| Wappen | Karte |
|---|---|
| Wappen | karte_lage_upland.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Hessen |
| Regierungsbezirk: | Kassel |
| Landkreis: | Waldeck-Frankenberg |
| Gemeinde: | Willingen (Upland) |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 600 m ü. NN |
| Einwohner: | 2.106 (21. Mai 2004) |
| Postleitzahl: | 34508 |
| Vorwahl: | 05632 |
| Kfz-Kennzeichen: | KB |
| usseln.jpg | |
Usseln ist ein heilklimatischer Kur- und Wintersportort mit etwa 2.100 Einwohnern und gehört zur Gemeinde Willingen im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Ab 2000 war die Eisenbahnstrecke wegen Sicherheitsmängeln gesperrt und ist erst 2003 nach einer Renovierung wieder in Betrieb.
Nach Ansicht von Fachleuten ist die erste Usselner Kirche bereits um 870 als Pfarrkirche des Bistums Paderborn gegründet worden. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort jedoch erst in einem gräflich-waldeckischen Lehnsregister aus den Jahren 1332 bis 1348, in dem die Herren von Rhena als Zehnten ausgewiesen werden. Usseln war zunächst nur ein Einzelanwesen, typisch für das Upland, das als lebensfeindliche Landschaft erst spät besiedelt wurde.
Ab 1100 unterstand Usseln der Grafschaft (später Fürstentum) Waldeck. Um diese Zeit entstehen in der Nähe von Usseln die drei kleinen Orte Aestenfelde, Otmarkusen und Wakenfeld. Aestenfelde und Otmarkusen hatten eine eigene Kirche. Alle drei Orte sind jedoch schon lange vor dem Dreißigjährigen Krieg aufgegeben worden. Sie wurden zur Wüstung, die Ortsnamen bestehen als Flurnamen weiter.
Aus diesem Grund wurde Usseln zu dieser Zeit Sitz eines Marktes und eines Freigerichts, zu dem 12 Orte gehörten. Im Jahr 1367 sprach Graf Otto II. von seiner Grafschaft Usseln („grapschapft to Uslon“). Im Jahr 1510 wird erstmals die Usselner Kirchenmühle im Landregister erwähnt, auch wenn die Mühle schon viel länger bestand. Die Mühle war bis 1903 verpachtet, dann wurde sie an die Müllersfamilie Wilke verkauft, die seit Jahrhunderten Pächter war.
1537 wurde Usseln war dingpflichtig zum Gogericht Flechtdorf. Fünf Jahre später wurde die gesamte Dorfschaft Usseln zum Eisenberg gefordert (geladen) und verhört, weil unerlaubt Holz geschlagen worden sei. 1548 gab es eine Eingabe „der armen Underdanen des gantzen Kespel zu Usseln“ an die Obrigkeit wegen der harten Lasten, geringen Löhnen und hohen Preisen.
Am 15. August 1549 war der Bürensche Einfall in Usseln. Wegen Grenzstreitigkeiten mit der Grafschaft Düdinghausen rückten die Herren von Büren mit 100 Mann in Usseln ein und raubten viel Vieh (324 Stück Rindvieh, 24 Pferde, 200 Schafe, 10 Ziegen), ein Teil wurde später zurückgegeben. Das anschließende Verfahren vor dem Reichskammergericht dauerte sehr lange.
Um 1550 wurde mit der Errichtung einer Eisenhütte im Stryck begonnen, 1562 wurde die Eisenhütte auf dem Alten Hagen erbaut, auf der jährlich 4000 bis 6000 Zentner Eisen gewonnen wurden. Durch das für die Eisengewinnung mit Adorfer Eisenstein und Upländer Holz (Holzkohle) benötigte Holz wurden im Laufe der Jahre die Laubwälder um Usseln abgeholzt, ohne dass im Rahmen einer geregelten Forstwirtschaft Neuanpflanzungen vorgenommen wurden. Die abgeholzten Flächen wurden von der Heide erobert. Die Heide wurde dann jahrhundertelang abgehackt und als Streu für das Vieh verwendet. Später wurden auch Heideflächen für die Landwirtschaft urbar gemacht.
„Zwischen Dittmarshausen und dem Pön, an der Diemel bei Usseln,“ wurde nach 1596 auch Silber geschürft, allmählich entstand der Upländer Wanderhandel, zunächst mit Kleineisenteilen, dann zunehmend mit Leinen.
Zudem brannten am 1. November 1642 in Usseln 14 Häuser und die Kirche ab. Von den drei Kirchenglocken fielen zwei herunter und zerbrachen, eine zerschmolz. Man nahm damals an, dass das Feuer von Fremden gelegt worden sei, um die Dorfschaft wegen eines beabsichtigten Diebstahls oder eines Überfalls abzulenken. Noch im Jahr 1650 konnte kein Gottesdienst in der Kirche abgehalten werden, weil das notdürftig mit Stroh gedeckte Dach durch Regen und Schnee verfaulte. Ein neues Pfarrhaus wurde erst im Jahr 1710 gebaut.
Die Jahrhunderte dauernden Grenzstreitigkeiten zwischen dem Fürstentum Waldeck und Erzbistum Köln, dem das Bistum Paderborn bereits 1231 unterstellt wurde, wurden durch den Usselschen Vergleich vom 19./29.Juli 1664 beendet. Dabei verzichtete u.a. das Kloster Glindfeld auf seine Rechte am Alten Hagen.
Auch vom Siebenjährigen Krieg wurde Usseln heimgesucht, als durch französische, preußische und Englische Soldaten in den Jahren 1759/60 Ernten zerstört und Gewalttaten ausgeübt wurden.
Im Jahr 1844 kam es zu einem großen Brand, dem 44 Häuser, die Hälfte des Ortes, zum Opfer fielen. Betroffen war der Ortsteil östlich (rechts) der Diemel. Danach wurde für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser eine Art Bebauungsplan durch die Fürstliche Verwaltung aufgestellt. Die Feuersbrunst brachte in den sowieso sehr schlechten Zeiten weiter Not und Elend in das Dorf. In ganz Waldeck wurde „für die armen Abgebrannten in Usseln“ gesammelt. In Korbach wurde sogar ein Feuerwerk zum „Besten der Abgebrannten von Usseln“ veranstaltet.
Bei der Frühjahrsrevolution 1848 standen die Upländer auf Seiten des Fürstenhauses. Am 19. April marschierte ein großer Haufen Upländer „unter Führung des Bergfactors Rock vom Herrnwiesenhammer“ nach Arolsen, um sich der Fürstin zur Verfügung zu stellen. Sie waren mit Dreschflegeln, gerade gerichteten Sensen und anderen zu Waffen umfunktionierten Gegenständen ausgerüstet. Sie wurden in Arolsen in der fürstlichen Reitbahn einquartiert und verpflegt. Am nächsten Tag konnten sie ohne Kampfeinsatz wieder ins Upland ziehen. Pfarrer Steinmetz aus Usseln wurde im April in die verfassungsgebende Versammlung in Arolsen gewählt.
Um 1875 lässt sich ein Arzt in Usseln nieder, im Jahr 1883 erhielt Usseln eine öffentliche Fernsprechstelle. Es wurde eine Telefonverbindung mit Willingen geschaffen und 1898 eröffnet, die Sparkasse Korbach eröffnete in Usseln im Hause Küthe-Hertigen eine Zweigstelle.
Nach jahrelanger Forderungen der Schulaufsicht baute die Gemeinde 1911/12 eine neue Schule (die jetzige Grundschule). In den folgenden Jahren erhielt Usseln eine zentrale Wasserversorgungsanlage und wurde ans Strom- und Eisenbahnnetz angeschlossen.
Am 29. März 1945 rückten amerikanische Truppen von Süden kommend in Usseln ein. Kurz danach sprengten deutsche Soldaten die Straßenbrücke über die Eisenbahn auf der Breite. Sie wurde noch 1945 wieder aufgebaut, 2004 abgerissen und durch eine neue Brücke ersetzt. Im zweiten Weltkrieg fielen an allen Fronten 61 Usselner bzw. blieben vermisst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Fremdenverkehr eine wirtschaftliche Bedeutung für den Ort und wurde wichtigster Wirtschaftsfaktor.
| Jahr | Gästeübernachtungen |
|---|---|
| 1959 | 65.000 |
| 1971 | 115.000 |
| 1989 | 231.000 |
| 2000 | 220.000 |
Bereits im Jahr 1885 wurde der Upländer Gebirgsverein gegründet, dessen Aufgabe unter anderem die Erschließung des Uplandes für den Fremdenverkehr war. Durch den Bau der Bahnline zwischen Korbach und Brilon 1917 und den Bau eines Schwimmbades an der Diemel waren die Voraussetzungen für Tourismus in Usseln gegeben. Der Usselner Verkehrsverein, der sich ebenfalls mit der Förderung des Fremdenverkehrs befasste, wurde 1927 gegründet.
Bereits während der NS-Zeit wurde Usseln als Luftkurort anerkannt. Durch den Bau einer Skisprungschanze und eines zweiten Schwimmbads wurde 1939 unter Mithilfe des Usselner Reichsarbeitsdienstes der Beliebtheit Usselns als Erholungsziel weiter erhöht.
Bis heute wurde die Schanze mehrmals modernisiert und Skilifte wurden gebaut. 1976 wurde Usseln als Heilklimatischer Kurort anerkannt.
1982 entstand ein Ferienpark, und ein Dorferneuerungsprogramm wurde aufgenommen. Zahlreiche kommunale und private Vorhaben wurden in den folgenden Jahren von Bund und Land finanziell gefördert, unter anderem die Umgestaltung der Riepen Wiese zum Freizeitpark mit Minigolfanlage im Jahr 1991.
1984 wurde das Fewotel Sauerland Treff mit 358 Betten am Schneppelnberg eröffnet. Usseln wurde Bundessieger im Wettbewerb für besonders familienfreundliche Ferien.
1996/97 wurde die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße zurückgebaut und zur wesentlichen Verschönerung des Ortsbildes umgestaltet. Auf dem Roth wurde eine beleuchtete Strecke für Langlauf und Biathlon eingeweiht. Die Anlage wurde 2000 durch einen Biathlon-Schießstand erweitert.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Volkszählung Jahr | Einwohner |
| 1449 | 29 Häuser |
| 1541 | 34 Häuser |
| 1602 | 56 Häuser |
| 1620 | 69 Häuser 300 bis 350 Ew. |
| 1648 | 26 Häuser 120 bis 150 Ew. |
| 1725 | 350 - 400 |
| 1748 | 480 |
| 1760 | 450 |
| 1770 | 500 |
| 1818 | 519 |
| 1826 | 778 |
| 1846 | 683 |
| 1867 | 676 |
| 1885 | 728 |
| 1900 | 726 |
| 1921 | 883 |
| 1933 | 894 |
| 1941 | 1.081 |
| 1948 | 1.306 |
| 1955 | 1.138 |
| 1970 | 1.374 |
| 1987 | 1.432 |
| 2004 | 2.106 |
Die Geschichte Usselns und des gesamten Uplands war bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine große Armut der Bewohner geprägt, da die Landwirtschaft als Erwerbsquelle aufgrund der Höhenlage, des steinigen Bodens, der schlechten Witterungsbedingungen, der harten Winter und weitere Umstände sehr geringe Ernten abwarf. Wegen vielen Kinderkrankheiten, die damals nicht behandelt werden konnten, und dem sehr schlechten Ernährungszustand war zudem die Kindersterblichkeit sehr hoch.
Die rauhe Natur spiegelte sich auch in der Sprache der Upländer wieder: Die plattdeutsche Upländer Sprache war derb und stark im Ausdruck.
Ab 1550, nach dem Beginn der Eisenindustrie, nahm die Bereitschaft im Upland anzusiedeln stark zu, auch wenn die Bevölkerung durch Einzelereignisse wie Pestepidemien (1558), Hexenverbrennungen oder die Kribbel-Krankheit (1595) immer wieder deziniert wurde.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort mehrfach geplündert, es kam zu Hungersnöten und Krankheiten unter der geschwächten Bevölkerung. Am Ende des Krieges waren in Usseln von 69 Häusern 43 zerstört, die Bevölkerung war von 300 bis 350 auf 120 bis 150 zurückgegangen. In den nachfolgenden Jahren war die Kindersterblichkeit sehr hoch, im Jahr 1660 lag das Durchschnittsalter der Verstorbenen bei etwa 18/19 Jahren. Im 18. Jahrhundert kommt es erneut zu Epidemien im Dorf, unter anderem durch Rote Ruhr (1760, 1793/94), so dass die Einwohnerzahl nur langsam steigt. Jährlich starben etwa 30 der 450 bis 500 Menschen, zumeist Kinder.
Mehrfach gibt es Hungersnöte, weil der Winter zu früh einbricht oder der Sommer zu nass ist, so dass die Ernte nicht eingefahren werden kann. Im Frühjahr 1817 wurden die gepflanzten Kartoffeln aus der Erde gestohlen und gegessen. Viele Upländer gingen betteln, um nicht zu verhungern. Erst durch den Beginn des Anbaues von Winterroggen ab ca. 1830 verbesserst sich die Ernährungssituation.
Deutlich zunehmen konnte die Bevölkerungszahl auch in den Folgejahren nicht, da Knechte, Mägde und Tagelöhner vermietet wurden, auch wenn die Fürstliche Waldeckische Regierung gegen „das Überhandnehmen des Vermiethens ins Ausland“ vorging, weil im Fürstentum Waldeck ein fühlbarer Mangel an brauchbaren Personen zur Verrichtung des Gesindedienstes bestand. Auch der Brand von 1867, bei dem das halbe Dorf zerstört wurde, trug dazu bei, dass die Bevölkerung nicht weiter wuchs.
Erst mit technischen Neuerungen wie Strom und Wasser zu Beginn des 20. Jahrhunderts kletterte die Zahl der Einwohner auf über 1000 vor dem Zweiten Weltkrieg. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen erreichte der Ort nach dem Krieg sogar eine noch höheren Zahl, die aber danach wieder abnahm.
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung schloss sich 1970 die Gemeinde Hemmighausen an Usseln an. Ab 1. Januar 1972 schlossen sich Usseln, Eimelrod, Neerdar, Bömighausen und Welleringhausen zur neuen Gemeinde Upland zusammen, die zwei Jahre später mit Willingen durch ein hessisches Gesetz ab 1. Januar 1974 zur neuen Gemeinde Willingen (Upland) fusioniert wurde. Durch späteren Beschluss der Gemeindevertretung wurde die Gemeindeverwaltung im Ortsteil Willingen eingerichtet.
Karin Jäger-Brügges nahm an den Langlaufwettkämpfen der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid, 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary teil.
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