Die Volkspolizei-Bereitschaften (VPB), meist VP-Bereitschaften oder nur Bereitschaftspolizei genannt, gehörten zu den "Kasernierten Einheiten des Ministerium des Inneren" (MdI) der DDR. Sie unterstanden dem Stellvertreter des (Innen-)Ministers Bereitschaften/ Kampfgruppen . Die VPB gehörten nicht zu den Dienstzweigen der Deutsche Volkspolizei (DVP) und sind auch nicht aus der Kasernierten Volkspolizei (KVP) hervorgegangen.
Die VP-Bereitschaften waren militärische Formationen, die neben dem Wachregiment "Feliks Dzierżynski" des Ministerium für Staatssicherheit (Divisionsstärke, nicht nur in Berlin), den Hundertschaften der Kampfgruppen der Arbeiterklasse und den Truppenteilen der Nationalen Volksarmee (NVA) bestanden.
Die Funktion als Bereitschaftspolizei übten die parallel in den Bezirksbehörden der DVP (BDVP) bestehenden Zentralen Kräfte Schutzpolizei (ZKS) aus. Diese waren in militärische Hundertschaften gegliedert und mit Maschinenpistolen und weiteren Schützenwaffen ausgerüstet.
Der Leiter der Hauptabteilung Bereitschaften im MdI, Generalmajor Heinz Opitz, erklärte in einem Vortrag 1986 vor Kommandeuren und leitenden Offizieren: "In Abhängigkeit von der Lage kann die Volkspolizei-Bereitschaft im Gesamtbestand bzw. können Teilkräfte
nach: VVS I 082 719, 5.,1-35; Bundesarchiv Berlin: DO-1/20 54133.
Eine grundlegende Umprofilierung der VP-Bereitschaften erfolgte mit dem Befehl des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR/ NVR (Honecker) Nr. 12/88 vom 21.12.1988. In diesem wurde unter anderem die grundlegende Aufgabe gestellt, diese zur schwerpunktmäßigen Verstärkung des operativen Dienstes der DVP einzusetzen. Im Befehl Nr. 0020/89 des Ministers des Innern und Chefs der DVP (Armeegeneral Dickel) über Aufgaben und Grundsätze für den Einsatz der VPB und Kompanien der Transportpolizei, GVS 082 872, vom 25.02.1989 erfolgte die Umsetzung des Befehls Nr.12/88. Die Ausbilder (Offiziere und Unterführer) und schon gar nicht die 18-Monate-Wehrpflichtigen waren jedoch bis dahin im Polizeirecht ausgebildet. Der Einsatz im Dienstsystem der Schutzpolizei in den VP-Kreisämtern und -Revieren war deshalb bis zum Ende der DDR mehr Wunsch als Wirklichkeit.
Die Angehörigen der Kasernierten Einheiten leisteten Wehrdienst, wurden über die Wehrkommandos der NVA einberufen, in deren Reserve nach Ableistung des Wehrdienstes eingegliedert und für Mob.-Einheiten der Kasernierten Einheiten des MdI oder Einheiten eines VPKA (VP-Kreisamt) bzw. BDVP (Bezirksbehörde) eingeplant. Wehrübungen erfolgten in diesen Mob.-Einheiten. Sie erhielten Sold in Höhe der NVA-Vergütungen. Eine VP-Bereitschaft war in der Verteidigung aufgrund ihrer Bewaffnung gefechtsstärker als ein Mot.-Schützen Bataillon der NVA (SPW, ohne Verstärkungsmittel). Von 1962 bis 1982 wurde der Dienst verschleiernd als Wehrersatzdienst bezeichnet. Der Artikel bezieht sich im wesentlichen auf die 70er Jahre.
Der Minister des Innern und Chef der DVP erließ auf dieser gesetzlichen Grundlage Weisungen, insbesondere den "Befehl 0020/...", in denen die Aufgaben für die Kasernierten Einheiten festgelegt waren.
Im "Befehl 0020/79" hieß es dazu:
Der Schwerpunkt ihrer Ausrichtung Ende der 1960er Jahre, Bekämpfung hinter der Front operierender Diversions-Aufklärungsgruppen in Kriegszeiten, verschob sich immer mehr zugunsten einer Befähigung zur Aufgabenerfüllung bei der Beseitigung von "Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit".
Die VPB gehörten als Kasernierte Einheiten des MdI nicht zu den Dienstzweigen der VP. Deshalb treffen die anderen Abschnitte des § 7 VP-Gesetz nicht zu. Eine VPB bzw. eine Kompanie wurde zeitlich begrenzt einem Leiter eines VP-Kreisamtes unterstellt, wenn deren "Zentrale Kräfte Schutzpolizei" ( Schützenzüge) für die Aufgabenerfüllung nicht ausreichten. Die Kompaniechefs bzw. Zugführer erhielten ihre Befehle vor Ort durch einen Einsatzleiter (VP-Offizier) des jeweiligen VP-Kreisamtes (VPKA), der auch die Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften zu gewährleisten hatte. Eine Aufteilung unterhalb der Schützengruppe, d.h. ein selbständiger Einsatz eines Wehrpflichtigen, war durch Ministerbefehl verboten. Eine Ausnahme waren die halbjährlich an einem Tag stattfindenden Werbungsmaßnahmen auf einem VPKA für den Dienst in der Volkspolizei.
Auf diese Art und Weise wäre ein Einsatz der Bundeswehr im Inneren vorstellbar. Deren Angehörige werden für den Auslandseinsatz in der Anwendung von Schild und Schlagstock (sperren und räumen) ausgebildet.
Der "Befehl 0020/89" als Nachfolgeweisung, Einsatzaufgaben der Kasernierten Einheiten des MdI für den Fünfjahresplanzeitraum 1990-95, geht von einer immer unzufriedener werdenden DDR-Bevölkerung aus. Es wurden Aufgaben geschlossener Einheiten der Schutzpolizei zugewiesen und die Unterstellung unter Truppenteile der NVA im Verteidigungszustand erstmalig nicht aufgeführt. Dieser Befehl wurde nicht mehr umgesetzt.
Im Bereich des Präsidenten der VP Berlin
Im Bereich des Leiters der Dienststelle der DVP Blumberg unter anderem
Dem 1. Stellvertreter des Chef des Stabes des MdI unterstanden
| 1. Stellvertreter des Chef des Stabes des MdI | - | Bezeichnung | Name | Ort | Einsatzraum | Unterstellung | Bemerkungen | - | 9. VP-Kp. | ... | Potsdam-Eiche | DDR | C-BDVP Ptd. | Anti-Terror-Einheit (Pedant zur GSG-9 /BGS) 1 | - | Hs.-Einheit | ... | Diepensee | DDR | 1. Stv. C-Stab /MdI | Unterstützung der Dienstzweige der VP | - | DSt. Blbg. | Dr. Richard Sorge | Freudenberg | Bz. Frankf./O | 1. Stv. C-Stab /MdI | unterirdischer Gefechtsstand - Innenminister | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
- | Abkürzungen: Blbg.: DSt. 1 Diensteinheit IX | Blumberg (Tarnbezeichnung) Dienststelle = Truppenteil nicht identisch, Dienstzweige /BDVP's (SEK's) | Hs. C-Stab MdI VP | Hubschrauber Chef des Stabes des MdI Ministerium des Innern Volkspolizei |
| Stellvertreter des Ministers Kampfgruppen / Bereitschaften | - | Nr. | Bezeichnung | Ort | Einsatzraum | Unterstellung | Name | Bemerkungen | - | 1. | VPB | Schwerin | Bezirk Schwerin | C-BDVP | Karl Liebknecht | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 2. | VPB | Stralsund | Bezirk Rostock | C-BDVP | Erich Weinert | ... | - | 3. | VPB | Potsdam-Eiche | Bezirk Potsdam | C-BDVP | Hans Marchwitza | ... | - | 4. | VPB | Magdeburg | Bezirk Magdeburg | C-BDVP | Wilhelm Pieck | ... | - | 5. | VPB | Leipzig | Bezirk Leipzig | C-BDVP | Otto Heckert | ... | - | 6. | VPB | Halle | Bezirk Halle | C-BDVP | Hans Beimler | Reservisten-Ausbg. | - | 7. | VPB | Erfurt | Bezirk Erfurt | C-BDVP | Dr. Theodor Neubauer | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 8. | VPB | Dresden | Bezirk Dresden | C-BDVP | Dr. Kurt Fischer | ... | - | 9. | VPB | K.-Marx-Stadt | Bez. K.-Marx-St. | C-BDVP | Ernst Schneller | ... | - | 10. | VPB | Rudolstadt | Bezirk Gera | C-BDVP | Georg Schumann | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 11. | VPB | Magdeburg | DDR | Minister | Ernst Thälmann | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 12. | VPB | Halle | DDR | Minister | Bernhard Koenen | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 13. | VPB | Meiningen | Bezirk Suhl | C-BDVP | Magnus Poser | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 14. | VPB | Neustrelitz | Bz.Neubrandenbg | C-BDVP | Hans Kahle | ... | - | 15. | VPB | Eisenhüttenstadt | Bezirk Frankfurt/ O. | C-BDVP | John Schehr | ... | - | 16. | VPB | Cottbus | Bezirk Cottbus | C-BDVP | Georgi Dimitroff | ... | - | 17. | VPB | Basdorf | DDR | Minister | Conrad Blenkle | Ausbg. vorverpflichteter Polizisten; | - | 18. | VPB | Basdorf | Bezirk Berlin | Präs. PDVP | Heinrich Rau | Ausbg. vorverpfl.Poliz.; Einnahme W-Bln. | - | 19. | VPB | Basdorf | Bezirk Berlin | Präs. PDVP | Robert Uhrig | Ausbg. vorverpfl.Poliz.; Einnahme W-Bln. | - | 20. | VPB | Potsdam | DDR | Minister | Käthe Niederkirchner | Staatsgrenze/ NVA-Unterstellg. mögl. | - | 21. | VPB | Leipzig | DDR | Minister | Arthur Hoffmann | ... | ||||||
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| Weitere Kasernierte Einheiten und Truppenübungsplätze | - | Nr. | Bezeichnung | Ort | Einsatzraum | Unterstellung | Name | Bemerkungen | - | (22.) | NaB | Basdorf | DDR | StM Na. | Rudolf Gyptner | Sicherstellung Führungsverbindungen | - | (23.) | SE | Gielsdorf | (Strausberg) | Ltr.DSt.Bbg. | ... | Sicherung Gefechtsstand - Innenminister | - | 10. | Kp. | Bln-Blankenbg | DDR | StM VD | ... | Verpflegungsversorgung | - | - | Na.-Kp. | Dommitzsch | DDR | StM Na. | Joseph Giefer | Ausbg. Unterführer ( Uffz.) | - | - | TüP-I | Belzig | DDR-Süd | StM KG/B | ... | ... | - | - | TüP-II | Neuruppin | DDR-Nord | StM KG/B | ... | ... | - | - | TüP-Kroppen | Kroppen | TüP-OHS | Kdr. OHS | ... | ... | - | - | OHS | Dresden | DDR | StM KG/B | Artur Becker | Ausbildung Truppenoffiziere | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
- | Abkürzungen: | . | StM | Stellvertreter des Ministers | - | DVP | Deutsche Volkspolizei | KG/B | Kampfgruppen der Arbeiterklasse/ Bereitschaften | - | PDVP | Präsidium der DVP Berlin | Ltr. Dst. | Leiter Dienststelle ( Oberst der VP) | - | BDVP | Bezirksbehörde der DVP | Ltr.VPKA | LeiterVPKA ( Oberstleutnant der VP) | - | VPB | Volkspolizei-Bereitschaft | K-VPB | Kommandeur ( Oberstleutnant der VP) | - | SE | Sicherungseinheit (Baueinheit und VPB) | StKuSC | Stellv. des K u. Stabschef ( Major der VP) | - | VPKA | VP-Kreisamt | KC | Kompaniechef ( Major der VP) | - | TüP | Truppenübungsplatz | Na | Nachrichten (Führungsverbindungen) |
| Transportpolizei-Einsatzkompanien/Bereitschaften | - | Nr. | Bezeichnung | Ort | Einsatzraum | Unterstellung | Bemerkungen | - | 1. | TP-Kp.(B) | Bad Kleinen | Bezirk Schwerin | C-BDVP | ... | - | 2. | TP-Kp.(B) | Pasewalk | Bez. Neubrandenburg | C-BDVP | ... | - | 3. | TP-Kp.(B) | Eisenhüttenstadt | Bezirk Frankfurt/ O. | C-BDVP | ... | - | 4. | TP-Kp.(B) | Cottbus | Bezirk Cottbus | C-BDVP | ... | - | 5. | TP-Kp.(B) | Tharandt | Bezirk Dresden | C-BDVP | ... | - | 6. | TP-Kp.(B) | Naumburg | Bezirk Halle | C-BDVP | ... | - | 7. | TP-Kp.(B) | Spröda | Bezirk Leipzig | C-BDVP | ... | - | 8. | TP-Kp.(B) | Brandenburg | Bezirk Potsdam | C-BDVP | 30. April 1980 aufgelöst! | |||||
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- | Abkürzungen: TP | Transportpolizei | Kp. B | Kompanie Bereitschaften |
Eine VPB war ein militärisch selbständiger Truppenteil. Die Einsatzeinheiten waren zwei Schützenkompanien und eine Schützenpanzer(-wagen) -Kompanie. Unterstützungseinheiten waren eine Kompanie mit Artillerie- und Panzerabwehrwaffen und die Kampfsicherstellungseinheiten der Stabskompanie ( Aufklärer, Pioniere, Nachrichten usw. Siehe auch: Struktur
Der Stab besaß annähernd die Struktur eines Regimentes der NVA.
Das Politorgan einer VP-Bereitschaft setzte sich aus dem Stellvertreter politische Arbeit des Kommandeurs, dem Offizier für Agitation und Propaganda, dem Offizier kulturelle Massenarbeit und weiteren Kräften zusammen.
Diese Aufgabe sollte umgesetzt werden in den Handlungsarten mit Hilfe
Die taktischen Handlungen und die Einsatzgrundsätze der Einsatzgruppen und Posten waren bestimmt in der "DV IX/10 Zug - Gruppe" und den geltenden Vorschriften der NVA. Siehe auch: Kampfeinsatz
Das Ziel ... besteht in der Verhinderung bzw. Beseitigung von Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die das sozialistische Zusammenleben der Bürger, ihr Leben, ihre Gesundheit, Ehre und Würde, den Schutz des gesellschaftlichen und persönlichen Eigentums, den Ablauf des öffentlichen Lebens und der staatlichen Ordnung sowie die allgemeine Sicherheit beeinträchtigen bzw. gefährden."
(Quelle: Wolfram Kempe: Die Rolle und Aufgaben der Einheiten der VP-Bereitschaften im System der sozialistischen Landesverteidigung der DDR, Vorlesung, Dresden 12. Juni 1980, VD X/82/80 S. 15-19 sowie
"DV 30/78" (Ebene BDVP - VPB))
Handlungsarten waren:
Die Einheiten handelten grundsätzlich nicht selbständig, sondern wurden einem Leiter eines VP-Kreisamtes, in Berlin einem VP-Revier, für die Dauer eines Einsatzes unterstellt. Die Wehrpflichtigen durften nicht einzeln eingesetzt werden und wurden durch den Gruppenführer geführt.
Diese Handlungsarten galten in diesem Umfang bis etwa 1985. Im Befehl 0020/89 des Ministers kam hinzu:
Siehe auch: Ordnungseinsatz
Die Ausbildung wurde in der Wirklichkeit stark reduziert durchgeführt, weil die VP-Bereitschaften als "Dienstleistungskombinate" missbraucht wurden. Im Winter waren sie in den Braunkohlentagebauen eingesetzt und im Sommer im Hafen Rostock oder anderen Betrieben (je nach örtlicher Lage, meistens jedoch in den Chemiebetrieben).
Stunden wurden oft doppelt abgerechnet. Abstriche am Umfang der Politschulung durften dennoch nicht gemacht werden. Die Einheiten hatten demzufolge eine geringe Einsatzfähigkeit, weil das 1. Diensthalbjahr nur über Minimalkenntnisse aus der militärischen Grundausbildung besaß. Im Fahndungseinsatz gegen flüchtige Sowjetsoldaten, meist Fernaufklärer oder Fallschirmjäger, gab es dann auch schon mal Tote (VPB in Rudolstadt). Ein Offizier der alles missachtete was er gelernt hatte. Sobald keine Minusgrade mehr vorherrschten war mindestens täglich ein Sowjetsoldat "unterwegs" in Richtung Sowjetunion (!).
Die Ausbildungshalbjahre waren wiederum in drei Ausbildungsabschnitte eingeteilt.
Je Ausbildungshalbjahr wurden ca. 1.000 Stunden, davon für Ausbildung 500 Stunden zugrunde gelegt. Die tägliche Ausbildungszeit betrug 7 Stunden.An Sonnabenden wurden 5 Ausbildungsstunden durchgeführt, die sich, in der Regel auf Park- und Wirtschaftsstunden beschränkte.
nach: Vortrag des Leiters Hauptabteilung Bereitschaften vor Kommandeuren und leitenden Offizieren, 1986; VVS I 082 719, 5.,1-35; Bundesarchiv Berlin DO-1/20 54133
Die erfolgreiche Ausbildung endete mit der Ernennung zum Unterführer und dem Dienstgrad: Oberwachtmeister der VP.
In Potsdam - Eiche waren auch unter anderem selbstständige "Lehrer" für Marxismus / Leninismus im Dienstgrad bis Major der Volkspolizei eingesetzt.
Interessenten ohne Abitur erlangten die Hochschulreife (HSR) innerhalb eines Jahres an der OHS und wurden dann zum Studium zugelassen. Die OS der HSR waren bereits vereidigte OS, welche vor Beginn ihrer Ausbildung einen zweiwöchigen Grundausbildungskurs absolvieren mussten, welcher normaler Weise von Grundwehrdienstleistenden innerhalb von 3 Monaten absolviert wurde. In diesem Grundausbildungskurs wurde lediglich auf den Waffendienst verzichtet. Den OS wurde nichts geschenkt, da die militärische Ausbildung zum normalen Unterricht fortgeführt wurde. Der normale Wochenrhythmus ging von Montag bis Freitag, Ausnahme war der Samstag. Der normale Rhythmus für alle OS verlief folgendermaßen: Wecken war um 05.25 Uhr, danach 05.30 Uhr - 06.00 Uhr Frühsport (Mo, Mi und Fr mit der Absolvierung des 3000-m-Laufes, ansonsten Gymnastik und Elementetraining an der Sturmbahn. 06.00 Uhr - 06.45 Uhr Morgentoilette, Frühstück. 06.50 Dienstausgabe, anschließend Unterricht in Blöcken. Von 07.00 Uhr - 09.00 Uhr Unterricht, 09.00 Uhr - 09.20 Uhr Frühstückspause, von 09.20 Uhr bis 11.00 Uhr Unterricht mit 10 min Pause, danach bis 13.00 Uhr Unterricht. Von 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr Mittagspause, anschließend Dienstausgabe. Um 14.15 Uhr bis 17.30 Uhr Unterricht und/oder Selbststudium im Klassenraum. 17.30 Uhr - 19.00 Uhr Abendbrot, 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr Stuben- und Revierreinigen (mitunter auch bis 21.30 Uhr) oder falls kein Dienst geplant war, Freizeit. 21.30 Uhr Vorbereitung der Nachtruhe, Abendtoilette, 22.00 Uhr Licht aus, Nachtruhe. Zu den Mahlzeiten wurde grundsätzlich angetreten und marschiert. Ausnahmen wurden nicht geduldet. Am Samstag wurde auf den Frühsport verzichtet und der Unterricht begann bereits um 06.30 Uhr und ging in der Regel bis um 11.30 Uhr. Anschließend war Stuben- und Revierreinigen befohlen, so dass die Kompanie, falls dem nichts entgegen stand in der Regel um 13.30 Uhr in den Kurzurlaub fahren konnte. Kurzurlaub (KU) wurde allen OS gewährt, solange dem keine Hinderung entgegenstand. OS in der HSR erhielten KU von Samstag nach Dienst bis Sonntag 24.00 Uhr. Alle anderen OS erhielten KU von Samstag nach Dienst bis Montag zum Dienst (05.30 Uhr).
Die Ausbildung der OS war so angelegt, dass sie in jedem Organ der VP (einschließlich der Diensteinheit 9) ihren Dienst verrichten konnten. Die OS wurden in Taktik bis hin vergleichbar der Battalionsebene bei der NVA, im Umgang mit allen zur Verfügung stehenden Waffen, Fahrzeugen und Sprengmitteln unterrichtet. Sie wurden im Umgang und der Handhabung von Sprengmitteln (herkömmlichen und selbst gefertigten) im normalen Einsatz und/oder Sprengfallen, dem Minen verlegen und entschärfen ausgebildet. Die OS absolvierten ein spezielles Häuserkampfprogramm sowohl als Angreifer und Verteidiger. Dazu erlernten sie Techniken des Erstürmens von Gebäuden, dem gedeckten Eindringen über Kanalisationen, Kaminen und dem Einsatz von Sturmleitern, Kletterstangen, Kletterseilen mit Enterhaken usw.Es wurde ebenso das gezielte und systhematische Vorgehen beim Erstürmen vermittelt. Des Weiteren wurde hoher Wert auf die körperliche Physis gelegt. Die OS hatten dazu 2 x 4 Stunden Sport in der Woche!. In jeder Sportausbildung wurde wenigstens 1 x 3000 m und/oder 5000 m bzw. 6500 m in Stiefeln und FDA (bei Polizei als Felddienstanzug bezeichnet, bei NVA als FDU (Felddienstuniform) absolviert. Auch die Sturmbahnausbildung floss dabei ein. Da die "normale" Sturmbahn nur bedingt geeignet war, erfolgte zudem das Training an der sog. MdI - Sturmbahn('polnische'), einer speziell für die Bedürfnisse der OS ausgelegten Variante. Hierbei waren ua. Hindernisse wie eine 4 m hohe Mauer, Holzzäune mit Spitzen etc. zu überwinden. Die OS wurden weiterhin von speziell ausgebildeten Sportoffizieren im Nahkampf unterrichtet. Hierbei wurden die Techniken, die sonst nur bei Fern- und Spezialaufklärungseinheiten der NVA Anwendung fanden, vermittelt. Das Ziel war es, die OS zu harten und unerbittlichen Kämpfern auszubilden. Dazu dienten auch die Feldlager, welche in der Regel im Oktober bzw. im Februar absolviert wurden. Schlafsäcke oä. kamen hierbei nicht zur Anwendung. Leider rückte die politische Schulung immer mehr in den Vordergrund, so dass wichtige Elemente in der Taktikausbildung weiter zurückgefahren wurden. Daneben wurde den OS in dreijähriger Ausbildung soviel Wissen und Können vermittelt, dass sie in jeder Spezialeinheit ohne Schwierigkeiten ihren Dienst hätten antreten können. Das vierte und letzte Studienjahr ab 1. September 1983 wurde dann zur Erstellung der Diplomarbeit in den VPB verbracht. Nach erfolgreicher Verteidigung der Diplomarbeit im vierten Studienjahr wurde der OS in einer ehrenvollen Zeremonie zum Leutnant der VP ernannt und im Anschluss in seine neue Diensteinheit versetzt.
Auch Mitglieder anderer Staaten erhielten Unterweisungen bzw. vollständige Ausbildungen an der OHS Artur Becker. So wurde z.Bsp. im Jahre 1988/89 der damalige Polizeichef des Kongo Sébastien Nzapali (als Mitglied der Präsidentengarde Mobutus führte er zwischen 1990 und 1995 die Todesschwadronen an, welche in den Strassen der zairischen Hauptstadt Kinshasa Terror verbreiteten), wie ein Staatsgast empfangen.
Oder der deutsch-irakische Staatsbürger F.S. aus Delitzsch bei Leipzig, erhielt eine umfangreiche Ausbildung an der OHS, so dass er nach Abschluss bei Saddams republikanischen Garden oder der Geheimpolizei ein nicht unerhebliches Amt zugewiesen bekommen hätte. Jedoch wurde F.S. (nach Recherche Furat Sharif)vo MfS - Mitarbeitern in den Irak ausgeflogen, wo er seine Tätigkeit bei Saddam`s Geheimpolizei aufnahm und nicht unerheblich an den Verbrechen gegenüber dem kuwaitischen Staat teilnahm. Dies geschah alles kurz vor dem Zusammenbruch der DDR und wurde vom damaligen MfS organisiert.
| Org | Einrichtung | Ort | Fachrichtung | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| NVA | Militärakademie | Dresden | Mot.-Schützen- u.Panzer-Kdr., Polit.Arbeit, Rückw.Sicherstellg. | Kommandeure, Stabschefs, Stellv.Kdr. für Polit.Arbeit u. Stellv.Kdr. für Versorg. |
| NVA | OHS-Landstreitkräfte | Löbau | Pionier-, Luftabwehr- u. KCB-Abw.-Offz. | anschließend Einführungskurs - OHS-Bereitschaften in Dresden |
| NVA | Militärmedizin.Sektion | Greifswald | Truppenärzte | je Garnison ein Truppenarzt, anschließend Einführungskurs - OHS-Bereitschaften |
| KGB | OHS-Innere Truppen | Moskau | Innere Truppen | Weiterbildg. der Absolventen der Militärakademie der NVA (nach 5 J. Truppe) |
| DVP | Versorgungsschule | Bautzen | Waffen, Kfz, B/A | Unterführer und Offiziere in Kurzlehrgängen |
| DVP | Nachrichtenschule | Dommitzsch | Funk, Fernsprech | Unterführer und Offiziere in Lehrgängen |
Die Abwehroffiziere wurden unter den Offiziersschülern in Dresden als IM's angeworben und nach Ernennung zum Leutnant der VP ein halbes Jahr beim MfS ausgebildet. Anschließend nahmen sie den Dienst in einer VP-Bereitschaft auf (Dienstuniform der VPB's, Dienstbuch MfS, HA VII).
In der Regel aber wurden die IM´s aber kurz vor der Einberufung der "normalen" Offiziersschüler (immer um den 17. 18. August d.J.), etwa 1 Woche vorher vom MfS einberufen und nach etwa 3 Tagen zum Unteroffizier des MfS ernannt. Anschließend wurden diese Leute an die Offiziershochschule delegiert, wo sie dann wie alle anderen Offiziersschüler ihre Ausbildung machten. Diese MfS-Leute trugen auch außerhalb und/oder zu besonderen Anlässen (Jahrestag des MfS u.ä.)immer Polizeiuniform --- niemals das Feldgrau des MfS. Im Ausgang trugen demgegenüber die Angehörigen des MfS-Wachregimentes ( 10 je Studienjahr) ihre MfS-Uniform. Das einzige was sie von den anderen Offiziersschülern unterschied war ihre Besoldung. Diese Leute erhielten neben der Ausbildungsvergütung (Hochschulreife: 315.-M; 1. Studienjahr: 365.-M; 2. Studienjahr: 415.-M, 3. Studienjahr: 465.-M, 4. Studienjahr: 515.-M) zusätzlich ihr Unteroffiziersgehalt, in der Regel 850.-M. Bis ca. 1985 war die Vergütung 80,- , 160,- und 240,- Mark für das erste, zweite bzw. dritte Studienjahr. Die Masse dieser Absolventen machte keinerlei Geheimnis um ihre Herkunft,da sich die Gehaltsauszahlung nicht verheimlichen ließ. Nur die weitere Verwendung war in der Regel unklar.
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