Für andere Bedeutungen siehe U-Boot (Begriffsklärung).
Ein U-Boot (kurz für Unterseeboot; im militärischen Sprachgebrauch Uboot ohne Bindestrich) ist ein Boot, das für die Unterwasserfahrt gebaut wurde. Moderne große U-Boote, die eine Größe von bis zu 35.000 Tonnen haben können, werden auch U-Schiffe genannt.
Der Begriff U-Boot bezeichnet speziell militärische Unterwassereinheiten. Zivile U-Boote, ob kommerziell oder für die Forschung, werden meist Tauchboote genannt. Auch die im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gekommenen U-Boote werden zur Unterscheidung gegenüber den heutigen U-Booten, die monatelang unter Wasser bleiben können, in der Fachliteratur eher als Tauchboote bezeichnet, da sie im Unterwassereinsatz wenig leistungsfähig waren (zu kurze Tauchzeiten und zu geringe Tauchtiefen) und somit hauptsächlich aufgetaucht zum Einsatz kamen.
Der Wunsch des Menschen, länger und tiefer als es die Atemluft zulässt zu tauchen, ist etwa genauso alt wie der Wunsch zu fliegen. Deswegen beschäftigten sich schon immer Menschen damit, entsprechende Vorrichtungen oder Instrumente zu entwickeln, die dies ermöglichen sollten. Aus der Antike liegen diesbezüglich Berichte von Aristoteles und Plinius dem Älteren vor. Selbst Alexander der Große soll bereits Tauchversuche im Mittelmeer unternommen haben. Das bekannteste und auch heute noch verbreitetste „Instrument“ dafür ist ein Schnorchel in der „richtigen“ Länge, da das Tauchen mit einem zu langen Schnorchel (> 30 cm) lebensgefährlich wird. Das liegt daran, dass bei zu langem Schnorchel das in ihm enthaltene Luftvolumen nicht mehr deutlich kleiner ist als der menschliche Lungeninhalt und so mit wachsender Länge des Schnorchels immer mehr verbrauchte Luft eingeatmet wird - man spricht von so genannter „Pendelluft“. Ebenfalls sehr alt sind Gewichtsgürtel, die es vor allem gut trainierten Tauchern (z. B. Schwamm- oder Perlentaucher) erleichterten, länger unter Wasser zu bleiben, ohne ständig gegen den kraftraubenden Auftrieb ankämpfen zu müssen.
Insgesamt ermöglicht somit der technische Fortschritt der Industrialisierung den Wandel des U-Bootes zu einem vor allem für die militärische Seefahrt interessanten und brauchbaren Fahrzeug.
Der Amerikaner Robert Fulton entwirft 1801 das U-Boot Nautilus. Es besitzt einen Handkurbelantrieb für eine Schraube, neu allerdings sind nun Ruder zur Seiten- und Tiefensteuerung sowie ein Druckluftsystem zur Versorgung der dreiköpfigen Besatzung mit Atemluft. Die Nautilus' erregt sogar die Aufmerksamkeit Napoleons, gilt aber schließlich für militärische Einsätze als zu langsam.
1850 lässt der bayerische Artillerie-Unteroffizier Wilhelm Bauer das erste in Deutschland gebaute U-Boot, den so genannten Brandtaucher, zu Wasser. Da der Entwurf unter enormem Kostendruck gebaut wurde, wird sowohl auf Tauchzellen als auch auf verschiebbare Trimmgewichte verzichtet. Der Tauchvorgang soll durch das Fluten von Wasser in das Boot erfolgen. Beim ersten Tauchversuch am 1. Februar 1851 in der Kieler Innenförde verschiebt sich jedoch der Ballast nach achtern, wobei das geflutete Wasser ebenfalls ins Heck fließt. Das Boot sackt daraufhin durch und weiteres Wasser dringt durch die Nähte der Außenhaut und das Einstiegsluk. Das Boot sinkt bis auf den Grund bei ca. 20 Metern Wassertiefe. Die dreiköpfige Besatzung, unter ihnen Wilhelm Bauer, wartet bis der Innendruck so groß ist wie der Außendruck, öffnet das Einstiegsluk und treibt an die Oberfläche, wo sie gerettet werden. Der verunglückte Brandtaucher wird erst Jahre später (1887) geborgen. Nach verschiedenen Museums-Stationen hat das älteste erhaltene Tauchboot der Welt nun seine Heimat im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Eine Kopie des Modells steht im Deutschen Museum für Technik in München.
Ictineo_II.jpg Am 2. Oktober 1864 wird von Narcís Monturiol mit der Ictineo II das erste U-Boot mit einem maschinellen Antrieb zu Wasser gelassen. Das Boot besteht aus Holz – verstärkt durch Kupferzargen - und ist komplett mit ca. 2 mm dicken Kupferplatten beschlagen. Es wird durch einen Magnesiumperoxid, Zink und Kaliumchlorat verarbeitenden Motor angetrieben.
Während des amerikanischen Bürgerkrieges werden mehrere handgetriebene U-Boote gebaut, u. a. die C.S.S. H. L. Hunley. Am 17. Februar 1864 versenkt sie das gegnerische Schiff USS Housatonic und gilt somit als erstes U-Boot der Welt, welches ein anderes Schiff zerstört hat. Bei dieser Aktion geht das U-Boot allerdings mitsamt seiner neunköpfigen Besatzung verloren. Erst am 4. Mai 1995 wird die Hunley gefunden und geborgen.
Eine weitere Konstruktion aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stellt der Sub Marine Explorer von Julius Kröhl dar. Er besaß zwei Ausstiegsluken für die Taucher und ein System von Presslufttanks und Ballastkammern, die einen Druckausgleich ermöglichten. Am 30. Mai 1866 erfolgte der erste erfolgreiche Tauchgang dieses U-Bootes in einem New Yorker Hafenbecken. Danach wurde es in Einzelteile zerlegt und nach Panama verschifft, wo Kröhl nach Perlen und Perlmuttmuscheln tauchte, aber bereits 1867 genauso wie die gesamte Mannschaft vermutlich an der Taucherkrankeit verstarb. 2006 wurde das Schiff wieder entdeckt. Es lag vor der Küste Panamas auf Grund und konnte bei Ebbe zu Fuß erreicht werden. Einheimischen war dieses Wrack schon seit Jahren bekannt, wurde von diesen jedoch für ein zerstörtes, japanisches U-Boot aus dem Pazifikkrieg gehalten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnen sich auch internationale Marinen für U-Boote zu interessieren. Die Marineministerien vieler Länder, vornehmlich von Spanien, Frankreich und den USA, schreiben Wettbewerbe für U-Boote aus und ließen sich Erfindungen und Entwicklungen vorführen. 1886 stellt die spanische Marine ein von einem Marineoffizier namens Isaac Peral entworfenes elektrisch betriebenes U-Boot namens Peral in Dienst, kann jedoch die primitive Akkumulatortechnik nicht weiterentwickeln. Ab 1888 werden in Frankreich U-Boote gebaut und in den Dienst der Marine gestellt. Dupuy de Lôme und Gustave Zédé entwickeln zunächst ein batteriebetriebenes U-Boot namens Gymnote, welches in Toulon gebaut wurde. Dort entstehen in der Folgezeit weitere und größere Boote: Die 48,5 m lange Sirene, 1892 gefolgt von einem 36,5 m langen Boot namens Morse. Beide Boote sind ebenfalls batteriegetrieben und mit primitiven Whitehead-Torpedos bewaffnet. Den größten Schritt tut das französische Marineministerium mit der von Maxime Laubeuf entwickelten Narval, die 1899 gebaut wird. Sie hat bereits einen Dampfantrieb, der bei der Überwasserfahrt die Batterien auflädt. Dieses Boot wird zur Grundlage der Sirene-Klasse, von der ab 1900 vier Exemplare in den Dienst der französischen Marine gestellt werden.
In den USA leistet der emigrierte Ire John Philip Holland Pionierarbeit. Zunächst konstruiert er ab 1879 vier U-Boote für die Fenian United Brotherhood, die mit dieser neuartigen Unterwasserwaffe die Royal Navy bezwingen und Irland zur Unabhängigkeit verhelfen will. Hollands Boote werden bereits bei der Überwasserfahrt von einem Ottomotor angetrieben. 1888 schreibt die US Navy einen Wettbewerb für U-Boot-Konstruktionen aus, den Holland gewinnt. Wegen finanzieller Probleme kann die Navy Holland erst ab 1895 Geld zum Bau eines Prototypen übermitteln. So entsteht zunächst 1897 die 40 m lange Plunger (auch als Holland V bezeichnet), die jedoch wegen der hoch gesteckten Ziele der Navy zahlreiche technische Mängel vor allem in der Antriebstechnik aufweist. Hollands nächste Konstruktion, die mit 25,4 m deutlich kleinere Holland VI, kann jedoch 1898 die Navy so sehr begeistern, dass ab 1900 die ersten sechs Boote der ähnlich konstruierten Adder-Klasse gebaut werden. Die anderen Marinen, vor allem die Royal Navy, stehen der schnellen Entwicklung von U-Booten allerdings kritisch gegenüber und verweigern sich zunächst dem U-Bootbau.
U_16.jpg Im Jahr 1902 wird schließlich in Deutschland ein Prototyp eines 200-Tonnen schweren Experimental-U-Boots namens Forelle gebaut und intensiv getestet. Das kleine U-Boot stellt sich als durchaus interessant und kriegstauglich heraus, und drei weitere Boote der gleichen Klasse werden für den Export nach Russland angefertigt. Nun wird in Deutschland über den Einsatz militärischer U-Boote nachgedacht, und schließlich erteilt nach langem Zögern am 4. April 1904 das Reichsmarineamt dem Marineingenieur Gustav Berling den Auftrag ein U-Boot zur Seekriegsführung zu konstruieren und zu bauen. Berling wendet sich daraufhin an die Germaniawerft in Kiel. Sein Entwurf lehnt sich dabei an die drei zuvor an Russland exportierte U-Boote an. Da es allerdings einige bedeutsame Änderungen bei der Konstruktion gibt, verzögert sich die Auslieferung des U-Boots, und erst im April 1905 wird mit dem Bau begonnen. Die wesentlichen Neuerungen betreffen hauptsächlich den Druckkörper, die horizontale Anordnung der Torpedorohre sowie den Antrieb, da man anstatt eines gefährlichen Benzinmotors einen Petroleumantrieb einsetzen möchte, der aber noch nicht fertig gebaut ist. Schließlich wird am 14. Dezember 1906 nach mehreren Testfahrten das erste deutsche Militär-U-Boot von der Kaiserlichen Deutschen Marine als U1 in Dienst gestellt. Heute befindet sich U1 im Deutschen Museum in München.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs (1914-1918) werden U-Boote erstmals im größeren Umfang zu Handels- (Handels-U-Boot) oder militärischen Zwecken eingesetzt. Vor allem bei der Kaiserlichen Deutschen Marine, aber auch bei der britischen Marine. Zahlreiche Schiffe werden durch U-Boot-Angriffe versenkt. Besonders spektakulär ist die Versenkung des zum Munitionstransporter umgebauten britischen Passagierdampfers Lusitania am 7. Mai 1915. Es wird bis heute angenommen, dass die zahlreichen dabei ums Leben gekommenen amerikanischen Passagiere ein Grund für den Kriegseintritt der USA 1917 waren. Nach Ende des Ersten Weltkrieges verlangsamt sich die Entwicklung militärischer U-Boote, da sich diese insgesamt als wirtschaftlich zu teuer und militärisch zu unrentabel erwiesen hatten. Doch mit der Weiterentwicklung der Technik, die vor allem längere Tauchfahrten ermöglichen, beginnt Anfang der 30er Jahre die erneute Aufrüstung.
U-995 Marineehrenmal Laboe.jpg / Typ VII C – der meistgebaute Typ im 2. Weltkrieg]]
Erst im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) können die U-Boote sich als überzeugende und wirksame Waffe beweisen. Obschon mehrere der kriegsführenden Nationen über U-Boote verfügten, ist die Zeit des 2. Weltkrieges hauptsächlich durch die Geschichte der deutschen U-Boote geprägt. Das liegt hauptsächlich daran, dass der deutschen Überwasseraufrüstung nach Ende des 1. Weltkrieges durch den Versailler Vertrag eine Schranke gesetzt wurde. Daher sah sich die Führung der Deutschen Kriegsmarine zu Kriegsbeginn einer recht starken feindlichen Flotte gegenüber, da Großbritannien und Frankreich als Garantiemächte Polens auftraten, und hoffte mit den relativ billig herzustellenden U-Booten maximale Versenkungserfolge zu erzielen. Die Hauptbedrohung durch die U-Boote war der Handelskrieg – die Unterbrechung wichtiger Handelsrouten – mit dem Ziel, Großbritannien als Inselstaat von dringend benötigten Rohstoffen abzuschneiden. Den Angriff auf Überwasserschiffe erschwerte den U-Booten vor Allem ihre relativ geringe Geschwindigkeit, insbesondere unter Wasser war diese stark herabgesetzt, da hier mit batteriegespeistem Elektroantrieb operiert wurde. Obgleich sowohl durch ihre technischen Grenzen wie niedrige Geschwindigkeit und gegenüber den taktischen Erfordernissen zu geringe Tauchzeit, als auch ihrer geringen Anzahl zu Beginn des 2. Weltrieges, war die Ubootwaffe Anfangs sehr erfolgreich. Der alliierten Handelsschifffahrt konnten direkt nach Kriegsbeginn empfindliche Verluste beigebracht werden. Diese Erfolge überzeugten den ursprünglich skeptischen Hitler, einem verstärkten U-Boot-Bauprogramm zuzustimmen. Mehr und mehr U-Boote wurden in Dienst gestellt und ihre Anzahl näherte sich der Grundforderung des B. d. U. (Befehlshaber der Uboote) Karl Dönitz nach 300 Booten. Von den Erfolgreichensten (den „Assen“) unter den Kommandanten wurden teilweise enorme Versenkungsziffern erzielt. Einer der bekanntesten deutschen U-Boot-Kommandanten war Günther Prien, der 1939 als Kommandant von U 47 in die Bucht von Scapa Flow, dem Stützpunkt der englischen Heimatflotte (Home Fleet), eindrang und dort ein Schlachtschiff, die HMS Royal Oak versenkte. Es sei angemerkt, dass es sich mehr um eine propagandistisch motivierte Operation handelte, denn um eine militärisch sonderlich bedeutsame. Nach den anfänglichen Erfolgen spürte die britische Wirtschaft schnell die Auswirkungen der vielen tausend Tonnen versenkten Schiffsraumes und es wurden umfangreiche Gegenmaßnahmen, zum einen taktischer/logistischer Art als auch rein technischer eingeleitet: Heikendorfubootehrenmal.jpg bei Kiel (Schleswig-Holstein)]]
Durch die allmählichen Erfolge der alliierten Maßnahmen und zunehmender Verluste auf Seiten der Deutschen, verschob sich das Gleichgewicht alsbald und die deutsche U-Boot-Waffe konnte immer weniger mit dem technischen Fortschritt der Alliierten Schritt halten und sah sich immer mehr in die Defensive gedrängt und zum Reagieren auf den zunehmenden technischen Vorsprung des Gegners anstatt zum offensiven Agieren gezwungen.
Die Methoden und technischen Verbesserungen, mit denen die deutsche U-Boot-Waffe die Vorherrschaft im Atlantik zuzück zu gewinnen versuchte, waren:
Die Entwicklung der o. g. Technik zog sich teilweise bis zum Kriegsende hin, insbesondere das Walter-U-Boot kam niemals über ein Prototypenstadium hinaus wurde aber nach dem Krieg hauptsächlich von den Amerikanern fertigentwickelt und galt bis zur Einsatzfähigkeit des Atomantriebes als Technologieführer. Als die drei bedeutendsten deutschen U-Boot-Kommandanten im März 1941 fielen (Schepke, Prien) bzw. in Gefangenschaft gerieten (Kretschmer), waren die sogenannten "1. Goldenen Zeiten" vorbei. Die Wende im U-Boot-Krieg trat im Frühjahr 1943 nach dem "Crescendo", den Geleitzugschlachten an den Konvois SC122 und HX229 ein – der schwarze Mai. Dönitz brach den U-Boot-Krieg im Atlantik zeitweise ab und fortan gehörten die U-Boote zu den Gejagten.
Einen aussichtsreichen Versuch, das Heft wieder in die Hand zu bekommen, stellte die Entwicklung und Fertigung der sog. „Elektroboote“ der Typen XXI und XXIII dar. Sie waren der damaligen Zeit weit voraus - wurden auch in nicht geringer Zahl gebaut, kamen aber durch das Ende des Krieges nicht mehr oder nur sporadisch zum Einsatz.
Die Verluste aus dem U-Boot-Krieg sind enorm. Von den 41.300 Mann der deutschen U-Boot-Truppe sterben bis zum Ende des Krieges 28.728 Mann in den „Eisernen Särgen“. Dies ist die höchste Verlustrate aller Waffengattungen.
Statistik:
Atlantik / Mittelmeer
U-Boote unterscheiden sich durch einige Besonderheiten von gewöhnlichen Schiffen: Sie schwimmen nicht nur (an der Wasseroberfläche), sondern schweben im Wasser (Tauchfahrt). Bei Tauchfahrt, dem Hauptanwendungsgebiet, sollte ihre gesamte Masse gleich der des verdrängten Wassers sein (Verdrängungsmasse; siehe auch Archimedisches Prinzip).
Dieser Zustand wird allerdings nie genau erreicht. Einerseits wirken sich selbst kleinste Unterschiede zwischen der U-Boot-Masse und der des verdrängten Wassers aus. Andererseits verändert sich die Dichte des umgebenden Wassers laufend durch Änderungen des Salzgehaltes, der Menge von Schwebestoffen (Plankton) und der Temperatur des Wassers. Das U-Boot hat also immer eine, wenn auch geringe, Tendenz zu steigen oder zu fallen (Auftrieb / Abtrieb). Diese „Kunst“ des Einsteuerns (zufluten oder lenzen von Wasser in die Reglertanks zum Herstellen des Schwebezustands) oblag dem LI (leitender Ingenieur). Ein Rechenbeispiel:
Die ersten Unterwasserfahrzeuge aus dem 15. bis 18. Jahrhundert waren nahezu ausnahmslos aus Holz und wurden – wenn überhaupt – nur durch Eisenzargen oder Nägel zusammengehalten. Oftmals wurden die Boote so gefertigt, dass man sinnbildlich auf ein normales Holzboot ein anderes Holzboot kielaufwärts montierte. In der Regel wurden die Holzspanten solcher Unterwasserfahrzeuge durch Pech versiegelt und zusätzlich mit einer Haut aus Leder zur Abdichtung komplett überzogen. Bei diesen „U-Booten“ handelte es sich meist um so genannte „Einhüllenboote“, bei denen die Tauchzellen innerhalb des Druckkörpers angebracht waren. Da die Zellen mit dem Außenwasser in Verbindung standen, mussten auch sie druckfest gebaut werden bzw. entsprechende Pumpen vorhanden sein. Erst als es Mitte des 19. Jahrhunderts technisch gelang, die Antriebsschraube sowie die Steuerruder derart an den Rumpf anzubringen, dass die Fahrzeuge autark fortbewegt und gesteuert werden konnten, ohne an der Oberfläche von einem Begleitfahrzeug gezogen zu werden, veränderte sich auch die Bauweise des Rumpfes. Nun wurden die Konstruktionen der Hüllen vermehrt durch Metalleinsätze verstärkt, und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten U-Boote mit einem kompletten Eisenrumpf gebaut. Aus dem Streben nach guter Seetauglichkeit bei Überwasserfahrt sowie dem Einsatz von U-Booten aus Eisen entstand schließlich das „Zweihüllenboot“, bei dem die zunächst bootsähnlichen Tauchzellen um den zylindrischen Druckkörper herumgelegt wurden. Das Boot erhielt damit eine zweite Hülle. Da diese im Tauchzustand innen wie außen unter gleichem Druck stand, brauchte sie nicht besonders stark zu sein. Den durch Brennstoffverbrauch bedingten Gewichtsveränderungen begegnete man dadurch, dass das Treiböl in nicht druckfesten, unten offenen Bunkern auf Seewasser schwimmend gefahren wird.
Mit der nach bzw. während des Zweiten Weltkrieges zunehmenden technischen Entwicklung verschwand nach und nach der Überwasseraspekt des U-Bootes. Das Zweihüllenboot erhielt zunächst eine hydrodynamisch saubere, geglättete Form, und amerikanische Entwicklungen rund um das Versuchs-U-Boot Albacore führten schließlich zur heute überwiegend gebauten Tropfenform. Submarine.arp.300pix.jpg, ein Boot der Los-Angeles-Klasse, in der Sudabucht auf Kreta]] Die Druckkörper moderner militärischer U-Boote halten normalerweise einem Wasserdruck von 600 Meter stand (zum Beispiel Bild U-Boot Los Angeles Klasse). In Anbetracht der Größe der Ozeane bedeutet dies, dass sie eigentlich nur knapp unter der Wasseroberfläche operieren können. Einige sowjetische Atom-U-Boote besitzen Druckkörper aus Titan und sind in der Lage, ca. 900 Meter tief zu tauchen. U-Schiffe des Typs Alfa kommen angeblich sogar unter 1.200 Meter. Spezielle zivile Tiefsee-U-Boote sowie Bathyscaphen sind in der Lage, jeden Punkt des Meeresbodens zu erreichen.
Bei modernen Booten werden die Einbauten, etwa Mannschaftsunterkünfte, Kommandozentrale, Antrieb usw. zunehmend akustisch entkoppelt, d. h., mit passiver und aktiver Dämpfung und Zwischenträgern am Rumpf aufgehängt bzw. angebracht. Mehrere traditionelle Schiffsschrauben wurden durch eine einzige vielflügelige Sichelschraube bzw. eine Propeller-Düse ersetzt. Ziel ist eine weitergehende Minimierung der Schallemission an das umgebende Wasser und die Lautlosigkeit des Bootes, wodurch es quasi „unsichtbar“ wird (vergl. Stealth). Berichte über magnetohydrodynamische Antriebe ("Raupenantrieb" bzw. MHA-ähnliche Technik) dürften allerdings eher der Belletristik zuzuordnen sein.
U-Boot_SS_262_Kontrollraum.jpg]] U-Boote müssen in drei Dimensionen manövrieren können.
U-Boot_Maschinenraum.jpg Gewöhnliche Schiffsaggregate (Dieselmotoren, Gasturbinen) sind Verbrennungsmotoren und benötigen Luftsauerstoff für den Verbrennungsvorgang. Da im getauchten Zustand keine Luft zur Verfügung steht, kommen luftunabhängige Antriebe zur Anwendung.
pic00058.jpg in einer dänischen Werft]] Schallschatten U-Boot.png | JDS Oyashio (SS 590).jpg]] Viele Staaten besitzen militärische U-Boote, genaue Daten über die Zahlen sind jedoch oft geheim.
Die Stärke von U-Booten gegenüber Überwasserschiffen liegt darin, dass sie versteckt operieren und nur schwer entdeckt werden können.
Da U-Boote nicht optisch erfassbar sind, weil das Meer in größeren Tiefen dunkel ist und Radar unter Wasser nicht funktioniert, können sie auf größere Entfernungen nur akustisch lokalisiert werden, auf kurze Entfernungen auch durch die Erwärmung des Wassers durch den Antrieb oder eine Verzerrung des Magnetfeldes durch die Stahlhülle.
Deshalb wird bei der Konstruktion besonders darauf geachtet, dass ein U-Boot so leise wie möglich ist. Dies wird durch einen stromlinienförmigen Bootskörper und speziell geformte Schiffsschrauben ermöglicht.
Die ursprüngliche Aufgabe von U-Booten war es, Überwasserschiffe zu bekämpfen. In dieser Rolle erlangten die U-Boote in beiden Weltkriegen ihre Bedeutung. Mit Beginn des Nuklearzeitalters kamen zwei weitere Hauptaufgaben hinzu: Strategische U-Boote wurden mit nuklearen Raketen ausgerüstet und dienten der nuklearen Abschreckung. Sie bildeten einen Teil der so genannten Erstschlagkapazität, konnten aber auch zur Zweitschlagkapazität gerechnet werden, die einen gegnerischen Angriff auf das eigene Land überleben und für einen Gegenschlag bereitstehen sollten. Gleichzeitig wurden zur Jagd auf gegnerische strategische U-Boote spezielle Jagd-U-Boote entwickelt. Für beide Aufgaben verwendete man in erster Linie, aber nicht ausschließlich, atomgetriebene U-Boote. In jüngster Zeit wurden Jagd-U-Boote mit nicht-nuklearem, außenluftunabhängigem Antrieb entwickelt. Bei der deutschen Marine und einigen Verbündeten werden derzeit Boote mit dem in Deutschland entwickelten Brennstoffzellen-Antrieb beschafft. In der Deutschen Marine sind es die U-Boote der Klasse 212, die nach und nach in Dienst gestellt werden.
Neben diesen klassischen Aufgaben hat die Aufklärung mit U-Booten an Bedeutung gewonnen. Aufgrund ihrer Fähigkeit, ungesehen zu operieren und mit akustischen Sensoren sehr weit zu horchen, können U-Boote gerade in Szenarien unterhalb der Schwelle offener Konflikte wichtige Erkenntnisse sammeln. Eine weitere Sonderaufgabe ist der Einsatz von Kampfschwimmern vom U-Boot aus. Beide Aufgaben können von herkömmlichen oder speziellen U-Booten wahrgenommen werden.
Man kann unterschiedliche Typen von militärischen oder zivilen U-Booten unterscheiden, je nachdem welcher Zweck und welcher Auftrag dem jeweiligen U-Boot zukommt. Da U-Boote heute jedoch überwiegend militärisch eingesetzt werden, überwiegt in der nachfolgenden Liste der Anteil der diversen militärisch genutzten U-Boot-Typen:
Durch Kombinationen ergeben sich folgende Möglichkeiten:
Zur Orientierung kann, wenn das U-Boot knapp unter der Wasseroberfläche schwimmt, ein Periskop ausgefahren werden, mit dem die Umgebung über Wasser erkundet werden kann.
Unter Wasser kann ein U-Boot andere Schiffe nur akustisch lokalisieren. Dies kann passiv über Hydrophone (Unterwassermikrophone) oder aktiv über Sonar geschehen, wobei das U-Boot seine Position mit dem Sonar selbst verrät.
Passive Sonaranlagen können auch an mehreren hundert Meter langen Kabeln als so genanntes Schleppsonar (engl. Towed Array) hinter dem U-Boot hergezogen werden. Dies bringt einige Vor- aber auch Nachteile mit sich. So vergrößert sich die Sensibilität des passiven Sonars erheblich, da einerseits wesentlich mehr Hydrophone am Schleppkabel angebracht werden können, und andererseits der Abstand zum Antrieb des U-Bootes die Störgeräusche reduziert. Dies führt zu einer signifikant gesteigerten Empfindlichkeit, welche eine erhöhte Horch-Reichweite und Peilgenauigkeit gewährleistet. Ein Nachteil des Schleppsonars besteht in seiner Länge (manche bis über einen halben Kilometer lang) und seinem Gewicht. Die Manövrierfähigkeit des U-Bootes wird dadurch eingeschränkt und ebenfalls die Geschwindigkeit, wobei letzteres das geringere Problem ist, da das Schleppsonar sowieso nur in langsamer Fahrt oder Schleichfahrt angewendet wird. Die Einholdauer des Schleppsonars ist abhängig von der Länge des Kabels und kann durchaus länger als eine Minute dauern, was in kritischen Situationen aber schon zu „lange“ sein kann. Muss in einer Krisensituation schnell die Geschwindigkeit erhöht, ein enges Wendemanöver eingeleitet oder die Tauchtiefe rapide verändert werden, bleibt oftmals nichts anderes übrig, als das Schleppsonar zu kappen.
Neben der Dämpfung der Eigengeräusche kommen auch Maßnahmen zum Einsatz, welche die Ortung durch feindliches Sonar erschweren sollen. So dämpft eine Opanin-Hülle, eine ca. 4 mm dicke Gummibeschichtung, die Schallrückstrahlung im Frequenzband zwischen 10 und 18 kHz bis auf 15 %. Die Wirkung des Schutzmittels ist dabei stark abhängig von Salzgehalt, Luftgehalt und Temperatur des Wassers.
Gegen fliegende U-Boot-Jäger sind zwischenzeitlich torpedorohrgestartete Flugkörper in der Entwicklung bzw. im Einsatz, analog etwa zur früheren Flak. Über den möglichen zukünftigen Einsatz von „intelligenten“ Torpedos als weitreichende Minen, als selbstlaufende Störkörper, als Minenräum-, Kommunikations- bzw. Aufklärungsmittel kann ebenso nur spekuliert werden wie über den Einsatz raketengetriebener „Kavitationsblasentorpedos“ auch gegen gegnerische Torpedos.
Die Kommunikation mit getauchten U-Booten ist sehr problematisch. Ausschließlich die Supermächte verfügen über die Technologie, wenige Daten zwischen U-Booten und Flugzeugen über große Entfernungen auszutauschen, indem beide sehr lange Antennen hinter sich herziehen. Um große Datenmengen auszutauschen, sind U-Boote gezwungen, sich der Wasseroberfläche zu nähern und sie mit konventionellen Antennenmasten zu durchdringen. Dies wiederum erleichtert ihre Ortung. Versuche, das Kommunikationsproblem durch satellitengestützte Laser zu lösen, wurden wahrscheinlich nach dem Ende des Kalten Krieges aufgegeben. Mit einem getauchten U-Boot zu kommunizieren ist fast unmöglich, da nur extrem langwellige Radiosignale das Wasser durchdringen können. Die USA benutzen extrem leistungsstarke Längstwellensender mit Frequenzen um 20 kHz, um Nachrichten an getauchte Boote auszusenden. Die Datenrate ist extrem gering. Es können nur einige Zeichen pro Stunde übertragen werden. Meistens wird das U-Boot dadurch zum Abrufen von Nachrichten vom Satelliten aufgefordert. Längere Nachrichten an ein U-Boot werden auf einen Satelliten gespeichert und heruntergeladen (in Sekundenschnelle!), wenn das Boot knapp unter der Meeresoberfläche einen Antennendraht hinter sich herzieht. Ansonsten gibt es für ein getauchtes U-Boot noch die Möglichkeit, eine Funkboje mit der gespeicherten Nachricht aufsteigen zu lassen, die dann zum Beispiel an einen Satelliten gesendet wird. Das ist das übliche Verfahren bei Notsituationen, in denen das Boot auf den Meeresgrund gesunken ist und Hilfe von außen benötigt wird.
Über sehr kurze Entfernungen können akustische Unterwassertelefone (Gertrude) zum Einsatz kommen. Außerdem lassen sich Informationen durch Sonar in Form von Morse-Nachrichten austauschen. Bei zivilen Tauchbooten bietet es sich oft an, auf eine Kabelverbindung zurückzugreifen.
Torpedos sind die bekannteste Waffe militärischer U-Boote. Aus den Torpedorohren moderner U-Boote können aber auch Flugkörper gestartet werden. Das gängigste Prinzip hierbei ist es, einen Flugkörper, der auch von Überwasserschiffen gestartet werden kann, in einen zylindrischen Container zu verstauen. Dieser Container verlässt das U-Boot auf die gleiche Art und Weise wie ein Torpedo und durchstößt die Wasseroberfläche; danach gibt er den Flugkörper frei. Solche Flugkörper werden überwiegend gegen Schiffe eingesetzt.
Auch Marschflugkörper gegen Landziele können aus Torpedorohren gestartet werden. Allerdings werden sie überwiegend aus senkrechten Startschächten abgefeuert, um die Anzahl der mitgeführten Torpedos nicht reduzieren zu müssen.
Ballistische Flugkörper werden grundsätzlich aus senkrechten Schächten gestartet, da sie wesentlich größere Durchmesser als Torpedos haben.
Überwasserbewaffnung haben moderne U-Boote nicht oder kaum (verschiedene Flugabwehr-Raketenstarter z. B. zum Einbau in den Turm existieren), da sie ausschließlich unter der Wasseroberfläche operieren. Die Tatsache, dass sich U-Boote fast nicht gegen U-Jagd-Hubschrauber und -Flugzeuge (siehe ASW) verteidigen können, verlangt nach der Entwicklung von Flugabwehrwaffen, die von getauchten U-Booten aus einsetzbar sind. Einsatzbereite Technologien sind aber nicht bekannt.
Wie Katastrophen, wie bei der Thresher oder der Kursk, zeigen, kommt es immer wieder zu Unglücksfällen, selbst in Friedenszeiten. Um wenigstens die Besatzung zu retten, hat man verschiedene Rettungsmittel entwickelt:
Die Deutsche Marine als Teilstreitkraft der Bundeswehr verfügt – historisch bedingt – nur über U-Boote mit Diesel- und mit Brennstoffzellenantrieb, nicht jedoch über Atom-U-Boote. Da die Aufgaben der Deutschen Marine im NATO-Bündnis anfangs auf reine Küstenüberwachung festgelegt waren, und als Operationsfeld lediglich die „flache“ Ostsee sowie die Nordsee in Frage kamen, waren vor allem sehr kleine, leise und nicht für große Tiefen ausgelegte U-Boote relevant. Daher spielten während der Zeit des Ost-West-Konflikts die seinerzeit 24 U-Boote der Bundesmarine eine wichtige Rolle bei der Verteidigung der deutschen und dänischen Ostseeküste gegen amphibische Landungen der Marinen des Warschauer Pakts. Mit den veränderten politischen Verhältnissen haben sich jedoch auch die Aufgaben der Deutschen Marine verändert. Die neuen Boote mit Brennstoffzellenantrieb dienen vornehmlich der Bekämpfung anderer U-Boote und der unbemerkten Aufklärung und operieren je nach Bedarfsfall weltweit. Dennoch wurde bisher auf Atom-U-Boote zu Gunsten der Fortentwicklung der Brennstoffzellen-U-Boote verzichtet, da hiermit eine hochmoderne, wesentlich bessere und sicherere Technologie vorliegt. Die Kommandanten der deutschen U-Boote sind Korvettenkapitäne oder Kapitänleutnante.
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