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Die uigurische Sprache oder besser neu-uigurische Sprache beziehungsweise neu-uighurische Sprache ist jene Variante einer östlichen Turksprache, die im sogenannten Ost-Turkestan, d. h. im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang der Volksrepublik China, beheimatet ist.

Die Eigenbezeichnung sind Yйғур тили, Yйғурчә (kyrillisch), Uyƣurqə oder Uyƣur tili; Chinesisch: 维吾尔语 Wéiwú'ěryǔ). In der turkologischen Forschung in der Türkei wird die Sprache „uigurisches Türkisch“ (Uyğur Türkçesi) genannt. Im 9. Jahrhundert wurde die Sprache der Uiguren als Turki („Türkisch“) bezeichnet und in dieser Sprache sind zahlreiche Denkmäler überliefert.

Die uigurische Sprache ist heute zu den östlichen Turksprachen zu zählen. Sprachgeschichtlich gehörte sie als Teil der ogurischen Sprachgruppe zu den westlichen Turksprachen.

Die usbekische Sprache gilt als Schwestersprache, beide werden den Turksprachen zugeordnet. Vorläufer ist das Tschagataiische.

Uigurisch wird heute mit einem modifizierten persisch-arabischen Alphabet geschrieben.

Sprecherzahl und Dialekte


Die neu-uigurische Sprache ist die Muttersprache von rund 7,6 Millionen Menschen. 1990 gaben bei der chinesischen Volkszählung über 7,214 Millionen Menschen Uigurisch als Muttersprache an; davon im Sinkiang-Uigur allein 4,7 Millionen. 1,15 Millionen gaben Hotan, 25.000 Yuli, 2.000 Akto-Türkmenisch und rund 120 Ili-Türkisch als Muttersprache an. Die uigurische Sprache zerfällt bis heute in zahlreiche Dialekte, die mit Ausnahme des „Dolan-Dialektes“ und des „Ili-Türkischen“ nach den Hauptorten ihrer Sprecher benannt sind: Kashi (Kaschgar), Yeni (Yengisar), Shache (Yarkant), Hotan (Chotan), Keriya (Yutian), Qarqan (Qiemo), Aksu, Karaxahr (Karaschahr), Kuqa (Kutscha), Turpan (Turfan), Hami (Kumul), Ürümqi (Urumtschi), Yuli (Lop Nur), Dolan, Ili-Türki (Kuldscha, Yining, Tarantschi) und Akto Türkmen.

  • Der Dolan-Dialekt wird in den Oasengebieten rund um das Tarimbecken bzw. der Takla-Makan-Wüste gesprochen.
  • Das Ili-Türkische ist als Übergangsdialekt zwischen Tschagataiisch und Kyptschak-Usbekisch anzusiedeln. Es stammt aus dem usbekisch-kirgisischen Grenzgebiet des Ferganatales und wird nur noch von meist älteren Personen gesprochen. Die Sprachträger kamen vor rund 200 Jahren nach Ost-Turkestan.
  • Das Akto-Turkmenische gilt als ein besonderer uigurischer Dialekt, der 500 eigenständige Wörter besitzt. Auch besitzen die Akto-Turkmenen eigenständige Sitten und Gebräuche; ihrer Herkunftssage nach stammen sie aus Samarkand. Die Akto-Turkmenen siedeln in 2 Dörfern (Kösarap und Oytak). Die nächste größere Ortschaft ist Akto, südlich von Kaschgar.
(Offiziell werden die Akto-Turkmenen von der chinesischen Zentralregierung den Kirgisen zugerechnet, während diese sich selbst den Uiguren zugehörig fühlen.)

Starke uigurische Minderheiten in den Nachbarländern: Kasachstan (185.301), Kirgisistan (36.779) und Usbekistan (33.762). Kleinere Minderheiten (3.000 Uiguren) lebten 1990 in Afghanistan, Pakistan, Indien, 1.000 in der Mongolei und 500 in der Türkei.

Das Neu-Uigurische ist – obschon von manchen türkischen Historikern und von heutigen Sprachträgern behauptet – nicht als direkte Fortsetzung des Alt-Uyghurischen anzusehen. Vielmehr wurde der Name Uygur auf einem Kongress der Turkvölker Turkestans in West-Turkestan (Taschkent) angenommen und auf einen großen Bevölkerungsteil des östlichen Turkestan übertragen.

Wortschatz


Der uigurische Wortschatz beruht auf einem türkischen Stamm, enthält aber wie das Usbekische eine große Anzahl an persischen Lehnwörtern. Viele Internationalismen hat die Sprache zudem aus dem Russischen übernommen. Mittlerweile gibt es auch Lehnwörter aus dem Chinesischen.

Alphabete


Uigurisch wurde zunächst in persisch-arabischer Schrift geschrieben. In Sinkiang-Uigur wurde in den 1920er bis 1940er Jahren mit lateinischen und kyrillischen Alphabeten experimentiert. 1969 wurden für mehrere Turksprachen in China Lateinschriften eingeführt, die vor allem an die Pinyin-Transkription für das Chinesische angelehnt waren (z. B. x für q für [ʧ), so auch für das Uigurische. 1987 wurde diese Lateinschrift abgeschafft und wieder ein arabisch-persisches Alphabet eingeführt, in dem jedoch im Gegensatz zur alten Rechtschreibung alle Vokale durch diakritische Zeichen klar unterschieden werden.

In der nachstehenden Tabelle sind werden folgende Schreibweisen verglichen: heutiges (arabisch-persisches) Alphabet, Lateinschrift 19691987, Entsprechung in türkischer Rechtschreibung und internationale Lautschrift. Die Reihenfolge der Buchstaben ist die des heutigen Alphabets.

Gegenüberstellung der uigurischen Alphabete
Arabisch Latein Türkisch IPA Arabisch Latein Türkisch IPA
ئا A a a a ق Ķķ ? q
ئه Əə ? æ ك K k k k
ب B b b b ڭ ng ng ŋ
پ P p p p گ G g g g
ت T t t t ل L l l l
ج J j c ʤ م M m m m
چ Q q ç ʧ ن N n n n
خ H h ? x ه Ḥḥ h h
د D d d d ئو O o o o
ر R r r r ئۇ U u u u
ز Z z z z ئۆ Ɵɵ ö œ
ژ Ȥȥ j ʒ ئۈ Ü ü ü y
س S s s s ۋ V v v v
ش X x ş ʃ ئې E e e e
غ Ƣƣ ğ ɣ ئى I i i i
ف F f f f ي Y y y j
Die in der Tabelle fett dargestellten Zeichen sind nicht in Unicode enthalten. (ķ und sollten eigentlich ein Häkchen wie ȥ haben.) In an das Türkische angelehnten Schreibweisen gibt bei einigen Lauten keine einheitlichen Schreibweisen, da diese im Türkischen nicht unterschieden werden (ئا-ئه, خ-ه, ك-ق).

Der Language Code für Uigurisch nach ISO 639 ist ug bzw. uig.

Literatur


  • Hǝnzuqǝ-Uyƣurqǝ Luƣǝt, sinak nus’hisi / Han Wei cidian, shibian ben 汉维词典, 试编本 (Chinesisch-Uigurisches Wörterbuch, Versuchsausgabe). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1974. 4+52+1.190 Seiten.
  • Wei Han cidian 维汉词典 / Uyƣurqǝ-Hǝnzuqǝ Luƣǝt (Uigurisch-Chinesisches Wörterbuch). Hg. von der 新疆大学中国语文系 Xinjiang daxue Zhongguo yuwenxi (Fakultät für Sprache und Schrift Chinas der Xinjiang-Universität). 新疆人民出版社 Xinjiang renmin chubanshe (Xinjiang Volksverlag). 乌鲁木齐 Ürümqi 1982. 6+8+798 Seiten.

Weblinks


Turksprache | Einzelsprache | Sprache (China)

Uigur | Uyghur language | Ouïgour | ウイグル語 | 维吾尔语 | Uygurca

 

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