Das Universalienproblem (auch: Universalienstreit) war eine grundlegende Diskussion in der Philosophie der Scholastik über die Frage, ob man Allgemeinbegriffen (sogenannten Universalien) eine ontologische Existenz beimessen kann.
Im christlichen und islamischen Monotheismus des Mittelalters spitzt sich das Universalienproblem zu. Dabei muss man bedenken, dass es sich nicht um eine vom Alltag losgelöste "rein philosophische" Problematik handelt, sondern es um sehr konkrete Fragen der Machtkonzentration und ihrer Legitimierung ging, wenn zum Beispiel über die Einheit der Dreifaltigkeit diskutiert wurde. Wenn Verallgemeinerungen wirklich sind, haben sie eine viel größere Autorität, als wenn sie von Interpretationen abhängen. Die zunehmende Abkehr vom Realismus im Lauf der Spätmittelalters bedeutet zugleich eine Emanzipation von Autoritäten, die das Göttliche für sich in Anspruch nehmen.
Die Gegenposition des Nominalismus (lateinisch nomen = Name) ist der grundsätzlichen Auffassung, dass alle Allgemeinbegriffe gedankliche Abstraktionen sind, die als Bezeichnungen von Menschen gebildet werden. Realität kommt danach nur den Einzeldingen zu. Da der Nominalismus die historisch neuere Position ist, spricht man über ihn auch über die Via moderna, während die entgegengesetzte Position Via antiqua genannt wird.
Das Grundproblem wird in abgewandelter Form auch in der Gegenwart diskutiert. Zum einen wird in der Sprachphilosophie gefragt, ob Eigenschaften und Klassen ontologisch eigenständig sind. Zum anderen wird im Bereich der Philosophie der Mathematik unterstellt, dass logische Klassen, Zahlen, Funktionen eine eigenständige Existenz haben. Diese Position wird auch als Platonismus bzw. semantischer Realismus bezeichnet. In der soziologischen Theorie Pierre Bourdieus wird eine Verknüpfung zwischen nominalistischen und realistischen Aspekten vorgelegt.
Die Ideen sind das „Urbild“ (paradeigma) aller Dinge. Sie sind den Einzeldingen vorgeordnet, die an ihnen nur teilhaben (methexis). Nur sie sind im wahren Sinn des Wortes seiend. Die sichtbaren Einzeldinge stellen nur mehr oder minder vollkommene Abbilder der Ideen dar. Ihr Ort ist zwischen Sein und Nicht-Sein.
Gegenüber seinen frühen und mittleren Schriften hat Platon seine Position in den Spätschriften relativiert und auf Probleme der Ideenlehre hingewiesen.
Aristoteles milderte die idealistische Position Platon in einer Abstraktionslehre ab, vertrat aber ebenso einen Universalienrealismus. Ideen und das Sein der wahrgenommenen Gegenstände fallen in den Objekten noch zusammen und werden erst durch intellektuelle Akte getrennt.
Die Überlegung einer nominalistischen Position findet sich erst in der Kommentierung des Porphyrios zur Kategorienlehre des Aristoteles, wie sie in der Übersetzung des Boethius in der Scholastik im Mittelalter rezipiert wurde. Was nun die genera und species betrifft, so werde ich über die Frage, ob sie subsistieren oder ob sie bloß allein im Intellekt existieren, ferner, falls sie subsistieren, ob sie körperlich oder unkörperlich sind und ob sie getrennt von den Sinnendingen oder nur in den Sinnendingen und an diesen bestehend sind, es vermeiden, mich zu äußern; denn eine Aufgabe wie diese ist sehr hoch und bedarf einer eingehenden Untersuchung. Porphyrios hatte zwar keine Stellung bezogen, aber die Grundlagendiskussion vorbereitet.
Ein späterer Vertreter eines differenzierteren Nominalismus war Wilhelm von Ockham. Die Allgemeinbegriffe haben keine eigene Existenz, sondern sind nur die Summe der gedachten Dinge. Beispiel: Eine einzelne Rose hat eine reale Existenz, „die Rose“ an sich, als Begriff, hat hingegen nur eine rein gedankliche Existenz. Ockham wies allerdings schon auf die Bedeutung von Zeichen in der Diskussion um die Existenz von Begriffen hin.
Weitere Vertreter des Nominalismus waren Nicolaus von Autrecourt, Pierre d'Ailly, Marsilius von Inghen (der erste Rektor der Universität Heidelberg), Jean Gerson und Biel (Professor in Tübingen), Johannes Buridan und Albert von Sachsen ebenso wie Nikolaus von Oresme als bedeutender Naturphilosoph des 14. Jahrhunderts.
Dadurch dass der Einzelne Träger der Ideen war, gerieten die überkommenen Dogmen der Kirche im Nominalismus in Rechtfertigungsschwierigkeiten als vermittelnde Instanz zwischen dem Gläubigen und Gott. Auch für die Entwicklung der Naturwissenschaften war ein Zurückdrängen der Dogmen der Kirche befreiend.
Da die Argumente für die Realität der Allgemeinbegriffe nicht zu einem haltbaren Ergebnis führten (Wilhelm von Champeaux musste sich verärgert korrigieren), schloss Abaelard, dass die Universalien Wörter sind, die vom Menschen zur Bezeichnung festgelegt werden. Soweit sie sich auf sinnlich konkret Wahrnehmbares beziehen, sah Abaelard in ihnen nur Benennungen, also uneigentliche Universalien (appelatio). Soweit sie sich auf sinnlich nicht Wahrgenommenes beziehen, handelt es sich um echte Allgemeinbegriffe (significatio). Solche Begriffe werden vom Menschen konzipiert, um das Gemeinsame und nicht Unterscheidende verschiedener gleichartiger Gegenstände zu bezeichnen. Die Erkenntnis hierüber entsteht nicht durch körperliche Sinneswahrnehmung (sensus), sondern durch gedankliches Begreifen (intellectus) der Seele, indem der Geist (animus) eine Ähnlichkeit (similitudo) herstellt. Stoff und Form existieren verbunden und werden nur durch die Einbildungskraft (imaginatio) der Vernunft (ratio) im Wege der Abstraktion (forma communis) getrennt. Universalien sind damit weder „vor den Dingen“ (Realismus), noch „nach den Dingen“ als Bezeichnungen (Nominalismus), sondern rein im Verstand als Abstraktion der einzelnen Dinge entstanden. Sie liegen damit „in den Dingen“ (in rebus). Das Wort als Naturlaut (vox) ist Bestandteil der Schöpfung. Das Wort aber als Sinn (sermo) ist eine menschliche Einrichtung (institutio). Dadurch dass Allgemeinbegriffe eine eigene Bedeutung haben, stehen sie zwischen den realen Dingen (res) und den reinen gedanklichen Bezeichnungen (ficta). Universalien sind damit semantisch existent (mental wirklich). Diese Position, die ähnlich auch von Gilbert De La Poirée, Adelard von Bath und John von Salisbury vertreten wurde, wurde später als Konzeptualismus bezeichnet.
Auch die modistische Sprachtheorie des Thomas von Erfurt nimmt eine Position des gemäßigten Realismus ein.
Das Universalienproblem der Moderne wird dagegen mit den Begriffen des (wissenschaftstheoretischen) Platonismus und des Essentialismus verbunden.
Gesetzesaussagen werden deshalb als bloße syntaktische Regeln ohne Wahrheitswerte (bei Hermann Weyl, Frank Plumpton Ramsey u.a.) oder als bloße Hypothesen (bei Moritz Schlick, Karl Popper u.a.) aufgefasst.
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