Die Furtwanger Uhrmacherschule ist die älteste derartige Schule in Deutschland. Noch heute werden hier Uhrmacher ausgebildet.
Gründung
Im Jahr 1850 wollte die Regierung des
Großherzogtum Baden dem „Armenhaus“ im hohen
Schwarzwald unter die Arme greifen. Heut würde man das
Strukturförderung nennen. Da es im Schwarzwald rund um
Furtwangen viele Bauern (in den langen Wintern) und Handwerker gab, die sich als
Uhrmacher betätigten, sollte durch eine bessere Ausbildung deren Absatzchancen auf dem Markt verbessert werden.
Beauftragt von der Regierung in Karlsruhe gründete dann 1850 der junge Ingenieur
Robert Gerwig in Furtwangen die erste deutsche Uhrmacherschule.
Das Uhrenmuseum entsteht
Bereits nach zwei Jahren 1852 begründete
Robert Gerwig an der Schule eine Lehrsammlung mit Uhren, wozu er in einem Aufruf in der ganzen Region Uhren sammelte. Aus dieser Sammlung, die bald öffentlich zugänglich gemacht wurde, entwickelte sich dann das
Deutsche Uhrenmuseum, das heute die größte deutsche Uhrensammlung darstellt. Das Uhrenmuseum ist Teil der Fachhochschule Furtwangen und damit ein direkter Nachfolger der Uhrmacherschule (siehe unten).
Die Kuckucksuhr
Aus der Uhrmacherschule stammt auch die
Schwarzwälder Kuckucksuhr in der heutigen Form. Die Idee zur Kuckucksuhr stammte aus der direkten Umgebung von
Furtwangen (aus
Schönwald oder
Neukirch), wo seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Uhren (oft bemalte
Lackschilder-Uhren) mit einem Kuckucksruf gebaut wurden. Um der Uhrenproduktion in und um Furtwangen zu mehr Absatz zu verhelfen, veranstaltete Schulleiter
Robert Gerwig 1852 einen Wettbewerb: er rief die „vaterländischen Künstler“ im ganzen
Großherzogtum Baden auf, einen Entwurf für ein neues Uhrengehäuse für die Kuckucksuhr zu entwerfen.
Bahnhaeusle1854.jpg Architekt
Friedrich Eisenlohr reichte dann einen Entwurf ein, der sich an seinen Plänen für die Bahnwärterhäuschen der
Badischen Staatsbahn orientierte: Die so genannte Bahnhäusleuhr wurde zum Renner und zur Grundlage für alle Kuckucksuhren der letzten 150 Jahre: Das Häuschen blieb fast unverändert, geändert hat sich nur das Dekor. So wurde Furtwangen und die umliegende Orte durch die Uhrmacherschule bis heute zum Zentrum für die Produktion der „original Schwarzwälder Kuckucksuhr“.
Weitere Entwicklung
Mit einigem Auf und Ab entwickelte sich die Schule immer weiter. ein paar Jahre war sie sogar geschlossen, da sich die Situation in der Uhrmacherei verbessert hatte. Ende des 19. Jahrhunderts begann man neben der Uhrmacherei auch
Elektromechanik und
Feinmechanik zu unterrichten. In den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts kam noch die
Funktechnik dazu. Die Schule trug somit wesentlich dazu bei, dass sich die Industrie in Furtwangen mit entsprechend qualifizierten Facharbeitern weiterentwickeln konnte.
Teilung der Schule
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Uhrmacherschule in zwei Zweige aufgeteilt. Beide Zweige lassen sich damit direkt auf die Uhrmacherschule von Robert Gerwig 1850 zurückführen.
Die Fachhochschule
Der eine Zweig war die Ingenieurschule. Hier spielte von der Uhrmacherei kommend natürlich die Feinmechanik eine wesentliche Rolle. Die Ingenieurschule entwickelte sich dann weiter zur
Fachhochschule Furtwangen, die heute Hochschule Furtwangen University (HFU) heißt, einer der führenden deutschen Hochschulen.
Die Berufsfachschule
Der zweite Zweig war eine Berufsfachschule, die sich dann zu einem beruflichen Schulzentrum weiterentwickelte, der Robert-Gerwig-Schule. Hier finden sich gewerbliche und wirtschaftliche Schulzweige oder auch ein technisches und ein Wirtschafts-Gymnasium. Aber eben immer noch die Berufsfachschule, wo man im Vollzeitunterricht in rund drei Jahren die Ausbildung zum Uhrmacher machen kann. Weitere Ausbildungsberufe sind
Feinwerkmechaniker,
Systemelektroniker und
technischer Zeichner.
Siehe auch:
Weblinks
Handwerk | Sonstige Schule | Uhr | Furtwangen im Schwarzwald