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Der Verband Schweizer Studierendenschaften, Union des Etudiant-e-s de Suisse, Unione Svizzera degli Universitari (VSS-UNES-USU) vertritt seit 1920 die Interessen der Studentinnen und Studenten in der Schweiz.

Er koordiniert die Anliegen seiner Mitglieder und kooperiert mit nationalen und internationalen Gremien. Die wichtigsten Ziele sind Demokratisierung und Chancengleichheit.

Momentan sind die lokalen Studierendenorganisationen der Universitäten Zürich (StuRa), Bern (SUB), Freiburg (AGEF), Neuenburg (FEN), Lausanne (FAE) und Luzern (SOL) Mitglied des Verbandes. Dazu kommen die Studierendenorganisationen der Fachhochschulregionen Zürich (VSZFH) und Bern (VSBFH) sowie die Schule für angewandte Linguistik in Zürich (VSSAL). Ziel des Verbandes ist es jedoch, wieder alle Universitäten und neu auch alle Fachhochschulregionen zu repräsentieren.

Der VSS ist Mitglied von ESIB - the National Unions of Students in Europe sowie IUS - the International Union of Students und vertritt dadurch die Schweizer Studierenden auch auf Europäischer und Globaler Ebene.

Organisation


Die Delegiertenversammlung

Der nach Vereinsrecht konstituierte Verband wird durch die halbjährlich stattfindende Delegiertenversammlung gelenkt. An sie entsenden die einzelnen Sektionen gemäss Ihren Mitgliedszahlen Delegierte (Zur Zeit zwischen zwei (Luzern) und zehn (Zürich). Die Delegiertenversammlung bestimmt, als höchstes Organ, unter anderem über die Positionen, das Budget und die Mitgliedschaft. Zudem wählt sie das Co-Präsidium des Verbandes, die Delegationen und die Mitglieder der inhaltlichen Kommissionen.

Das Comité

Zwischen den Delgiertenversammlungen übernimmt das monatlich statt findende Comité deren Kompetenzen. In ihm hat jedes Mitglied eine Stimme.

Das Co-Präsidium

Die Exekutive des Verbandes besteht aus einem zweiköpfigen Co-Präsidium, welches mindestens eine Frau beinhalten muss. Das Co-Präsidium ist auch für die Einstellung des Personals zuständig, das neben einer Reinigungskraft ein zweiköpfiges politisches Sekretariat umfasst.

Die inhaltlichen Kommissionen

Die inhaltliche Arbeit wird im VSS vor allem durch die vier inhaltlichen Kommissionen gewährleistet. Diese sind die CodEg (Gleichstellungskommission / Commission d'Egalité), die SoKo (Sozialkommission), die HoPoKo (Hochschulpolitische Kommission) und die CIS (Kommission für Internationales und Solidarität / Commission internationale et de solidarité). Dazu kommt noch die Geschäftsprüfungskommission (GPK).

Finanzen


Das jährliche Budget beläuft sich auf ungefahr 200'000 CHF und wird fast ausschliesslich durch die Beiträge der Mitgliedsorganisationen bestritten, was dem VSS politische Unabhängigkeit ermöglicht.

Geschichte


Der VSS wurde als nationaler Dachverband am 19. Juni 1920 in Zürich von den Studierendenschaften der Universitäten Basel, Genf, Neuenburg und Zürich, der ETH Zürich, der Hochschule St. Gallen, der Vereinigung der Tessiner Studenten und einigen Studenten aus Bern gegründet.

Die ersten Jahrzehnte des VSS prägte vor allem eine aufwändige Aussenpolitik. Bereits zwischen den Kriegen, vor allem aber seit 1945 entfaltete der Verband eine rege Reisetätigkeit, insbesondere innerhalb Europas. Bestrebungen um Ausgleich zwischen den Fronten des kalten Krieges stiessen allerdings oft auf Kritik. So war der VSS 1946 bei der Gründung der International Union of Students (IUS) zwar dabei, eine Mitgliedschaft kam hingegen nicht zu Stande, da die IUS als kommunistisch und 3.-Welt-lastig galt. Dafür engagierte sich der VSS stark in der als Gegenorganisation zur IUS gebildeten ISC bis zu deren Scheitern Ende der 60er-Jahre, als finanzielle Beziehungen zum US-amerikanischen Geheimdienst zu Tage traten.

Die umfangreichen Reise-Aktivitäten des VSS führten schliesslich zur Gründung der lange Zeit sehr erfolgreichen Genossenschaft SSR. Diese entfremdete sich allerdings dem studentischen Milieu, nachdem die Angestellten als Einzel-Genossenschafter-innen mit gleichem Stimmrecht wie die Verbände zugelassen wurden. Schliesslich hat sie sich aufgelöst: das Geschäft wurde verkauft und ein Teil des Vermögens in die Stiftung für Solidarität im Tourismus SST eingebracht.

Einen Wendepunkt bringt das Jahr 1960. Auf Betreiben der Romandie Studierenden wurde der Geschäftssitz nach Bern verlegt. Die Öffnung der Universitäten für breitere Bevölkerungsschichten führte dazu, dass die alteingesessenen Kreise ihre Mehrheiten verloren. In Zürich gründete der VSS gemeinsam mit den Studierendenschaften von Uni und ETH die Zeitung «das konzept»: an Stelle schlichter ständischer Interessensvertretung gewannen philosophische und gesellschaftspolitische Überlegungen an Terrain. Hier wurde der Herausgeberverein später direkt in eine nur vom Personal geführte Genossenschaft übergeführt: die im Schweizer Medien-Umfeld unverzichtbare Wochenzeitung WOZ schreibt zur Zeit allerdings relativ selten über Bildungs-Themen.

Bis weit in die 60er Jahre war der VSS eine reine Männerdomäne. Dies ändert sich im Zuge der 68er Bewegung sowie der nachfolgenden Neuen Frauenbewegung. Im Jahre 1967 wird zum ersten Mal eine Frau in den VSS-Vorstand gewählt. In den darauf folgenden Jahren artikulieren sich die Studentinnen in den lokalen Studierendenschaften und auch im VSS immer unüberhörbarer.

Das Jahr 1968 bringt einen Glücksfall für den VSS, da die eidgenössischen Räte eben über ein Hochschul-Förderungs-Gesetz beraten. Dieses begründet eine Schweizerische Hochschulkonferenz SHK, der zwei stimmberechtigte Mitglieder des VSS angehören und die u. a. die «Pflege des Kontaktes mit der Studentenschaft» zur Aufgabe hat. Auch in der Interkantonalen Stipendienbearbeiter-Konferenz IKSK erhält der VSS Einsitz. Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer: Der Aufbruchstimmung folgte Spardruck, und der VSS liess sich seine Agenda von der SHK bestimmen. Immerhin hatte er damit begonnen, innenpolitisch aktiv zu werden.

Am 1. Juni 1970 lehnte das Schweizer Volk mit einer Mehrheit von zwei Dritteln ein neues ETH-Gesetz ab, weil dieses ohne Mitarbeit der Studierenden entstanden war und deren Mitarbeit auch nicht enthielt - ein Referendums-Erfolg des VSS, der sich allerdings als Pyrrhus-Sieg erwies: die ETH wurden vermittels einer «Übergangs-Regelung» weitergeführt, die noch weniger Mitsprache brachte als das vorgesehene Gesetz. Ein Debakel brachte schliesslich die 1972 eingereichte Stipendien-Initiative für elternunabhängige rückzahlbare Studienbeihilfen («Lausanner Modell»). Diese wurde von den einreichenden Einzelpersonen im Sommer 1973 gegen den Willen des VSS zurückgezogen.

Das Jahr 1973 brachte zudem, erzwungen durch die Studierendenschaft von Fribourg, eine weitere Statuten-Revision. Diese brachte zwar eine demokratischere Organisation, jedoch auch den Austritt der St. Galler Studierenden, die auf einer ständischen Struktur beharrten. Im gleichen Jahr wurde der Studierendenschaft von Bern die finanzielle Autonomie entzogen, diejenige in Basel wurde gar aufgelöst. Etwas länger dauerten die Angriffe der in die Minderheit versetzten Konservativen in Zürich: die Studierendenschaft der ETH kam mit einer diversifizierten Mitgliedschafts-Regelung davon, doch an der Uni wurde 1978 die Studentenschaft SUZ aufgelöst. Die Dienstleistungen der SUZ konnten in die Stiftung Zentralstelle der Studentenschaft überführt werden, das politische Mandat übernahm der privatrechtliche VSU.

Die 90er Jahre bringen zunächst das 70er-Programm mit umgekehrten Vorzeichen: Sowohl das Referendum zum ETH-Gesetz wie das Projekt einer neuen Stipendien-Initiative scheitern an der Unterschriften-Sammlung. Der VSS ist geschlagen - die Idee eines eidgenössischen Bildungswesens unter Beteiligung der Studierenden ist faktisch beerdigt. Einen neuen Impuls bringt wieder die Fribourger Sektion durch eine Statuten-Revision 1995, die den Vorstand durch ein von den Sektionen ad hoc delegiertes «Comite» ersetzt. Dieses nimmt eine Mittler-Rolle ein zwischen den Angestellten im berner Büro und der Delegierten-Versammlung.

1993 tritt der VSS unter Protest aus der SHK aus, da diese für die Medizin einen «numerus clausus» einführt. Die internationalen Kontakte werden hingegen wieder verstärkt: Die praktisch inexistente IUS soll in Libyen wiederbelebt werden, und den europäischen Dachverband ESIB lädt man nach Genf ein. Die treibende Kraft hinter diesen Bemühungen ist denn auch die Genfer Studentenschaft, die allerdings 2002 ihren Austritt aus dem VSS gibt, weil dieser innenpolitisch eine «sowohl-als-auch»-Strategie verfolgen und nicht noch weitere Kooperations-Möglichkeiten unterbinden will.

In Basel wurde 1995 eine Körperschaft öffentlichen Rechts wieder eingeführt, die seither bemüht ist, aus dem Nichts funktionierende Strukturen zu erarbeiten. Auch in Zürich sollte an der Universität wieder eine Studierendenschaft etabliert werden. Momentan gibt es dort jedoch erst einen Studierendenrat, der sich über Jahre hinweg als blosses Wahl-Gremium erhalten hat. Desgleichen hat Neuchatel eine strukturelle Anpassung vorgenommen, die eine adäquate und effiziente Vertretung der studentischen Interessen ermöglichen wird. In diesem Sinne offen bleibt die Lage an der Universität Genf: dort gibt es nach wie vor keine allgemeinen geheimen Wahlen - eine wesentliche Grundlage demokratischer Prozesse. (An der noch jungen Università della Svizzera Italiana sieht die Lage diesbezüglich noch schlechter aus).

1997 verabschiedet sich die Studierendenschaft der ETH Zürich aus dem VSS, ein Einschnitt, der konträr zu den Absichten des Bundes läuft, die verschiedenen Hochschulen einander anzunähern und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Andererseits wirkt sich die Aufwertung der Technika und Handelsschulen zu «Fachhochschulen» aus. Der Dachverband SST beschliesst 2001, dass seine Mitglieder - gruppiert entsprechend den neuen Regionen - sich dem VSS anschliessen sollen. Als Ersten gelingt dies in Zürich auf Initiative der Winterthurer durch die Gründung des VSZFH, welcher als Dachverband frühere Einzelmitglieder des VSS (Musiker-innen, Dolmetscher-innen) mit neuer Kraft in die Politik einbringt. Im Frühjahr tritt 2005 der noch als privatrechtlicher Verein konstituierte Dachverband der berner Teilschulen bei, der im Herbst durch eine öffentlich rechtliche Körperschaft, die die gesamte Berner Fachhochschule umfasst, ersetzt werden soll.

Ende 2002 wird auf Initiative der Studierendenschaften der ETH Zürich, der Universität St. Gallen und der ETH Lausanne der Verband der Schweizerischen Hochschulstudierendenschaften (VSH) gegründet, um die nationale Vertretung der drei Hochschulen zu sichern.

Mit der Interkantonalen Universitäts-Vereinbarung, dem neuen Universitätsförderungsgesetz (UFG) und dem Konkordat zwischen Bund und Kantonen erstarkt die eidgenössische Koordination im Universitäts-Bereich. Die Schweizerische Universitätskonferenz SUK erhält mehr Kompetenzen, und auch die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten CRUS wird aktiver. Zudem berät das eidgenössichen Parlament über eine Verfassungsgrundlage zur Koordination der kantonalen Universitäten durch den Bund. Damit steigt die Relevanz des Dachverbandes für die einzelnen autonomen Mitgliedsorganisationen auch im innenpolitischen Bereich.

Siehe auch


Weblinks


Studentenorganisation | Schweizerische Organisation

 

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