Der Begriff Unschuld beschreibt den Zustand eines unwissenden, unbekümmerten, ahnungslosen, naiven und auch einfachen Menschen, dem man infolgedessen nichts vorwerfen kann, und der nicht als schuldig oder juristisch gesehen für schuldfähig erklärt werden kann. In der Regel gelten vor allem Kinder als unschuldig.
Unschuld in der Rechtsprechung
Praktisch bedeutet die
Unschuldsvermutung, dass bis zum Beweis des Gegenteils der Beschuldigte eines Strafverfahrens als Unschuldiger gilt. Der Nachweis der Schuld muss rechtskräftig erfolgen. Wird jemand dennoch verurteilt ist das ein
Justizirrtum.
Unschuld in der christlichen Religion
Die
Bibel beschreibt den unschuldigen Zustand von Adam und Eva im
Paradies, die sich ihrer
Nacktheit nicht
schämen und auch noch keinen Begriff von
Moral haben. Dieser Zustand währt nur so lange, wie Adam und Eva sich an die Mahnung Gottes halten, nicht vom
Baum der Erkenntnis zu essen. Mit dem Verstoß gegen dieses Gebot verlieren die Menschen theologisch betrachtet ihre Unschuld und es wird die
Erbsünde eingeleitet. Adam und Eva erkennen sich selbst, und erkennen, dass sie nackt sind. Die Vertreibung aus dem Paradies ist letztlich die Konsequenz.
Unschuldige Charaktere in der Literatur
Die Unbefangenheit Unschuldiger war schon früh ein Thema der Literatur. Häufig sind es sehr naive Charaktere, die aufgrund ihres reinen Herzens ganz besondere Aufgaben zu erfüllen haben. Oft ist diese Unschuld gepaart mit einer spontanen Weisheit, die die besondere Persönlichkeit einer solchen literarischen Figur ausmacht.
Beispielsweise gilt
Parzival im Versroman von
Wolfram von Eschenbach aufgrund seines mangelnden Realitätssinnes zwar als Tor, aber er wird gerade auch deshalb als Auserwählter erkannt, der die
Artusritter zum
Heiligen Gral führen soll.
Unschuld als sexuelle Unberührtheit
Umgangssprachlich wird heute in erster Linie als unschuldig bezeichnet, wer in sexueller Hinsicht noch unberührt oder „
jungfräulich“ ist. Auch
keusche Frauen und Männer, die aufgrund ihrer Tradition bewusst auf sexuelle Handlungen verzichten, werden in ihren Gesellschaften als
rein und unschuldig angesehen.
Die Farbe der Unschuld
Der Unschuld entspricht im europäischen Raum die symbolische Farbe
Weiß, wie beispielsweise die Redewendung „weiß wie die Unschuld“ und das bei einer kirchlichen Hochzeit traditionell getragene weiße Brautkleid verdeutlichen. Der weiße Arztkittel soll in diesem Sinne Sauberkeit und Güte verkörpern, die weiße Taube symbolisiert den
Frieden.
Literatur
- Doris Bühler-Niederberger (Hrsg.): Macht der Unschuld - Das Kind als Chiffre, 2005, VS Verlag, ISBN 3810039829
- Charles de Roche: Literaturgeschichte der Unschuld - Das Motiv der Unschuld und die Grenzen des fiktionalen Textes, 2005, Fink (Wilhelm), ISBN 3770541987
- Naomi Wolf: Vom Ende der Unschuld - Oder Das sexuelle Drama, eine Frau zu werden. 2000, Rowohlt, ISBN 3499609371
Tugend
Innocence | Innocence (caractère)