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Võro (võro kiiĺ) ist wie u. a. Estnisch, Ungarisch und Finnisch eine finno-ugrische Sprache. Sie gehört zum finnischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen. Võro ist eine indigene Regionalsprache Estlands und hat ungefähr 70.000 Sprecher (Võros), die hauptsächlich im Süden Estlands leben. Das historische Võromaa besteht aus den acht Gemeinden Karula, Harglõ, Urvastõ, Rõugõ, Kanepi, Põlva, Räpinä und Vahtsõliina. Diese Gemeinden sind überwiegend Teil der Landkreise Võru und Põlva, wobei kleine Teile sich auch in die Landkreise Valga und Tartu erstrecken.

Geschichte


Võro, das zu den südestnischen Dialekten gezählt wird, gilt als am wenigsten beeinflusst von den nordestnischen Dialekten, die das Standardestnisch geprägt haben. Võro wurde früher auch südlich und östlich des historischen Võromaa (im heutigen Lettland und Russland) gesprochen. Verglichen mit anderen südestnischen Dialekten wie Mulgi, Tartu und Seto hat Võro die meisten seiner charakterischen Eigenschaften bewahrt. Einer der frühesten Texte in einer südestnischen Sprache ist eine Übersetzung des Neuen Testaments (Wastne Testament), die 1686 veröffentlicht wurde. 1885 publizierte Johann Hurt das bedeutendste Lesebuch in Võro, das Wastne Wõro keeli ABD raamat. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgte die Dominanz des Standardestnischen als Staatssprache der 1918 gegründeten Republik Estland für einen starken Bedeutungsverlust von Võro als Schriftsprache. Erst Anfang der 1990er Jahre wurde sie wiederbelebt.

Gegenwärtige Situation


Aufgrund der Bemühungen des Võro-Instituts ist Võro inzwischen standardisiert. Die Sprache wird an 26 Schulen unterrichtet. Es gibt mit Uma Leht eine zweimal im Monat erscheinende Zeitung in Võro.

Orthographie


Võro (wie auch Estnisch und Finnisch) benutzt das lateinische Alphabet. Die meisten Buchstaben (vor allem ä, ö, ü, and õ) bezeichnen dieselben Laute wie in Standardestnisch. Es gibt folgende Ausnahmen: q ist ein glottaler Laut (Knacklaut), y ist ein Vokal ähnlich dem russischen ы (und nicht dem finnischen y!), und der Akut ´ kennzeichnet die Palatalisierung von Konsonanten: , , ĺ, ń, ś, ť usw. Bei typographischen Problemen kann ersatzweise (wie auch in Uma Leht) statt des Akuts ein Apostroph gesetzt werden.

In Võro können alle Konsonanten außer (j und q) palatalisiert werden.

Unterschiede zum Standardestnisch


  • In Võro gibt es, wie u. a. in der finnischen und vielen anderen uralischen Sprachen oder der türkischen Sprache als nichturalischer Sprache das Phänomen der Vokalharmonie.
  • Es bestehen Unterschiede in der Morphologie. Beispielsweise bildet das Standardestnische die 3. Person Singular mittels Anhängen der Endung -b an den Flexionsstamm, Võro hingegen entweder durch das Weglassen einer Endung oder das Anhängen der Endung -s:
{| border="1" cellpadding="4" cellspacing="0" align="center" Deutsch Estnisch Võro er schreibtkirjutabkirotas er gibtannaband

Unter den ostseefinnischen Sprachen findet man eine solche doppelte Verbkonjugation nur in Võro, im Setukesischen und im Karelischen.

  • Bei einigen Worten aus der Alltagssprache gibt es ebenfalls Unterschiede:
{| border="1" cellpadding="4" cellspacing="0" align="center" Estnisch Võro Bedeutung punaneverrevrot soelämmiwarm õdesõssarSchwester uusvahtsõnõneu koerpiniHund pesemamõskmawaschen huntsusiWolf suremakuulmasterben sõstarhõrakJohannisbeere/Korinthe kaskkõivBirke nutmaikma weinen
  • In Võro folgt das Verneinungsverb dem zu verneinenden Verb, im Standardestnischen geht es dem zu verneinenden Verb voraus:
{| border="1" cellpadding="4" cellspacing="0" align="center" Estnisch Võro Bedeutung sa ei annasaq anna eiqDu gibst nicht ma ei tulemaq tulõ õiqIch komme nicht

Weblinks


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