Orjen.jpg und Vučji zub von der Velika Jastrebica im Gletschertal Dobri do stehen 45 m hohe Buchen]]
Ein Urwald ist ein naturbelassener, das heißt ohne forstwirtschaftliche oder andere das ökologische Gleichgewicht berührende menschliche Eingriffe gewachsener Wald.
Urwald in Deutschland
In
Deutschland gibt es solche gänzlich unberührten Waldgebiete so gut wie nicht mehr. Nur einige Bergwälder in Steillagen in den deutschen Alpen können auch heute noch als Urwald betrachtet werden. Doch selbst hier hat der Mensch in Form von Luftverschmutzung indirekt eingegriffen. Schwefel, Staub und andere Partikel haben in allen Wäldern Mitteleuropas ihre Spuren hinterlassen.
Beispiele für einem Urwald nahekommende naturnahe Wälder: Hainich in Thüringen, der hessische Kellerwald, der Kiefern-Buchen-Mischwald auf der Halbinsel Darß in Mecklenburg-Vorpommern, einige Waldbereiche in den Schluchten der Sächsischen Schweiz sowie der "Urwald" bei der Sababurg im Reinhardswald in Hessen mit über 800 Jahre alten Eichen.
Die erheblich zerstreuten Urwaldrelikte in Deutschland nehmen eine Gesamtfläche von 14.500 ha ein (1,3% der Waldfläche). 46,5% davon sind Bergfichtenwälder - vermutlich der zusammenhängendste Teil; 23,3% Bergmischwälder aus Tanne, Fichte, Buche; 13,1% reine Buchenwaldgesellschaften; 2,8% Buchen-Eichen-Waldgesellschaften (die ursprünglich im Flach- und Hügelland die vorherrschenden - in Konkurrenz zur menschlichen Besiedelung); 4,8% Eichenwald-Vegetationsgesellschaften (inkl. Auwälder aus Weichlaubbaum
arten und
Erlen
brüchen - erst nach Flussregulierung/Entwässerung siedlungstauglich).
Urwälder außerhalb von Deutschland
Der letzte wirklich großflächige, über Relikte hinausgehende Urwald der potentiell natürlichen
Waldgesellschaft für weite Teile
Europas findet sich am östlichen Rande des Buchenareals zwischen
Elburs-Gebirge und
Kaspischem Meer: 300.000 ha von 2.000.000 ha im
Iran wurden noch
1998 als "unberührt" bezeichnet. Außerdem gelten noch große Teile der
Dinarischen Bergwälder als Urwälder unter denen die Nationalparke Perucica in
Bosnien sowie Biogradska gora
Montenegro, mit bis zu 63 m hohen Fichten und 60 m hohen Tannen auch die höchsten Bäume in Europa bergen. Ein weiteres bedeutendes Urwaldgebiet findet sich zudem im mediterranen
Orjen wo auch seltene Waldgesellschaften wie der
Dinarische Karst-Blockhalden-Tannenwald sowie
Schlangenhaut-Kiefer-Felswälder auftreten. Ein weiterer urwaldähnlicher Wald in Europa befindet sich im
Białowieża-Nationalpark zwischen
Polen und
Weißrussland und im
Naturschutzgebiet Fiby in der Nähe von
Uppsala in
Schweden.
Größere, weitgehend unberührte Urwaldgebiete gibt es noch in Teilen Kanadas und Sibiriens (Taiga) sowie in Teilen der immerfeuchten Tropen (Tropischer Regenwald). Umgangssprachlich versteht man unter Urwald auch den Tropischen Regenwald.
- Siehe auch: Borealer Nadelwald, Gemäßigter Regenwald
Literatur
- Georg Sperber, Stephan Thierfelder: Urwälder Deutschlands. BLV, München, Wien und Zürich 2005, ISBN 3-405-16609-8
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