Die Unterwasserarchäologie beschäftigt sich mit allen archäologischen Quellen, die unter Wasserbedeckung erhalten geblieben sind. Diese Quellen finden sich auf dem Grund von Meeren und Seen, Brunnen, aber auch in Mooren. Für die ufernahen Bereiche Nordeuropas liegt die Bedeutung dieser Sparte in den nacheiszeitichen Entwicklungen, die durch den Meerwasseranstieg (gebietsweise mehr als 100 m) und die Landhegung ehemalige festländische Siedlungen, besonders aus mesolithischer Zeit unter die heutige Wasserlinien verbracht hat.
Die besondere Bedeutung dieses noch nicht sehr alten Zweiges der Archäologie ergibt sich aus der besonders guten Konservierung organischer Materialien wie Holz oder Textilien durch das Medium Wasser. Die Aussage- und Informationskraft unter Wasser geborgener Gegenständen ist deshalb sehr gut und betrifft naturgemäß auch alle Relikte maritimer Art, sodass sich seefahrtsgeschichtliche Einblicke ergeben.
Eine Erschließung der Unterwasserquellen ist nicht nur durch Tauchgänge möglich, sondern auch durch das Trockenlegen von Gewässergrund mit Hilfe von Spundwänden. Auf diese Weise wurde zum Beispiel ein Teil des alten Hafens von Haithabu trockengelegt und so ein altes Handelsschiff der Wikinger geborgen. Andere Beispiele von Unterwasserarchäologie sind die Bergungen der Bremer Hansekogge von 1380, der Vasa, der Mary Rose sowie von Schiffen vor der türkischen Küste vor Uluburun bei Bodrum, Bozburun und Küçüven Burnu bei Marmaris und am Cap Gelidonya (bei Antalya), Girne auf Zypern und die Ausgrabungen in La Tène (späte Eisenzeit). Auch im Roten Meer (Sadana Island) werden Schiffswracks untersucht. Dänische Beispiele sind die bei der Insel Dejrø (zwischen Fünen und Ærø) gelegenen Plätze Møllegabet I + II (eine mesolithische Siedlung) und Tybrind Vig (eine neolithische Siedlung). Das sind zwei von etwa 70 bisher registrierten Plätzen.
Møllegabet II liegt 4,5 Meter unter dem Meeresspiegel und nur etwa 25 Meter entfernt vom ersten Platz. Hier wurden beim Tauchen Holzobjekte entdeckt und zwischen 1987 und 1993 wurden systematische Tauchgänge und Grabungen durchgeführt. Dieser Platz wurde zwischen 5500 und 5000 v. Chr. datiert. Zusätzlich zu den Nahrungsresten am Platz I wurden hier auch Reste von Igel und Hund gefunden. Die Holzreste von Aalstechern, Beilschäftungen, Fischspeeren, Jagdbögen und Reusen waren aussagekräftig. Eine vermutliche Bootsbestattung und ein 3 x 5 Meter großer Fußboden aus einer Rindenschicht auf einem Gitterwerk aus Ästen gehörten zu den spektakulären Funden.
Auch Unterwasserausgrabungen sind in Deutschland genehmigungspflichtig und dürfen nur durch speziell ausgebildete Fachleute durchgeführt werden. Die Kommission für Unterwasserarchäologie beim Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland führt entsprechende Ausbildungen durch.
Arqueologia submarina | Underwater archaeology | Archéologie sous-marine | Onderwaterarcheologie | Archeologia podwodna
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Unterwasserarchäologie".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world