| Flag of Hungary.svg | Hungary_coa.png | (Details) | (Details) |
Ungarn ist seit dem 31. Oktober 1918 ein eigenständiger Staat und seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Bis 1918 bildete Ungarn mit Österreich die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, in der die Slowakei, ein Großteil Rumäniens, Kroatien und kleine Teile von Serbien, Polen und der Ukraine zur ungarischen Reichshälfte gehörten.
Die Eigenbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausländischen Namen für Ungarn ab. magyar (Aussprache // von ung. magyar *; früher magyeri) taucht schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf und ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = „Mensch, Mann, Geschlecht“) und er(i) (ebenfalls „Mensch, Mann, Geschlecht“). Der Name bezeichnete anfangs nur einen von sieben halbnomadischen Stämmen, die im 9. sowie im beginnenden 10. Jahrhundert räuberische Überfälle in Europa, vor allem in Großmähren, unternahmen. Diese Stämme hießen Megyer (Magyar), Tarján, Jenő, Kér, Keszi, Kürt-Gyarmat und Nyék. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ist es dem Stamm der Magyaren – d. h. den Nachkommen Árpáds – gelungen, die restlichen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren (wenn auch noch nicht im ethnischen Sinne) gesprochen werden.
Der Name „Ungarn“ gelangte aus dem Slawischen in die europäischen Sprachen. Das slawische Wort lässt sich auf die bolgarotürkische Stammesbezeichnung onogur (on = „zehn“ + ogur = „Stamm“) zurückführen, die dadurch entstand, dass die Vorfahren der Ungarn im 5. und 6. Jahrhundert in enger Verbindung mit dem Reich der Onoguren lebten, dessen führender Stammesverband „Onoguren“ hieß. Das „H-“ im lateinischen hungarus (und dadurch auch in manchen anderen Sprachen) entstand dadurch, dass der Name irrtümlicherweise mit den Hunnen (Hunni) gleichgesetzt wurde.
Die Wissenschafter um Luigi Luca Cavalli-Sforza weisen darauf hin, dass höchstens 10 % der heute in Ungarn lebenden Menschen von den landnehmenden magyarischen Sippen abstammen, was den Schluss zulässt, dass es zu einer weitgehenden kulturellen Verschmelzung mit den ursprünglichen Bewohnern (vermutlich Slawen, Awaren, Hunnen, Germanen, Romanen, Kelten usw.) des Karpatenbeckens gekommen ist. Dies würde wiederum bedeuten, dass Abstammungslegenden und Verwandtschaftsaussagen (z. B. mit den Hunnen) einen wahren Kern in sich bergen.
Diese Ansichten sind äußerst fraglich (weil spekulativ), obwohl auch im Zuge der Umwälzungen während der (recht späten) „Völkerwanderungen“ in diesem Raum (Karpatenbecken) Vermischungen durchaus möglich waren bzw. tatsächlich vorgekommen sind. Wissenschaftlich haltbare Belege für etwaige Verwandtschaften (gar untermauert mit Zahlen) gibt es nicht. Ethnologen versuchen Verknüpfungen mit Hinweis auf Gemeinsamkeiten in der Volkskunst und Sprache aufzuzeigen. Zu berücksichtigen ist jedenfalls die Bevölkerungsentwicklung während der türkischen Besatzungszeit, die immerhin ca. 150 Jahre andauerte, und während der Neubesiedlung infolge von Rückeroberungen (Südbewegung slowakischer Bauern, Nordbewegung serbischer Bauern und die Neuansiedlung deutscher Familien).
Siehe auch: Magyaren
Satellite image of Hungary in December 2002 (1).jpg
Die Donau und Theiß teilen Ungarn in das westliche Transdanubien mit der Kleinen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Kisalföld) und der Großen Ungarischen Tiefebene (ungarisch Alföld).
Die fruchtbare Kleine Ungarische Tiefebene im Nordwesten Ungarns besteht hauptsächlich aus dem Becken von Győr (Raab). Die abwechslungsreiche Landschaft wird bestimmt durch leicht welliges Terrain, kleine Hügel und zerschnittene Platten. Durch fruchtbare Lößböden und auf Grund des milden Klimas kann intensiv Landwirtschaft betrieben werden.
Die Große Ungarische Tiefebene nimmt nahezu die Hälfte des gesamten Staatsgebiets Ungarns ein. Sie ist eine ebene, weiträumige Fläche und ist mit in vorgeschichtlicher Zeit aufgeschütteten Geröllen und Sanden bedeckt. Das Alföld ist entlang der Theiß von Auenlandschaften durchzogen und mit einzelnen Waldinseln durchsetzt. Die Trockenlegung der Auen und die Rodung der Wälder haben zur zunehmenden Versalzung der Böden geführt. So entstand die typische Puszta mit Ziehbrunnen, Einzelgehöften und extensiver Weidewirtschaft. Auf Grund aufwendiger Bewässerungsmaßnahmen entstanden fruchtbare Böden, die den Anbau von Tabak, Mais und Sonnenblumen ermöglichen. Der Nationalpark Hortobágy wurde geschaffen, um die ursprüngliche Puszta-Landschaft zu schützen.
Siehe auch: Nationalparks in Ungarn
Kekesteto1.JPG (1014 m)]] Die ungarischen Mittelgebirge verlaufen vom Bükkgebirge im Nordosten bis zum Bakonywald im Westen. Fast alle Mittelgebirge in Ungarn tragen in höheren Lagen dichten Laubwald. Die Hänge und Becken sind mit fruchtbaren Böden bedeckt, die Acker-, Obst- und Weinbau ermöglichen. Thermalquellen, die an den Rändern der Mittelgebirge auftreten, sind Zeugnisse eines vergangenen und lebhaften Vulkanismus. Dies bestätigen auch die vulkanischen Gesteine des Bakonywaldes und des Mátragebirges im Norden. Bis auf diese Ausnahmen bestehen die sonstigen Mittelgebirge in Ungarn aus Dolomit und Kalkstein. Das bewaldete Mecsekgebirge im Südwesten Ungarns erhebt sich inselartig und ist bis zu 682 m hoch. Im Mátragebirge steht auch die mit 1.014 m höchste Erhebung Ungarns, der Kékes.
Höhenverhältnisse:
Die mit Abstand größte Stadt in Ungarn ist die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest) mit etwa 1,9 Millionen Einwohnern. Somit konzentriert sich gut 17 % der Bevölkerung in der Hauptstadt. Die nachfolgend fünf größten Städte sind Debrecen und Miskolc mit einer Bevölkerung von etwa 200.000, Szeged und Pécs (Fünfkirchen) (ca. 165.000 Einwohner) sowie Győr (Raab) (130.000 Einwohner).
Alle größeren Orte sind unter Liste der Städte und Orte in Ungarn aufgelistet.
DonauknieVisegrad.jpg]] Der längste Fluss auf ungarischem Staatsgebiet ist die Donau (ungarisch Duna), an deren Flusslauf unter anderem die wichtigen Städte Komárom (Komorn), Esztergom (Gran), die Hauptstadt Budapest (Ofen-Pest) und Dunaújváros liegen. Sie fließt zunächst als Grenzfluss zwischen Ungarn und der Slowakei von West nach Ost, nach dem Donauknie bei Visegrád, einer 90°-Wendung des Flusses, fließt die Donau von Norden nach Süden Richtung Serbien. Ein weiterer langer Fluss in Ungarn ist die Theiß (ungarisch Tisza). Größere Städte an ihrem Lauf sind Tokaj, Szolnok und Szeged. Weitere wichtige Flüsse in Ungarn sind die Drau (ungarisch Dráva), der Hernád, die Kőrös (deutsch Kreisch), die Mur, die Raab (ungarisch Rába), Sajó und Zala.
Alle größeren Flüsse entspringen außerhalb Ungarns: Mur und Raab in Österreich, die Drau in Südtirol, Zala in Slowenien, der Hernád in der Slowakei, die Kőrös in Siebenbürgen (West-Rumänien). Ungarns Hauptflüsse Donau und Theiß entspringen in Süddeutschland bzw. in der Ukraine.
Plattensee in Ungarn S3000086.jpg]] Der größte See in Ungarn ist der Plattensee (ungarisch Balaton) im hügeligen Westungarn. Er ist zugleich der größte See in Mitteleuropa. Der Plattensee ist neben der Hauptstadt Budapest das wichtigste Tourismusgebiet Ungarns, vor allem wegen seiner Strände und Thermalquellen. Ein weiterer wichtiger See ist der Velencer See (ungarisch Velencei-tó), der trotz seiner Ähnlichkeit zum Balaton touristisch wenig erschlossen ist. Im Nordosten des Sees erstreckt sich ein unbegehbares Vogelschutzgebiet, das vielen bedrohten Vogelarten Schutz bietet. Der Neusiedler See (ungarisch Fertő-tó) liegt nur zu einem Teil in Ungarn. 75 % der Wasserfläche gehören zum Staatsgebiet Österreichs. Der Nationalpark Fertő-Hanság umfasst den ungarischen Teil des Sees sowie die Sümpfe im Süden und den Hanság und wurde 2001 zusammen mit dem österreichischen Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel zum UNESCO-Welterbe ernannt.
In Ungarn sind etwa 45.000 Tierarten und 2.200 Pflanzenarten beheimatet. Vereinzelt gibt es nord-, ost- und südeuropäische Arten, die Mehrheit sind aber mitteleuropäische Arten. 855 Tierarten und 535 Pflanzenarten stehen unter Schutz. Seltene geschützte Blumen sind beispielsweise die mediterrane Nieswurz, die wilde Pfingstrose im Hügelland vom Mecsek und die ungarische Windblume in der Nyírség-Gegend.
Wildschweine, Hirsche, Rehe und Füchse sind ebenfalls in den ungarischen Wäldern beheimatet. Auf den landwirtschaftlichen Landflächen und im Tiefland leben vor allem Hasen, Fasane, Rebhühner und Wachteln. Im Frühling ziehen riesige Vogelschwärme von Norden nach Süden. Zu ihnen gehören Schwalben und Störche, die in Afrika den Winter verbringen. Geschützte Vogelarten sind beispielsweise der Stelzenläufer, die Trappe, die vor allem in der südlichen Tiefebene verbreitet ist, und der Säbelschnäbler.
Die ungarischen Flüsse und Seen sind sehr fischreich. Beheimatet sind Brassen, Karpfen und Hechte. Aale und Amuren wurden aus fremden Seen und Flüssen übergesiedelt und leben mittlerweile zahlreich in ungarischen Gewässern. Um die ungarische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen, hat man auf einer Gesamtfläche von 816.008 ha 9 Nationalparks, 38 Landschaftsschutzgebiete und 142 Naturschutzgebiete eingerichtet.
Bevölkerungsentwicklung Ungarns.PNG
Wie in anderen westlichen Industrienationen zeigt sich auch in Ungarn eine Alterung der Gesellschaft. So sind 15,9 % der Bevölkerung unter 15 Jahre, die Mehrheit der Einwohner 15 bis 65 Jahre (68,6 %) und 15,5 % über 65 Jahre alt. Die zusammengefasste Geburtenziffer ist ähnlich wie in Mitteleuropa extrem niedrig und beträgt pro Frau 1,3 Kinder.
Die Lebenserwartung lag 2005 bei der männlichen Bevölkerung bei 68,3 Jahren und bei der weiblichen Bevölkerung bei 76,5 Jahren.
Die Bevölkerung Ungarns besteht mehrheitlich aus Ungarn (89 %). Daneben gibt es Roma (5 %), Deutsche (Donauschwaben) (2,6 %), Rumänen (2 %), Serben (1 %), Slowaken (1 %), Ruthenen (0,9 %), Jenische (0,5 %) und 3.800 Polen. Ferner leben im Westen des Landes ca. 10.000 Burgenlandkroaten. Für 2001 wurde ein Bevölkerungsrückgang von 0,32 % geschätzt. Ursache ist die niedrige Geburtenrate (rund 10 Geburten auf 1.000 Einwohner). Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Minderheit der Roma stärker vertreten.
Die Mehrheit der Bevölkerung (54,5 %) bekennt sich zur römisch-katholischen und zur ungarischen griechisch-katholischen Kirche. 15,9 % der Bevölkerung sind Calvinisten, 3 % Lutheraner. Im Land lebten vor dem Holocaust rund 800.000 Juden. Heute leben in Ungarn rund 80.000 Juden, meist in der Hauptstadt.
Der Atheismus, ein Überbleibsel der kommunistisch geprägten Regierung vor 1989, ist mit 14,5 % relativ weit verbreitet. Im Gegensatz zum Gebiet der ehemaligen DDR, wo etwa 70 % der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft angehören, und anderen ehemaligen Ostblockstaaten ist der Anteil an Atheisten in Ungarn jedoch gering. Dies rührt vor allem daher, dass die kommunistische Regierung Ungarns vor der Wende 1989 Religionsgemeinschaften vergleichsweise nur wenig unterdrückte. Siehe auch: Baptisten in Ungarn
Alle Zahlen in diesem Abschnitt beziehen sich auf die Volkszählung 2001, siehe nepszamlalas.hu (ungarisch).
Hauptartikel: Ungarische Sprache
Die in Ungarn gebräuchliche Sprache ist Ungarisch. Sie gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachen und ist die einzige nicht-indogermanische Sprache, die im mitteleuropäischen Raum gesprochen wird. Im Gegensatz zur deutschen Sprache unterscheiden sich die ungarischen Dialekte nur minimal untereinander. Aus der Zeit der Herrschaft der Habsburger (1699–1867 bzw. 1918) in Ungarn stammt der Einfluss der deutschen Sprache.
Neben Ungarisch sind die Sprachen der Minderheiten verbreitet: Romani, die Sprache der Roma, wird von gut 0,7 % der Einwohner Ungarns gesprochen, 0,4 % der Bevölkerung sprechen Kroatisch.
Aftnn King Stephen, who we reckon was responsible for Christianity in eastern Europe.jpg]] Die Magyaren wanderten, angeführt von dem Großfürsten Árpád, Ende des 9. Jahrhunderts in das Karpatenbecken ein und führten Raubzüge durch ganz Europa. Diese wurden auch von Árpáds Nachfolgern erfolgreich weitergeführt, bis 955 Otto I. die Angriffe der Ungarn durch einen vernichtenden Sieg auf dem Lechfeld zurückschlagen konnte. Das Königreich Ungarn wurde im Jahr 1000 von Stephan I. gegründet, der das Land entgegen dem erbitterten Widerstand des alten Adels nach karolingischem Vorbild gestaltete (Begründung des bis heute bestehenden Komitatswesens).
Im „Mongolensturm“, wie die Angriffe der Goldenen Horde der Mongolen unter dem Heerführer Batu Khan in den Jahren 1241 und 1242 bezeichnet werden, wurde das Land verwüstet und in weiten Teilen entvölkert; 50 % der Bevölkerung Ungarns kamen dabei ums Leben. König Béla IV. rief für die Neubesiedlung deutsche Siedler (Schwaben) ins Land, die sich in der Folgezeit magyarisierten.
Im Jahre 1301 starb Andreas III., der letzte Herrscher des Hauses Árpád. 1370–1386 und 1440–1444 wurde Ungarn von den Anjou und Jagiellonen in Personalunion mit Polen regiert.
In der Folgezeit hatte Ungarn nur noch einen ungarischen König, Matthias Corvinus, der das Land von 1458 bis 1490 regierte. Unter dem hochgebildeten Matthias stieg Ungarn zur politischen Großmacht und zu einem Zentrum der Renaissancekultur sowie des Humanismus auf. Als Renaissancefürst zog er Gelehrte und Künstler aus Italien an seinen Hof, gründete die Universität in Pressburg (Pozsony, heute Bratislava) und die Corvina in Ofen (Budapest); sein Großreich zerfiel nach seinem Tod.
Zwischen 1490 und 1526 regierten die polnisch-litauischen Jagiellonen Ungarn und Böhmen in Personalunion.
Nach 145 Jahren türkischer Besetzung Ungarns fiel Buda im Jahre 1686, und Ungarn wurde von den Habsburgern zurückerobert. Die Ungarn missbilligten aber die harte Herrschaft der Habsburger, so dass es von 1703 bis 1711 zum Kuruzenaufstand unter Fürst Franz II. Rákóczi kam, einem Adeligen aus Siebenbürgen. Da die Spannungen zwischen dem ungarischen Adel und dem Wiener Hof nicht beseitigt werden konnten, entluden sie sich (nach scheinbar einvernehmlichen Verhandlungen und Zugeständnissen des Kaisers gegenüber den Ungarn) in der Revolution von 1848/49, die mit Hilfe Russlands (mit Berufung auf die „Heilige Allianz“) blutig niedergeschlagen wurde, was das Klima in der Monarchie dauerhaft verschlechterte.
Nach anhaltenden Unruhen im Land wurde Ungarn durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 gleichberechtigter (autonomer) Teil des Gesamtreiches Österreich-Ungarn. Das Reich wurde endgültig in der Person des Kaisers vereinigt: Die Personalunion, de jure begründet durch die Pragmatische Sanktion, wurde de facto zur Realunion. Führend am Erfolg des Ausgleichs für die ungarische Seite beteiligt waren Ferenc Deák und Graf Gyula Andrássy. Allerdings hielt dieser Vielvölkerstaat den inneren Unruhen (auch aufgrund von Nationalitätenkonflikten im Zuge der Magyarisierungspolitik) nicht lange stand und zerfiel nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in seine nationalen Bestandteile.
Am 1. März 1920 wurde Miklós Horthy von der Nationalversammlung zum Reichsverweser gewählt und die Monarchie, trotz der am 6. November 1921 erfolgten Amtsenthebung der Habsburger, wieder eingeführt. Die Regierung erkannte daraufhin den Friedensvertrag von Trianon an, nach dessen Bedingungen Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets abtreten musste. Ungarn näherte sich aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland an. Daraus folgte auch der Kriegseintritt am 27. Juni 1941 auf Seiten der Achsenmächte. Als Ungarn ab Mitte März 1944 von deutschen Truppen besetzt und eine Kollaborationsregierung unter Döme Sztójay eingesetzt wurde, begann die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Über 200.000 der auf dem Staatsgebiet von 1937 lebenden Juden kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben. Weitere über 200.000 Opfer stammten aus den Gebieten, die Ungarn nach den Wiener Schiedssprüchen besetzt hatte. Nach dem Sturz Horthys 1944 wurde die Kriegsbeteiligung unter der faschistischen Bewegung der Pfeilkreuzler von Ferenc Szálasi fortgesetzt. Für Ungarn endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs mit dem Einmarsch der Roten Armee am 4. April 1945.
ImreNagyport.jpg]] Ungarn kam unter sowjetischen Einfluss, und am 20. August 1949 wurde eine Verfassung nach russischem Vorbild beschlossen. Bis 1953 verfolgte Ungarn unter Mátyás Rákosi einen stalinistischen Kurs. Am 23. Oktober 1956 kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy, der bereits von 1953 bis 1955 Ministerpräsident war, erneut zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. Er bildete eine Mehrparteien-Regierung, forderte die parlamentarische Demokratie und die Neutralität Ungarns. Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen. Viele Ungarn verließen nach dem gescheiterten Volksaufstand das Land und emigrierten nach Westeuropa und Nordamerika. Nagy wurde hingerichtet, János Kádár, bis dahin stellvertretender Ministerpräsident, wurde Generalsekretär der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei sowie Ministerpräsident und blieb bis 1988 in dieser Position.
Unter seiner Regierung erfolgten Wirtschaftsreformen, die auch unter dem Begriff „Gulaschkommunismus“ bekannt wurden. 1988 bildeten sich Oppositionsgruppen, die den friedlichen Systemwechsel vorantrieben und die Legitimität der sowjetischen (faktisch russischen) Vorherrschaft in Frage stellten (erwähnt sei Imre Pozsgay, der im Amt eines Staatsministers öffentlich der Doktrin von der „Konterrevolution von 1956“ widersprach). Auch in der kommunistischen USAP gab es oppositionelle Stimmen, die freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen forderten. Dies leitete die Grenzöffnung nach Österreich und damit die Zerschneidung des Eisernen Vorhangs ein. Gemeinsam mit dem Außenminister Ungarns, Gyula Horn, durchtrennte Alois Mock (Außenminister Österreichs) am 27. Juni 1989 in einer symbolischen Aktion den Stacheldraht an der Grenze zwischen Österreich (Nickelsdorf) und Ungarn (Hegyeshalom).
Ungarn hatte entscheidenden Anteil an der politischen Wende von 1989 in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch an der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zum Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ebnete.
Seit dem Zusammenbruch der UdSSR ist Ungarn (politisch gesehen) Teil des westlichen Staatensystems geworden. 1999 trat Ungarn der NATO bei, und zum 1. Mai 2004 folgte – mit der Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung – der Beitritt zur Europäischen Union im Zuge der EU-Osterweiterung. Die anfängliche Begeisterung wich aber angesichts der sich wirtschaftlich verschlechternden Lage zahlreicher Menschen (insbesondere alter Menschen) einer Ernüchterung. Die Folge sind Resignation und politisches Desinteresse, was sich auch schon in der Wahlbeteiligung des Referendums zum EU-Beitritt am 12. April 2003 ausdrückte: Zwar stimmten 84 % für den Beitritt, aber lediglich 45,6 % der acht Millionen Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung.
Siehe auch: Liste der ungarischen Herrscher, Liste der ungarischen Staatspräsidenten
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober 1989 trat eine modifizierte Verfassung in Kraft, deren Vorbild unter anderem das deutsche Grundgesetz war. Die Regierung ist dem Parlament verantwortlich, für die Regierungstätigkeit trägt der Ministerpräsident Verantwortung. Um eine möglichst große Stabilität der Regierung zu gewährleisten, wurde die Institution des konstruktiven Misstrauensvotums geschaffen.
Das Parlament wählt den Präsidenten der Republik, den Ministerpräsidenten, die Mitglieder des Verfassungsgerichts, den Ombudsmann der Minderheiten, den Präsidenten des Obersten Gerichts und den Generalstaatsanwalt. Das Einkammerparlament hat 386 Abgeordnete, die auf vier Jahre gewählt werden. In Ungarn gibt es ein gemischtes Wahlsystem, ähnlich wie in Deutschland. Seit August 2000 war der parteilose Ferenc Mádl als Präsident, der für fünf Jahre gewählt wird, im Amt. Im Juni 2005 gewann László Sólyom die Wahl zum Präsidenten. Er ist ehemaliger Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts.
Die ungarische Politik war seit der Einführung freier und geheimer Wahlen 1990 von ständigen Mehrheitswechseln geprägt.
Péter Boross war der Nachfolger von József Antall als Ministerpräsident der Republik Ungarn von Dezember 1993 bis Juni 1994. Er war zuvor Innenminister. Mit der Abwahl von Boross 1994 endete die Regierungsverantwortung des Ungarischen Demokratischen Forums. Boross war in der Regierungszeit von Viktor Orbán (Fidesz) 1998–2002 als dessen Berater tätig, distanzierte sich aber später von Orbán.
Nach den Wahlen 2002 übernahm wieder die MSzP (Ungarische Sozialistische Partei) zusammen mit dem SzDSz die Regierungsverantwortung. Der aktuelle Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány, der seit dem 29. September 2004 amtiert, ist Nachfolger von Péter Medgyessy, der nach Versuchen der Regierungsumstrukturierung zurückgetreten war. Außenminister ist Ferenc Somogyi, der am 2. November 2004 die Nachfolge von László Kovács, dem ungarischen EU-Kommissar, angetreten hatte.
Die Regierung von MSzP und SzDSz wurde bei den Parlamentswahlen vom 9. und 23. April 2006 wiedergewählt. Damit schaffte es eine Regierung erstmals, im Amt zu bleiben. Somit bleibt Ferenc Gyurcsány noch weitere vier Jahre Ministerpräsident Ungarns.
Nach dem Beitritt Ungarns 1999 zur NATO und 2004 zur EU wurden zwei grundlegende Ziele der ungarischen Außenpolitik erreicht. Zur Zeit setzt es sich für den Beitritt Rumäniens und Kroatiens zur EU ein. Zur Stabilität sind auf dem Balkan eigene Truppen stationiert, außerdem engagiert sich Ungarn im Irak und Afghanistan mit eigenen Truppen.
Ungarn ist an der wirtschaftlichen und politischen Stabilität seiner südlichen Nachbarn interessiert, es setzte sich schon vor dem Sturz Milošević’ für die demokratische Opposition in Jugoslawien ein. Die Infrastrukturverbindungen, insbesondere die Autobahnen zu den Nachbarn, sollen weiter ausgebaut und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den zukünftigen EU-Mitgliedsstaaten intensiviert werden. Die Zusammenarbeit innerhalb der Visegrád-Gruppe (mit Tschechien, der Slowakei und Polen) soll fortgesetzt werden. Ungarn hatte 2001 bzw. 2002 den Vorsitz inne.
2001 wurde ein Gesetz mit Begünstigungen für Auslandsungarn verabschiedet, außerdem schloss Ungarn Minderheitenabkommen und Grundlagenverträge über freundschaftliche Beziehungen mit seinen Nachbarstaaten, um die Minderheitenfrage der im Ausland lebenden Ungarn zu lösen.
MiG der HuAF.jpg der ungarischen Luftwaffe der MH.59 in Kecskemét mit der Nummer 04 bei der Landung]]
Hauptartikel: Ungarische Streitkräfte
Ungarn hat ein stehendes Heer aus Berufssoldaten, früher mit einer allgemeinen Wehrpflicht vom 18. Lebensjahr an, und mit einer aktiven Dienstzeit von 18 Monaten. Die Gesamtstärke beträgt (im Gegensatz zu den im Friedensvertrag von 1947 festgelegten 65.000 Mann für das Heer und 5.000 für die Luftwaffe) heute 91.000 Mann. Diese verteilen sich wie folgt:
Hinzu kommen 15.000 Mann Sicherheits- und Grenztruppen und eine Arbeitsmiliz von 60.000 Mann.
Der Oberbefehl liegt beim Verteidigungsminister.
Seit März 2006 ist in Ungarn die neue Saab JAS-39 Gripen aus Schweden im Einsatz, die ab 2009 aktiv an den NATO-Übungen teilnehmen wird. Mit der Erprobung der Flugzeuge wurde im Dezember 2005 begonnen.
Es befindet sich auch eine kleine Anzahl ungarischer Soldaten im Irak, die dort aber keine große Rolle spielen. Es ist bekannt, dass die Reservebasis der ungarischen Luftwaffe in Kaposvár vor dem Irak-Krieg von der US-Luftwaffe gemietet wurde. Allerdings spekuliert man, ob vielleicht auch US-Geheimdienstmitarbeiter auf der genannten Basis auf den Krieg im Irak vorbereitet oder ausgebildet wurden.
Siehe auch: Liste ungarischer Militärflugplätze
Ungarn ist in 19 Komitate (Gespannschaften) und 24 Städte mit Komitatsrecht (darunter die Hauptstadt Budapest) eingeteilt. 1999 wurde das Land in sieben Regionen eingeteilt, auch um die Auflagen der Europäischen Union zu erfüllen. Die Komitate wiederum sind in Kleingebiete unterteilt, die im NUTS-System der EU der Ebene LAU-1 entsprechen. Map of counties of Hungary 2004.png
| Städte mit Komitatsrecht (seit) | Komitate | - |
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| Regionen | Komitate in der Region | - |
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Andere Autobahnen sind zur Zeit noch (teilweise) in Bau, wie beispielsweise die M7 und die M3. Die M7 ist besonders aus touristischer Sicht wichtig, da sie Budapest mit dem Tourismusgebiet des Balaton und mit Kroatien (bzw. über die M70 mit Slowenien) verbindet. Die M3 wiederum ermöglicht die Durchquerung des Landes von West nach Ost, sie soll von Budapest zur ukrainischen Grenze verlaufen. Über die M3 und M30 ist Budapest mit Miskolc und mit Nordostungarn verbunden. Die nächste Teileröffnung soll 2006 zunächst bis Nyíregyháza und über die M35 bis Debrecen führen. Die erste Teilstrecke der M6 Richtung Pécs wird zwischen Budapest und Dunaújváros auch 2006 eröffnet. Eine weitere wichtige Autobahn ist die M0, die bis 2015 zu einem kompletten Ring um Budapest ausgebaut werden soll. Sie soll die Verkehrssituation der Hauptstadt entschärfen, die zur Zeit neben dem Berufs- und Pendelverkehr auch den Durchgangsverkehr verkraften muss.
In Ungarn lässt sich nahezu jede Gemeinde per Bus erreichen. Zwischen größeren Städten verkehren Buslinien in einem Takt von 30–60 Minuten, kleinere Städte und Dörfer werden meist im Takt von 1–2 Stunden angefahren. Durch das relativ weitmaschige Schienennetz ist der Busverkehr für kleinere Dörfer überaus wichtig. Die größte Busverkehrsgesellschaft in Ungarn ist Volán, sie befördert pro Tag etwa 1,6 Millionen Fahrgäste.
Internationale Flughäfen sind Budapest-Ferihegy südöstlich von Budapest (Terminals 1, 2a, 2b), der gleichzeitig der Sitz der größten ungarischen Fluggesellschaft Malév ist, und seit dem Frühjahr 2006 der Flughafen Balaton bei Sármellék in Südwestungarn, der seit einigen Monaten aus mehreren europäischen Ländern angeflogen wird. Darüber hinaus gibt es in Ungarn noch eine Reihe von Binnenflughäfen, von denen immer mehr für den Personenverkehr genutzt werden, wie etwa der Flughafen von Debrecen, der neuerdings auch aus Budapest regelmäßig mit Passagierflugzeugen angeflogen wird.
Siehe auch: Liste ungarischer Flughäfen
Im Gegensatz zu anderen Donau-Anrainerstaaten wie beispielsweise Österreich oder der Slowakei besitzt Ungarn keine Wasserkraftwerke an der Donau. Dies liegt vor allem daran, dass der zusammen mit der Slowakei geplante Bau des Donauwasserkraftwerks Gabčíkovo-Nagymaros auf großen Widerstand seitens der ungarischen Bevölkerung stieß. Danach wurden Pläne für weitere Wasserkraftwerke in Ungarn verworfen.
In Ungarn stammen 90 % des Trinkwassers aus Grundwasserressourcen. Insgesamt beträgt die jährliche Wasserentnahmemenge etwa 5.500 Mio. m³, wovon etwa 85 % Oberflächenwasser und 15 % Grundwasser sind. Die durchschnittliche Gesamtwasserentnahme pro Kopf liegt in Ungarn bei etwa 550 m³ im Jahr oder 1500 Liter pro Tag, was ungefähr dem Doppelten der Werte von Polen, Rumänien oder Tschechien entspricht und leicht über dem deutschen Verbrauch (500 m³/Jahr/Person) liegt. Von dieser Menge entfallen auf die öffentliche Wasserversorgung ca. 13 % (195 l/Tag/Person), auf die Industrie und Energieerzeugung ca. 78 % und auf die Landwirtschaft ca. 9 %. Vor der Systemwende war der Wasserverbrauch noch bedeutend höher. Der deutliche Rückgang ist bedingt durch die Stilllegung von Bauxit- und Kohlebergwerken, den rückläufigen Bedarf der Industrie und den stetigen Anstieg der Wasserpreise, die seit 1990 von den Gemeinden festgelegt werden und durch den Abbau von Subventionen erheblich gestiegen sind. In Budapest z. B. betrugen im Jahre 2004 die Gebühren für Frischwasser 0,56 €/m³ und die Abwassergebühren 0,73 €/m³ (Umrechnungskurs vom 12. Mai 2004). Viele Kommunen wenden inzwischen außerdem einen progressiven Wassertarif an, der hohen Wasserverbrauch bestraft.
Von den 10,2 Millionen Ungarn sind mittlerweile 98 % an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Allerdings entspricht die Trinkwasserqualität noch nicht in allen Gebieten des Landes den Mindestanforderungen der Europäischen Union. Gerade in ländlichen Gebieten bestehen oft erhebliche, teilweise regionalspezifische Schwierigkeiten bei der Versorgung. Ein großes Problem ist dabei die zum Teil auch gegen bedingte Belastung des Trinkwassers mit Arsen und Nitraten bzw. Nitriten und anderen Stoffen wie Asbest, Eisen, Mangan, Antimon, Bor, Fluoriden und Jodiden. Ein anderes Problem sind die zahlreichen wilden Mülldeponien, die in Trinkwassergebieten liegen und wegen mangelnder Abdichtung das Grundwasser verunreinigen.
Jährlich fallen in Ungarn durch kommunale Abwässer über 100.000 t Klärschlämme in Trockenmasse an, die zum Großteil auf Deponien verfüllt werden, aber auch in der Landwirtschaft als Dünger zum Einsatz kommen oder kompostiert werden.
Ungarn erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 20.414 Mrd. Forint (2004, etwa 81 Mrd. Euro), was rund 8.000 Euro pro Kopf entspricht. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Ungarn einen Index von 59,3 (EU-25 = 100; 2003).Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25* 3,8 % des Bruttoinlandsprodukts entstanden in der Landwirtschaft, 31,2 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor. Mit einer Exportquote (Warenausfuhren in Prozent des BIP) von 65 % ist die Wirtschaft sehr offen. Ungefähr ein Drittel der Ausfuhren gehen nach Deutschland, etwa 8 % nach Österreich und jeweils etwa 6 % nach Italien, Frankreich und Großbritannien. Über die Hälfte der Ausfuhren entfallen auf Güter des Maschinenbaus und der Fahrzeugindustrie. Ein hoher Teil der Ausfuhren wird von Unternehmen in ausländischem Besitz getätigt. Wichtige Industriestandorte sind vor allem der Raum Budapest und die Grenzregion zu Österreich. Die größte ungarische Unternehmung ist der Mineralölkonzern MOL, an zweiter Stelle folgt die Audi Hungary Kft, die einiges für die ungarische Infrastruktur bewegt hat, insbesondere um Győr.
Eine wichtige Rolle als Einnahmequelle spielt der Tourismus in Budapest, in der Puszta und am Plattensee (Balaton).
(1) Quelle: Statistisches Zentralamt Ungarn (2) Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland
Das Wachstum der Wirtschaft Ungarns hat sich 2004 auf knapp 4,6 % beschleunigt. Es blieb damit schwächer als der durchschnittliche Produktionsanstieg in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern, der auf rund 5 % anzog. Das Wirtschaftswachstum in den bisherigen 15 EU-Mitgliedsstaaten (2,3 %) wurde aber klar übertroffen. Hauptantriebskraft für das Wachstum in Ungarn waren 2004 neben den deutlich höheren Exporten die Investitionen. Der private Verbrauch stieg nicht mehr so stark wie im Vorjahr. 2005 dürfte sich das Wirtschaftswachstum in Ungarn – wie in den anderen Beitrittsländern und in den EU-15-Staaten – im Zuge einer internationalen Konjunkturabschwächung etwas verringern.
Der Anstieg der Verbraucherpreise beschleunigte sich 2004 auf 6,8 %. Das Inflationstempo war damit deutlich höher als in der Gesamtheit der Beitrittsländer (+4 %). Hintergrund für den rascheren Preisanstieg als im Vorjahr waren zum Teil nur „Einmaleffekte“, die durch den Beitritt zur EU bedingt waren, aber auch – wie überall – gestiegene Rohstoffpreise. Außerdem wurden staatlich regulierte Preise angehoben sowie Umsatz- und Verbrauchsteuern erhöht. So wurden zum 1. Januar 2004 drei Mehrwertsteuersätze eingeführt. Der allgemeine Steuersatz beträgt weiterhin 25 %, während der ermäßigte Satz (beispielsweise für Zeitungen, Bücher und Lebensmittel) auf 15 % angehoben und ein weiterer Steuersatz für die bisher steuerbefreiten Medikamente von 5 % eingeführt wurde. 2005 dürften die Preise daher nur noch um rund 3½ % steigen. Zum 1. Januar 2006 wurde der Hauptsatz der Mehrwertsteuer von 25 % auf 20 % gesenkt, um das europäische Mittel von 20 % zu erreichen. Dies geschah auch vor dem Hintergrund der Bemühungen Ungarns, die Maastricht-Kriterien einzuhalten.
Die Arbeitslosenquote konnte in Ungarn bis 2001 knapp unter 6 % gedrückt werden. Sie hält sich seither mit geringen Schwankungen auf diesem Niveau. Abgesehen von Slowenien weist kein anderes ostmitteleuropäisches EU-Beitrittsland eine ähnlich niedrige Arbeitslosenquote aus. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den EU-Beitrittsländern lag 2004 demgegenüber bei rund 14 %, die Arbeitslosenquote in den EU-15-Staaten war mit rund 8 % auch höher. Wegen unterschiedlicher Methoden bei der Ermittlung der Arbeitslosenzahl sind die nationalen Arbeitslosenquoten international allerdings nur eingeschränkt vergleichbar.
Schwachpunkte der ungarischen Wirtschaft sind die hohen Defizite im Staatshaushalt und in der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz. Da die Importe 2004 erneut deutlich stärker stiegen als die Exporte, hielt sich das Defizit in der Leistungsbilanz mit rund 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf sehr hohem Niveau.
Das Haushaltsdefizit konnte von 2002 bis 2004 von gut 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf knapp 5 % halbiert werden. Auch 2005 wird es voraussichtlich weiter gedrückt werden können. Es dürfte aber mit rund 4 % des Bruttoinlandsprodukts noch deutlich über dem Referenzwert von 3 % des BIP liegen, den der Maastricht-Vertrag für eine Qualifikation für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion verlangt.
Auseinandersetzungen über die Haushaltssanierung stehen im Zentrum der ungarischen Wirtschaftspolitik. Sie waren ein Grund für den Rücktritt von Ministerpräsident Péter Medgyessy im Herbst 2004 und sind auch Teil der Kontroversen zwischen der ungarischen Regierung und der Zentralbank.
Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány nannte in seiner Antrittsrede 2004 im Parlament als sein wirtschaftspolitisches Ziel die Übernahme des Euros bis zum Jahr 2010. Dafür wird angesichts des hohen Budgetdefizits eine konsequente Sparpolitik verfolgt werden müssen. Wirtschaftspolitische Themen spielten auch bei den Parlamentswahlen 2006 eine große Rolle.
Hauptartikel: Ungarische Küche
Die ungarischen Speisen gelten im Vergleich zu anderen europäischen Speisen als relativ „schwere Kost“. Ein beliebtes Gericht der Ungarn (häufig als Nationalgericht tituliert) ist pörkölt (nicht zu verwechseln mit dem gulyás). Pörkölt wird nicht nur im deutschsprachigen Raum fälschlicherweise auch als Gulasch bezeichnet. In Ungarn gibt es dieses sowohl als disznó-pörkölt (mit Schweinefleisch) als auch als marhapörkölt (mit Rindfleisch). Pörkölni bezeichnet das Verfahren der Fleischzubereitung (Schmoren in Zwiebeln, Paprika und Fett). Die Beilagen zu diesem Gericht sind variabel und von Region zu Region verschieden.
Das in Ungarn gekochte Gulyás ist im Gegensatz zum pörkölt eine Suppe. Die deutsche Bezeichnung „Gulaschsuppe“ ist also korrekt (ungarisch gulyásleves). Traditionell wird die Suppe im Kessel (bogrács) zubereitet. Das Kochen in diesem Gerät geht auf die Nomadenzeit zurück und ist verwandt mit der chinesischen Version des Kessels: dem Wok. Das Fleisch wird zunächst wie pörkölt geschmort, jedoch nach ausreichender Garzeit mit Wasser aufgegossen. Außerdem gibt man Kartoffelstücke und Kümmel dazu (nicht so beim pörkölt). Für dieses Gericht wird traditionell nur Rindfleisch verwendet. Dass dies so ist, ergibt sich aus dem Wort gulyás. Das Wort gulya bedeutet „Rinderherde“, der gulyás ist der Rinderhirte (sozusagen der ungarische Cowboy).
Weltberühmt ist neben der Paprika, die auch gemahlen als Gewürz besonders in der ungarischen und mittlerweile auch in ausländischen Küchen verwendet wird, der Tokajer (ung. Tokaji), ein Wein aus dem Tokajer Weingebiet (ung. tokaji borvidék). Für diesen Wein werden nur spätreifende Rebsorten verwendet, so dass die Weintrauben nicht nur von den trockenen, heißen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten profitieren.
Imre Steindl errichtete das Parlamentsgebäude (1885–1902) in Budapest im neugotischen Stil, wodurch dieser in Ungarn wieder kurzzeitig in Mode kam. Um die Jahrhundertwende wurden vor allem in der Hauptstadt viele Bauten im Jugendstil errichtet, z. B. das Blindeninstitut in Budapest. In Kecskemét ist ein schönes Beispiel für den Jugendstil der Cifra Palota, der 1902 nach den Plänen von Géza Márkus gebaut wurde und dessen Fassade mit Zsolnay-Keramik geschmückt ist. Für den Baustil der Altbauhäuser in Budapest um die Jahrhundertwende sind Häuser mit Innenhof und offenen Gängen (gang) typisch, die Wohnungen in diesen bürgerlichen Häusern ähneln sehr den Altbauwohnungen in Wien. Sie sind vorwiegend in den Bezirken auf der Pester Seite am „Großen Ring“ (nagykörút) zu finden. In den Jahren der kommunistischen Herrschaft wurden diese Häuser (besonders im 7. und im 8. Bezirk) sehr vernachlässigt, und viele befinden sich zur Zeit in einem heruntergekommenen Zustand, die meisten Substandardwohnungen befinden sich in diesen Bezirken. In den 1930er Jahren erbaute man mehrere Mustersiedlungen im Bauhausstil, viele von ihnen sind auf dem Svábhegy (im 12. Bezirk) zu finden.
Ein architektonisches Juwel ist die erste U-Bahn-Linie in Europa, die vom Deák-Platz zur Mexikói út führt. Auch Bauten im Stadtwäldchen (Széchenyi-Bad, Zoo) sind erwähnenswert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten ungarische Architekten vorwiegend im Sozialistischen Realismus, wodurch auch einige Plattenbauten (auf Ungarisch: panelház) entstanden. Mit diesen Bauten sollte rasch eine Lösung gegen die Wohnungsnot gefunden werden. Derzeit befinden sie sich jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Der Einfluss internationaler Strömungen nahm später immer weiter zu, da es nun erlaubt war, private Architekturbüros zu eröffnen und sich das Land wirtschaftlich zunehmend öffnete. Imre Makovecz und Dezső Ekler bauten in den 1980er Jahren in einer organischen, anthroposophischen Architektur. Andere Architekten wandten sich internationalen Trends zu oder suchten den Anschluss an die Architektur der Vorkriegszeit. Der neueste Trend ist die Errichtung von „Wohnparks“, Wohnanlagen mit guter Infrastruktur, deren Stil dem in den westeuropäischen Ländern ähnlich ist. Ein interessantes Bauprojekt war der Bau des neuen Nationaltheaters in Budapest nach den Plänen von Mária Siklós, das 2002 fertig gestellt wurde.
Die traditionelle Architektur auf dem Lande ist heute noch in einigen Ortschaften authentisch erlebbar, wie z. B. in Hollókő, das als Museumsdorf Teil des Welterbes der UNESCO ist. Die strohgedeckten Häuser in Tihany am Balaton sind ebenfalls denkmalgeschützt – im Ortskern dürfen Häuser nur in alter Bauweise errichtet werden. Die Vielfalt der ungarischen dörflichen Baukultur kann man im Freilichtmuseum in Szentendre bewundern – hier wurden abgetragene Originalhäuser aus allen Gebieten Ungarn wieder aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Um die Jahrhundertwende erlangten die Künstlerkolonie Nagybánya, die von Károly Ferenczy geführt wurde, sowie einige andere Gruppen Bedeutung, hauptsächlich als Künstler einer realistisch gefärbten oder romantisierenden „Naturmalerei“. Die sozialistisch-realistischen Genre- und Historienmalerei war in den 1950er und 1960er Jahren besonders beliebt. Danach kamen unterschiedliche internationale Strömungen ins Spiel, hauptsächlich aber die Medienkunst und die abstrakte und realistische Malerei (beispielsweise Imre Bak oder Dóra Maurer). Mit Victor Vasarely, Zsigmond Kemény und László Moholy-Nagy stammen einige der führenden, im Ausland arbeitenden Künstler des 20. Jahrhunderts aus Ungarn. Heutzutage bekannte Maler aus Ungarn sind István Szőnyi, Jenő Barcsay, László Lakner und Aurél Bernáth.
Aus der Zeit, in der die Magyaren noch nicht christianisiert waren (bis ca. 950–1000), sind lediglich einige Inschriften in ungarischen Runen erhalten. Seit der Christianisierung durch Stephan I. (Szent István) wurde nur das lateinische Alphabet verwendet. Die Literatursprache war ebenfalls das Lateinische. Der älteste vollständig erhaltene sakrale Text in ungarischer Sprache ist die „Grabrede“ (halotti beszéd) und ein angefügtes Gebet, das um 1200 entstand. Im 13. und 14. Jahrhundert dominierte die lateinische Geschichtsschreibung. Hier sind vor allem die Gesta Hungarorum aus dem 13. Jahrhundert zu nennen. Der Autor nannte sich „Anonymus“. Wer er wirklich war, ist bis heute umstritten. Nach der Blüte der Geschichtsschreibung gelangte die christliche Hymnendichtung in den Vordergrund. Das erste vollständig erhaltene Gedicht in ungarischer Sprache ist die „Altungarische Marienklage“ (Ómagyar Máriasiralom), sie wurde erst 1922 entdeckt.
Mit dem Renaissancekönig Matthias Corvinus (1458–1490) setzte in Ungarn ein kultureller Aufschwung ein, und für die Bibliotheca Corviniana entstanden zahlreiche Prachtcodices mit ungarischen Passagen. Bedeutende lateinisch schreibende Ungarn waren Janus Pannonius (1434–1472) und Bálint Balassi (1554–1594). Der wichtigste Vertreter der Gegenreformation war Péter Pázmány (1570–1637), er hatte Vorbildwirkung für die ungarische Prosa. Sein Hauptwerk, der „Führer zur göttlichen Wahrheit“ (1613), war ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung einer ungarischen Philosophiesprache. Erst in dieser Zeit setzte sich das Ungarische als Schriftsprache endgültig durch. Miklós Zrínyi (1620–1664) schrieb das Nationalepos „Die Belagerung von Sziget“ (Szigeti veszedelem, 1645/46), das 1821 auf Deutsch erschien und das erste Epos überhaupt in ungarischer Sprache war.
Neben Sándor Baróczi (1735–1809) und Ábrahám Barcsay (1742–1806) waren es vor allem György Bessenyei (ca. 1747–1811), die sich in der Aufklärung und der Romantik in den Vordergrund stellten und den Anschluss an die allgemeine europäische Entwicklung fanden. Pest wurde zum literarischen Zentrum Ungarns. Der Wiener Hof blieb aber nicht untätig und baute ein weit verzweigtes Netzwerk von Zensoren auf. Mihály Csokonai Vitéz (1773–1805) war ein großer Lyriker, der in Ungarn seltene lyrische Formen einsetzte und einführte, etwa das erste jambische Gedicht. Er schrieb das erste ungarische ironische Epos „Dorothea“ (Dorottya, 1795), in dem er die adelige Lebensweise karikiert.
Die Zeit zwischen 1823–1848 war eine Glanzzeit der ungarischen Literatur. Mit Mihály Vörösmarty (1800–1855), János Arany (1817–1882) und Sándor Petőfi (1823–1859) gab es eine Reihe bedeutender Schriftsteller. Das Gedicht Szózat (1838) von Mihály Vörösmarty, das während der Märzrevolution 1848 als ungarische Nationalhymne diente, war eines der bedeutendsten Werke dieser Zeit. Mór Jókai (1825–1904) war ebenfalls ein Vertreter der Romantik. Ferenc Kölcsey schrieb 1823 die Nationalhymne Himnusz.
Endre Adys (1877–1919) wichtiges Werk sind die „Neuen Gedichte“ aus dem Jahr 1906. Er war die überragende Gestalt am Beginn des 20. Jahrhunderts in der ungarischen Literatur. Mihály Babits (1883–1941) übersetzte Dantes Göttliche Komödie und schrieb Romane, Lyrik und Essays. Dezső Kosztolányi (1885–1936) übersetzte zeitgenössische Werke der Weltliteratur in „Moderne Dichter“ (1913). Ferenc Molnár (1878–1952) ist der bedeutendste ungarische Dramatiker, am bekanntesten ist sein Theaterstück Liliom (1909). 1937 musste er ins Exil in die USA. Sándor Márai (1900–1989) lebte lange Zeit teils (freiwillig) im Ausland, teils im Exil.
Nach der kommunistischen Machtergreifung verstummten zahlreiche ungarische Schriftsteller, oder sie emigrierten. Dem Schema des sozialistischen Realismus beugten sich nicht alle Schriftsteller. Kritik mit ihren Werken äußerten Péter Nádas, Tibor Déry und Magda Szabó.
Imre Kertész (* 1929) verarbeitete die Erfahrung, die er als Überlebender des KZ Auschwitz-Birkenau erfahren hatte, im Roman eines Schicksallosen (Sorstalanság, 1975). Er erhielt dafür 2002 den Nobelpreis für Literatur. Andere Autoren sind Ferenc Juhász und György Konrad, Lyriker sind zum Beispiel László Nagy, Sándor Weöres und János Pilinszky.
István Eörsi und László Krasznahorkai setzten sich nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Ungarn mit der Machtausübung in totalitären Systemen auseinander. Als der bekannteste nach dem Krieg geborene Autor gilt Péter Esterházy (* 1950) mit seiner „Harmonia Caelestis“ und der „Verbesserten Ausgabe“ derselben.
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkkanäle sind Petőfi Rádió (vor allem Unterhaltung, Reportagen, Live-Sendungen), Kossuth Rádió (Kultursendungen, Literatur, Politik) und Bartók Rádió (klassische Musik). Es gibt viele Privat- und Regionalsender bzw. Sender, die speziellen Zielgruppen oder Themen gewidmet sind (Popmusik, Unterhaltung: Danubius – ein Sender, der am Anfang in deutscher Sprache sendete – Roxy Rádió und Juventus Rádió, Musik der 60-er, 70-er und 80-er Jahre: Sláger Rádió, Alternativ- und Ethnomusik, Minderheiten: Tilos Rádió – ein ehemaliger Piratensender, der Nachrichtensender Info-Rádió, der englischsprachige Sender Radio Bridge). Die Rundfunk- und Fernsehgebühren wurden in Ungarn 2003 abgeschafft.
Fußball ist in Ungarn die populärste Sportart. Zwischen den 1930er und den 1960er Jahren zählte die ungarische Fußballnationalmannschaft zur Weltspitze. Insgesamt nahm Ungarn neunmal an Fußball-Weltmeisterschaften teil, bei olympischen Spielen gewann Ungarn dreimal (1952, 1964, und 1968) die Goldmedaille. Bei der WM 1938 und der WM 1954 stand das Team (damals auch Aranycsapat, „Goldene Mannschaft“ genannt) im Finale und wurde Vize-Weltmeister. Dieses Spiel wird seither als Nationaltragödie behandelt, in dem das hoch favorisierte Ungarn gegen Deutschland 2:3 verlor. Zuvor hatte Ungarn als erste Mannschaft überhaupt in England gewonnen, und das mit 6:3. Dieser Sieg galt als Symbol, dem darüber hinaus eine politische Deutung zugeschrieben wurde: Ungarn hatte eine „imperialistische“ Großmacht besiegt. Eine Symbolfigur dieser Mannschaft war Ferenc Puskás (Puskás Öcsi). Seit 1986 hat Ungarn allerdings nicht mehr an einer WM-Endrunde teilgenommen. In den letzten Jahren war die Nationalelf jedoch nicht mehr sehr erfolgreich. 2005 wurde sie vorübergehend von Lothar Matthäus trainiert. Erfolgreichste Vereinsmannschaft ist Ferencváros Budapest, kurz Fradi, die neben 28 Meistertiteln auch international Erfolge feiern konnte. So gewann man im Jahre 1965 mit dem Messepokal den Vorläufer des UEFA-Pokals, und im Jahre 1975 erreichte man das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger, das jedoch gegen Dynamo Kiew verloren ging. Die höchste Spielklasse im ungarischen Fußball ist die Borsodi Liga.
Ungarn hat eine ganze Reihe herausragender Schachspieler hervorgebracht, darunter Rudolf Charousek, Géza Maróczy und András Adorján. In jüngerer Zeit gelten Péter Lékó sowie die Schwestern Zsuzsa Polgár und Judit Polgár zu den weltweit besten Schachspielern. Seit es Schacholympiaden gibt, belegt das ungarische Team bei diesem Wettbewerb regelmäßig vordere Plätze.
Seit 1986 werden auf dem Hungaroring Formel-1-Rennen zum Großen Preis von Ungarn ausgetragen. Eine zweite international bekannte Rennstrecke ist der Pannonia-Ring, auf dem vor allem Motorradrennen stattfinden. In der Formel 1 nahm in der Saison 2004/05 auch der Ungar Zsolt Baumgartner teil.
Bei den Olympischen Sommerspielen sind die ungarischen Sportler häufig erfolgreich, und Ungarn belegt im Verhältnis zur Größe des Landes gute Plätze im Medaillenspiegel. Der erste Sportler, der für Ungarn olympische Medaillen gewonnen hat, war der Schwimmer Alfréd Hajós, nach dem das Sportschwimmbad auf der Margareteninsel benannt ist. Besonders erfolgreich sind die Schwimmer (Krisztina Egerszegi, Tamás Darnyi), die Wasserballmannschaft, die Handballmannschaft der Damen, die Fechter und die Fünfkämpfer. Ein legendärer Boxer war László Papp. Nach dem Turner Zoltán Magyar wurde eine Figur auf dem Pferd benannt: magyar vándor.
Bekannt ist auch der ungarische Tischtennissport. Victor Barna konnte von den 1920ern bis zum Ende der 1930er Jahre insgesamt 21 Weltmeistertitel gewinnen (5 im TT-Einzel, 7 im TT-Doppel und 9 WM-Titel mit der Mannschaft), was bis heute Weltrekord ist.
Eishockey ist in Ungarn eine wachsende Sportart. Die Anzahl der neu errichteten Eishockeyhallen nimmt international am schnellsten zu. Die ungarische Nationalmannschaft spielte zuletzt bei Weltmeisterschaften in der Division I (früher B-WM). Die wichtigsten Teams der obersten Liga sind FTC Budapest, Alba-Volán Székesfehérvár, DAC-Invitel (Dunaújváros), Győri ETO-HC, Miskolci JJSE und Újpest Budapest. Den Meistertitel im Jahre 2006 errang Alba-Volan Székesfehérvár zum vierten Mal in Folge (insgesamt sieben Titel). Rekordmeister ist FTC Budapest (25-mal) vor Újpest TE (13-mal).
Die offiziellen Feiertage in Ungarn sind die folgenden Tage (an diesen Tagen sind die Geschäfte geschlossen, während sie sonst meistens auch sonntags geöffnet haben):
- style="background:#efefef;" | Datum | Bezeichnung | Ungarischer Name | Anmerkung | - | 1. Januar | Neujahrstag | Újév | - | 15. März | Nationalfeiertag | Nemzeti ünnep | Märzrevolution 1848 | - | - | Ostersonntag | Húsvétvasárnap | - | - | Ostermontag | Húsvéthétfő | - | 1. Mai | Tag der Arbeit | Munka ünnepe | - | - | Pfingsten | Pünkösd | Sonntag, 50 Tage nach Ostern | - | 20. August | Nationalfeiertag | Szent István ünnepe | Tag des Hl. Stephan, Feier der Staatsgründung | - | 23. Oktober | Nationalfeiertag | Nemzeti ünnep | Volksaufstand 1956 | - | 1. November | Allerheiligen | Mindenszentek | - | 25. Dezember & 26. Dezember | Weihnachten | Karácsony |
|---|
Zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Wende gab es Feiertage, die mit dem kommunistischen Regime zusammenhingen, z. B. den 7. November (Tag der sowjetischen Oktoberrevolution), den 4. April (wurde als „Tag der Befreiung (vom Faschismus)“ gefeiert), oder den 21. April (Tag der Räterepublik 1921, die eine kommunistische Republik war). Am 15. März war nur in den Schulen frei, und man befürchtete immer wieder Unruhen in den Kreisen der Jugend. An diesem Tag ist es üblich, eine Kokarde in den ungarischen Nationalfarben über dem Herzen zu tragen.
Der 20. August wurde in den kommunistischen Jahren als „Tag der Verfassung und des neuen Brotes“ bezeichnet und mit einer großen Militärparade begangen, ferner mussten die neuen Wehrpflichtigen ihren Eid ablegen. An diesem Tag findet immer noch eine Show der Luftwaffe über der Donau statt, heute legen aber an diesem Tag nur noch die jungen Offiziere ihren Eid ab, weil die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde. Die Feierlichkeiten am 20. August sind nun (wie vor 1948) eher historischer Natur, im Mittelpunkt stehen die Gedenkfeierlichkeiten um den ersten König Ungarns – überall in Ungarn gedenkt man Stephans des Heiligen, zu dessen Ehren Gottesdienste und Prozessionen abgehalten werden. Der Tag endet traditionell mit einem Riesenfeuerwerk in Budapest, das auch vom Fernsehen live übertragen wird. Der 26. Oktober durfte bis zur Wende nicht gefeiert werden. Am 1. Mai fand ein großer Aufmarsch der Arbeiter statt, der an einer Tribüne vorbeiführte, auf der die wichtigsten kommunistischen Parteifunktionäre standen. Heute finden nur noch Maikundgebungen statt. Einige kirchliche Feiertage (Allerheiligen und Pfingsten) gelten erst seit 1998 wieder als offizielle Feiertage.
In Ungarn feiert man den Muttertag nicht wie in vielen anderen Ländern am zweiten, sondern bereits am ersten Sonntag im Mai. Am ersten Sonntag im Juni ist Pädagogentag, in der darauf folgenden Woche wird den Lehrern gratuliert.
Namenstage werden in Ungarn sowohl in der Familie als auch im Kreis der Freunde und Kollegen groß gefeiert, sie haben oft einen größeren Stellenwert als die Geburtstage. Inzwischen haben auch Feste aus den angelsächsischen Ländern (Halloween, Valentinstag) in Ungarn Einzug gehalten.
Die meisten Bräuche an den kirchlichen Feiertagen sind denen in anderen mitteleuropäischen Ländern ähnlich. Eine wichtige Tradition ist es, dass Männer am Ostermontag die Frauen mit Parfüm begießen (locsolkodás), was auf einen alten Brauch zurückzuführen ist. Früher war es vor allem auf dem Lande üblich, junge Frauen mit einem Eimer kaltes Wasser zu übergießen, damit sie nicht „verwelken“. Dieses Motiv ist in den meisten kleinen Osterreimen (locsoló vers) zu finden, die aus diesem Anlass gerne aufgesagt werden: Zöld erdőben jártam, kék ibolyát láttam, el akart hervadni, szabad-e locsolni? („Ich ging im grünen Wald und fand ein blaues Veilchen, es wollte verwelken, darf ich es begießen?“). Die Frauen müssen den Männern für das Begießen ein rotes Ei oder ein kleines Geschenk (Schokolade) geben. Heutzutage gibt man Kindern Kleingeld, Männern einen Schnaps dafür.
Alle Kinder mussten von der 5. Klasse an Russischunterricht teilnehmen. Viele Sprachlehrer wurden in den 1950er Jahren zu Russischlehrern umgeschult. Nach der Wende im Jahre 1989 wurde Russisch als Pflichtfach aus dem Lehrplan gestrichen, und stattdessen konnten andere Sprachen gewählt werden, was wieder Umschulungsprogramme nach sich zog; diesmal mussten sich Russischlehrer zu Deutsch- oder Englischlehrern umschulen lassen.
Das Schulsystem wurde liberalisiert: Derzeit gibt es neben den vierjährigen immer mehr sechs- bzw. achtjährige Gymnasien. Die „Oberstufe“ (die Klassen 5–8) der achtjährigen Grundschule wird immer mehr den Hauptschulen im deutschsprachigen Raum ähnlich. Neben den Gymnasien gibt es „Fachmittelschulen“ (szakközépiskola), in denen neben dem Erwerb der Hochschulreife noch ein Beruf erlernt werden kann. Diese Ausbildungsform wird oft um ein zusätzliches Jahr ergänzt, in dem die Fachkenntnisse vertieft werden, diese Einrichtungen nennt man Technikum. Es gibt auch berufsbildende Schulen ohne Hochschulreife, die man besucht, wenn man eine Lehre macht. Die Anzahl der bilingualen Mittelschulen wächst ständig. Interessant ist, dass es im sonst sehr auf Budapest zentrierten Ungarn viele zweisprachige Gymnasien auf dem Lande gibt. Es gibt auch Schulen für Minderheiten, ein positives Beispiel ist das Gandhi-Gymnasium in Pécs, das talentierten Roma-Kindern die Möglichkeit bietet, die Reifeprüfung abzulegen.
Die Prüfungen zum Erwerb der Hochschulreife werden im ganzen Land einheitlich und zentralisiert abgehalten. Seit 2005 gibt es die Möglichkeit, eine Art „Leistungsmatura“ in einigen Fächern abzulegen, die gleichzeitig als Aufnahmeprüfung für die Universität gilt. Der Erwerb der Hochschulreife ermöglicht ein Studium an Universitäten und Fachhochschulen. Für viele Studienzweige gelten Zugangsbeschränkungen, es gibt Aufnahmeprüfungen, und auch die Leistungen in der Mittelschule bzw. die Sprachkenntnisse können bei der Aufnahme entscheidend sein. Allerdings gibt es auch Studienrichtungen, die ohne Aufnahmeprüfung belegt werden können, wenn die beträchtlichen Kosten selber getragen werden.
Die bekannteste Universität in Ungarn ist die Loránd-Eötvös-Universität, sie hat eine Philosophische sowie eine Juristische Fakultät, die Pädagogischen Hochschulen sind ihr untergeordnet. Die Semmelweis-Universität ist eine weltweit bekannte humanmedizinische Universität. Die Anzahl der privaten und konfessionellen Universitäten wächst ständig. Die privaten Universitäten verlangen hohe Studiengebühren, und auch ein Zweitstudium oder PhD-Programm an einer öffentlichen Universität oder Hochschule muss teilweise von den Studierenden finanziert werden.
An den ungarischen Mittelschulen werden viele Traditionen gepflegt, von denen die meisten mit dem Schulabschluss bzw. mit der Reifeprüfung zusammenhängen. Einige Monate vor der Prüfung lassen sich die Abschlussklassen in festlichem Gewand (die Jungen tragen meistens einen Anzug, die Mädchen ein Matrosenkleid) einzeln fotografieren und arrangieren die Bilder zusammen mit den Lehrerfotos auf einer Holztafel. Diese Tafeln (die érettségi tablók, „Reifetafeln“) werden bis zur Matura in verschiedenen Schaufenstern von Geschäften ausgestellt. Etwa im Februar finden die Maturabälle statt, die szalagavató bál („Bändchenweihe“) heißen, weil die Maturanten ein Bändchen mit den Jahreszahlen, zwischen denen sie die Schule besuchten, auf die Jacke aufgesteckt bekommen. Das Bändchen muss bis zur Prüfung getragen werden, sonst, so heißt es, fällt man durch. Am letzten Schultag der Abschlussklassen (vor den schriftlichen Prüfungen) findet das Fest ballagás statt: ein Abschlussfest, bei dem die Schüler, eine Hand auf die Schulter des nächsten Schülers legend, in einer Schlange durch das Schulgebäude marschieren. Dabei singen sie alte Studentenlieder, wie z. B. Gaudeamus igitur oder melancholische Volkslieder übers Abschiednehmen. Sie bekommen von den Familien und Freunden Blumen. Am gleichen Abend besuchen die Abschlussklassen ihre Lieblingslehrer zu Hause und geben ihnen unter dem Fenster ein Ständchen (szerenád). Die meisten Lehrer laden sie dann auf eine Kleinigkeit ein. Die schriftlichen Maturaprüfungen sind allerdings in Ungarn zentral, d. h. jeder Schüler bekommt um die gleiche Zeit exakt die gleichen Aufgaben, die via Internet und Rundfunk bekannt gegeben werden. Es gab allerdings in den letzten Jahren mehrere Maturaskandale, weil die Aufgaben vor den Prüfungen bekannt wurden.
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