Ulrike Marie Meinhof (* 7. Oktober 1934 in Oldenburg; † 9. Mai 1976 in Stuttgart) war Journalistin und ab 1970 im illegalen Untergrund als Mitbegründerin der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) an deren ersten Aktionen beteiligt.
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Ulrike Meinhof wurde 1934 in Oldenburg als Tochter des Kunsthistorikers Dr. Werner Meinhof geboren. 1940 starb ihr Vater, 1948 ihre Mutter. Die Historikerin Renate Riemeck bekam die Vormundschaft über die damals 14-jährige Ulrike.
1955 legte Ulrike Meinhof ihr Abitur am Gymnasium Philippinum in ihrem damaligen Wohnort Weilburg ab.
Nach dem Studium der Philosophie, Pädagogik, Soziologie und Germanistik in Marburg 1955/1956, wobei sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert wurde, engagierte sich Meinhof zunächst in der evangelischen Reformbewegung. 1957 wechselte sie zur Westfälischen Wilhelms-Universität nach Münster und schloss sich dort dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) an. Sie wurde während der 1957 entstehenden breiten Protestbewegung gegen Pläne der CDU-Regierung unter Konrad Adenauer, die Bundeswehr atomar zu bewaffnen (vgl. auch Friedensbewegung), Sprecherin des „Anti-Atomtod-Ausschusses“ in Münster. 1958 war sie kurze Zeit Mitglied des AStA der dortigen Universität. Sie veröffentlichte Artikel in verschiedenen studentischen Blättern, u.a. in david, herausgegeben von der SDS Gruppe in Münster.
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Meinhof arbeitete von 1959 bis 1969 für die linke Zeitschrift konkret, bei der sie von 1962-1964 Chefredakteurin war. Später gehörte Ulrike Meinhof zum Redaktionskollektiv der 883, dem Gegenblatt zur Rote Presse Korrespondenz.
1970 produzierte Meinhof den Fernsehfilm Bambule, für den sie auch das Drehbuch schrieb. Hier kritisierte sie die autoritären Methoden der Heimerziehung („Fürsorgeerziehung“), die in der Handlung des Films zu einer Revolte von weiblichen Heiminsassinnen führen. Das Drehbuch gilt auch als Parabel der zu der Zeit herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse und einer neuen Art von Klassenkampf.
1961 heiratete sie Klaus Rainer Röhl, den Herausgeber der Zeitschrift konkret. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, die Zwillinge Regine und Bettina (Bettina Röhl ist heute Journalistin). Ende 1967 trennte sich Meinhof von Röhl und ließ sich 1968 von ihm scheiden. Beim „Frankfurter Kaufhaus-Brandstifterprozess“, über den sie publizierte, lernte sie die dort angeklagten Thorwald Proll, Horst Söhnlein sowie die späteren RAF-Gründer Andreas Baader und Gudrun Ensslin kennen.
Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke veröffentlichte Meinhof am 11. April 1968 in konkret den folgenden in Auszügen zitierten Kommentar, der exemplarisch für die spätere Radikalisierung ihrer Einstellung steht:
Meinhof wurde in der Folgezeit zunehmend radikaler und kompromissloser. 1959 trat sie der zu dieser Zeit illegalen KPD bei. Am 14. Mai 1970 nahm sie an der Befreiung Andreas Baaders teil. Dabei wurde Georg Linke, ein Angestellter des Berliner Zentralinstituts für Soziale Fragen angeschossen und schwer verletzt. Meinhof rechtfertigte dies mit einer Erklärung mit den berüchtigten Worten: „Natürlich kann geschossen werden“.
Sie schloss sich Baaders Gruppe an, die sich als „Rote Armee Fraktion“ in der Tradition der lateinamerikanischen Stadtguerilla sah, und den bewaffneten antiimperialistischen Kampf der Länder des Trikont in die Metropolen der Industriestaaten tragen wollte. Im illegalen Untergrund war Ulrike Meinhof von da an an Banküberfällen und Bombenanschlägen gegen „das System“ des aus der Sicht der RAF imperialistischen Kapitalismus in der Bundesrepublik beteiligt. Anders als beispielsweise die Stadtguerilla der Tupamaros in Uruguay verlor die RAF schon bald einen konkreten Bezug zu potenziell sympathisierenden Kreisen, wodurch sie sich auch von den legalen linken Protestbewegungen der Zeit zunehmend isolierte.
Da Ulrike Meinhof die Erziehung ihrer beiden Töchter nicht dem Vater Klaus Rainer Röhl überlassen wollte, stimmte sie einem Plan zu, demzufolge die beiden Kinder in ein palästinensischen Waisenlager verschleppt werden sollten. Dieser Plan scheiterte allerdings auf Grund des Eingreifens von Stefan Aust.
Am 15. Juni 1972 wurde die Polizei in Langenhagen bei Hannover durch den Lehrer Fritz Rodewald darauf hingewiesen, dass er fürchte, Leute der RAF wollten in seiner Wohnung übernachten. Eine mutmaßliche „Quartiermacherin” der RAF wollte die Wohnung anmieten und suchte indes eine Unterkunft für Meinhof. Die Polizei war zunächst nicht zu sehr interessiert, fand in der Wohnung zunächst nichts Verdächtiges und brach schon wieder auf, als ihr zwei unbekannte Leute begegneten, die nach der Wohnung von Fritz Rodewald fragten. Das kam den Beamten merkwürdig vor. Sie verfolgten den Mann zu einer nahen Telefonzelle und nahmen ihn dort fest. Es stellte sich heraus, dass es sich um den gesuchten Gerhard Müller handelte, der auch bewaffnet war.
Unwissend, um wen es sich handelte, überwältigte die Polizei eine sich vehement zur Wehr setzende Frau dann in der Wohnung Rodewalds. Kurze Zeit später stellte sich bei einer Untersuchung heraus, dass es sich um Ulrike Meinhof handelte. Rodewald sagte später, das Paar Meinhof/Müller habe die Tür zu seiner Mietwohnung gewaltsam aufgebrochen.
Am 29. November 1974 wurde sie zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Diese verbrachte sie im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim. Am 9. Mai 1976 fand der Sekretär im Strafvollzugsdienst Peter Großmann sie in ihrer Zelle 719 in der JVA Stuttgart-Stammheim tot auf. Nach den offiziellen Untersuchungen und Angaben hatte sie sich mit einem aus dem Handtuch gedrehten Seil selbst erhängt. Die RAF sowie von Angehörigen in Auftrag gegebene Gutachten bezweifeln bis heute die offizielle Suizidversion *. Die Todesumstände, aber auch die zeitgenössischen Meinungskämpfe sorgten für zahlreiche anderweitige Spekulationen, in denen auch ein behördlich organisierter bzw. staatlich sanktionierter Mord nicht ausgeschlossen wurde.
Ulrike Meinhof wurde am 15. Mai 1976 unter der Anteilnahme von etwa 4000 Trauernden auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Mariendorf (Planquadrat A) beigesetzt.
Im Herbst 2002 entdeckte ihre Tochter, die Journalistin Bettina Röhl, dass das Gehirn ihrer Mutter nicht mitbeerdigt worden war. Stattdessen war das Gehirn jahrzehntelang in einer Pappschachtel mit Formalin aufbewahrt worden, und wurde erneut in einer Klinik in Magdeburg untersucht. Den Professoren wurde daraufhin von einer Ethik-Kommission untersagt, weiter an dem Gehirn zu forschen oder ihre bisherigen Forschungen zu veröffentlichen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart forderte das Gehirn von den Professoren zurück, äscherte es ein und übergab es den Angehörigen. Am 22. Dezember 2002 wurde das Gehirn von Ulrike Meinhof auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof beerdigt.
Ulrike Meinhof war als einziges RAF-Mitglied bereits vor der Gründung der RAF prominent. Daher ging man in der Öffentlichkeit wie selbstverständlich davon aus, dass sie in der RAF eine Führungsrolle spielt, und sprach entsprechend auch von der RAF als der „Baader-Meinhof-Bande“. Tatsächlich aber blieb Ulrike Meinhof in der von Andreas Baader und Gudrun Ensslin dominierten Untergrundorganisation eher eine Aussenseiterin.
Ulrike Meinhof war „... die größte deutsche Frau seit Rosa Luxemburg.“ Erich Fried
„Mit allem, was sie getan hat, so unverständlich es war, hat sie uns gemeint.“ Gustav Heinemann
Um die Lebensgeschichte von Ulrike Meinhof geht es in Johann Kresniks gleichnamigem Stück, das 1990 im Bremer Theater uraufgeführt wurde. In der Spielzeit 2005/2006 steht es im Programm der Bonner Oper.
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