Ultramarin ultramarinus (lat.) für "überseeisch; über das Meer". Sammelbezeichnung für anorganische Pigmente unterschiedlicher Farben, aber sehr verwandter chemischer Struktur. Sie sind sehr lichtecht und basieren auf Mineralien, die nach Europa "über das Meer" importiert werden musste. Besonders wichtig war das blaue Pigment "Ultramarinblau". Häufig wird der Begriff "Ultramarinblau" (fälschlich) mit "Ultramarin" gleichgesetzt. Abweichend handelt es sich bei Ultramarin yellow um einen anderer Namen für das gelbe Salz Bariumchromat, welches u. a. auch als Pigment eingesetzt wird.
Ultramarinblau ist das Blau, das am äußersten kurzwelligen Ende des Farbspektrums liegt. Ultramarinblau ist u.a. auch bekannt als: Universalblau, Königsblau, Lasurblau und Pfaublau.
Das Ultramarinblau ist sehr wichtig und kostbar gewesen, da in der Natur zwar "flüchtiges" Blau, etwa in Form des blauen Himmels oder des blau schimmernden Wassers, häufig zu sehen ist - und damit zum Beispiel in der Malerei eine große Rolle spielt -, ein beständiger und werkstofftauglicher blauer Farbstoff in der Natur jedoch recht selten ist. Dies gilt insbesondere, wenn relativ reine Blautöne erreicht werden sollen, die weder einen Stich in das Violette (Bsp.: Farbstoff im Blaukraut, in der Heidelbeere) noch in das Grünliche (Bsp.: Grünspan) in sich tragen.
Natürliches Ultramarin ist ein Pigment, das der Lapislazuli liefert. Es ist das komplexe schwefelhaltige Aluminiumsilikat, nämlich das Mineral Lasurit im Gestein Lapislazuli, das die blaue Farbe liefert. Das Gestein ist nur an einer einzigen Fundstelle im Norden Afghanistans in herausragender Qualität (hoher Lasuritanteil) zu finden. Von der Tatsache, dass dieser überaus wertvolle Rohstoff aus Übersee nach Zentraleuropa eingeführt werden musste, rührt auch die Bezeichnung des aus gemahlenem Lapislazuli mit verschiedenen Reinigungsverfahren hergestellten, besonders lichtechten blauen Farbpigments: ultramarinus (lat.) für "überseeisch".
Die Herstellung von künstlichem Ultramarin-Pigment war deshalb lang ein sehr komplizierter, aber Gewinn bringender Prozess. Ein französischer Ausschuss setzte noch im Jahre 1824 einen hohen Preis für denjenigen aus, der ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Ultramarinblau entwickeln könnte.
Der Durchbruch zur Herstellung künstlichen Ultramarinblaus gelang schließlich dem Apotheker Carl Leverkus, der durch die Entdeckung dieses Verfahrens bekannt wurde. Für die Produktion baute er eine Fabrik am Kahlen Berg bei Wiesdorf im späteren Leverkusen.
Folgende Rohmaterialien werden für die Herstellung von synthetischem, rein-blauem Ultramarin eingesetzt: (1) Eisen-freies Kaolin (Al2O3. 2SiO2. 2H2O), oder ein anderes reines Tonmineral; bei letzterem sollte aber für ein gutes Resultat das Verhältnis von Kieselsäure (SiO2) zu Aluminiumoxid (Al2O3) dem von Kaolin möglichst gleichen; (2) kalziniertes (wasserfreies) Sulfat von Soda (Na2CO3); (3) kalziniertes Sodakarbonat (Waschsoda); (4) Schwefel (pulverisiert) und (5) Aktivkohlepulver oder Kohle mit einem sehr geringem Ascheanteil, oder Kolophonium.
Kieselsäure-armes Ultramarin erhält man durch die Vereinigung eines Gemisches aus weichem Ton, Glaubersalz (Natriumsulfat), Aktivkohle, Soda und Schwefel. Das Produkt ist zunächst weiss, die Farbe schlägt aber rasch nach grün um (Grünes Ultramarin) wenn es nach Zugabe des Schwefels erhitzt wird. Das Gemisch entzündet sich und nach dem Ausbrennen erhält man das gewünschte blaue Pigment.
Kieselsäure-reiches Ultramarin erhält man im Allgemeinen durch das Erhitzen einer Mischung aus reinem Ton(mineral), sehr feinem weissem Sand, Schwefel und Aktivkohle in einem Muffelofen. Man erhält alsbald ein blaues Produkt, welches jedoch häufig auch einen rötlichen Farbton aufweist. Die verschiedenen Ultramarine – blau, grün, rot bzw. violett (Ultramarinviolett) – werden fein gemahlen und mit reinem Wasser ausgewaschen.
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