Beliebte Sinnsprüche, die die Vergänglichkeit alles Irdischen ins Gedächtnis rufen sollten, waren im Barock auch „memento mori“ („Gedenke, dass du sterben musst“) und „carpe diem“ („Nutze den Tag“, ein Zitat von Horaz).
Prominent in diesem Zusammenhang ist die Musik, die vom Symbol des im Nu Verklingenden zum Symbol „klassischer“ Beständigkeit wird, was sich in einer nie zuvor gekannten Repertoirebildung zeigt. Das Lamento, als kollektives Eingeständnis des Scheiterns, wird in der Oper des 19. Jahrhunderts zur frenetisch beklatschten Sterbearie, als kollektiv gefeiertem Gelingen.
In all dem zeigt sich eine Umwertung der Schrift von der Spur eines unwiederbringlich Verklungenen zum Modell eines ewigen Klingens. Um dies zu gewährleisten, müssten Weltliteratur oder der Notentext von Kunstmusik beständig gelesen werden. Die Vanitas-Darstellungen des 17. Jahrhunderts präsentieren dagegen noch das verwaiste Buch oder die verblichenen Musiknoten als Inbegriff des Stummen. Allerdings beginnt sich schon in den flämischen Stillleben jener Zeit der Wert und die Dauerhaftigkeit der Darstellung von der Nichtigkeit und Vergänglichkeit des Dargestellten selbstbewusst zu unterscheiden.
Nicht nur in der Bildenden Kunst und der Musik, sondern auch in Literatur und Theater gibt es für diesen Wandel zahlreiche Beispiele: Faust-Figuren als Symbole des Nichtigen und Lächerlichen werden etwa seit Goethes Faust zum Bedeutenden oder Heroischen stilisiert. Der einst lächerliche Don Quijote wird in der Romantheorie von Georg Lukács zum idealistischen Helden gemacht. Solche Darstellungen eines Scheiterns zum Zweck des eigenen Triumphs (vgl. Hybris) erreichen ihren Gipfelpunkt im Fin de siècle: etwa in Richard Wagners Götterdämmerung oder Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes.
Daneben begründen fortbestehende ältere Vanitas-Traditionen im 19. Jahrhundert eine gering geschätzte Populärkultur. In Horror-Geschichten und -Illustrationen (siehe Gothic novel) wird der religiöse Hintergrund der Vanitasmotive vollends zum Klischee.
Besonders in der Niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts wurde immer wieder Vanitas als eine Variation des memento mori thematisiert. Vor dem Hintergrund grassierender Pestseuchen, nicht endenwollender Gräuel der Religionskriege und bombastischer Pracht- und Machtentfaltung stellt dies eine durchaus verständliche und zeitkritische Haltung dar. Meist steht das Motiv der Vanitas in Verbindung mit einem Appell zur Hinwendung an Gott und den christlichen Glauben.
Sehr beliebt waren die Vanitas-Stillleben, die den Augenreiz eines perfekt gemalten Arrangements scheinbar beliebiger Gegenstände mit einem Geflecht von Symbolen verbanden, die um den Begriff der Vanitas kreisten. Diese Symbole waren dem zeitgenössischen Betrachter durchaus geläufig.
Spiegel und Schmuck
Sie stehen für Schönheit, Weibliche Anziehungskraft, aber auch für ihre Vergänglichkeit, für Eitelkeit, Selbstverliebtheit und die Todsünde der Hoffart.
Dose
Kostbar verzierte Dosen stehen für das weibliche Prinzip der Sexualität und für das Leben. Über den gedanklichen Umweg „Frau = Evastochter“ ist die Dose indirekt ein Symbol für den Sündenfall.
Uhren
Uhren stehen für die Zeit und insbesondere für die uns bemessene Lebenszeit. Sie symbolisieren damit recht unverblümt Sterblichkeit. Es müssen übrigens keine Sanduhren sein. Mechanische Taschenuhren übermitteln die gleiche Botschaft. Doch sie stehen als Luxusgüter natürlich auch für Wohlstand und die vergänglichen irdischen Güter.
Machtinsignien
Kronen, auch die Tiara, Szepter, Harnisch oder Helm, Amtsketten usw. sind Zeichen für die irdische Weltordnung und ihre Vergänglichkeit, der die himmlische Weltordnung als ewige Institution gegenübersteht.
Blumen, Blätter, Zweige
Sie stehen für Vitalität und Lebenskraft. Aber: Blühendes Leben Gezweig ist zum Verwelken verurteilt. Schnittblumen sind sogar schon tot. Um den Aspekt der Vergänglichkeit überdeutlich zu betonen, werden oft auch schon angewelkte Blumen neben aufblühenden dargestellt. Neben dieser allgemeinen Bedeutung gilt natürlich auch noch die besondere Bedeutung der einzelnen Pflanzen- und Blumensymbolik.
Rose
Die Blume der Venus vertritt vor allem die Liebe und die Sexualität. Diese weltliche Liebe ist aber - wie alles Menschliche - eitel.
Mohn
Mohn, bekanntlich ein Beruhigungsmittel, steht für den Schlaf und die Todsünde der Trägheit. Darüber hinaus symbolisiert er auch des Schlafes Bruder - den Tod. Wegen seiner roten Farbe ist der Mohn andererseits auch ein Symbol für die Passion Christi.
Tulpen
Im 17 Jahrhunderts erlebten Tulpen in Holland einen unglaublichen Boom. Über Nacht wurden aus den orientalischen Tulpenzwiebeln eine begehrte Handelware und Spekulationsobjekt. Im Zuge eine aberwitzigen Tulpenmanie wurden viele Hasardeure mit dem Handel von Zwiebeln reich. Noch mehr aber verloren durch Fehlspekulation Hab und Gut. Deshalb steht die Tulpe - zumindest bei niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts- auch für Leichtsinn, Verantwortungslosigkeit und unvernünftigen Umgang mit der Gottesgabe Geld.
Früchte
Früchte bedeuten Fruchtbarkeit und Fülle und im übertragenen Sinne auch Reichtum und Wohlstand. Aber auch dieser ist natürlich nicht von Dauer. Dies wird sehr oft veranschaulicht, indem neben appetitlichen Früchten auch überreifes und angefaultes Obst dargestellt wird. Etliche Früchte tragen eigene symbolische Bedeutungen. Der Sündenfall kann so z.B. von Birnen, Tomaten, Zitrusfrüchten, Trauben, Pfirsichen oder Kirschen symbolisiert werden. Und natürlich auch vom Apfel! Erotik kann von Feigen, Pflaumen, Kirschen, Äpfeln oder Pfirsichen angedeutet werden.
Mäuse, Ratten
Diese sehr fruchtbaren Tiere waren große Vorratsschädlinge. Sie werden mit dem Teufel in Verbindung gebracht und symbolisieren oft den Sündenfall.
Eidechse
Ein unreines Tier, eine Schlange mit Füßen, ein kleiner Drache, Begleiter des Teufels. Aber auch, weil sie sich sehr gerne der Sonne aussetzt, ein Symbol für die hingebungs-volle Zuwendung eines guten Christen zu seiner Sonne, Jesus Christus.
Schneckengehäuse
Leere Schneckengehäuse sind die Überbleibsel eines einst lebendigen Tieres. Sie stehen deshalb für Tod und Vergänglichkeit. Ebenso die Muschelschalen. Schnecken sind aber als Kriechtiere darüberhinaus eine Verkörperung der Todsünde der Trägheit. Als Zwitterwesen sind sie zudem ein Symbol der Wollust, einer weiteren Todsünde.
Fliegen und Insekten
Fliegen und andere Insekten symbolisieren die Kurzlebigkeit. Darüber hinaus sind sie als Nahrungsmittelschädlinge Bringer des Verderbens. Besonders die Fliege gilt als Begleiterin des Teufels (Beezebub = Hebr. Herr der Fliegen). Achtung: Ausnahme: Schmetterlinge s.u..
Spinnen
Ikonographisch wurde nicht zwischen Spinnen und Insekten unterschieden. Siehe dort.
Papagei
Ein Papagei ist ein sehr kostbares Tier, und deshalb ein Luxusgut. Aber er ist auch ein Tier das die menschliche Sprache nachahmt. Da der Papagei aber nie versteht, was er sagt, ist er ein Symbol für die Eitelkeit des Menschen, der unsinnigen Moden nachläuft, anstatt sich seinem Gott zuzuwenden.
Schädel
Wie könnte man besser Tod und Vergänglichkeit darstellen als mit einem menschlichen Schädel?
Kerze
Die brennende Kerze ist ein Sinnbild für Materie und Geist, die Flamme steht für die menschliche Seele, ihr Verlöschen für den Tod.
Messer
Mit seiner Schärfe und Gefährlichkeit erinnert ein Messer an die Verletzlichkeit des Menschen und an seine Sterblichkeit. Es ist außerdem ein Phallussymbol und eine verdeckte Darstellung der männlichen Sexualität.
Glas und Keramik
Kostbar verzierte Gläser und besonders Geschirr aus Porzellan waren sehr teuer, es waren Luxusgüter. Darüberhinaus stellen sie sehr sinnfällig Zerbrechlichkeit dar und damit natürlich Vergänglichkeit. Wegen seiner Strahlenden Weiße steht das Porzellan aber auch für Reinheit. Analog dazu steht wegen seiner durchscheinenden Klarheit Glas für Keuschheit.
Leeres Glas
Ein leeres Glas, oft einem vollen gegenübergestellt, symbolisiert den Tod.
Zerbrochenes Glas oder Geschirr
Zerbrochenes Glas oder Geschirr zeigt die Verletzlichkeit menschlichen Glücks und steht ebenfalls für den Tod.
Krug
Ein Krug kann das Laster der Trunksucht mit allen Folgeerscheinungen symbolisieren: Lasterhaftigkeit, Leichtsinn, schlechter Lebenswandel.
Mörser und Pistill
Symbole für männliche und weibliche Sexualität und das Streben nach sexueller Erfüllung. Dieses Streben ist natürlich eitel.
Konfekt, Zuckerzeug
Kostbares Naschwerk ist einerseits ein Symbol für den christlichen Glauben, da es schon einen Vorgeschmack auf „die süßen Genüsse des Himmels“ liefert. Andererseits ist es wegen des hohen Preises ein Zeichen für Luxus und eitle Verschwendung.
Käse
Käse ist verderblich und steht deshalb für Vergänglichkeit. Er kann aber auch, weil aus Milch hergestellt, als Symbol für Christus verstanden werden, der, was damals jeder wusste, „die Milch des Himmels“ ist.
Zitrone
Die damals sehr teure Südfrucht ist ein Zeichen für Luxus. Da man sie aber wegen ihrer Säure nur sparsam einsetzt und nicht gierig verzehrt, ist sie auch ein geläufiges Symbol für die Tugend der Mäßigung.
Wildbret oder Jagdbeute
Besonders in den Küchenstilleben findet sich oft Wildbret oder Jagdbeute, was einerseits die üppigen Tafelfreuden andeutet und für Wohlstand, Wohlleben und Luxus steht. Anderseits führen die drapierten, stillen Tierkadaver augenfällig die Sterblichkeit allen irdischen Lebens vor Augen. Bei den Beutetieren kommt dem Hasen eine besondere Bedeutung zu. Der Hase ist bergauf wegen seiner kurzen Vorderbeine am schnellsten und flieht bevorzugt bergauf. In seiner Wehrlosigkeit steht er für den gläubigen Menschen. Wie der Hase bergauf flieht, so soll sich der Christ seinem Gott, seinem Berg der Weisheit zuwenden, seinem einzigen Schutz und seiner wahren Zuflucht. (In der Ikonographie wird zwischen Kaninchen und Hase übrigens nicht unterschieden.)
Briefe
Briefe sind materielle Produkte menschlicher Beziehungen und verkörpern sie. Diese Beziehungen sind aber natürlich vergänglich.
Instrumente, Noten
Musik konnte man damals nicht aufzeichnen. Sie war damals ein sehr flüchtiger Genuss und naturgemäß vergänglich.
Spielkarten, Würfel
Spielkarten, Würfel und andere Utensilien des geselligen Zeitvertreibs bezeichnen ein falsches Lebensziel, Hinwendung zu flüchtigem Vergnügen, schlechter Gesellschaft, sündhaftem Leben.
Seifenblasen
Seifenblasen und Glaskugeln sind ein Symbol für das menschliche Leben, sowohl für seine Schönheit als auch seine Vergänglichkeit. Als Ball gedeutet, können sie auch als Symbol für die Unbeständigkeit des Lebens gedeutet werden.
Wissenschaft
Gelehrte Bücher, Instrumente, Sammlungen von Couriosa, Antiquitäten, all dies ist nur irdisches Wissen und vergänglich.
Häufig verwendete Christussymbole sind:
Fisch
Aus dem Griechischen: ιχθυς =ιησους χριστος θεου υος σοτηρ (Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser)
Brot und Wein(trauben)
Sie weisen auf die Eucharestie hin, den Neuen Bund und die damit versprochene Erlösung.
Kelch
Auch der Kelch ist ein Zeichen für Wein und damit für die Eucharistie und den Neuer Bund.
Raupe, Schmetterling
Die Raupe, die sich zum Schmetterling wandelt ist ein Symbol für Wiederauferstehung und Erlösung. Der Schmetterling ist darüberhinaus auch ein Symbol der menschlichen Seele.
Elfenbein
Elfenbein ist wegen seiner Kostbarkeit und seiner Weiße schon seit dem Altertum ein Symbol für Reinheit und Beständigkeit.
Nelke
Wegen der nagelförmigen Samen ist die Nelke ein Symbol für die Passion Christi.
Salz
Salz ist ebenso lebensnotwendig, wie Christus Heilsnotwendig ist. Deshalb ist Salz ein Symbol für Christus.
Erbsenschote
Wegen der Zartheit der Blüte und der in der Schote schützend geborgenen Frucht symbolisiert die Erbsenblüte die jungfräuliche Empfängnis Christi.
Ei
Ein Symbol der Auferstehung.
Perle
Perlen verkörpern Vollkommenheit und Reinheit und stehen deshalb neben anderen Symbolbedeutungen auch für Christus.
Bei den Vanitasstilleben bedienten sich die Maler aus dem reichen Fundus der Symbolik. Mit jedem Bild entsteht so ein neues, anderes Potpourri verschiedenster Bedeutungen, die sich teilweise ergänzen, überlagern oder vielleicht sogar widersprechen. Das macht die Interpretation oft nicht ganz einfach.
Nicht jede Dose muss zwangsweise weibliche Sexualität bedeuten. Nicht alles muss unbedingt symbolisch gemeint sein. Es ist hilfreich, zuerst einmal möglichst viele potentielle Symbole zu sammeln und thematisch zu ordnen. Wenn mehrere Symbole in die selbe Richtung weisen, z.B. Sexualität (Mörser, Messer, Rosen...), ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Dose entsprechend zu interpretieren ist. Mögliche Symbolbedeutungen, die isoliert stehen, sollten zum Schutz vor Überinterpretation nur sehr vorsichtig gedeutet werden. Bei der Vielfalt der Möglichkeiten ist auch eine zufällige Darstellung nicht ganz auszuschließen. Bei aller symbolischer Bedeutungsfracht sollte man bei Vanitasstilleben aber immer bedenken, dass diese Bilder auch und vor allem schön anzusehen sein sollten.