Uranmunition ist panzerbrechende Munition, deren Projektile Uran enthalten, genauer abgereichertes Uran, welches einen geringeren Anteil der Uranisotope 234U und 235U als Natururan enthält und damit größten Teils aus dem Isotop 238U besteht. Aufgrund der hohen Dichte (18,95 g/cm3) des Urans und der großen Härte der verwendeten Uranlegierungen entfalten diese Geschosse beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft.
In jüngster Zeit wurden mehrere hundert Tonnen Uranmunition im Kosovo-Krieg, im Afghanistan-Krieg sowie im Zweiten Golfkrieg und im Irak-Krieg eingesetzt.
DU-Geschosse (depleted uranium - abgereichertes Uran) sind zumeist KE-Penetratoren, die durch hohen Impuls die Panzerung eines Hartziels durchschlagen. Uran eignet sich für diese Einsätze vor allen Dingen wegen seiner sehr hohen Dichte, aber auch wegen der Eigenschaft, sich beim Aufschlag so zu verformen, dass eine Spitze erhalten bleibt; daher wird Uranmunition auch als „selbstschärfend“ bezeichnet. Ein zusätzlicher Effekt ist, dass sich beim Aufprall Uranstaub bilden kann, der sich bei Luftkontakt spontan entzündet. Allerdings ist dieser Effekt bei der Zerstörung eines gepanzerten Ziels nur ein Nebeneffekt.
Urangeschosse werden vor allen Dingen als Munition für Panzer (meist in Form von Treibspiegelgeschossen) und Maschinenkanonen eingesetzt, aber auch in Marschflugkörpern.
Über die Bewertung der Schädlichkeit der relativ schwachen ionisierenden Strahlung herrscht Uneinigkeit. Da nur wenige Erkenntnisse zu auftretenden Schäden durch geringe Strahlungsdosen vorliegen, werden diese aus den bekannten Daten über Schäden von hohen Dosisleistungen abgeleitet. Diese Vorgehensweise ist jedoch umstritten, manche Studien zeigen weit geringere Schäden durch niedrigen Strahlungsdosen als diese Extrapolation vermuten ließe, andere Forscher vermuten im Gegenteil größere Risiken als bisher angenommen.
Ein Einwand dazu lautet, ein Großteil des aufgenommenen Materials werde rasch ausgeschieden. Nach Angaben der WHO * werden innerhalb weniger Tage 90% des Urans aus dem Blut ausgeschieden und 98% des über die Nahrung aufgenommenen Urans werden ausgeschieden, ohne je ins Blut zu geraten. Kritiker antworten darauf, dass sich unlösbare Partikel bis zu acht Jahre lang in der Lunge einlagern können und dadurch zu einer lokal erhöhten Strahlung führen.
Eine potentielle Bedrohung stellen ebenfalls die in den Boden geschossenen Projektile dar, welche innerhalb von fünf bis zehn Jahren vollständig korrodieren können und dadurch das Uran ins Grundwasser freisetzen. Ende 2000 durchgeführte Messungen der IAEA im ehemaligen Jugoslawien zeigten bisher nur minimal erhöhte Urankonzentrationen im Grundwasser, die nicht über denen von Regionen mit naturbedingt höherem Urangehalt liegen. Nachdem 2003 laut einem Bericht* der UNEP in Bosnien im Boden, in der Luft und im Trinkwasser abgereichtertes Uran gefunden wurde, empfiehlt sie eine mehrjährige Beobachtung durch regelmäßige Wasserproben vorzunehmen und in der Zwischenzeit andere Wasserquellen zu verwenden.
Nachdem 1995 irakische Ärzte einen erheblichen Anstieg der kindlichen Missbildungen und Kinderleukämien bemerkten, wurde am Mutter-Kind-Hospital Basra eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Sie ist bisher die einzige Bevölkerungsstudie. Ihr zufolge hat sich die Inzidenzrate der Neuerkrankungen an Krebs/pro Jahr/pro 100.000 Kinder zwischen 1993 und 2001 im Vergleich zu 1990 vervierfacht (27 auf 100 Fälle absolut). Die Rate des Neuauftretens von kindlichen Missbildungen hat sich mehr als verfünffacht: von 3.04 Fälle auf 1000 Geburten 1990 auf 17.6 Fälle auf 1000 Geburten im Jahr 2000. Es wurde außerdem festgestellt, dass die erkrankten Kinder zu einem großen Teil von Vätern stammen, die im 1991er-Krieg gekämpft und überlebt hatten. Zu DU und dessen Auswirkungen auf Kinder sagt der WHO-Experte Dr. Mike Repacholi, dass die karzinogenen Auswirkungen des DU bei Kindern nach Schätzung 10–20mal höher liegen als bei Erwachsenen. Aber auch die Anzahl der Krebserkrankungen bei Erwachsenen hat sich erheblich erhöht: Von 11 Neuerkrankungen/100.000 im Jahre 1988 auf 123 Neuerkrankungen/100.000 im Jahre 2002.
Studien der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft ergaben, dass in den Boden als Uranoxid eingebrachtes Uran durch physikochemische und biologische Vorgänge gelöst und für Pflanzen aufnehmbar wird. Nach 3 Jahren Verbleib im Boden waren bis zu 40% des zugeführten Urans in mobile Verbindungen übergegangen. Solche mobilen Uran-Verbindungen können entweder von Pflanzen aufgenommen oder in Böden und Gewässer verlagert werden. Die von den Pflanzen aufgenommenen Uran-Mengen hingen in den Versuchen der FAL direkt von den Uran-Konzentrationen im Boden ab. Bezogen auf den Gesamt-Urangehalt des Bodens gingen 0,4-0,6 % oder bezogen auf den verfügbaren Anteil an Uran 5-6% aus dem Boden in oberirdische Teile von Pflanzen über. Die Uran-Konzentrationen der Pflanzen lagen schon in den geringsten Belastungsstufen um bis zu tausendmal höher als in den Kontrollen. Die FAL-Wissenschaftler/innen fanden aber auch, dass die Mobilisierung des Urans mit abnehmender Fruchtbarkeit des Bodens (niedrigere pH-Werte, geringere Gehalte an mineralischen Pflanzennährstoffen, vor allem Phosphor) zunimmt. Wenig fruchtbare Böden sind aber gerade typisch für Krisengebiete und die Bevölkerung ist dort auf Selbstversorgung vom eigenen Boden angewiesen. *
Nach Studien der WHO und IAEA liegt jedoch keine besondere Gefährdung vor. Im WHO guidance on exposure to depleted uranium heißt es explizit, dass keine Studie eine Verbindung zwischen Kontakt mit abgereichertem Uran und dem Auftreten von Krebs oder angeborenen Defekten finden konnte (No study has established a link between exposure to DU and the onset of cancers or congenital abnormalities.). Auch Studien an amerikanischen Soldaten, die infolge von friendly fire Uransplitter im Körper haben, zeigten keine entsprechenden Abnormalien.
Kritiker bemängeln die Methodik und angeblich mangelnde Unabhängigkeit der Studien. Gegner der Uranmunition fordern die Durchführung neuer Untersuchungen. Die aktuellen Ergebnisse der WHO stehen zudem im Widerspruch zu unveröffentlichten Studien des WHO und Studien anderer Institute [http://www.umrc.net/.
Vom irakischen Gesundheitsministerium im Jahr 2001 geforderte Studien, die die gesundheitlichen Auswirkungen der im ersten Golfkrieg verwendeten DU-Munition untersuchen sollten, wurden nicht durchgeführt. Sie scheiterten an der Forderung der US-Regierung, selbst die nötigen Messgeräte zur Verfügung zu stellen und die gesamten Kosten für die Untersuchungen zu zahlen, wozu die irakische Regierungen unter Embargobedingungen jedoch nicht in der Lage war.
Der sogenannte Llyod-Bericht * über Gesundheitsschäden bei britischen Golfkriegsveteranen zeigte die Existenz des Golfkriegssyndroms und untersuchte eine Reihe von potentiellen Auslösern dafür. Uranmunition wurde dabei als ein potentieller Auslöser bezeichnet, allerdings verwies die Studie auch klar auf den Mangel an gesicherten Fakten über die Risiken. Besonders hervorgehoben wurde ein früherer Bericht der Royal Society, der die Gefahr von Uranmuniton für Soldaten als nach heutigem Wissenstand eher gering einschätzte, allerdings ebenfalls Langzeitstudien und weitergehende Untersuchungen forderte. Als wesentlich gesicherter wurden Schäden durch unnötige Schutzimpfungen gegen biologische Waffen angesehen. Entschädigungszahlungen an Veteranen werden jedoch von der britischen Regierung nach wie vor abgelehnt.
US-Amerikanische Wissenschaftler warnen jedoch, dass Wolfram aggressive Tumore auslösen kann. John Kalinich und sein Team vom Radiobiologischen Forschungsinstitut des amerikanischen Militärs in Bethesda haben bei Versuchen an Ratten eine stark krebserregende Wirkung von Legierungen mit dem Schwermetall beobachtet und berichten darüber im Fachmagazin Environmental Health Perspectives (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1289/ehp.7791). Kalinich und seine Kollegen implantierten 92 Ratten ein mal zwei Millimeter große Wolframstücke in die Muskelschicht der Hinterbeine. Damit simulierten sie eine Verletzung, wie sie Soldaten oder Zivilpersonen erleiden können, die von Splittern eines solchen Projektils getroffen werden. Alle Ratten bildeten innerhalb weniger Monate aggressive Tumoren rund um die Metallsplitter aus. In der Folge bildeten sich lebensbedrohliche Metastasen in der Lunge, beobachteten die Wissenschaftler. Je höher die Dosis an implantiertem Wolfram war, desto schneller bildete sich der Tumor. Die Ratten der Kontrollgruppe, denen die Forscher das Metall Tantal implantierten, blieben dagegen gesund (http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249243.html). Allerdings handelt es sich bei Wolframcarbid um eine Keramik, und nicht um reines Wolfram.
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