Vallorbe ist eine politische Gemeinde im Distrikt Orbe des Kantons Waadt in der Schweiz.
Die Fläche des 23.2 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Waadtländer Juras. Das Gebiet wird von Westen nach Osten von der Orbe durchflossen, die in einer Karstquelle am Fuss eines Felsenkessels entspringt. Ihr Wasser bezieht sie aus den unterirdischen Abflüssen der Seen Lac de Joux und Lac Brenet. Im Bereich von Vallorbe weist die Orbe eine bis zu 500 m breite flache Talniederung auf. Östlich des Ortes ist sie im Lac des Rosiers aufgestaut und nimmt von links die Jougnena auf, welche die nordöstliche Grenze bildet. Unterhalb des Stausees fällt der Fluss wieder in ein tiefes Kerbtal. Die Talweitung von Vallorbe wird von steilen, dicht bewaldeten und teilweise felsigen Hängen flankiert. Im Süden reicht das Gebiet auf die Dent de Vaulion (mit 1483 m ü. M. der höchste Punkt von Vallorbe) und auf die östliche Fortsetzung dieses Kamms (Sur Grati), im Norden fast bis auf den Mont d'Or (bis 1400 m ü. M.). Nach Westen erstreckt sich der Gemeindeboden in das stark reliefierte Gebiet im Bereich des Col du Mont d'Orzeires, dem Passübergang in das Vallée de Joux. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 8 % auf Siedlungen, 68 % auf Wald und Gehölze, 22 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 2 % war unproduktives Land.
Zu Vallorbe gehören der Weiler Le Day (787 m ü. M.) auf einem Geländevorsprung südlich des Lac des Rosiers, die neuere Wohnsiedlung Les Grands Marais am unteren Hang des Mont d'Or nordöstlich des Ortes sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Vallorbe sind Ballaigues, Les Clées, Premier, Vaulion, L'Abbaye und Le Lieu im Kanton Waadt sowie Rochejean, Longevilles-Mont-d'Or und Jougne im angrenzenden Frankreich.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1703 | 925 |
| 1850 | 1491 |
| 1900 | 3279 |
| 1920 | 4621 |
| 1941 | 3592 |
| 1950 | 3896 |
| 1960 | 3990 |
| 1970 | 4028 |
| 1980 | 3375 |
| 1990 | 3271 |
| 2000 | 3247 |
Vallorbe3.jpg Die eigentliche Industrialisierung von Vallorbe setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Gründung einer Werkzeugfabrik (1812) ein. In der Folgezeit diversifizierte sich die Industrie allmählich. Neu kamen eine Zementfabrik (1870-1933), eine Chlorfabrik (bis 1972), die Usines Métallurgiques de Vallorbe (seit 1899) und eine Fabrik, die Kunststoffartikel für die Industrie produziert, hinzu. Durch die Wirtschaftskrisen der 1930er und 1970er Jahre wurde Vallorbe schwer getroffen, was sich jeweils auch massiv auf die Bevölkerungszahl auswirkte. Zahlreiche Betriebe mussten geschlossen werden.
Heute haben neben der Metallverarbeitung (insbesondere Herstellung von Spezialfeilen) auch der Maschinenbau, die Feinmechanik, sowie die Fertigung von Elektronikelementen, Angelgeräten und Miniatursägen eine wichtige Bedeutung. In La Dernier gibt es ein Kraftwerk. Vallorbe gilt auch als Handels- und Bankzentrum und weist zahlreiche Grenzgänger aus Frankreich auf.
Im weiteren ist Vallorbe ein Eisenbahnknotenpunkt und wichtiger Grenzbahnhof. Die erste Bahnlinie erreichte die Industriegemeinde am 1. Juli 1870 mit der Eröffnung des Abschnitts Cossonay-Vallorbe der Strecke Lausanne-Vallorbe. 1875 wurde die Fortsetzung der Linie nach Pontarlier eingeweiht, die heute stillgelegt ist. Am 31. Oktober 1886 wurde schliesslich die Bahnlinie von Vallorbe nach Le Pont im Vallée de Joux in Betrieb genommen. Bis 1915 blieb Vallorbe ein Sackbahnhof, danach wurde durch den 6'096 m langen Tunnel du Mont d'Or eine direkte Strecke nach Frankreich geschaffen, die auch einen niedrigeren Scheitelpunkt besitzt als die Linie nach Pontarlier. Diese Linie bildete fortan eine wichtige internationale Bahnverbindung von Paris nach Lausanne und weiter nach Italien. Die Strecke nach Pontarlier erlitt im 2. Weltkrieg schwere Beschädigungen (u.a. wurde der Tunnel von Jougne gesprengt) und wurde nicht wieder aufgebaut. Ein kleines Stück der ehemaligen Strecke bei Les Hopiteaux-Neufs (Frankreich) wurde für den Museumsbetrieb wieder aufgebaut (Le Coni'Fer).
Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die Autobuslinien von Vallorbe nach Orbe sowie eine Direktverbindung über die Autobahn nach Yverdon-les-Bains.
Um 1139 wurde in Vallorbe ein Tochterpriorat von Romainmôtier gegründet; das gesamte Tal gehörte dem Kloster. Die weitere Entwicklung des Ortes war durch die Eisenverhüttung geprägt. Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 kam Vallorbe unter die Verwaltung Landvogtei Romainmôtier und bildete darin einen eigenen Gerichtshof. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte das Dorf von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde es dem Bezirk Orbe zugeteilt. Im Jahr 1883 wurde ein Teil von Vallorbe durch einen Grossbrand schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Weitere Touristenattraktionen in der näheren Umgebung sind die Grottes de l'Orbe und der Juraparc beim Chalet du Mont d'Orzeires (mit Bären, Wölfen und Bisons). Sehenswert ist ebenfalls das Musée de Fer, in welchem die Geschichte der Eisenverarbeitung sowie der Eisenbahn in Vallorbe dokumentiert ist. Unter der Bezeichnung Fort 39-45 wurde eine Stellung der Schweizer Armee aus dem 2. Weltkrieg als Museum ausgebaut. Diese Stellung war auf den Col de Jougne * gerichtet, von dem ein potentieller Angriff der deutschen Wehrmacht befürchtet wurde.
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