Das Urvertrauen ist ein Begriff aus der Psychoanalyse, wird aber auch in der Psychologie und der Soziologie verwendet. Seine Bedeutung wie auch der Begriff selber sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Es geht dabei darum, ob der Säugling überhaupt lernt, Vertrauen auf irgendetwas zu entwickeln (also "Vertrauen in Vertrauen"). Nach Erik H. Erikson erwirbt jeder Mensch in den ersten Lebensmonaten und -jahren ein Gefühl dafür, welchen Situationen und Menschen er vertrauen kann, und welchen nicht. Dieses Urvertrauen wie auch das Urmisstrauen ist für die Entwicklung von Beziehungen zu anderen Menschen und für die Charakterbildung maßgeblich.
Wurde die Entwicklung des Urvertrauens gestört, etwa durch Lieblosigkeit oder Vernachlässigung, d.h. durch das Fehlen einer "Dauerpflegeperson" (Dieter Claessens) oder Misshandlung, geht man von einer mangelhaften Ausbildung des Urvertrauens aus. Hiermit können Beziehungs- und Bindungsprobleme von Menschen erklärt werden.
Es ist jedenfalls klar, dass Kinder, die unsicher gebunden sind, in diesem unverarbeiteten Wunsch des Verstandenwerdens nicht so offen auf die Welt zugehen. Dies zeigt sich dann dadurch, dass sie schneller resignieren, sich Erfolge nicht selbst zuschreiben (vgl. Selbstkonzept, Teufelskreis des negativen Selbstkonzeptes, antisoziale Tendenz). Dass sie in der Fähigkeit, der Welt offen gegenüber zu treten, beeinträchtigt sind und sich auch in Konflikten nicht selbstbewußt verhalten, nicht mutig genug sind, für neue Aufgaben Ein- und Widerständen entgegen zu treten, wirkt sich wiederum negativ auf ihre weitere Entwicklung aus. Zur Empathie und zu verlässlichen Partnerbindungen (Liebe, Freundschaft) sind sie nunmehr konstitutionell unfähig.
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