlot herabließ. Am 25. August 1956 fand er in der Lotbohrung Holz. Der Taucher Per Edvin Fälting bestätigte, dass es sich bei dem Fund um das gesuchte Schiff handelte. Das Schiff war erstaunlich gut erhalten, was auch daran liegt, dass der so genannte Schiffsbohrwurm (Teredo navalis), der sonst alle Holzgegenstände in kürzester Zeit zerstört, sich im salzarmen Wasser der Ostsee nicht wohlfühlt.

Vom Herbst 1957 an spülten Taucher unter dessen Leitung zwei Jahre lang 6 Tunnel unter dem Schiff aus. Ende August 1959 vertäute man dann verschiedene Pontons über dem Wrack zusammen, zog Stahltrossen durch die sechs Tunnel und hob das Schiff an. Der hohe Schwefelanteil im Hafenwasser hatte das Holz des Schiffes konserviert, deshalb konnte die Vasa in gut erhaltenem Zustand geborgen werden. Dann brachte man die Vasa in 16 Etappen in seichtes Gewässer. Anschließend wurden der Schiffsrumpf und die Kanonenpforten unter Wasser von Tauchern abgedichtet. Am 24. April 1961 gelang dann die endgültige Hebung. Danach wurde das Schiff von Wasser und Schlamm befreit und zu der Insel Beckholmen in ein Trockendock geschleppt. Im Schlamm auf dem Schiffsboden fand man 13.000 Holzteile, 500 geschnitzte Figuren, 200 Ornamente, einige noch nicht geborgene Kanonen und 12.000 kleinere Gegenstände aus Holz, Textilien, Leder und Metall. Daneben fand man mehr als 4.000 Kupfermünzen aus der Regierungszeit Gustav Adolfs II. sowie 74 Silbermünzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Zunächst wurde das Schiff in einem Leichtmetallbau untergebracht. Dort konnten der Schiffsrumpf und die Fundstücke in jahrelanger Kleinarbeit restauriert und konserviert werden. Durch die Oxidation des im Holz enthaltenen Schwefels entstand jedoch Schwefelsäure, die das Holz zersetzt.

Das Vasa-Museum


Ein Sturm zerstörte 1987 einen Teil der Dachkonstruktion des Leichtmetallbaus. Man entschied sich für den Bau eines stabilen Museums, das 1990 fertiggestellt worden ist: In einer gewaltigen 34-Meter-Halle kann das Schiff in dem Vasa-Museum in Stockholm besichtigt werden. Sieben Ebenen ermöglichen einen Blick auf das Schiff und einen Einblick in die Geschichte Schwedens. Das Museum Vasamuseet befindet sich in Djurgården hinter der Brücke Djurgårdsbron gleich rechts.

Die Vasa als Lehrstück


An vielen englischsprachigen Universitäten ist die Geschichte der Vasa das Lehrbeispiel für misslungenes Innovationsmanagement und Projektmanagement (siehe weblinks).

Die Vasa war das erste schwedische Schiff mit zwei Kanonendecks. Diese Innovation wurde durch den König als Auftraggeber gefordert, da Geheimdienstberichte von einem dänischen Kriegsschiff mit zwei Decks berichteten. Nachdem der Kiel für die Vasa bereits gelegt war, wurde die Änderung der Pläne vorgenommen. Die Änderung (Aufstockung der Decks und der Bewaffnung) wurde aber hinsichtlich möglicher Nebeneffekte (verschlechterte Stabilität) nicht hinreichend abgesichert, was letztendlich zur Katastrophe führte. Das Machtgefälle zwischen Auftraggeber (König) und Projektleiter (Schiffbaumeister) spielte dabei eine wesentliche Rolle. Eine Verzögerung der Fertigstellung des Schiffes, wie sie zur Absicherung der Innovation notwendig gewesen wäre, hätte für den Schiffbaumeister gravierende Konsequenzen haben können.

Literatur


  • Daniel Schmiedke: Die Vasa. Geschichte des schwedischen Prunkschiffes. Verlag Koehler & Amelang 2005. ISBN 3-7338-0343-4

Weblinks


Segelschiff | Archäologischer Fund | Geschichte Schwedens in der Frühen Neuzeit | Stockholm | Museumsschiff | Museum in Schweden

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