article

Urnenfelderkultur oder auch Urnenfelderzeit dient als alternativer Begriff der mitteleuropäischen Späten Bronzezeit, welche (ca.) von 1300 v. Chr. bis 920/950 v. Chr. andauerte und die Stufen Bz D bis Ha B1 beinhaltet.

Die Urnenfelderkultur folgte auf die Hügelgräber der mittleren Bronzezeit. Sie wird durch die frühe Eisenzeit der Hallstattzeit abgelöst.

Der Begriff Urnenfelderkultur geht auf den süddeutschen Prähistoriker Ernst Wagner zurück.

MR-Archaeo-Rekonstrukt.jpg Die Kultur wird anhand ihrer Bestattungssitte definiert: Die Toten wurden verbrannt, der Leichenbrand wurde aus den Resten des Scheiterhaufens ausgelesen, und in einem Tongefäß (Urne) beigesetzt. Diese Bestattungen werden als Gräberfelder vorgefunden (daher der Name Urnenfelderkultur). Teilweise wurden Urnen weiter in Grabhügeln bestattet. Ein typisches Relikt dieser Epoche ist der Feuerbock aus Ton.

Chronologie


Die Urnenfelderzeit umfasst mehrere relativchronologische Stufen, die forschungsgeschichtlich als Bronzezeit D, Hallstatt A und B bezeichnet werden, da zunächst die Unterscheidung zur folgenden früheisenzeitlichen Hallstattzeit nicht deutlich war. Paul Reinecke führte eine weitere Untergliederung der Stufen durch. Für den südmittel-europäischen Raum wurde die Chronologie von Lothar Sperber weiter verfeinert.
nach P. Reinecke nach L. Sperber Datierung
BzDSB Ia und SB Ib1300-1200
Ha A1SB IIa1200-1100
Ha A2SB IIb1100-1020
HaB1SB IIc1020-920
HaB2SB IIIa920-800
Ha B3SB IIIb800-750

Die Sitte entsteht im nördlichen, östlichen und südöstlichen Voralpenraum (Venetien) und verbreitet sich schnell in alle vier Himmelsrichtungen. Wenige Jahrhunderte später ist sie allerdings in Italien und Siebenbürgen wieder verschwunden, während sie sich nach Nordostspanien ausgebreitet hat. Die Proto-Villanova-Gruppen Oberitaliens zeigen ebenfalls Parallelen zur Entwicklung in Zentraleuropa. Die Urnenfelderkultur umfasst eine Reihe lokaler Gruppen darunter die südalpine Laugen-Melaun-Kultur. Die Lausitzer Kultur in Polen, Sachsen und Brandenburg ähnelt den weiter westlich gelegenen Gruppen durch den Bestattungsbrauch und weitere Ähnlichkeiten der materiellen Kultur und wird von manchen Forschern ebenfalls zur Urnenfelderkultur gerechnet. Vermutlich ist es besser, den Komplex verschiedener Kulturen als „Urnenfelderzeit“ zu bezeichnen.

Im westlichen Verbreitungsgebiet der Urnenfelderkultur bildete sich ab ca. 800 v. Chr. die eisenzeitliche Hallstattkultur heraus.

Literatur


  • Ernst Probst: Deutschland in der Bronzezeit. C. Bertelsmann, München 1996. ISBN 3570022374
  • H. J. Behnke: Bestattungssitten der Urnenfelderkultur und der älteren Eisenzeit am Hochrhein Leipzig, 2000

Weblinks


Archäologische Kultur | Bronzezeit

Cultura dels camps d’urnes | Urnfield | Cultura de los Campos de Urnas | Civilisation des champs d'urnes | Urnefältskulturen

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Urnenfelderkultur".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld