In der Varusschlacht (traditionell auch: Schlacht im Teutoburger Wald oder auch Hermannsschlacht) im Herbst des Jahres 9 n. Chr. erlitten drei römische Legionen samt Hilfstruppen und Tross unter Publius Quinctilius Varus eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius („Hermann“). Die Schlacht leitete das Ende der Versuche ein, auch die rechtsrheinischen Gebiete Germaniens zu einer Provinz des Römischen Reiches zu machen.
Das politisch-strategisch Bedeutsame dieser Schlacht liegt darin, dass die germanischen Gebiete sich selbst überlassen blieben und keine römisch/romanische Kolonisation erfuhren. Diese Tatsache gilt als entscheidend für die weitere Entwicklung Europas bis in die heutige Zeit.
Als Ort der Schlacht wurden und werden verschiedene Stätten in Norddeutschland vermutet. Nach neuen Erkenntnissen gibt es überzeugende Hinweise, dass die historisch bedeutsame Schlacht im Raum Bramsche-Kalkriese am Wiehengebirge im Osnabrücker Land stattgefunden hat.
Die Varusschlacht gehört zu den weltgeschichtlichen Ereignissen, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder herangezogen wurden, um aus einem historischen Kontext bis in die jeweilige Jetzt-Zeit gültige Grundsatzaussagen zu politischen und weltanschaulichen Standpunkten abzuleiten. Unter anderem wurde der Sieg der Germanen verschiedentlich als deutscher Gründungsmythos gedeutet. Die Debatte um Standort und Verlauf der Auseinandersetzung wird daher bis heute oft sehr emotional geführt. Neben dem Widerstreit unterschiedlicher Ideologien spielt auch der Lokalpatriotismus einzelner Diskutanten eine Rolle, die hoffen, ihrem jeweiligen Heimatort als Schlacht-Schauplatz einen bedeutenden Platz in den Geschichtsbüchern sichern zu können.
Tiberius, der inzwischen Pannonien erobert hatte, setzte nach dem Tod seines Bruders diese Politik fort, bis er 6 v. Chr. aus dynastischen Gründen ins selbstgewählte Exil ging. Weitere Erfolge bei der Befriedung des Landes wurden von Lucius Domitius Ahenobarbus und nach Tiberius' Rückkehr 4 n. Chr. erzielt. Als Bedrohung stellten sich dabei die unter Drusus in das Gebiet des heutigen Böhmen vertriebenen Markomannen unter ihrem Herrscher Marbod heraus. Der im Jahr 6 n. Chr. gegen Marbod geplante Großangriff von 12 Legionen unter Tiberius und Gaius Sentius Saturninus musste aber wegen des zur gleichen Zeit in Pannonien und Dalmatien ausgebrochen Pannonischen Aufstands (6-9 n. Chr.) abgebrochen werden. Zum neuen Befehlshaber am Rhein wurde 7 n. Chr. Publius Quinctilius Varus ernannt.
Da Varus durch sein ungeschicktes Taktieren das Ehrgefühl der germanischen Stämme verletzt hatte, gelang es Arminius, die verfeindeten Stämme der Cherusker, Marser, Chatten und Brukterer zu einem Bündnis zu bewegen. Arminius war auch in der Lage, den germanischen Stämmen die Schwachstellen der römischen Militärtechnik deutlich zu machen.
Arminius selber spielte ein gefährliches Doppelspiel. Er war bereits seit Jahren Führer von Auxiliareinheiten, er war im römischen Ritterstand und galt als Tischgenosse des Varus. Er wiegte Varus in dem Glauben, er sei ein treuer Verbündeter Roms. Er war darin so überzeugend, dass Varus nicht einmal die Warnung des Fürsten Segestes ernst nahm, Arminius plane Verrat an Rom. Arminius, von dem Tacitus im Jahre 15 berichtet, er hätte Segestes' Tochter Thusnelda gegen den Willen ihres Vaters geheiratet, konnte Varus überzeugen, dass Segestes' Hinweis nur das Resultat eines internen Familienzwists sei.
Die Schlacht fand statt, als sich Varus und seine Legionen auf dem Rückweg ins Winterhauptquartier befanden. Varus wollte die Militärstraße zurück nach Castra Vetera, einem Lager nahe dem heutigen Xanten, für den Rückmarsch nutzen. Doch die Nachricht über einen vermeintlichen kleinen, regionalen Aufstand veranlasste ihn, einen Umweg durch ein den Römern weitgehend unbekanntes Gebiet zu nehmen. In unwegsamem Gelände gingen Arminius und seine Verschwörer voraus, angeblich um Verbündete zu bringen. Der weitermarschierende Varus geriet dabei in einen von Arminius sorgfältig geplanten Hinterhalt.
Als Sumpf, Wälder und Regen die materiell überlegenen Römer behinderten und sich die Legionäre in einer langgezogenen Marschkolonne durch das unwegsame Gelände bewegten, griffen Arminius und seine Verbündeten an. Arminius war sich bewusst, dass er die römischen Legionen in einem offenen Kampf nicht besiegen konnte. Für seine Angriffe wartete er jeweils die Zeitpunkte ab, an denen die Römer sich in lang auseinander gezogener Marschordnung befanden und die engen Täler und der Morast die übliche römische Kampftechnik gravierend einschränkten. Die Germanen attackierten in dichten Haufen die Flanken der Kolonne und versuchten vor allem, die Reiter einzeln zu überwältigen und bis zum letzten Mann niederzumachen sowie die einzelnen Truppenteile voneinander zu trennen. Die Römer kämpften dabei nicht nur gegen germanische Krieger, sondern auch gegen die abtrünnigen germanischen Hilfstruppen. Vier Tage und drei Nächte dauerte die Schlacht, in der Varus versuchte, sich zum Rhein durchzuschlagen. Die ersten zwei Nächte konnte er noch befestigte Lager errichten, doch am vierten Tage (Cass. Dio 56 ,21,3) Tag waren die Römer besiegt. Varus selbst tötete sich gemeinsam mit seinen Offizieren. Der römische Historiker Tacitus beschreibt das Schlachtfeld, wie es noch im Jahre 15 von Germanicus vorgefunden wurde:
Die drei Legionen (die XVII, XVIII, XIX) mit zusammen etwa 20.000 Soldaten sowie weiteren Hilfstruppen wurden nahezu vollständig vernichtet. Der Kopf des Varus wurde abgeschnitten und an Arminius’ Rivalen Marbod gesandt, dieser schickte ihn an die Familie des Varus nach Rom weiter. Kaiser Augustus soll angesichts der Niederlage ausgerufen haben:
Die besiegten Legionen wurden nach der Katastrophe nicht wieder aufgestellt, was einen in der römischen Militärgeschichte einzigartigen Tatbestand darstellt.
Das strategische Ziel des Arminius war es, die römische Herrschaft über das heutige Nordwestdeutschland zu beenden, das operative, die römischen Besatzungstruppen zu vernichten und das taktische, die römische Marschsäule in einen Hinterhalt zu locken. Der Sieg bei Kalkriese war das Ergebnis einer geschickten Planung, die sämtliche Schritte der Römer mit einkalkulierte. Ein besonderer Erfolg war aber, dass es Arminius gelang, eine feste Koalition aus mindestens elf Stämmen zu bilden und den selbstbewussten, stets auf seine Unabhängigkeit bedachten germanischen Adel über Jahre hinweg in den Plan einzubinden. Selbst einige militärische Rückschläge gegen den römischen Feldherrn Germanicus, der auf Varus folgte, konnten das Bündnis des Arminius nicht ernsthaft erschüttern. Es brach erst auseinander, als der neue Kaiser Tiberius im Jahre 16 n. Chr. die Germanenfeldzüge für beendet erklärte und Roms Rückzug auf die Rhein-Donau-Grenze beschlossene Sache war.
Ein Bündnis mit dem Markomannen-Oberhaupt Marbod zu schließen, schlug jedoch fehl und die Kämpfe zwischen den Germanenstämmen unter Arminius und den Markomannen 17 n. Chr. bedeuteten einen Einbruch in der Schlagkraft der Germanen, was ein Übergreifen auf römisches Gebiet unterband.
Arminius wurde im Jahr 21 n. Chr. von eigenen Familienangehörigen ermordet.
Im Jahre 14 n. Chr. begann Germanicus erneut mit Feldzügen in Germanien. Gegenspieler des Germanicus war wiederum Arminius. Die Feldzüge wurden durch den neu ernannten Kaiser Tiberius im Jahre 16 n. Chr. beendet, weil der Aufwand an Menschen und Material für die Römer zu hoch wurde. Damit sorgte der Ausgang der Varusschlacht dafür, dass Germanien weitgehend außerhalb des römischen Machtbereichs blieb und eine andere Entwicklung erfuhr als beispielsweise das keltische Gallien. Bei den Römern begann man andererseits, die gewaltigen Ausdehnungen des europäisch-asiatischen Raumes zu erahnen und in eine Politik umzusetzen, die diesen Gegebenheiten Rechnung trug. Beides mündete schließlich in eine Entwicklung, die in der Völkerwanderung endete und im 3. und 4. Jahrhundert zu eigenständigen germanischen Reichen auf römischem Boden führte.
Die Berichte über den Ablauf der Schlacht sind in den einzelnen Quellen recht unterschiedlich und können kaum miteinander in Einklang gebracht werden. Man hat daher vermutet, dass es sich bei keinem der Berichte um eine Wiedergabe von Tatsachen handelt, sondern nur um eine mehr oder weniger dramatisch ausgemalte Phantasiedarstellung der jeweiligen Autoren unter Verwendung topischer Elemente von Schlachtbeschreibungen. Folgt man dieser These, so lässt sich über die Schlacht nichts weiter konstatieren als nur das bloße Faktum der römischen Niederlage und des Untergangs der drei Legionen in Germanien. Quellen, die den Hergang aus germanischer Sicht oder zumindest aus neutraler Sicht schildern, fehlen völlig.
In dem lebhaftesten Bericht von der Schlacht, den der römische Historiker Cassius Dio Cocceianus verfasste, heißt es:
Die unten beschriebenen Ausgrabungsergebnisse bei Kalkriese scheinen zumindest zu bestätigen, dass es sich bei der Schlacht nicht um eine wirkliche Schlacht auf einem Schlachtfeld gehandelt hat, oder gar um einen Überfall auf ein römisches Standlager, wie bei Florus zu lesen ist, sondern um eine Kette von Überfällen auf die römische Marschkolonne in für die Römer ungünstigem Gelände, welche die römischen Truppen nach und nach aufgerieben haben.
Das lange Zeit einzige archäologisch-epigraphische Zeugnis der Schlacht (das jedoch weder zur Frage des Orts noch zur Kenntnis des Schlachtverlaufs etwas beitrug) ist ein im Xantener Ortsteil Birten gefundener Grabstein für den „im Krieg des Varus“ (bello Variano) ums Leben gekommenen römischen Centurio Marcus Caelius. Das lebensgroße Bildnis zeigt den römischen Offizier in seiner vollen Uniform zwischen seinen beiden Freigelassenen, die bei dem Unternehmen ebenfalls zu Tode gekommen sind.
Kalkriese_Ort_der_Varusschlacht.jpg Es ist lange gerätselt worden, wo die Schlacht stattgefunden haben könnte. 700 verschiedene Örtlichkeiten erhoben im Laufe der letzten 200 Jahre Anspruch auf diese 'Ehre'. Da der Geschichtsschreiber Tacitus vom saltus Teutoburgiensis schrieb, hat sich der Begriff von der Schlacht im Teutoburger Wald ergeben. Der heute als Teutoburger Wald bekannte Höhenzug trägt diesen Namen allerdings erst seit dem frühen 19. Jahrhundert, als Arminius-Begeisterte meinten, den Ort der Schlacht im damals noch Osning genannten Gebirgskamm lokalisieren zu können. Somit ist auch das an die Schlacht erinnernde Hermannsdenkmal bei Detmold Ergebnis eines unzureichenden Lokalisierungsversuches. Trotz seines Namens hat der Teutoburger Wald also mit der Ortsangabe des Tacitus nichts zu tun.
Neuere archäologische Funde, die Ende der 1980er Jahre gemacht wurden, lassen auf Kampfhandlungen bei Kalkriese schließen, einem Stadtteil der niedersächsischen Stadt Bramsche im Landkreis Osnabrück. Kalkriese liegt etwa zehn Kilometer östlich von Bramsche. Die Art der archäologischen Befunde lassen aus Sicht der beteiligten Forscher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass es sich bei der Fundstelle um den Ort der Varusschlacht handelt. Es fehlt jedoch der letzte Beweis; zudem passt die Stelle nicht gut zu den geographischen Angaben, die Tacitus im Zusammenhang mit dem Bericht vom Besuch des Germanicus auf dem Schlachtfeld macht. Man hat hier versucht, den Quellenwert des Tacitus in Frage zu stellen. Allerdings könnten sowohl der archäologische Fund als auch der Bericht des Tacitus in Einklang gebracht werden, wenn man annimmt, dass es sich bei den Kalkriese-Funden um die Überreste von den Kampfhandlungen des Jahres 15 n. Chr. unter Germanicus handelt. In diesem Fall bliebe der wahre Ort der Schlacht des Jahres 9 n. Chr. verborgen. Die Münzfunde sprechen allerdings gegen Kalkriese als Ort der Schlacht, da dort keine Münzen aus den Jahren 10 bis 15 n. Chr. gefunden wurden.
Ein weiterer wesentlicher Befund ist die Streuung der archäologischen Zeugnisse über eine mehrere Kilometer lange Wegstrecke.
Die Befunde legen den Schluss nahe, dass in der augusteischen Zeit römische Legionen, die von einem Tross begleitet waren, bei Kalkriese in massive Kampfhandlungen verwickelt waren. Die Datierung der Münzen und die Tatsache, dass in den Jahren der Statthalterschaft des Varus keine weiteren kriegerischen Ereignisse überliefert sind, in die römische Legionen involviert waren, deutet darauf hin, dass Kalkriese der Ort der Varusschlacht ist. Die Streuung der Funde passt zu dem Schlachtgeschehen, das sich über vier Tage (Cass. Dio 56 ,21,3) an unterschiedlichen Orten ereignete. Die Bestattungsgruben stimmen mit der Überlieferung überein, dass Germanicus im Jahre 15 n. Chr. am Ort der Schlacht den gefallenen Legionären ein ehrenvolles Begräbnis gab. Auch die Topografie passt zur schriftlichen Überlieferung.
Weil die Marschkolonne mit dem Tross und den vielen Unbewaffneten durchsetzt war, konnten die Römer außerdem nicht ohne weiteres dicht aufschließen. Ihre einzelnen Abteilungen waren aufgrund der Taktik des „zerstreuten Gefechts“ jeweils quantitativ schwächer als die angreifenden Stoßtrupps der Germanen. So erlitten die Legionäre erhebliche Verluste, ohne den Germanen nennenswerte Schläge zufügen zu können, denn diese zogen sich nach kurzer Zeit wieder auf die bewaldeten Anhöhen zurück.
Kennzeichnend für den Weg der Legionäre waren die besagten Münzfunde, bei denen sich interessanterweise immer wieder kleinere Siegelstücke fanden, mit denen normalerweise das Säckchen von Schreibutensilien verschlossen wurde. Ihr gehäuftes Auftreten in der Gegend von Kalkriese lässt die Vermutung aufkommen, dass das Vergraben der persönlichen Besitztümer der römischen Soldaten vor einem Gefecht von der Armee organisiert wurde, um je nach Ausgang des Gefechtes Eigentumskonflikte zu vermeiden und den beteiligten Soldaten ihre persönliche Habe zurückerstatten zu können. Für Verwundete und Tote werden demnach ähnliche Regeln vorhanden gewesen sein. Art, Menge und Verbreitung von aufgefundenen Münzen lassen allerdings den Schluss zu, dass es sich bei Kalkriese um eines unter vielen Kampffeldern der untergegangenen Legionen handelt. Die großräumige Streuung des gesamten Fundmaterials sowie der Münz-, Einzel- und Hortfunde macht die Interpretation als Verlustgut unwahrscheinlich. Die Gabelung des Fundstranges etwa 500 m westlich der Ausgrabungsstätte deutet dagegen auf ein unkoordiniertes und planloses Vorgehen der Römer während der Schlacht hin.
Germanicus besuchte im Jahre 15 n. Chr. das Schlachtfeld und bestattete die Gefallenen. Ganz in der Nähe fand eine unentschiedene Schlacht statt, die auch als Schlacht von Barenau bezeichnet wird. Beide Schlachtfelder können sich durchaus überlappt haben. Nur wenig später stellte Arminius den römischen General Caecina an den pontes longi (Bohlenweg), einer Stelle, die topografische Ähnlichkeiten mit dem Ort der Varusschlacht aufweist. Die Caecina-Schlacht ist von Tacitus bewusst als ein für die Römer positiv ausgehendes Gegenstück zur Varusschlacht gestaltet. Tatsächlich ist die Caecina-Schlacht in ihrem Verlauf der Varusschlacht ähnlich, weil sie viele Gemeinsamkeiten mit ihr aufweist. In kaum 10 Kilometer Luftliniendistanz zu Kalkriese haben Archäologen einen Bohlenweg aufgefunden, der dendrochronologisch in das Jahr 15 n. Chr. datiert werden kann, und wo man germanische Waffen mit Kampfspuren gefunden hat. Caecina konnte schließlich eine Wiederholung der Niederlage verhindern, indem er den Tross den Germanen zur Plünderung überließ und sich gleichzeitig mit seinen Truppen in Richtung Rhein absetzte.
varus01.jpg In der neueren Zeit wurde der Versuch unternommen, bei dem jetzigen Stand der Forschung die schriftlichen Quellen und die archäologischen Überreste miteinander zu vergleichen. Der Schlachtbericht des Cassius Dio trifft im Wesentlichen zu, seine Glaubwürdigkeit wurde dadurch sehr gestärkt. Einzelheiten wie die Gabelung der römischen Marschsäule 500 m westlich von Kalkriese und die Anlage von Rasensodenmauern, die bereits von den Archäologen örtlich aufgefunden wurden, konnten neu gewonnen werden. Besonders wichtig ist, dass der römische Einfluss auf die Germanen größer war, als bisher zugegeben wird. Die Erhebung erfolgte aus dem römischen Herrschaftsapparat selbst heraus und ohne diesen Rückhalt wäre weder die Logistik des Anschlages noch die Reichweite der Verschwörung zu erklären.
Bezüglich der Datierung des Varusschlachtfeldes muss berücksichtigt werden, dass Germanicus es zweimal besuchte und dass im Jahre 15 n. Chr. zwei Schlachten in der näheren Umgebung geschlagen wurden, wobei sich die Schlachtfelder zum Teil überlappt haben könnten. In diesem Zusammenhang ergab sich natürlich auch die Möglichkeit des Münzverlustes und nicht des kontrollierten Vergrabens der persönlichen Besitztümer der Soldaten.
Das Museum und die archäologische Forschungsstätte wurden am 5. November 2005 mit dem Europa Nostra Award 2004 für die innovative Interpretation eines antiken Schlachtfeldes und die interdisziplinäre Forschungsarbeit ausgezeichnet.
Ein Link zur Museums-Webseite steht bei Weblinks.
Über Jahrhunderte war der Ort der Schlacht umstritten und insbesondere ein beliebtes Forschungsthema für Lokalforscher, da die schriftlichen Zeugnisse zur Varusschlacht keine genaue Lokalisierung zulassen. Man schätzt, dass weit über tausend verschiedene Theorien entwickelt wurden, die überwiegende Zahl davon ohne ernstzunehmende Indizien (praktisch alle Orte im westfälischen Raum wurden schon von dort ansässigen Hobbyforschern als Schlachtort vermutet). Die bis zu den Funden und Ausgrabungen bei Kalkriese von vielen Wissenschaftlern am ehesten ernstgenommene Lokalisierung legte die Schlacht an den (heutigen) Teutoburger Wald, wo bei Detmold als Symbol des erwachenden deutschen Nationalismus im 19. Jahrhundert das Hermannsdenkmal errichtet wurde. Die Überlegungen von Theodor Mommsen aufgrund der Münzfunde, die von den aktuellen Ausgrabungen bestätigt werden, waren dagegen zu ihrer Zeit eine Minderheitsmeinung.
Die Ansicht, dass die Schlacht tatsächlich im Raum des Teutoburger Waldes und (konkret) der Wistinghäuser Schlucht sowie der Dörenschlucht stattgefunden hätte, vertritt auch Rolf Bökemeier in seinem Buch Die Varusschlacht. Er setzt sich dabei unter anderem mit der Kalkrieseforschung auseinander und stellt dieser recht umfangreiche Forschungserkenntnisse gegenüber (einschließlich Grabungergebnissen, Luftbildanalysen und topografischen Untersuchungen). Interessant dabei ist auch die Darstellung der Vorbereitungen zur Schlacht sowie des vermutlichen taktischen Ablaufs, wobei besonders bemerkenswert die Lokalisierung der stützpunktartigen Stellungssysteme der Germanen zu sein scheint.
Auch die Lokalisierung in Kalkriese wird nicht von allen Wissenschaftlern anerkannt, und es treten weiterhin Lokalforscher auf, die den Ort der Schlacht z. B. an den Harz, in die Nähe von Halberstadt nach Hildesheim (Hildesheimer Silberfund) oder in den Niederländischen Achterhoek verlegen.
Der Dreißigjährige Krieg hatte ein wirtschaftlich schwaches und politisch zerstückeltes Deutschland zurückgelassen. In den Augen der Nachbarn – insbesondere der Franzosen – war Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert eine „nation barbare“; kulturunfähig, politisch zerrissen und ökonomisch rückständig. Die Varusschlacht war der – deutsche – Gegenbeweis dazu: Eine Nation, die sich einigt und mutig dem übermächtigen Eroberer entgegentritt und ihn – im Gegensatz zu den Franzosen, die mit Vercingetorix und der Schlacht bei Alesia unterlagen – vernichtend schlägt. Die deutsche Literatur vor allem des 18. Jahrhunderts deutschte den Cherusker Arminius in Hermann ein und widmete ihm, seinem Liebesdrama zu Thusnelda und seinem Befreiungskampf zahllose Opern und Theatertragödien. Schlegel schrieb über Arminius:
Hermannsdenkmal.jpg an die Varusschlacht]] Kleist schrieb 1808 unter dem Eindruck der französischen Besatzung sein Drama „Hermannsschlacht“, das aufgrund seiner vaterländischen Tendenzen jedoch erst 1860 uraufgeführt wurde, dann aber zum nationalen Festspiel avancierte. Noch zu Beginn des Ersten Weltkriegs verlas man im Berliner Schillertheater zwischen den Akten dieses Dramas Siegesmeldungen von der französischen Front. Und Kaiser Wilhelm II. verkündete zu Beginn des Ersten Weltkriegs:
Kleists Hermannsschlacht wurde auch von den Nationalsozialisten zur Untermauerung ihrer Ideen missbraucht. So wurde eine Aufführung des Harzer Bergtheaters von Thale im Jahre 1933 bezeichnet als:
Auch das sieben Meter lange Schwert auf dem 1838 begonnenen und 1875 eingeweihten Hermannsdenkmal trägt die Inschrift: „Deutsche Einigkeit meine Stärke – meine Stärke Deutschlands Macht“. Hinrich Seeba schrieb über dieses Denkmal:
Einen Kontrapunkt zu der begeisterten Deutschtümelei setzte, wie so oft, Heinrich Heine wenige Jahre nach dem Baubeginn am Hermannsdenkmal (zu dem er selbst seinen finanziellen Beitrag geleistet hatte: hab selber subskribieret). Treffsicher zieht er das nationale Pathos ins Lächerliche:
Auch Viktor von Scheffel bediente sich des Themas und machte sich in seinem Lied „Als die Römer frech geworden…“ (1847, vertont von Ludwig Teichgräber 1875) die Deutschtümelei seiner Zeit zu eigen. Das Lied wurde sehr populär und wird auch heute noch gerne zitiert und gesungen.
Im Originaltext des Niedersachsenliedes, welches als inoffizielle Hymne der Niedersachsen bezeichnet wird und etwa 1926 von Herman Grote komponiert wurde, wird der Sieg über die Römer ebenfalls heroisch dargestellt:
Bereits dreimal wurde die Hermannsschlacht oder Varusschlacht für das Kino adaptiert: Das erste Mal in den Jahren 1922 und 1923 als Stummfilm unter dem Titel Die Hermannschlacht. Regie führte Leo König, gedreht wurde unweit des Hermannsdenkmals bei den Externsteinen. Am 27. Februar 1924 kam dieses von der Kritik meist als nationalistisch empfundene Opus im Lippischen Landestheater, Detmold zur Aufführung. Lange galt es als verschollen. Erst nach dem Ende der Sowjetunion wurde es in einem Moskauer Filmarchiv wieder entdeckt.
Die zweite Verfilmung des Stoffs erschien 1977 unter dem deutschen Titel Hermann der Cherusker – Die Schlacht im Teutoburger Wald. Es handelt sich um eine deutsch-italienisch-jugoslawische Co-Produktion, die in den übrig gebliebenen Kulissen anderer Antikenfilme in Zagreb unter der Regie Freddy Baldwins (Pseudonym für Ferdinando Baldi) realisiert wurde. Obwohl dieses Werk bereits in den Sechzigern mit Hans von Borsody als Hermann gedreht wurde, dauerte es zehn Jahre bis zur Deutschland-Premiere, die am 3. Februar 1977 stattfand.
In den Jahren 1993-1995 entstand die dritte Umsetzung für das Kino. Produzenten und Autoren dieser Fassung waren Christian Deckert, Hartmut Kiesel, Christoph Köster, Stefan Mischer und Cornelius Völker. Die Hermannsschlacht wurde im Teutoburger Wald und im Rheinland realisiert. Neben Bühnenschauspielern und Hunderten von Laien treten in diesem Spielfilm auch die Künstler Markus Lüpertz, Tony Cragg und Alfonso Hüppi und der Kunsthistoriker Werner Spies als Akteure auf. Die Hermannsschlacht wurde im Mai 1995 in Düsseldorf uraufgeführt und erschien 2005 auf DVD, in einer um Dokumentarmaterial erweiterten und von dem Altphilologen Werner Broer und dem Archäologen Martin Schmidt begleiteten Edition.
Schlacht (Römisches Reich) | Schlacht (Germanen) | Archäologischer Fundplatz in Niedersachsen | 9
Batalla del bosc de Teutoburg | Bitva v Teutoburském lese | Varusslaget | Battle of the Teutoburg Forest | Batalla del bosque de Teutoburgo | Teutoburgin taistelu | Bataille de Teutoburg | Batalla da fraga de Teutoburgo | Bitka kod Teutoburške šume | Teutoburg-batalio | Battaglia della foresta di Teutoburgo | トイトブルクの戦い | Slag bij het Teutoburgerwoud | Bitwa w Lesie Teutoburskim | Batalha da Floresta de Teutoburgo | Slaget vid Teutoburger Wald
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Varusschlacht".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world