Mit Validität (von lat. validus: stark, wirksam, gesund) wird in erster Linie das argumentative Gewicht einer (vornehmlich wissenschaftlichen) Feststellung bzw. Aussage, Untersuchung, Theorie oder Prämisse bezeichnet. Sie gilt vor allem für empirische Untersuchungen als Inbegriff des Vorhandenseins exakter methodisch-logischer Qualitätskriterien und wird neben der Reliabilität (Messgenauigkeit) und der Objektivität (Beobachterübereinstimmung) als Maßstab für die Gültigkeit einer wissenschaftlichen Feststellung verstanden.
Im Gegensatz zur grundsätzlichen Falsifizierbarkeit (Widerlegbarkeit) und Verifizierbarkeit (Belegbarkeit) einer wissenschaftlichen Aussage als solche wird hiermit also ein Gütekriterium für die Belastbarkeit einer bestimmten Aussage beschrieben.
Aspekte der Validität
Es ist zweckmäßig, die einzelnen Teilaspekte im Zusammenhang mit typischen Fehlern und Gefährdungen zu diskutieren, die häufig Bias genannt werden. Man kennt vor allem die folgenden Aspekte der Validität:
- Externe Validität : Die externe Validität – auch Allgemeingültigkeit, Verallgemeinerungsfähigkeit oder ökologische Validität – bezeichnet die Übereinstimmung von tatsächlichem und intendiertem Untersuchungsgegenstand. Grundidee ist hier die Frage nach der Generalisierbarkeit.
- Regelmäßig führt man zuerst Studien an kleinen und leicht zu erreichenden Gesamtheiten durch, etwa seinen Studenten oder Patienten. Obgleich man durch viele Beispiele von gravierenden Irrtümern gewarnt sein sollte, geschieht es doch immer noch sehr schnell und gerne, dass für die so gewonnenen Ergebnisse eine Allgemeingültigkeit in Anspruch genommen wird, die häufig illusorisch ist.
- Ärzte beispielsweise überschätzen häufig die Schwere und die Häufigkeit von Krankheiten und Komplikationen, weil sie nur diese Fälle zu sehen bekommen; Psychiater unterschätzen genauso regelmäßig den Einfluss von psychiatrischer Hospitalisierung und Komorbiditäten, weil sie sich daran gewöhnt haben.
- Das korrekte Vorgehen ist also, nach einer solchen explorativen Studie eine repräsentative durchzuführen; freilich ist dies in jedem Falle aufwändig und bisweilen auch sehr schwierig.
- Stichprobenbias bezeichnet die Abweichung einer konkreten Stichprobe von dem Ideal einer streng zufälligen Auswahl aus der richtigen Grundgesamtheit.
- Interne Validität : Ein Experiment besitzt dann eine hohe interne Validität, wenn Veränderungen im Verhalten der Versuchsperson (abhängige Variable) eindeutig auf die bewusste Veränderung der unabhängigen Variable (Treatment) zurückzuführen sind. Um dies zu gewährleisten, müssen Störvariablen kontrolliert bzw. durch verschiedene Methoden, wie Elimination, Randomisierung, Konstanthaltung und Parallelisierung ausgeschaltet werden.
Validität als Gütekriterium
Es existieren drei Formen von Validität, welche in
keinem Zusammenhang mit der externen und internen Validität stehen. Diese drei Formen sind:
Inhaltsvalidität,
Konstruktvalidität und
Kriteriumsvalidität
- Inhaltsvalidität: Diese ist gegeben, wenn ein Test zur Messung eines bestimmten Konstrukts alle Aspekte dieses Konstrukts ausreichend erschöpft. So sollte z.B. ein Test zur Rechenleistung zumindest alle Grundrechenarten enthalten und sich nicht nur auf Addition und Subtraktion beschränken.
- Konstruktvalidität : Diese ist gegeben, wenn sich aus dem gemessenem Konstrukt Hypothesen ableiten lassen, welche mit Hilfe neuer empirischer Tests überprüfbar sind.
- Die Konstruktvalidität teilt sich in konvergente und diskriminante Validität:
- Konvergente Validität : Die Frage stellt sich, inwieweit die Messdaten eines neuen Tests mit den Messdaten anderer Test korrelieren? Gehen wir davon aus, dass ein bekannter Test das zu messende Konstrukt bereits misst (er ist konstrukt valide), so müssten die Ergebnisse des neuen Tests mit den Ergebnissen des bekannten Tests hoch korrelieren.
- Diskriminante Validität : Wie bei der konvergenten Validität werden an dieser Stelle die Ergebnisse der neuen Messungen mit den Ergebnissen anderer Testverfahren korrelativ untersucht. Soll jedoch sichergestellt werden, dass nicht die bereits erfassten Merkmale erneut gemessen werden, so gilt die Forderung: „Der neue Test korreliert im optimalen Fall nur gering mit anderen Messungen.“
- Sowohl konvergente als auch diskriminante Validität müssen gegeben sein, um einen vollständigen Nachweis der Konstruktvalidität zu gewährleisten.
- Kriteriumsvalidität: Kriteriumsvalidität bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen den empirisch gemessenen Ergebnissen der Messinstruments und einem anders gemessenen empirischen (<>) Kriteriums." (Schnell/Hill/Esser, 2005, "•Methoden der Empirischen Sozialforschung", S. 155)
- Die Kriteriumsvalidität wird in concurrent und predictive Validity unterteilt:
- Kongruente/Übereinstimmungsvalidität : Sofern mein Test zeitgleich zu einem anderen Test(Aussenkriterium) durchgeführt wird, so kann auch von einer Übereinstimmungsvalidität (im Falle einer Überprüfung) gesprochen werden.
- prädiktive/prognostische Validität : Für den Fall, dass die Daten meiner Messung zu einem früheren Zeitpunkt erhoben werden, als die Daten eines anderen Tests(Aussenkriterium), so könnten meine Messdaten das Ergebnis des folgenden Tests vorhersagen. Es kann also eine Prognose durch die Testdaten zum Beispiel für beruflichen Erfolg gestellt werden (zum Beispiel im Rahmen eines AC).
Die Validität stellt neben der Reliabilität (Messgenauigkeit) und der Objektivität (Beobachterübereinstimmung) eines der drei wichtigsten Gütekriterien für empirische Untersuchungen dar. Diese bauen aufeinander auf. Ohne Objektivität keine Reliabilität, ohne Reliabilität keine Validität.
Siehe auch
Literatur
- D. T. Cambell, D. W. Fiske: Convergent and discriminant validation by the multitrait-multimethod matrix. In: Psycholocial Bulletin. 56/1959. S. 81–105.
- Martin Kleinmann, Bernd Strauß (Hrsg.): Potentialfeststellung und Personalentwicklung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag für angewandte Psychologie, Göttingen 2000
- Rainer Schnell, Paul B. Hill, Elke Esser: "Methoden der Empirischen Sozialforschung.", 7., völlig überarbeitete und erweiterete Auflage, R. Oldenbourg Verlag, München 2005
Weblinks
Wissenschaftstheorie