Der Stausee von Vajont in den Alpen im Nordosten Italiens (100 km nördlich von Venedig) ist durch die Katastrophe von Longarone am 9. Oktober 1963 bekannt geworden.
Das Aufstauen des Stausees Vajont führte am 9. Oktober 1963 zur Vajontkatastrophe (auf Italienisch strage del Vajont oder tragedia del Vajont). Die Katastrophe entstand durch einen Bergrutsch, der vom "Monte Toc" in den Stausee stürzte, was eine Riesenwelle verursachte, welche über die Mauerkrone schwappte und so das Städtchen Longarone überflutete und vollständig zerstörte und fast 2000 Menschen tötete.
Ziel des Projekts war die Bereitstellung großer Wasserreserven mitten in den Dolomiten, um so genügend Strom für die Stadt Venedig während der Trockenzeiten zu erzeugen. Der Fluss Piave führt nämlich während der Winter- und Sommermonate außerordentlich wenig Wasser, im Gegensatz zu den Herbst- und Frühlingsmonaten.
Die Schluchten des Flüsschens Vajont (welches in den Karnischen Alpen entspringt und im Piave mündet, nachdem es am Monte Toc entlang fließt) eigneten sich besonders gut für das Vorhaben. Entlang des Flusslaufes, bei den Bergdörfern Erto und Casso, fanden der Geologe Giorgio Dal Piaz und der Bauingenieur Carlo Semenza eine geeignete Stelle, um die damals höchste Doppelbogenstaumauer der Welt zu bauen.
Das Anfangsprojekt sah eine 202 Meter hohe Bogenstaumauer mit einem Stauinhalt von 58,2 Millionen Kubikmetern vor. Dieses wurde dann so modifiziert, dass die Mauer eine Höhe von 261,60 Meter mit einem Stauinhalt von 152 Millionen Kubikmetern erreichen sollte. Der Stauinhalt wurde so viel größer als in allen bisherigen Projekten, welche im Piave-Tal durchgeführt worden waren.
Das Vajontprojekt erhielt die vollständige Zustimmung des zuständigen Ministeriums am 17. Juli 1957.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fing das Vajont-Projekt, für welches die SADE großen Druck ausübte, Form anzunehmen und wurde schließlich dem 'Genio Civile', der zuständigen Stelle, vorgestellt.
1949 wurden die ersten geologischen Ermittlungen durchgeführt und mit ihnen fingen auch die Proteste der im Projekt involvierten Talgemeinden Erto und Casso an, denn der neue See hätte zahlreiche Wohnhäuser und viel landwirtschaftlich genutztes Kulturland überflutet.
Trotz des starken Protests der Taleinwohner und der Zweifel der zuständigen Kontrollbehörden kam es gegen Mitte der 1950er Jahre zu den ersten Enteignungen und die Vorbereitungen für die große Baustelle wurden vorangetrieben. Die eigentlichen Bauarbeiten haben 1956 ohne die Zustimmung des zuständigen Ministeriums angefangen.
Nach Arbeitsbeginn ereigneten sich einige kleine Erdbeben, so dass die SADE weitere geologische Aufnahmen beantragen musste, welche auf dem Monte Toc die Reste eines uralten Bergsturzes aus paläolithischer Zeit zum Vorschein brachten. Diese Gesteinsmassen drohten, bei einem ansteigendem Wasserspiegel am Fuße des Bergsturzes in den See zu rutschen. Trotz der neuen Befunde schickte die SADE die neue Berichte nie an die zuständigen Kontrollorgane.
Die Bauarbeiten kamen voran: Am 2. Februar 1960 kam es zur ersten Teilfüllung des Sees bis auf 600 Meter über dem Meer, später in diesem Jahr stieg der Wasserspiegel bis 650 Meter. Am 4. November 1960 kam es zum ersten Bergsturz: 700.000 Kubikmeter Gesteinsmassen stürzten in den See.
Nach diesem ersten Bergsturz wurde das Institut für Hydraulik und Wasserbau der Universität von Padua mit der Erstellung einer Simulation für eine Katastrophe im Vajont-Tal beauftragt. In einem Modell wurden die Folgen eines 40-Millionen-Kubikmeter-Bergsturzes mit der Hilfe von Kies reproduziert. Nach dieser Simulation, welche sich in den folgenden Jahren als falsch erwies, wäre eine Wasserspiegelhöhe bis 700 m.ü. NN als sicher zu betrachten gewesen, denn es wären dabei keinerlei Schäden entstanden. Simulationen, welche nach der Katastrophe unter Betrachtung des richtigen Bergsturzumfanges und mit der Hilfe von miteinander verbundenen Betonplatten durchgeführt wurden, führten zu einem mit der Realität vergleichbaren Ergebnis. Diese Studien mussten jedoch im Ausland in Auftrag gegeben werden, denn in Italien wollte kein Institut die Resultate der ersten Simulation in Frage stellen und somit die Universität von Padua in Verlegenheit bringen.
Zwischen 1961 und 1963 wurde der See mehrmals gefüllt und wieder entleert, um so die Gefahr von Rutschungen des umliegenden Geländes zu verhindern: Am 4. September 1963 stieg der Wasserspiegel sogar bis auf eine Höhe von 710 m.ü. NN. Die Einwohner des Tals beklagten sich über die entstandenen Bodenbewegungen und die zahlreichen Erdbeben, während aus dem Berg laute Geräusche zu hören waren.
Tina Merlin, eine Journalistin der kommunistischen Zeitung "L’Unità", publizierte mehrere Artikel zum Thema und wurde deswegen selber wegen Diffamierung und Störung des öffentlichen Friedens angezeigt. Sie wurde in einem Prozess als unschuldig freigesprochen.
Der Bauingenieur Pancini, einer der Angeklagten, beging kurz vor dem Prozess Selbstmord. Der Prozess begann 1968 und endete ein Jahr später mit der Verurteilung aller beteiligten Angeklagten zu 21 Jahren Gefängnis wegen verursachtem Desaster und mehrfacher fahrlässiger Tötung.
Der Appellationsgericht verringerte die Strafe für einige Angeklagten und sprach die weiteren wegen Fehlen von Beweismaterial frei. 1997 wurde die Montedison, welche die SADE gekauft hatte, zur Schadenersatzzahlung an die betroffenen Gemeinden verurteilt.
Siehe auch:
Stausee | Staumauer | Stauanlagenunfall
Přehrada Vajont | Vajont Dam | Presa de Vajont | Strage del Vajont | バイオントダム
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"Vajont-Staumauer".
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