Der Begriff Unzucht bezeichnet abwertend ein bestimmtes menschliches Sexualverhalten, das gegen das allgemeine Sittlichkeits- und Schamgefühl verstößt.
Er wird in älteren Strafgesetzbüchern oder bei moralisierender Redeweise weiter unterteilt in: - Einfache Unzucht (Geschlechtsverkehr zwischen Unverheirateten), - Widernatürliche Unzucht (Homosexueller Geschlechtsverkehr, manchmal auch für Sodomie mit Tieren), - Notzucht (Vergewaltigung).
Der Sachverhalt ist unklar und lässt sich ohne weiteres nicht deutlich umgrenzen. Historisch gesehen meint er das aktive Handeln, das den Menschen vom Status der Reinheit in den Status der Unreinheit bringt.
Früher wurden z.B. die Masturbation oder Selbstbefleckung, der voreheliche Sex, gleichgeschlechtlicher Sex oder der Ehebruch als Unzucht bezeichnet. Diese werden heute in den westlichen Ländern im Rahmen der Liberalisierung und des Prinzips der sexuellen Selbstbestimmung weitestgehend akzeptiert.
§180 Reichsstrafgesetzbuch von 1871: Wer gewohnheitsmäßig oder aus Eigennutz durch seine Vermittlung oder durch Gewährung oder Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, wird wegen Kuppelei mit Gefängnis bestraft; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, sowie auf Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht erkannt werden.
Im StGB findet sich der Begriff "Unzucht mit Minderjährigen" übrigens nicht mehr. §176 bezieht sich auf "Sexuellen Missbrauch von Kindern".
Der Begriff der Unzucht wird im Alten Testament stark durch 3. Mose 18 und 20 geprägt.
Beispiele:
Das jüdische Gesetz (Tora) setzte neue moralische Maßstäbe und brandmarkte diese Formen der Sexualität als Unzucht. Das Christentum hat dies überwiegend geerbt, wie vor allem im Beschluss des Apostelkonzils und vielen Passagen in den Briefen des Paulus deutlich wird.
In der Folge wurde Unzucht ein rechtlicher Begriff für sexuellen Missbrauch von Personen. Dabei unterschied man von der Notzucht (Vergewaltigung): Die Unzucht waren sämtliche Delikte, die den gültigen sexuellen Sittlichkeitsnormen widersprachen.
Umgangssprachlich wurde der Begriff der Unzucht für alle anderen sexuellen Verhaltensweisen verwendet, die nicht dem heterosexuellem Umgang innerhalb der Ehe entsprachen.
Als Gewerbsunzucht wurde dem entsprechend die Prostitution bezeichnet.
Ein zeitgemäßer adäquater "Unzuchts"-Begriff wäre noch zu finden.
Oftmals wurde die Unzucht der Frau (beispielsweise die weibliche Masturbation oder die lesbische Liebe) strenger angesehen als Verfehlungen bei Männern.
Im alten Israel wurden unzüchtige Handlungen, beispielsweise der Ehebruch, mit der Steinigung bestraft.
Besonders im Mittelalter wurde die Unzucht mit der Todesstrafe, mit der Prügelstrafe oder mit der Auspeitschung belegt. Besonders Mädchen und Frauen unterstellte man eine verführerische und ungezügelte Sexualität (siehe: Hexenverfolgung, Teufelsbuhlschaft).
Noch die Constitutio Criminalis Carolina von 1532 sieht für Unzucht schwere Körperstrafen vor.
Im Europa des 18., des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Unzucht als etwas Krankhaftes angesehen. So behaupteten Ärzte und Wissenschaftler, Masturbation führe zu Erkrankungen des Rückenmarks, zu Krebs, zu Lepra oder zum Wahnsinn und zur Gehirnerweichung. Um die vermeintliche Unzucht einzudämmen, wurde in früheren Jahrhunderten der Keuschheitsgürtel erfunden.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Auffassung, und der Begriff der Unzucht wurde vielfach weiter gefasst als früher. Beispielsweise zählen viele Leute in Westeuropa die Masturbation nicht mehr darunter, allerdings den Sex mit Kindern, den sexuellen Verkehr mit Tieren sowie die Vergewaltigung.
Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Homosexualität als "unzüchtig" betrachtet und war strafbar.
Besonders während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Begriff der "Unzucht" eng gefasst. Das Idealbild des "arischen Menschen" beinhaltete neben Fleiß, Ordnung, Liebe zum Vaterland, Aufopferung und Verschwiegenheit auch ehe Treue und Keuschheit. Verschiedenen Nazi-Führern, beispielsweise Ernst Röhm, wurde Homosexualität unterstellt. Teilweise genügte der geringste Verdacht der "Unzucht" oder "Asozialität" für eine Einlieferung in ein Konzentrationslager, die so genannte "Schutzhaft". - Allerdings hatte die Nazi-Führung mit "Kindern guten Blutes" ihr Nachsehen, weil sie Soldaten für die Krieg führung brauchte. Für anonyme Geburten und uneheliche deutsche Kinder gab es die staatliche Einrichtung "Lebensborn". Die Fruchtbarkeit der "Minderwertigen", beispielsweise der Juden, der Sinti und Roma und der slawischen Völker sowie der Behinderten oder der so genannten "Asozialen", sollte mit allen Mitteln eingeschränkt werden (siehe: Aktion T4, Euthanasie, Sterilisation).
In anderen Kulturen ist die Unzucht auch heute noch geächtet und wird teilweise bestraft. In China beispielsweise wurde noch vor einigen Jahren onanierenden Jugendlichen empfohlen, "weite Unterwäsche zu tragen, harte körperliche Arbeit zu verrichten und die Schriften Mao Zedongs zu studieren".
In vielen afrikanischen und asiatischen Staaten wird erwartet, dass ein Mädchen "unberührt" als Jungfrau in die Ehe geht. Dort gilt Sex vor der Ehe als Unzucht und ist mit gesellschaftlichen Tabus belegt. Ist die Ehre der Familie derartig beschmutzt, muss sie wiederhergestellt werden, etwa durch die Bestrafung oder die Verstoßung der Frau. Die Mädchenbeschneidung soll unter anderem die "Unzucht" des Mädchens bzw. der Ehefrau zu verhindern oder einzudämmen helfen.
Auch in islamischen Staaten wird die Unzucht nicht gerne gesehen. Vielerorts wird sie einfach nur sozial geächtet und der "Unzüchtige" wird gemieden. Teilweise, etwa in Saudi-Arabien, im Sudan, im Iran, im Norden Nigerias und im Jemen wird sie aber auch heutzutage noch schwer bestraft, wie beispielsweise die Steinigung für Ehebruch oder für Analverkehr.
In der heutigen Zeit spricht man in Westeuropa nicht mehr von "Unzucht", aber bestimmte Praktiken sind immer noch unter Strafe gestellt; so etwa der Sexuelle Missbrauch von Kindern, die Vergewaltigung, die Kinderpornografie, die sexuelle Nötigung, der Inzest und die Sodomie. Mitunter werden Sadismus bzw. Masochismus sowie teilweise auch Fetischismus als sexuelle Deviationen bezeichnet und dann ebenfalls der Unzucht zugerechnet. Der Besuch von Bordellen bzw. das Fremdgehen gilt nicht als "Unzucht".
Fornication | Fornication | Fornicação | Любодеяние | Fornication | Otukt