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Der Völkermord an den Aramäern geschah im Jahre 1915 im damaligen Osmanischen Reich. Mit dieser Vernichtung einer christlichen Minderheit einher ging auch der wesentlich bekanntere Völkermord an den Armeniern.

Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit


Das Jahr 1915 ging bei den Aramäern, einer kleinen semitische Volksgruppe, als "Jahr des Schwertes" (aram.: Sayfo) in die Geschichte ein. Nach dem Scheitern ihres Angriffs auf Kaukasien und Nordpersien ermordeten Türken und Kurden damals Armenier, assyrische Christen und andere Christen, die sich der russischen Gegenoffensive angeschlossen hatten. In Urmia beispielsweise metzelten sie 1915 mehrere tausend Gläubige nieder. Im gesamten Gebiet fielen ihnen die meisten Nestorianer, rund 47.000, zum Opfer. Kurz vor Kriegsende, töteten türkische Truppen in Baku und Umgebung noch bis zu 30.000 Armenier. Zusammengenommen haben die Jungtürken allein während der zwischen Mai und September 1918 laufenden Invasion in Kaukasien 50.000 bis 100.000 Armenier und andere orientalische Christen getötet. Rummel 2000, S. 228-229

Nicht unerwähnt sollten auch die Christen aus der damaligen türkischen Provinz Syrien und dem Libanon bleiben. Die Jungtürken zeigten sich uninteressiert am Leid der vermeintlich illoyalen christlichen Untertanen und leisteten einer Hungersnot vermutlich sogar Vorschub, die den Tod von zuletzt 100.000 Menschen nach sich zog.

  • Auszug aus einem Dossier der Assyrischen Demokratischen Organisation: „Plädoyer für die Anerkennung eines vergessenen Genozid“ (Weblink sh. unten):
Der Krieg wurde für die Aramäer sehr mörderisch: Mehrere 10 000 verloren ihr Leben durch türkische oder irreguläre kurdische Truppen. Darüber gibt es bis heute zahlreiche und aufschlussreiche offizielle Dokumente. Eines der wichtigsten, Das Blaue Buch: „Die Behandlung der Armenier im Osmanischen Reich“, herausgegeben von dem Historiker Arnold Joseph Toynbee, der auch die Massaker an den Aramäern während des Ersten Weltkriegs behandelte.

Einige aramäische Christen in den großen Städten entkamen dem Tod nur durch Hilfe z.B. US-amerikanischer Missionare und dem Apostolischen Nuntius. Andere wurden in den Dörfern durch das mutige Eingreifen türkischer Beamter gerettet oder konnten bei türkischen oder kurdischen Freunden versteckt werden. Speziell US-amerikanische anglikanische und lutheranische Missionare versuchten damals und versuchen heute noch, die jahrtausendealten Christengemeinden im Orient zum Abfall von ihrer Glaubenslehre zu bewegen.

Die wenigen schwachen, vom Lausanner Vertrag (1923) garantierten Kollektivrechte, die Christen und Juden in der Türkei die Ausübung ihrer Religion ermöglichen sollen, wurden der syrisch-orthodoxen Kirche nicht gewährt. Erst auf Druck der EU gibt es neue Hoffnung.

Aramäer und Türkei


Während der staatlich inzenierten Pogrome gegen nichtmuslimische Minderheiten in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955 durch die Regierung des Ministerpräsidenten Adnan Menderes wurden neben Griechen, Juden und Armeniern auch wieder Aramäer Opfer. Bis heute hat sich noch keine türkische Regierung zu diesen Ausschreitungen bekannt, sondern sie aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt.

Es gibt von Seiten des türkischen Staates noch immer Versuche, die Vorfälle zu leugnen. So ist das dem Minister Hüseyin Çelik unterstehende Erziehungsministerium noch im April 2003 mit Verleumdungsdekreten den EU-Kommissaren negativ aufgefallen. Das Erziehungsministerium veranlasste türkische Schüler dazu, an einem Aufsatzwettbewerb gegen die angebliche "Völkermordlüge" der Armenier, Pontosgriechen sowie Syrisch-Orthodoxen Aramäer mitzuwirken. Gleichzeitig verpflichtete das Ministerium die türkische Lehrerschaft zur Teilnahme an dazu passenden Fortbildungsmaßnahmen und hat die Neuauflage veralteter türkischer Schulbücher vorgenommen, in denen Nicht-Muslime in der Türkei als "Spione", "Verräter" sowie "Barbaren" bezeichnet werden. Obwohl die Türkei inzwischen von der EU für diese Verfügungen gerügt worden ist, blieb der umstrittene Minister Hüseyin Çelik im Amt.

Wenngleich sich die geflohenen und vertriebenen Christen aus dem Tur Abdin und Hakkari in Europa und Übersee eine neue Existenz aufgebaut haben, bestehen viele Verbindungen in die alte Heimat. Die aktuellen Vorgänge in der Türkei werden daher auch in Zukunft genau verfolgt werden. Da die Aramäer keinen eigenen Nationalstaat wie die Armenier besitzen, kämpfen sie in den Aufnahmeländern um ihre Anerkennung als ethnische Minderheit. Nach einem Bericht der "Gesellschaft für bedrohte Völker", sollen die syrischen Kirchen Opfer grausamer Verfolgung und Vertreibung gewesen sein. Die Aramäer verloren in den nördlichsten Gebieten Obermesopotamiens und im Iran über 50 Prozent ihrer Gesamtbevölkerung. Bis auf spärliche Reste wurden sie aus ihren alten Siedlungsgebieten vertrieben und mussten unter schwierigsten Bedingungen jahrelang in Lagern zubringen, die unter Aufsicht des Völkerbundes standen.

Die genannten Vorkommnisse können gemäß den Kriterien der Uno eindeutig als Genozid definiert werden. Der Genozid wurde systematisch begangen. Das Aramäer-Suryoye-Volk verübte keinerlei feindliche Tätigkeiten gegen die Staatsmacht und unterhielt auch keinerlei Beziehungen zu den Gegnern des Osmanischen Reiches. Zudem hatte das Assyrer-Suryoye-Volk keinerlei Kenntnis von den Absichten der Osmanen. Es war auf derartige Angriffe nicht vorbereitet und hatte somit auch keinerlei Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen. Die historische Auseinandersetzung mit diesen schrecklichen Ereignissen ist notwendig. Die Türkei hat sich verstärkt mit ihrer eigenen Geschichte im Zusammenhang mit Verbrechen an der Menschlichkeit auseinander zu setzen.

Nach einem Antrag der "Aussenpolitischen Kommission" bei dem Nationalrat der Schweiz können die genannten Vorkommnisse gemäß den Kriterien der Uno eindeutig als Genozid definiert werden. Der Genozid wurde systematisch begangen. Das Assyrer-Suryoye-Volk verübte keinerlei feindliche Tätigkeiten gegen die Staatsmacht und unterhielt auch keine Beziehungen irgendwelcher Art zu den Gegnern des Osmanischen Reiches. Zudem hatte das Aramäer-Suryoye-Volk keinerlei Kenntnis von den Absichten der Osmanen. Es war auf derartige Angriffe nicht vorbereitet und hatte somit auch keine Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen. Die demographischen Veränderungen durch den Genozid und die Vermischung durch die Zwangislamisierung durch die Araber, die Osmanen und die Kurden sowie die Auswanderung aus den Ursiedlungsgebieten bedingt durch die Verfolgung und Massaker, haben die Identität der Region stark verändert. Dieser Genozid prägte jedoch auch das Nationalbewusstsein dieses Volkes und seine Nationalbewegung, denn der Assyrismus ist auch stark von den Leiden, Massakern und Verschleppungen beeinflusst. Der Genozid und all die Leiden gaben diesem Volk eine Identität des ständigen Leidens.

Siehe auch


Quellen


Literatur


  • Gabriele Yonan : Ein vergessener Holokaust. Die Vernichtung der christlichen Assyrer in der Türkei, Pogrom-Taschenbücher Bd. 1018, Reihe bedrohte Völker, Göttingen und Wien 1989, ISBN 3922197256
  • Kai Merten : Die syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei und Deutschland. Untersuchungen zu einer Wanderungsbewegung, Studien zur orientalischen Kirchengeschichte, Bd. 3, Lit Verlag, Hamburg 1987, ISBN 3825833364 (Zugl.: Göttingen, Univ., Diss., 1997)
  • Klaus-Peter Hartmann : Untersuchungen zur Sozialgeographie christlicher Minderheiten im Vorderen Orient, Tübinger Atlas des Vorderen Orients/ Beihefte/ B, Bd. 43, Reichert Verlag, Wiesbaden 1980, ISBN 3882260807
  • R.J. Rummel : Death by Government. Genocide and Mass Murder Since 1900, Transactions Publishers, New Brunswick, N.J. 1994, 1995 und 1996, ISBN 1560001453 (paperpack: 1997, 2000 und 2002), S. 228-229
  • Joseph Yacoub : La question assyro-chaldéenne, les Puissances européennes et la SDN (1908-1938), 4 vol., thèse Lyon, 1985, p.156
  • Joseph Naayem, Les Assyro-Chaldeens et les Armeniens massacrés par les Turcs

Weblinks


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Assyrian genocide | نسل‌کشی آسوریان | Génocide assyrien | 아시리아 학살 사건 | Syrianska folkmordet

 

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