Die Ulanen waren eine leichte, mit Lanzen, Säbeln und Pistolen bewaffnete ursprünglich polnische Kavalleriegattung. Sie wurden später mit den Husaren als die leichte Reiterei bezeichnet und auch in den Kavallerien anderer Länder verwendet.
Wortbedeutung
Das Wort "Ulanen" kommt wahrscheinlich von dem türkischen Wort "oglan" (Bedeutung: junger Mann). Eine andere Erklärung lautet, dass das Wort "Ulanen" von "
Alanen" komme. In
Polen wird behauptet, das
Wort "oglan" komme aus der mongolischen
Sprache und bedeute in etwa "tapferer
Krieger".
Ulanen waren später sehr leicht an ihrer typischen viereckigen Kopfbedeckung, der Tschapka (von polnisch "Czapka" also "Mütze"), später "Rogatywka" genannt (also etwa "Eckenmütze"), die noch heute in verschiedenen modernisierten Formen die Mütze der polnischen Landstreitkräfte ist und von der Kopfbedeckung in der Volkstracht(Krakowiak) der Gegend von Krakau stammt, zu erkennen. Die Truppen waren mit Säbeln, Pistolen, Gewehr und Lanzen (mit Fähnchen in Regimentsfarben und Eisenspitze) bewaffnet.
Ulani RB3.jpg
Polen
Man führt die Entstehung der Ulanen-Einheiten auf die Traditionen der Mongolen und Tataren zurück, die sich im Großfürstentum
Litauen, also im späteren Osten der polnischen Adelsrepublik ab dem 14. Jahrhundert niederließen. Die ersten auch wirklich so benannten Ulanenregimenter sind im frühen 18. Jahrhundert in Polen anzutreffen. Der letzte polnische König
Stanisław Poniatowski stellte sogar als königliche Garde ein Ulanen-Regiment auf. Unter Napoleon dienten (mit großen Erfolg) einige polnische Freiwilligen-Ulanen-Regimenter und haben so diese Kavalleriegattung europaweit bekannt gemacht. Daraufhin wurden ähnliche Formationen auch in England, Frankreich, Italien, Spanien und sogar einigen südamerikanischen Staaten aufgestellt.
In der in Österreich formierten polnischen Brigade des (späteren) polnischen Marschall Pilsudski hat ebenfalls eine Ulanen-Formation gedient und sie war es auch, die als erste das russische Teilungsgebiet im Zuge der Kriegshandlungen des Ersten Weltkrieges 1914 betreten hat. 1918 wurden in Polen wieder Ulaneneinheiten aufgestellt. Ihre Bewaffnung bestand aus Gewehren, Säbeln und Lanzen, bald wurden auch Maschinengewehre mitgeführt. Im polnisch-sowjetischen Krieg 1919-1921 schlugen polnische Ulanen-Verbände die vorrückende sowjetische Kavallerie-Armee von Budjonny.
Bis 1939 wurden in Polen insgesamt 40 Kavallerie-Regimenter aufgestellt, von denen zwar nur 27 Ulanen hiessen, die Unterschiede bestanden jedoch v.a. in unterschiedlichen Uniformen und Traditionen. Die Pferde wurden zu dem Zeitpunkt v.a. als Transportmittel eingesetzt und nicht für Reitereiattacken auf deutsche Panzer - diese wurden eher von deutscher Propaganda erfunden und sind ein Mythos! 1959 wurde im polnischen Film "Lotna" der Kampf der Ulanen gegen die Wehrmacht vom polnischen Filmemacher Andrzej Wajda verfilmt. Gelegentliche berittene Attacken auf deutsche Infanterie ergaben sich nur zufällig und wurden dann auch meist erfolgreich durchgeführt. Die Heimatarmee setze nach 1939 ihren Widerstand gegen die Deutschen mit nur noch wenigen kleinen Ulanen-Einheiten, die sich gut in Wäldern bewegen konnten, fort. 1943 wurden von den Sowjets noch 3 polnische Ulanen Regimenter aufgestellt.
1949 wurden die Ulanen als Kampfeinheiten in Polen endgültig abgeschafft. Im Jahr 2000 wurde eine kleine, reine Parade-Einheit wieder aufgestellt um alte Traditionen aufrecht zu halten.
Preußen
Bis zum
Ersten Weltkrieg wurde der Begriff auch für bestimmte Regimenter der preußischen
Kavallerie verwendet.
Friedrich der Große führte die Lanzenreiter 1741 in seine Kavallerie als Antwort auf die Erfolge von ungarischen Panduren und polnischen Reitern in sächsischem Dienste, die es im Österreichischen Erbfolgekrieg seinen Truppen schwer machten, ein. Mit Deserteuren (unter ihnen Bosnier und Kosaken) und Angehörigen des niedrigen polnischen Adels wurden Schwadronen leichter Kavallerie gebildet, die mit langen Lanzen bewaffnet als Späh- und Stoßtrupps gegen den Feind eingesetzt wurden. Ganz der Mode dieser Zeit gemäß gingen die Neuankömmlinge gekleidet in exotischen Uniformen mit Turbanen, Kaftans und weiten türkischen Hosen.
Ulan.BY.png, 1866, Zigarettensammelbild der 30er Jahre (20 Jhdt.). Gut zu erkennen die Tschapka und im HG die bewimpelten Lanzen.]]
Auch in Preußen und später im Deutschen Kaiserreich bildete man seit 1807 Ulanenregimenter, wobei sie hier jedoch zur schweren Kavallerie gezählt wurden. Im Jahre 1884 erneuerte man die Bewaffnung, indem man die Lanzen durch Karabiner als Hauptbewaffnung ersetzte. Die Lanze selbst blieb im Gebrauch und wurde sogar im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts allen deutschen Kavallerieregimentern zugeteilt. Beinahe alle Ulanenregimenter Europas trugen bis in den Ersten Weltkrieg die typische viereckige Mütze.
Österreich
1772 stellten die Polen (im österreichischen Teilungsgebiet), unter der Anordnung des österreichischen Kaisers
Joseph II., einen
Uhlanen-Pulk auf (
Pulk heißt auf polnisch auch 'Regiment'). Dieser bestand aus 300
Adligen ("Towarzysz", zu deutsch "Genosse") und 300 Untertanen ("Pocztowy", also "Begleiter"). Als am
1. November 1791 der
Türkenkrieg beendet wurde, gründete man das erste Ulanen-Regiment.
Bis zum Anfang des
19. Jahrhunderts wurde eine große Menge österreichischer Ulanen-Regimenter aufgestellt, und bis
1851 durch die Auflösung einiger
Husaren und
Chevaulegers-Regimenter weiter verstärkt. Aus allen Gebieten des österreichischen Kaiserreichs kamen nun Soldaten um diesen Einheiten beizutreten, die meisten stammten jedoch aus
Galizien und
Kroatien-
Slawonien. Später wurde allerdings die Lanze abgeschafft, die Bezeichnung als Ulanen blieb erhalten.
Russland
Auch Russland stellte Ulanenregimenter auf, von denen jedoch Ende des 19. Jahrhunderts nur noch zwei (Garde) übrig geblieben waren. Die "gemeine" Kavallerie bestand nur noch aus Dragonern, als leichte Lanzenreiter wurden
Kosaken eingesetzt.
Frankreich
Erst unter
Napoléon Bonaparte wurden in Frankreich wieder Ulanen aufgestellt, und zwar als Kavallerie der polnischen
Weichsellegion in französischen Diensten. Als Napoleon 1806 nach der Befreiung Polens in Warschau einzog, stellten polnische Adelige eine berittene Ehrengarde, deren tadellose Haltung den Kaiser so beeindruckte, dass er die Errichtung eines polnischen Chevaulegers-Regiments für seine Alte Garde befahl. Erst 1809 erhielt das Regiment Lanzen, nachdem es bereits bei Wagram spontan erbeutete österreichische Lanzen gegen deren Vorbesitzer eingesetzt hatte. Die Bezeichnung wurde in chevauleger-lanciers geändert. 1810 trat ein 2. Garde-Regiment hinzu, dass aus den Gardehusaren des aufgelösten Königreichs Holland gebildet wurde. 1812 wurde aus Polen und Litauern ein 3. Regiment aufgestellt, dass jedoch noch im gleichen Jahr in Russland völlig aufgerieben wurde. 1811 wandelte man sechs Regimenter Dragoner zu
chevauleger-lanciers der Linienkavallerie um, die Kavallerie der Weichsellegion wurde zum 7. und 8. Linienregiment, das 9. bildete man aus norddeutschen Kavallerieeinheiten. Bei der ersten Abdankung Napoleons begleitete eine Schwadron ponischer Gardeulanen den Kaiser als einzige Kavallerieinheit nach Elba, die polnischen und deutschen Regimenter wurden aufgelöst. 1815 wurde die Schwadron aus Elba mit dem holländischen Regiment vereinigt und kämpfte bei Waterloo. Unter der 2. Restauration bestanden 4 (?) Linienregimenter und eines der Garde, die jedoch nur mehr lanciers hießen. Nach dem Untergang des Zweiten Kaiserreiches im
Deutsch-Französischen Krieges von
1870/
1871 wurden diese Kavalleriegattung beim Wiederaufbau des Heeres in Frankreich nicht mehr aufgestellt.
Großbritannien
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In der
britischen Armee wurden Ulanen als
Lancers bezeichnet und vor allem im 19. Jahrhundert auf fast allen Kriegschauplätzen des britischen
Empire eingesetzt. Der Angriff der
21. Lancers in der
Schlacht von Omdurman gilt als eine der letzten frontalen
Kavallerieattacken der
Weltgeschichte.
Heute gibt es in Großbritannien noch zwei Lancer-Regimenter, die 9th/12th Royal Lancers und die Queen's Royal Lancers. Beide Einheiten sind heute mit leichten Panzern ausgestattet und fungieren als Aufklärungseinheiten.
Auflösung
Als die Kavallerie nach dem Ersten Weltkrieg stark an Bedeutung verlor, wurden die Regimenter in Preußen und in
Österreich größtenteils aufgelöst. In
Polen waren die Ulanen noch bis zum Ende des
Zweiten Weltkrieges aktiv (siehe oben).
Siehe auch: Ulanka – Chevauleger – Towarczys-Regiment – Volontaires de Saxe – Zum österreichischen Schützenpanzer Ulan siehe Ascod