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Ur- und Frühgeschichte, auch Vor- und Frühgeschichte bzw. Prähistorische Archäologie genannt, ist eine archäologische Disziplin. Sie versteht sich als Geschichtswissenschaft, die sich der Kulturentwicklung des Menschen von seinen Anfängen in Afrika bis in das frühe und hohe Mittelalter widmet.

Erforschter Zeitrahmen


Der älteste Abschnitt der Urgeschichte umfasst die Altsteinzeit (Paläolithikum) und Mittelsteinzeit (Mesolithikum). Die weitere Entwicklung wird unterteilt in Jungsteinzeit (Neolithikum), Bronzezeit und Vorrömische Eisenzeit (in Mitteleuropa: Hallstatt- und La-Tène-Zeit). Mit dem Einsetzen der ersten Schriftzeugnisse (im Orient ab dem 3. Jt. v. Chr, in Mitteleuropa ab der Zeit um Christi Geburt), die ergänzend zu den archäologischen Quellen herangezogen werden, beginnt die Frühgeschichte, die in Römische Kaiserzeit, Völkerwanderungszeit und frühes Mittelalter (Merowinger- und Karolingerzeit) untergliedert wird.

Gegenstand der Forschung


Gegenstand der Erforschung sind im Gegensatz zu den anderen historischen Disziplinen gegenständliche Quellen (Keramik, Metall, Holz, Knochen, Glas, Steinartefakte etc.) in ihrem jeweiligen Kontext (Bodendenkmale wie Siedlungen, Grabhügel, Burganlagen). Diese werden durch Ausgrabungen, Prospektionen und Zufallsfunde entdeckt und zugänglich gemacht und mit Hilfe formenkundlich-typologischer, historischer und sozialgeschichtlicher sowie naturwissenschaftlicher (Dendrochronologie, 14C-Datierung und andere) und statistischer Analysemethoden bearbeitet.

Erkenntnispotential


Ihr besonderes Erkenntnispotential im Konzert der historischen und kulturwissenschaftlichen Disziplinen liegt in zwei Eigenheiten:

  1. Die enorm große untersuchte Zeitspanne: von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit. Dies ermöglicht in besonderer Weise epochenübergreifende Vergleiche und die parallele Beobachtung langfristiger Trends und kurzfristiger Ereignisse (Was ist das Allgemeine, was ist das Besondere?).
  2. Diese Zeittiefe und die Weite der betreuten Räume ermöglichen die Beobachtungen ungemein vieler und sehr unterschiedlicher menschlicher Kulturen.

Abgrenzung zu den anderen archäologischen Fächern


Die Ur- und Frühgeschichte unterscheidet sich von den archäologischen Fächern wie

Auch in der Assyriologie, der Sinologie und der Altamerikanistik werden zum Teil archäologische Methoden angewandt.

Berufsbild


Nach einem abgeschlossenen Studium der Ur- und Frühgeschichte bilden vor allem die archäologische Denkmalpflege an den Landesdenkmalämtern sowie Fachbehörden, Museen, Universitäten und private Grabungsfirmen Tätigkeitsfelder. Daneben werden ArchäologInnen auch als Fachjournalisten, bei Verlagen und in verschiedenen Bereichen im Kultursektor beschäftigt.

Urgeschichte oder Vorgeschichte?


Die Begriffe "Ur- und Frühgeschichte", "Vor- und Frühgeschichte" oder "Prähistorische Archäologie" werden weitgehend synonym verwendet. Diejenigen, die der Meinung sind, die Geschichte beginne erst mit den ersten schriftlichen Überlieferungen, nennen die davor liegenden Abschnitte der Menschheitsgeschichte "Vorgeschichte". Diejenigen, die auch die schriftlosen Zeiten als Teil der Geschichte betrachten, sprechen von "Urgeschichte". Für manche Forscher ist der Begriff 'Vorgeschichte' durch den Einsatz des Faches unter der Nazi-Herrschaft belastet und wird daher vermieden.

Literaturhinweise zur ersten Einführung


  • Marion Benz, Christian Maise: Archäologie. Stuttgart 2006, ISBN 3806219664
  • Hans Jürgen Eggers: Einführung in die Vorgeschichte. München 1986 (Nachdruck), ISBN 3-492-00393-1. (teils überholt, viele neue Methoden fehlen, Stand 1959)
  • Manfred K. H. Eggert: Prähistorische Archäologie. Konzepte und Methoden. UTB für Wissenschaft, Nr. 2092. Tübingen u.a. 2001, ISBN 3-8252-2092-3 (Als allererste Einführung nur bedingt zu empfehlen, es wird bereits einiges Wissen vorausgesetzt) .
  • Uta von Freeden, Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland. Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1337-2. (zusammen mit dem nächsten Titel: Begleitbücher zur "Leistungsschau der Landesarchäologen").
  • Wilfried Menghin, Dieter Planck (Hrsg.): Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland. Stuttgart 2002, ISBN 3-88609-467-7.
  • Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit. München 1991, ISBN 3-570-02669-8
  • Ernst Probst: Deutschland in der Bronzezeit. München 1996, ISBN 3-570-02237-4 (beide Bände von einem Journalisten geschrieben, sehr umfangreich aber etwas unstrukturiert)
  • Colin Renfrew, Paul Bahn: Archaeology - Theories, Methods and Practice. 5. Auflage, London 2005 (Das Einführungsbuch schlechthin aber eben leider auf Englisch)
  • Sigrid Strohschneider-Laue, Abenteuer Urgeschichte. Wien 1995. ISBN 3-215-11795-9 (Zielgruppe: LehrerInnen; Kopiervorlagen, Farbfolie)

Weblinks


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Archäologisches Fachgebiet | Ur- und Frühgeschichte

 

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