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Das Ulmer Münster ist die im gotischen Stil errichtete Hauptkirche der ehemals freien Reichsstadt Ulm. Es ist ein evangelisches Gotteshaus und gehört (wie auch etwa der Kölner Dom) zu jenen gotischen Kirchen in Deutschland, die erst Ende des 19. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt deutschen Nationalbewusstseins, vollendet wurden. Aus dem ursprünglich als katholisches Gotteshaus errichteten Münster wurde nach der Einführung der Reformation in Ulm 1529 die größte protestantische Kirche der Welt. Aber erst 1894 ging das Münster aus dem Besitz der Stadt Ulm in das Eigentum der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm über.

Bedeutung


Das Münster hat mit 161,53 m Höhe bis heute den höchsten Kirchturm der Welt. Das Kirchengebäude ist 123,56 Meter lang und 48,8 Meter breit und bedeckt somit eine Fläche von rund 8.260 Quadratmetern. Keine andere protestantische Kirche der Welt übertrifft diese Ausmaße. Das Mittelschiff hat eine Höhe von 41,6 Metern, die Höhe der Seitenschiffe beträgt 20,55 Meter. An den Schnittstellen der Seitenschiffe mit dem Mittelschiff stehen (am östlichen Ende des Münsters) zwei Chortürme mit jeweils ca. 86 m Höhe.

Das Münster bietet 2.000 Sitzplätze in der normalen Bestuhlung. Beim Württembergischen Landesposaunentag, der alle zwei Jahre in Ulm stattfindet, haben durch zusätzliche Sitzgelegenheiten 4.500 Bläser mit Instrumenten Platz im Münster. Im Mittelalter bot es Platz für 20.000 Menschen, da es damals üblich war, während des Gottesdienstes zu stehen. Es ist eines der größten gotischen Gebäude in Süddeutschland und ein Kulturdenkmal. Der Hauptturm kann über 768 Stufen bis zu einer Höhe von rund 150 m bestiegen werden, wo den Besucher ein schönes Panorama über die Stadt und ihre Umgebung erwartet. An wenigen Tagen im Jahr ist bei entsprechender Föhnwetterlage sogar ein Blick bis zu den Alpen möglich.

Baugeschichte


Da im 14. Jahrhundert immer wieder Unruhen herrschten, die Ulmer Pfarrkirche aber rund einen Kilometer vor den Toren der Stadt stand, strebten die Bürger an, innerhalb der Stadtmauern eine neue Kirche zu errichten, finanziert durch die Einwohner selbst. Am 30. Juni 1377 fand die Grundsteinlegung unter dem Baumeister Meister Heinrich II. Parler statt. Dieser hatte zuvor Erfahrungen in Schwäbisch Gmünd gesammelt. Er erbaute den Chor und die unteren Teile der Chorflankentürme. 1381 wurde die Baustelle von Meister Michael Parler übernommen, der zuvor in Prag gewirkt hatte. Er führte den Bau im Langhaus weiter, das zunächst als dreischiffige Hallenkirche mit annähernd gleichbreiten und -hohen Schiffen konzipiert wurde. Von 1387 bis 1391 übernahm Meister Heinrich III. Parler die Leitung der Bauhütte.

1392 wurde Ulrich Ensinger, auch Ulrich von Ensingen genannt, die Bauleitung übertragen, der zuvor in Prag und am Straßburger Münster gewirkt hatte. Er träumte von einem über 150 m hohen Hauptturm. Am 25. Juli 1405 wurde das Münster geweiht, lediglich bedeckt durch ein provisorisches Notdach. Mit Matthäus Ensinger übernahm 1446 der Sohn von Ulrich die Bauleitung (bis 1463). Er vollendete 1449 das Chorgewölbe und 1452 das Gewölbe des Nordschiffes.

Der neue Baumeister Matthäus Böblinger änderte 1477 die Pläne, vor allem die des Hauptturms. In seine Zeit (bis 1494) fielen die ersten massiven Schäden: 1492 mussten die Seitenschiffe abgerissen und niedriger geplant werden, da sie die Wände des Mittelschiffs belasteten (die Nordwand des Mittelschiffs weist noch heute eine Abweichung aus dem Lot von bis zu 27 cm auf).

1530/1531 trat die Ulmer Bevölkerung im Zuge einer namentlichen Abstimmung zum evangelischen Glauben über. Dem sogenannten Bildersturm fielen über 60 Altäre, darunter der Hauptaltar, zum Opfer.

1543 kam es – aufgrund von innenpolitischen Spannungen, aber auch der Reformation sowie schlicht durch Geldknappheit – zum Baustillstand. Der Hauptturm hatte zu diesem Zeitpunkt eine Höhe von rund 100 m, die Chortürme waren jeweils etwa 32 m hoch.

1817 wurden bei Malerarbeiten die Fresken im Innern des Münsters grau übermalt. Mit dem Einzug eines neuen Wohlstandes wurde ab 1844 am Münster wieder weitergebaut: Es begann mit den Sicherungsmaßnahmen für den Weiterbau allgemein sowie mit dem Ausbau der beiden Chortürme.

Ab 1880 mussten erneut Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden, bevor von 1885 an der Haupt- bzw. Westturm zur Vollendung kam. Mit dem Aufsetzen einer Kreuzblume wurde dieser 1890 vollendet und das Münster hatte sein heutiges Aussehen erhalten. Die Leitung für diesen Bauabschnitt hatte August von Beyer.

Beim vernichtenden Fliegerangriff auf Ulm am 17. Dezember 1944 wurde das Münster kaum beschädigt, obwohl fast sämtliche anderen Gebäude des Münsterplatzes schwer getroffen wurden. Allerdings wurden - während die kunsthistorisch bedeutenden mittelalterlichen Chorfenster rechtzeitig aus der Kirche ausgelagert worden waren - die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Fenster zerstört. Kurz vor Kriegsende explodierte eine Sprengbombe im Chorgewölbe.

Heute wird große Mühe darauf verwendet, den Bauzustand des Münsters zu erhalten, wofür jährlich mehrere hunderttausend Euro aufzubringen sind.

Kunstwerke im Münster


Im Tympanon des Hauptportals befindet sich eine Darstellung der Schöpfungsgeschichte, zwischen den beiden Portaltüren der Schmerzensmann (als Kopie, das Original befindet sich im Innern des Münsters) von Hans Multscher (1429).

Die Fenster im Chor stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die übrigen, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Fenster wurden im Zweiten Weltkrieg nicht ausgelagert und infolgedessen 1944 zerstört. Die Mehrzahl der Fenster in den Kirchenschiffen ist deswegen sehr einfach gehalten; nach und nach werden diese Notfenster allerdings durch Fenster mit Kunstbemalungen ersetzt.

Das Chorgestühl, mit Hunderten von aus Eichenholz geschnitzten Figuren, ist eines der berühmtesten und schönsten Gestühle der deutschen Gotik und wurde 1469-74 von Jörg Syrlin d.Ä. geschnitzt. Am linken Chorbogen findet sich das 26,5 m hohe Sakramentshaus von 1467.

An Stelle des im 16. Jh. verlorengegangenen Hochaltars steht der Heilige-Sippen-Altar von Martin Schaffner (1521).

Die Hauptorgel mit 95 Registern und 7720 Pfeifen entstand 1968/1969.

Glocken


Im Hauptturm des Münsters befinden sich insgesamt 13 Glocken, von denen zehn geläutet werden können. Von diesen bilden folgende (in der Reihenfolge ihres Einsetzens beim Läuten) das Festtagsgeläut gemäß der Ulmer Läuteordnung:

  • Schiedglocke: Die Schiedglocke (auch als Glocke 9 bezeichnet) ist auf den Nominalton c2 gestimmt und wurde 1956 von der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart hergestellt. Sie hat einen Durchmesser von 83 cm und ein Gewicht von 345 kg.
  • Taufglocke: Die Glocke 8 mit der Stimmung b1, einem Durchmesser von 93 cm und einem Gewicht von 506 kg entstand ebenfalls 1956 bei der Stuttgarter Gießerei Kurtz.
  • Landfeuerglocke: Die Landfeuerglocke (Glocke 7; Stimmung: as1) stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Ihr Durchmesser beträgt 114 cm, ihr Gewicht 900 kg.
  • Kreuzglocke: Diese Glocke mit der Alternativbezeichnung Glocke 6 und dem Nominalton f1 wurde 1956 von der Firma Kurtz aus Stuttgart gegossen. Sie hat einen Durchmesser von 124 cm, wiegt 1.248 kg und wird täglich zur überlieferten Sterbestunde Jesu um 15.00 Uhr geläutet.
  • Kleine Betglocke: Die ebenfalls 1956 bei der Firma Kurtz in Stuttgart hergestellte Kleine Betglocke oder Glocke 5 mit einem Durchmesser von 139 cm und einem Gewicht von 1.766 kg ist auf es1 gestimmt. Sie wird täglich um 7.00 Uhr zum Morgengebet geläutet.
  • Große Betglocke: Die Große Betglocke bzw. Glocke 3 oder Vaterunser-Glocke mit der Stimmung c1 entstand im Jahr 1454 bei der Gießerei Eger in Reutlingen. Sie hat ein Gewicht von 3.800 kg bei einem Durchmesser von 170 cm und wird täglich um 12.00 Uhr zum Friedensgebet geläutet.
  • Dominica: Diese Glocke mit dem Nominalton b0, die auch als Glocke 2 oder Reformationsglocke bezeichnet wird, stammt aus dem Jahr 1931 und wurde bei Kurtz in Stuttgart gegossen. Ihr Durchmesser beträgt 185 cm, ihr Gewicht 4.301 kg.
  • Gloriosa: Mit 199,5 cm Durchmesser und einem Gewicht von 4.912 kg ist die 1956 bei Kurtz in Stuttgart hergestellte Gloriosa oder Glocke 1 die größte und schwerste und mit der Stimmung as0 zugleich auch die am tiefsten klingende Glocke des Ulmer Münsters. Sie wird jedes Jahr am 17. Dezember um 19.15 Uhr zur Erinnerung an den Luftangriff auf die Stadt Ulm im Jahr 1944 15 Minuten lang geläutet.

Das Geläut ist in dieser Form an Silvester um 24 Uhr, am Karsamstag um 20.00 Uhr, am Ostersonntag um 5.30 Uhr bzw. um 6.00 Uhr, zu den Hauptgottesdiensten am Ostersonntag und Pfingstsonntag sowie am Ende der Schlussfeier des Württembergischen Landesposaunentags zu hören.

Die folgenden beiden Glocken können ebenfalls geläutet werden, sind aber nicht Teil des Fest- bzw. Hauptgeläuts:

  • Schwörglocke: Die 3.500 kg schwere Schwörglocke mit der Bezeichnung Glocke 10 hat einen Durchmesser von 164 cm und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Diese auf c1 gestimmte Glocke wird mit einem Hanfseil geläutet und erklingt nur einmal jährlich am Schwörmontag, während der Oberbürgermeister einen Eid auf den großen Schwörbrief von 1397, eine Art Verfassung der Stadt Ulm, ablegt.
  • Leichenglocke: im Jahr 1678 wurde die Leichenglocke oder Glocke 4 bei der Firma Ernst in Lindau gegossen. Sie wiegt 1.750 kg bei einem Durchmesser von 142 cm und besitzt den Nominalton des1.

Außerdem befinden sich im Münsterturm drei weitere Glocken aus den Jahren 1440, 1606 und 1751, die nicht geläutet, sondern nur mit einem Hammer angeschlagen werden können:

  • Stundenschlagglocke: Die Stundenschlagglocke ist auf g1 gestimmt.

Anlässlich des 41. Württembergischen Landesposaunentags 2006, bei dem das Läuten der Glocken wegen Sanierungsarbeiten am Glockenstuhl sowie an einigen Glocken nicht möglich war, komponierte Hans-Peter Braun das Musikstück "Ulmer Festgeläut für Blechbläser" für vier achtstimmige Chöre, in dem das Glockenläuten durch Blechbläser nachgeahmt wird.

Verwendung des Münsters für Firmenzeichen und Firmennamen


Ulmer_Münster_Magirus-Deutz_Logo.jpg | Deutz_AG_Logo.JPG Der in Ulm ansässige Feuerwehrausrüster und Fahrzeugbauer Magirus (der heute IVECO Magirus heißt) machte das Ulmer Münster 1917 zum zentralen Bestandteil seines Markenzeichens (vgl. Bild). Nachdem dieses anno 1925 neu gestaltet wurde, zeigte es aber nur noch die stilisierte Spitze des Münsters über einem "M" für Magirus. Nach der Übernahme von Magirus durch Humboldt-Deutz schmückte die neue Fassung dann die Lastwagen der Marke Magirus-Deutz (vgl. Bild links), die das Markenzeichen mit der Spitze des Ulmer Münsters in über 100 Länder der Welt verbreiteten. Nach der Eingliederung von Magirus-Deutz in IVECO verschwand es von den Lastwagen, wurde aber zum Firmenzeichen der heutigen Deutz AG (vgl. Bild rechts). Die alte Fassung des Magirus-Firmenzeichens von 1917, die noch das ganze Ulmer Münster zeigt, lebt heute im Signet des Oldtimerclub Magirus IVECO e. V. fort (vgl. Bild), der sich um den Erhalt historischer Nutzfahrzeuge von Magirus, Magirus-Deutz und IVECO kümmert.

Namensgebend war das Ulmer Münster für die Ulmer Münster Brauerei, die von 1908 bis 2002 in nur 2 Kilometer Entfernung von dem Gotteshaus Ulmer Münster Bier herstellte.

Siehe auch


Literatur


  • Elmar Schmitt, Adolf Silberberger: Das Ulmer Münster in Vergangenheit und Gegenwart. Konrad, 1989 ISBN 387437288X

Weblinks


Ulm | Wahrzeichen | Kirchengebäude in Baden-Württemberg | Gotisches Bauwerk | Weltrekorde | Architekturikone

Catedral d'Ulm | Ulm Münster | Cathédrale d'Ulm | Munster van Ulm | Catedral de Ulm

 

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