Das Schulsystem der Vereinigten Staaten ist aufgrund der föderalistische Staatsform eine Angelegenheit der Bundesstaaten, so dass es im Schulwesen eine überaus große Vielfalt von Regelungen gibt. So beträgt die Schulpflicht je nach Bundesstaat zwischen neun und dreizehn Jahren. Grundlegende Entscheidungen werden lokal auf der Ebene der Schulbezirk gefällt, so dass selbst innerhalb der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel die Schulstufen von Ort zu Ort unterschiedlich gegliedert sind. Zusätzliche Vielfalt bzw. Komplexität verdankt das amerikanische Schulsystem der Tatsache, dass neben den staatlichen Schulen, Colleges und Universitäten ein sehr umfangreiches Netz privater Einrichtungen besteht.(Privatschulen)
Bundesstaaten mit abweichenden Regelungen:
Unter bestimmten Bedingungen kann der Schulbesuch durch Unschooling (vom Kind geleitetes Lernen) oder Hausunterricht (Homeschooling, Private Education) ersetzt werden.
Die Zulassung von Lehrern (Certification) ist hingegen eine Angelegenheit der Bundesstaaten.
Finanziert werden die Schulen aus den Steuern, die im Schulbezirk sowie im Bundesstaat als eine Art Grundsteuer erhoben werden (School Tax). Zusätzliche Zuschüsse erhalten sie aus den Steuereinkünften des Bundesstaates. Viele Schulen werben darüber hinaus in eigener Initiative private Drittmittel ein (Fundraising). Fundraising bietet z.B. die Möglichkeit, einer ganzen Klasse oder sogar einem ganzen Jahrgang für 1-2 Wochen eine besondere Klassenfahrt zu finanzieren. Die finanzielle Ausstattung der Schulen ist also etwas stärker vom Steueraufkommen des jeweiligen Schulbezirks abhängig als in Deutschland.
Das staatliche Schulsystem umfasst im Jahre 2005:
(In Klammern zum Vergleich die Zahlen der entsprechenden Privatschulen.)
Die Elementary Schools, die auch als Grade Schools oder Primary Schools bezeichnet werden, umfassen die Klassenstufen vom Kindergarten bis zur vierten, fünften oder sechsten Klasse (je nach Schulbezirk). In Schulbezirken, in denen keine Middle Schools und Junior High Schools vorhanden sind, reichen sie auch bis zur achten Klasse.
Die Klassengröße beträgt etwa 18 Kinder. Anders als in britischen Schulen, wo die Schüler pupils genannt werden, ist in den Vereinigten Staaten bereits von der Kindergartenstufe an die Bezeichnung students üblich. Das Lehrpersonal an amerikanischen Grundschulen ist, wie in vielen anderen Ländern, mehrheitlich weiblich. Der Klassenlehrer wird oft von einem Assistenten (Teacher Assistant) unterstützt. Daneben werden in allen Klassenstufen Fachlehrkräfte für Sport, Kunst- und Musikerziehung eingesetzt. Einen Unterrichtsschwerpunkt bilden regelmäßige Besuche der Schulbibliothek, in der ebenfalls eine Fachlehrkraft eingesetzt werden kann. Fremdsprachen werden an außerstädtischen, also eher ländlichen, amerikanischen Grundschulen in der Regel nicht unterrichtet, dafür wird jedoch bereits früh Instrumentalunterricht angeboten.
Versetzung (Graduation) von einer Klassenstufe (bzw. Schulstufe) zur nächsten erfolgt, wenn das Programm erfolgreich absolviert wurde, an manchen amerikanischen Schulen ohne weitere Prüfung. Alle Schüler müssen eine Hochschulaufnahmeprüfung bestehen, wenn sie eine Universität besuchen wollen, und in vielen Fällen werden zusätzlich zur Hochschuleaufnahmeprüfung einige Advanced Placement Prüfungen (vergleichbar mit dem und in vielen Fällen gleichwertig zum Abitur) belegt. Die Vorbereitungen auf solche Advanced Placement Tests sind Leistungskurse (AP courses genannt), die dem deutschen Leistungskurs entsprechen und in manchen Fällen überschreiten.
Der Schultag der Grundschüler hat unabhängig vom Alter der Kinder etwa 6 Stunden und schließt ein Mittagessen in der Schulkantine ein. Obwohl der Schultag damit kaum vor 15 Uhr endet, werden bereits von der ersten Klasse an jeden Tag Hausaufgaben erteilt.
Die Mehrzahl der Kinder benutzt den Schulbus. Das 1970 eingeführte Crosstown School Busing, bei dem Kinder mit dem Schulbus in andere Stadtteile gebracht wurden, um eine Isolierung afro-amerikanischer Kinder in rein afro-amerikanischen Schulen zu vermeiden, wurde nach und nach wieder abgeschafft und durch andere Maßnahmen ersetzt. Die Wahl der Schule ist heute frei, auch innerhalb des staatlichen Schulsystems.
Von allen amerikanischen Schultypen haben die Middle Schools gegenwärtig die höchsten Zuwachsraten.
Die High School ist eine Ganztagsschule mit Kurssystem, also ohne Klassenverbände.
Klassenstufen
In der High School werden die Klassen meist nicht mit Nummern bezeichnet, sondern den Schülern der einzelnen Klassenstufen werden Namen gegeben:
Es gibt folgende Collegetypen in den USA, wobei eine Hochschule auch mehrere davon vereinigen kann:
In den USA bestehen im Jahre 2005:
Die Entscheidung einer Bildungseinrichtung, sich den Namen "College" oder "University" zu geben, ist in jedem Fall vom jeweiligen Bundesland und der Akkreditierungsagentur gesetzlich geregelt. Der Begriff "Universität" suggeriert ein höheres Niveau von Bildung und ist damit prestigeträchtiger, aber tatsächlich gibt es in den Vereinigten Staaten viele Colleges, an denen hochkarätige Forschung betrieben wird und deren Absolventen dem hohen Prestige ihres Colleges bessere berufliche Startchancen verdanken als die Absolventen einer mittelmäßigen Universität.
Viele amerikanische Familien legen bereits bei der Geburt eines Kindes ein Ausbildungskonto (College Plan) an. Soziale Härten werden in vielen Fällen jedoch durch ein umfangreiches Netz von Stipendien (Grants, Tuition Waivers) und festverzinsten Darlehen abgefangen. BAFöG (Federal Student Aid) in den USA ist weit ausgeprägter und erreichbarer als in Deutschland, so dass manche Studenten eine teuere Ausbildung ausschließlich auf Kosten des Staates unternehmen können. Staatliche Zuschüsse ("Grants") müssen nie zurückgezahlt werden.
Alle öffentliche Universitäten in den Vereinigten Staaten werden staatlich unterstützt. "Tuition" beträgt etwa 20-30% der Gesamtkosten der Ausbildung. Den Rest trägt der Bundesstaat.
Zu unterscheiden sind zweijährige und vierjährige Schulen.
Die größte Gruppe unter den zweijährigen Undergraduate Schools bilden die in den meisten Städten vorhandenen Community Colleges, die staatlich gefördert werden und darum nur vergleichsweise geringe Studiengebühren erheben. Community Colleges bieten meist berufsbildende Programme und Abschlüsse wie ein "Certificate", ein "Diploma" oder ein "Associate Degree", wobei Associate-Programme als Vorstufe zum Besuch eines vierjährigen Colleges konzipiert sind. Viele Studenten wechseln nach dem Abschluss eines zweijährigen Programms als Quereinsteiger auf eine vierjährige Schule, die sie auch von Anfang an hätten besuchen können, jedoch bei deutlich höheren Studiengebühren und - wegen der meist größeren Entfernung zum Heimatort - auch Lebenshaltungskosten.
Anders als später an den Graduate Schools wird von den Undergraduate-Studenten erwartet, dass sie, um ihren geistigen Horizont zu erweitern, unabhängig von ihrem Berufswunsch zunächst Fächer aller Disziplinen studieren. So müssen Studenten vierjähriger Colleges sich erst nach einem Jahr für ein Hauptfach (Major) entscheiden.
Vierjährige Undergraduate Schools werden als Bachelor abgeschlossen. Eine Abschlussprüfung ("exit examination") gibt es an den zweijährigen Colleges nicht, aber an den vierjährigen Schulen doch, und die Absolventen müssen jedoch einen umfangreichen Katalog von Wahl- und Pflichtkursen absolviert haben und eine bestimmte Mindestdurchschnittsnote erreichen. Das Studium am College ist stärker strukturiert als an deutschen Universitäten.
Im ersten Jahr werden die Studierenden freshmen (inzwischen manchmal politisch korrekt first year students) genannt, im zweiten Jahr sophomores, im dritten juniors und im vierten seniors.
Das akademische Jahr gliedert sich in den USA je nach College in Semester, Trimester oder Quartale.
Graduate Schools umfassen zwei Ausbildungsstufen: Die erste Stufe führt nach einem meist zweijährigen Studium zum Master's Degree. Die zweite Stufe führt nach einem auf den Master's Degree aufbauendes drei- bis vierjährigen Studium zum Doktorat. Beide Stufen beinhalten ein umfangreiches Programm an Wahl- und Pflichtkursen. Die Kurse, die zur Anfertigung der Dissertation führen, sind forschungsintensiver als in Deutschland und bereiten die Studenten darauf vor, im Berufsleben als universitäre Lehrkräfte und vor allem Forscher zu arbeiten, die eine Reihe von Kursen unterrichten und konzipieren können. Die Anfertigung der schriftlichen wissenschaftlichen Abschlussarbeit (Dissertation) dauert zwei bis drei Jahre und darf erst nach erfolgreichem Bestehen einer ausführlichen Prüfung ("candidacy examination"), die das Allgemeinwissen im Hauptfach sowie den Schwerpunkt des Promovierenden testet, angefangen werden. Die Anfertigung der Dissertation wird ständig von einer Promotionskommission beobachtet. Dies schließt Plagiat in den meisten Fällen aus. Es wird in der Regel mehr Druck gesetzt als im deutschsprachigen Raum. Der amerikanische Doktorgrad ist in jedem Fall gleichwertig zum deutschen und wird am Ende öffentlich verteidigt.
Der Master's Degree setzt - neben der Absolvierung des Studienprogramms und einer bestimmten Durchschnittsnote - meist eine schriftliche Prüfung, eine wissenschaftliche Arbeit (Thesis) und eine mündliche Verteidigung dieser Arbeit voraus. Diese akademischen Grade sind in den meisten Fällen dem deutschen Magister gleichwertig.
Direkt zum Doktorat (ohne die Zwischenstufe des Master's Degree) führen die Studiengänge einiger Graduate Professional Schools, v. a. an den spezialisierten Hochschulen für Recht und für Medizin. Diese Abschlüsse sind sogenannte Berufsdoktorate (First Professional Degrees).
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