Die 55. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 2. November 2004 statt. Wiedergewählt wurde George W. Bush, der damit 43. Präsident der USA bleibt.
Weitere weitgehend unbekannte Präsidentschaftskandidaten mit äußerst geringen Wahlchancen waren: Michael Badnarik (Libertarian Party), der liberale Umweltschützer und Kriegsgegner David Cobb (Green Party), der erzkonservative Rechtsanwalt Michael A. Peroutka (Constitution Party, früher US Taxpayer Party) und Walter F. Brown (Socialist Party).
Der Präsident der Vereinigten Staaten wird nicht direkt, sondern durch das Electoral College, einem aus 538 Wahlmännern bestehenden Gremium, gewählt. Die Wahlmänner werden von den Bundesstaaten entsandt und sind im Prinzip an die Entscheidung der Wähler des entsendenden Staats für einen der Kandidaten gebunden. Dieses Wahlsystem der indirekten Mehrheitswahl ist die Erklärung dafür, dass der Kandidat, der landesweit die meisten Wählerstimmen auf sich vereinigt, nicht unbedingt zum Präsidenten gewählt wird. Diese Konfiguration war bei den Präsidentschaftswahlen 2000 zugunsten des republikanischen Kandidaten Bush aufgetreten. Davor gab es dieses Phänomen zweimal: 1876 als sich Rutherford B. Hayes, Republican, gegen Samuel Tilden im Electoral College und 1888 als sich Benjamin Harrison, Republican, gegen den amtierenden Präsidenten Grover Cleveland durchsetzte. Cleveland siegte dann 1892 gegen Harrison und ist so der einzige US-Präsident mit zwei voneinander getrennten Amtszeiten. 1824 hatte John Quincy Adams, der erste Sohn, der seinem Vater, John Adams, 2. US-Präsident, 1797-1801, nachfolgte, weder die Popular Vote noch die Electoral Vote gewonnen; er siegte erst im Repräsentantenhaus.
Hätte Kerry in Ohio gesiegt, hätte sich das Phänomen zum Vorteil der Demokraten wiederholt. Für die Wahl zum Präsidenten benötigt ein Kandidat die absolute Mehrheit des Wahlmännerkollegiums, also mindestens 270 Stimmen (FAQ (englisch) zu Geschichte, Zusammensetzung und Verfahren des Kollegiums). Entschieden wurde die Wahl wie üblich in den so genannten Swing States - vor allem Florida, Ohio und New Mexico, die alle Bush für sich verbuchen konnte.
Seit dem so genannten Super Tuesday am 2. März 2004 galt seine Präsidentschaftskandidatur als sicher. Offiziell wurde der demokratische Kandidat auf einem nationalen Parteitag Ende Juli 2004 gekürt, allerdings war mit John Edwards am 3. März 2004 der letzte ernstzunehmende Mitbewerber aus dem Rennen um die Präsidentschaft ausgestiegen. Am 16. März 2004 erreichte Kerry ein weiteres Etappenziel. Nach einem Sieg bei den Vorwahlen im Bundesstaat Illinois verfügte er über mehr als die rechnerisch benötigten 2.162 Delegiertenstimmen für die Ernennung auf dem Konvent seiner Partei im Juli.
Die Republikanische Partei hielt dieses Jahr keine Vorwahlen ab, da nur George W. Bush als Kandidat antrat.
Am Morgen des 6. Juli 2004 nominiert Kerry seinen Rivalen aus den Vorrunden Edwards als Vizepräsident der USA ("running mate"). Edwards habe "den Mut, die Entschlossenheit und die Begabung für das Amt", erklärte Kerry. Dieser strategische Schachzug soll dem Bush-Herausforderer Stimmen in den Südstaaten sichern, denen große Bedeutung für den Wahlausgang zukommt.
Auch die ersten gegenseitigen Anschuldigungen ließen nicht lange auf sich warten. Am 8. März 2004 warf Bush Kerry auf einer Wahlkampftour in Texas unverantwortliches Handeln vor. Der Senator habe sich vor zehn Jahren für massive Einschnitte im Geheimdienstbudget eingesetzt. Kerry, ebenfalls in Texas auf Wählersuche, griff Bush im Gegenzug wegen einer seiner Ansicht nach rücksichtslosen Außenpolitik an.
Bis Juni 2004 war der Wahlkampf durch den andauernden Konflikt im Irak und vor allem durch die Bilder über von US-Armeeangehörigen misshandelte Häftlinge in irakischen Gefängnissen geprägt. War vor dem Wahlkampf die Außenpolitik die Stärke und die Wirtschaftspolitik die Schwäche der Regierung von George W. Bush, so stellte sich das Mitte des Jahres 2004 genau andersherum dar.
Neben Bush und Kerry haben auch der unabhängige Kandidat Ralph Nader sowie Kandidaten von Splitterparteien teilgenommen. Bei den letzten Wahlen hatte die Kandidatur des „grünen“ Nader maßgeblich zur Niederlage von Al Gore beigetragen. Eine Umfrage vom 7. März 2004 in Florida sah Kerry mit 49 Prozent deutlich vor Bush, der 43 Prozent erhalten würde. Nader war mit 3% weit abgeschlagen. Im Schlüsselstaat Ohio trat Nader - vermutlich mit Rücksicht auf den wie prognostiziert knappen Ausgang - nicht an.
Am 19. November 2004 wurde die erste wissenschaftliche Analyse bezüglich der elektronischen Wahlmaschinen im Staat Florida durch die Universität Berkeley veröffentlicht. Dabei wurden die Veränderungen der Wahlergebnisse von 2000 nach 2004 einer statistischen Regressionsanalyse unterworfen und dabei auch sozioökonomische und demographische Faktoren berücksichtigt. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz der elektronischen Wahlmaschinen einen statistisch signifikanten Effekt zu Gunsten von Bush hatte. Anders ausgedrückt, hat Bush gerade in den Bezirken überproportional hinzugewonnen, in denen elektronisch gewählt wurde. Die Art des Wahlmediums sollte normalerweise keinerlei Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Die Studie lässt die Gründe für diese Unregelmäßigkeiten offen und beschränkt sich auf die reine Analyse der Ergebnisse. Den Resultaten dieser Untersuchung widersprechen jedoch Politikwissenschaftler, etwa des MIT, deren Beobachtungen ergeben, dass Bushs landesweite Stimmengewinne unabhängig von der Art des Wahlmediums waren; zwischen früheren Abstimmungen und der aktuellen Wahl bestehen demnach keine auffälligen statistischen Unterschiede. Zudem weist die Studie methodische Mängel auf: So wurden von vornherein nur Faktoren einbezogen, mit denen sich ein Zusammenhang zwischen Bushs Wahlsieg und elektronischen Wahlmaschinen herstellen lässt (etwa der Umstand, dass wohlhabendere Wahlbezirke sich eher teure elektronische Wahlmaschinen leisten können und deren Einwohner zugleich politisch den Republikanern näherstehen), während externe Parameter ignoriert wurden, zum Beispiel die Anzahl der Wahlkampfauftritte der Kandidaten in den jeweiligen Bezirken oder der Anteil der protestantischen Wähler.
Weiter werfen Kritiker und Beobachter den US-Behörden massive Wahlmanipulation mittels bürokratischer Schikanen, schwer durchschaubarer Wahlmodalitäten und -unterlagen wie bei der Briefwahl und durch Einschüchterung von Wählern vor, die dem politischen Establishment ablehnend gegenüber stehen. Wahlbeobachter der OSZE konnten aber keinerlei planmäßige Unregelmäßigkeiten erkennen.
Zudem traten bereits im Vorfeld der Wahlen massive Spekulationen über die Zuverlässigkeit der eingesetzten elektronischen Wahlmaschinen auf, die nach dem Debakel im Zusammenhang mit der notwendig gewordenen manuellen Neu-Auszählung der Stimmen aus Florida bei der letzten Wahl eigens angeschafft worden waren. Nach Presseberichten soll der Inhaber des beauftragten Unternehmens sich als starker Befürworter des amtierenden Präsidenten geäußert haben und wolle (Zitat): "...alles, was in seiner Macht steht tun, um die Wiederwahl des Präsidenten zu ermöglichen." Daneben tauchten im Internet bereits Monate vor der Wahl interne Sicherheitsprotokolle der Herstellerfirma auf, die belegten, wie unsicher die interne Programmierung der Wahlmaschinen gewesen sei. Infolge dessen hat der Staat Florida für neue Wahlmaschinen auf einen anderen Hersteller zurückgegriffen, um den Verdacht des Wahlbetrugs zu zerstreuen.
Insgesamt, so die Einschätzung der Schweizer Nationalrätin Barbara Haering, welche die OSZE-Delegation zur Wahlbeobachtung leitete, "scheinen die Stimmabgabe und die Auszählung der Stimmen ordnungsgemäß abgelaufen zu sein, obwohl unseren Beobachtern aufgrund fehlender bundes- oder einzelstaatlicher Regelungen nicht in allen Bundesstaaten der Zugang zu den Wahllokalen möglich war" Die OSZE-Delegation (unter anderem auch durch Rita Süßmuth repräsentiert) betrachtete die Wahlen als ordnungsgemäß. Sie berichtete, dass der Wahlverlauf "eine lange demokratische Tradition" widerspiegele und "geordnet und friedlich" von sich gegangen sei. Kritik wurde an langen Warteschlangen vor einigen Wahllokalen geäußert.
Michael Moore engagierte sich in dieser Hinsicht mit einigen Tausend Helfern und konnte keine eklatanten Sachverhalte zur Kenntnis bringen. Eine Woche nach der Wahl erhob der demokratische Kandidat für das US-Repräsentantenhaus, Jeff Fisher, massive Betrugsvorwürfe. Seiner Aussage nach verfügt er über Belege, die nachweisen, dass die Wahlautomaten in Florida manipuliert und Wahlergebnisse gezielt verändert worden seien. Er stützt seine Angaben mit starken Diskrepanzen beim Vergleich von Statistiken über Parteiregistrierungen und der Stimmenauszählung in Bezirken, in denen Stimmen eingescannt wurden. Fisher erklärte, seine Vorwürfe dem FBI gegenüber belegen und eine Untersuchung erzwingen zu wollen. (Quelle}
Kritiker dieser Betrugstheorien weisen auf mehrere Aspekte hin:
- | Präsidentschafts-Kandidat | Wahlmänner | - | George W. Bush | 286 | - | John Kerry | 252 | - | Ralph Nader | 0 |
|---|
Da Ohio mit seinen 20 Wahlmännern der letzte noch nicht vollständig ausgezählte Bundesstaat war, konzentrierte sich zuletzt die Frage nach der Präsidentenwahl auf den Entscheid in diesem Staat. Florida, das an Bush ging und in dem nach der Wahl Unregelmäßigkeiten bei der elektronischen Stimmenauszählung vermutet werden (2004_U.S._Election_controversies_and_irregularities), wirkt mit seinen 27 Wahlmännern ebenso wahlentscheidend für beide Kandidaten.
Obwohl die genaue Feststellung der letztlich gültigen Stimmen aufgrund von sogenannten „vorläufigen“ und Briefwahlstimmen im noch bedeutenden Staat Ohio andauern wird, hat der demokratische Herausforderer Kerry am 3. November 2004 um 16 Uhr MEZ telefonisch seine Niederlage gegenüber Amtsinhaber Bush erklärt und ihm zum Wahlsieg gratuliert. Bush habe Kerry als harten und ehrenhaften Opponenten gewürdigt. Beide sollen bedauert haben, dass das Land „zu sehr gespalten“ sei.
Die Ergebnisse der einzelnen Bundesstaaten gliedern sich wie folgt (Angaben in Prozent, in der Reihenfolge des Wahlerfolges für den Amtsinhaber, gerundet, Quelle hier):
- | Bundesstaat | Bush | Kerry | Sonst | - | Utah | 71 | 27 | 2 | - | Wyoming | 69 | 29 | 2 | - | Idaho | 68 | 30 | 2 | - | Nebraska | 66 | 32 | 1 | - | Oklahoma | 66 | 34 | 0 | - | North Dakota | 63 | 35 | 2 | Alabama | 62 | 37 | 1 | - | Alaska | 62 | 35 | 3 | - | Kansas | 62 | 36 | 1 | - | Texas | 61 | 38 | 1 | - | Indiana | 60 | 39 | 1 | - | Kentucky | 60 | 40 | 0 | - | South Dakota | 60 | 38 | 2 | - | Georgia | 59 | 40 | 1 | - | Mississippi | 59 | 40 | 1 | - | South Carolina | 58 | 41 | 1 | - | Louisiana | 57 | 42 | 1 | - | Tennessee | 57 | 43 | 0 | - | North Carolina | 56 | 43 | 0 | - | West Virginia | 56 | 43 | 1 | - | Arizona | 55 | 45 | 0 | - | Montana | 55 | 43 | 1 | - | Arkansas | 54 | 45 | 1 | - | Virginia | 54 | 46 | 0 | - | Colorado | 53 | 46 | 1 | - | Missouri | 53 | 46 | 0 | - | Florida | 52 | 47 | 1 | - | Nevada | 51 | 48 | 1 | - | Ohio | 51 | 49 | 1 | - | Iowa | 50 | 49 | 1 | - | New Mexico | 50 | 48 | 1 | - | Wisconsin | 49 | 50 | 1 | - | New Hampshire | 49 | 51 | 0 | - | Michigan | 48 | 51 | 1 | - | Minnesota | 48 | 51 | 0 | - | Oregon | 47 | 52 | 1 | - | Pennsylvania | 47 | 51 | 1 | - | Delaware | 46 | 53 | 1 | - | New Jersey | 46 | 53 | 1 | - | Washington | 46 | 52 | 1 | - | Maine | 45 | 53 | 1 | - | Hawaii | 45 | 54 | 0 | - | Connecticut | 44 | 54 | 2 | - | Illinois | 44 | 55 | 1 | - | Kalifornien | 44 | 54 | 1 | - | Maryland | 43 | 56 | 1 | - | New York | 41 | 58 | 2 | - | Rhode Island | 39 | 60 | 1 | - | Vermont | 39 | 60 | 2 | - | Massachusetts | 36 | 62 | 1 | - | Washington D.C. | 9 | 89 | 1 | - | Gesamt | 51 | 48 | 1 |
|---|
In absoluten Zahlen hat der Amtsinhaber George W. Bush ca. 3,5 Millionen Stimmen mehr als sein Herausforderer erzielt und damit die meisten Stimmen aller US-Präsidenten in der Geschichte. Zum ersten Mal seit 1988 erlangte der Sieger der Präsidentenwahl zudem gleichermaßen die absolute Mehrheit der Wahlmänner- als auch der Wählerstimmen. Wie bei vergangenen Präsidentenwahlen waren die jeweils erfolgreichsten Staaten für die Kontrahenten der Regierungsbezirk des neuen und alten Amtsinhabers selbst, also District of Columbia, in dem Herausforderer Kerry von 89% der Bevölkerung gewählt wurde, sowie Utah (der mit 71% der Stimmen für Bush erfolgreichste Staat), der zu 60% von extrem konservativ lebenden Mormonen mit hohem Anteil an landwirtschaftlicher Bevölkerung und dem weltgrößten Kupfertagebau dominiert wird. Auch in den Bundesstaaten, in denen die Terroranschläge des 11. September ihre stärksten Spuren hinterlassen haben (New York, Pennsylvania, Washington D.C.), ist kein grundsätzlicher politischer Umschwung in Richtung konservativer Werteordnung festzustellen; wie bei vergangenen Wahlen blieben die republikanischen dominierten Staaten im Herzen der USA trotz teilweise erlittener Arbeitsplatzverluste und hoher Staatsverschuldung während der ersten Amtszeit von George W. Bush bei ihrer Haltung gegen das politische Konzept des Herausforderers.
Das britische Boulevardblatt "Daily Mirror" fragte sich in sicher nicht ganz neutralem Tenor auf dem Titel der am 04.11. erschienenen Ausgabe: „Wie können 59.054.087 Menschen nur so blöd sein?“ (Weitere Pressekommentare hier). Im Konkurrenzblatt "The Daily Telegraph" erschien eine Replik auf die Polemik des "Daily Mirror".
Präsidentschaftswahl 2004 (Vereinigte Staaten)
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